Categories
BBD

Fähnlein im Wind.
Die Handelskammer verleugnet im Namen des Marketing erneut die Diversität unseres Landes

Wein.Wie die Tageszeitung in ihrer heutigen Ausgabe schreibt, war die Südtiroler Weinwirtschaft in Zusammenarbeit mit der Exportorganisation der Handelskammer (EOS) an der Londoner Fachmesse Wine+ präsent.

Offensichtlich geschah dies unter der ausschließlichen Benutzung des Slogans »Wine from A. Adige«* mit dem Zusatz »wines of the italian alps«. Die Tageszeitung »A. Adige« kann von einer »absolut« italienischen Präsentation berichten.

Es geht hier nicht um die Vorherrschaft einer Landessprache über die andere; selbst Südtirol präsentiert sich in England nicht auf Deutsch oder Italienisch, sondern eben auf Englisch. Vielmehr geht es um die — politische, gesellschaftliche, ja selbst vermarktungstechnische — Opportunität, sich offensiv als Teil Italiens zu vermarkten, und dabei die Besonderheit Südtirols zu opfern.

Zu den Hauptaufgaben der EOS zählt schließlich jene, Südtirol und seine Waren im Ausland zu positionieren.

Was bei der Dachmarke nicht sein durfte, wird nun also unter umgekehrten Vorzeichen Realität: Der Name Südtirol (South Tyrol, Südtirol/Sudtirolo, Südtirolo, Sudtirolo, Südtirol/A. Adige wären denkbare Alternativen) wird wie zu »schönen Zeiten« unter den Tisch gekehrt, und zwar zugunsten der Bezeichnung, die auch die Südtiroler Marketinggesellschaft am liebsten aus ihrem Wortschatz gestrichen hätte; »A. Adige« wird in keiner internationalen Kampagne der SMG benutzt. Auch die Wirkung der Dachmarke, der teuer finanzierten integrierten Südtirolwerbung, wird so bereitwillig zur Vortäuschung einer angeblich vollständigen Italianität unseres Landes geopfert.

Die Handelskammer erweist sich erneut als eine – mit öffentlichen Mitteln finanzierte – Organisation, die die politische und gesellschaftliche Sensibilität unseres mehrsprachigen Landes verachtet.

Zur Erinnerung: Die Handelskammer (zu der die EOS gehört) hatte im Jahr 2005 in der Person von Paul Zandanel eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie nicht weniger als eine endgültige Standortbestimmung für unser Land diktierte. Der Sukkus: »Südtirol ist nicht Tirol!«. In einer Mail an Herrn Zandanel hatte ich damals u. a. kommentiert:

Im Übrigen nenne ich das, was Sie betrieben haben kreative Geografie: Wenn Südtirol nicht Tirol ist, was ist es dann? Wie lange müssen wir auf eine Aussendung warten, die uns belehrt, daß Südafrika nicht Afrika, Nordzypern nicht Zypern und Lateinamerika nicht Amerika sei?

Siehe auch:

*) Auch hat sich mehrmals für die Überholung dieser offiziellen Landesbezeichnung zugunsten von Südtirol/Sudtirolo oder Südtirolo ausgesprochen.

Außendarstellung Landwirtschaft Medien Ortsnamen Wirtschaft+Finanzen | Italianizzazione Zitać | | AA TAZ | Südtirol/o | Handelskammer | Deutsch

4 replies on “Fähnlein im Wind.
Die Handelskammer verleugnet im Namen des Marketing erneut die Diversität unseres Landes

hallo

habe einige jahre in den USA gelebt. meiner erfahrung nach hat im anglophonen raum höchstens die geographische bezeichnung “south tyrol” einen gewissen (begrenzten) bekanntheitsgrat; dazu sind teilweise noch die “dolomites” ein begriff. “alto adige”, bzw. “südtirol” sind marketingstechnisch IMHO kaum zielführend, bzw. eher verwirrend. und die dahintersteckende politische kleinkrämerei ist den amis z.b. sowieso schwer vermittelbar

lg

Geradezu lustig, wie jetzt angesichts des bisher letzten italienischen Skandals (Velenitaly) versucht wird, das »eigenständige Profil des Südtiroler Weins« herbeizureden. Selten war ein Titel passender: Fähnlein im Wind. Schade nur um die vielen Euros, die man in die grünweißroten Kampagnen für den Südtiroler Wein gesteckt hat.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *