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Abbau von Krankenbetten.

Die während der letzten Tage angedrohte Schließung zweier Südtiroler Krankenhäuser (Innichen und Sterzing — Schlanders wäre zunächst nicht von der Maßnahme betroffen gewesen) durch die Regierung in Rom ist vorerst abgewendet. Das verdanken wir nicht unserer (inzwischen kannibalisierten) Autonomie, sondern der Tatsache, dass sich der Gesundheitsminister noch einmal gegen Regierungschef Monti durchsetzen konnte. Das heißt dann auch, dass das Damoklesschwert weiterhin über den beiden Einrichtungen schwebt und dass die Organisation des einheimischen Gesundheitswesens von den Launen Roms abhängt.

Die Tageszeitung la Repubblica berichtet in ihrer heutigen Ausgabe jedoch, dass das heute Nacht verabschiedete Sparpaket den Abbau von Krankenbetten vorschreibt. Alle Regionen und autonomen Länder müssen deren Anzahl auf 3,7 je 1.000 Einwohner reduzieren. Derzeit verfüge Südtirol jedoch über 4,4 Betten je 1.000 Einwohner, weshalb jetzt insgesamt 285 Betten abgebaut werden müssten — das sind mehr als 1/10 der bestehenden Anzahl. Südtirols Zuständigkeiten im Rahmen der Organisation des Gesundheitswesens wurden also einmal mehr übergangen.

Siehe auch:
Gesundheit Medien Service Public Staat vs Land Vorzeigeautonomie Zentralismus | | Mario Monti | la Repubblica | Südtirol/o | Sabes | Deutsch

24 replies on “Abbau von Krankenbetten.”

Wo sollte denn dann Deiner Ansicht nach gespart werden? Oder überhaupt nicht?

Sparen ist eine Sache, nur hat nicht Rom zu diktieren, wo und in welchem Ausmaß gespart werden muss. Eine halbwegs funktionierende Autonomie sollte auch eine völlige Finanzhoheit einschließen. Innerhalb dieser wäre dann das Südtiroler Parlament zuständig über die Ein- und Ausgaben zu bestimmen. Das was wir derzeit erleben ist eine Auschlachtung unserer Autonomie.

Es sei mir eine Ergänzung gestattet: Selbst ohne Finanzhoheit darf Rom nicht so weit gehen, Sparmaßnahmen im Widerspruch zu unseren autonomen Befugnissen durchzusetzen. Die Frage, wo wir allfällige Sparmaßnahmen ansetzen, welche die Zuständigkeiten des Landes betreffen, gehört m. E. schon heute in den Südtiroler Landtag.

An Karl-Heinz: Es geht in diesem Sinne nicht darum, ob der Krankenbettenabbau richtig oder falsch ist, sondern darum, dass diese Entscheidung nicht nach Rom gehört.

Das mit Eurer Autonomie ist ja schön und gut, nur seid Ihr doch besser mit Krankenhäusern versorgt als andere Teile Italiens. Dann wäre es doch ein Zeichen der Solidarität, etwas kürzer zu treten. Es müssen ja nicht medizinische Einrichtungen sein. Anders herum: wenn z.B. Fördermittel von Rom oder der EU fließen, lehnt die doch auch keiner in Bezug auf Autonomie ab, oder?

Anders herum: wenn z.B. Fördermittel von Rom oder der EU fließen, lehnt die doch auch keiner in Bezug auf Autonomie ab, oder?

Was bitteschön soll das denn nun heißen? Verzichten etwa Spanien oder Portugal aufgrund ihrer Souveränität auf EU-Gelder?

Wenn Südtirol für die Organsation des Gesundheitswesens zuständig ist, hat es auch nichts mit Solidarität zu tun, wenn man akzeptiert, dass Rom einfach drüberfährt und Krankenhäuser schließt.

Es müssen ja nicht medizinische Einrichtungen sein.

Hä? Wir reden doch über Krankenhäuser!

Nein, natürlich verzichtet keiner, wenn Geld in die eigene Tasche fließt. Auch dann nicht, wenn es außerhalb der eigenen „Souveränitätsgrenzen“ erwirtschaftet wird.
Nur, wenn man selber zahlen soll, sind die sehr wichtig.
Ihr sitzt eben z.B. mit dem Mezzogiorno in einem Boot, so wie ich mit Berlin.

Südtirol bekommt Geld, wenn es ihm rechtmäßig zusteht. Und nicht einmal dann können wir sicher sein.

Genauso soll Südtirol nur dann bezahlen, wenn es eine rechtliche Verpflichtung gibt. Und wenn, dann muss — wenigestens im Rahmen der autonomen Befugnisse — der Landtag entscheiden, wo der zu entrichtende Beitrag eingespart werden soll. Das dürfte wohl nicht so schwer zu verstehen sein.

Übrigens hatte die Landesregierung angeboten, den Staat durch die kostenlose Übernahme neuer Zuständigkeiten zu entlasten, damit der finanziellen Mehrbelastung zumindest auch ein ideeller und praktischer Vorteil für Südtirol entspricht. So wurde das auch im sogenannten Mailänder Abkommen zwischen Staat und Land beschlossen. Doch das ist leider nicht mehr erwünscht, denn der Staat will nicht nur Solidarität, sondern auch Macht.

und es ist ja auch nicht so, dass die eu-gelder an den bäumern wachsen, sonder die werden ja auch von den steuerzahlern aufgebracht.

Richtig! Aber wenn Ihr schon innerhalb des Staats Italien nicht teilen wollt, warum soll dann ein Holländer für Projekte in Italien zahlen?

es geht hier nicht um teilen wollen und nicht teilen wollen, sondern um entscheidungshoheiten und die einhaltung von verträgen.

damit der finanziellen Mehrbelastung zumindest auch ein ideeller und praktischer Vorteil für Südtirol entspricht. So wurde das auch im sogenannten Mailänder Abkommen zwischen Staat und Land beschlossen

Dann seid froh, dass Ihr in Italien seid. Im deutschen Finanzausgleich ist nicht die Rede davon, dass zB Hessen durch Zahlungen an zB Berlin ideelle oder praktische Vorteile entstehen sollen.

denn der Staat will nicht nur Solidarität, sondern auch Macht.

Staaten haben Interessen und kein großes Herz :-)

Im deutschen Finanzausgleich ist nicht die Rede davon, dass zB Hessen durch Zahlungen an zB Berlin ideelle oder praktische Vorteile entstehen sollen.

Wurde Hessen gegen den Willen seiner Bürger von Deutschland annektiert? Steht ihm deshalb eine Sonderautonomie zu?
(Und trotzdem: Wenn Hessen im Rahmen des Finanzausgleichs Gelder an Berlin zahlen muss, entscheidet das Land selbst, wo es diese Mittel streicht.)

Staaten haben Interessen und kein großes Herz

Bloß Südtirol sollte hier keine Interessen haben.

Hessen-Darmstadt und die Freie Reichsstadt Frankfurt gehörten anno 1866 zu den Verlierern. Frankfurt wurde gegen seinen Willen preußisch. Gegen den Willen der Bevölkerung war die Reichsgründung 1871 aber bestimmt nicht.
Das war bei Euch 1919 bestimmt anders.Und als ich 1970 als Kind erstmals in Südtirol war, hatte ich den Eindruck, dass es auch dann noch so war.
Aber heute? Wo ist denn nachzuweisen, dass die Mehrheit nicht „Sorelle e Fratelli d’Italia“ sein wollen? Klar, auch fratelli verhalten sich oft wie Kain und Abel.
Wer 152 Jahre anderen Stütze bezahlt, hat irgendwann die Nase voll.

Bloß Südtirol sollte hier keine Interessen haben.

Habe ich nicht behauptet.

Am 7. Juli zitierte Südtirol Online LR Richard Theiner mit folgenden Worten:

Rom kann uns sicher nicht vorschreiben, wie viel wir streichen! Wir lassen uns da sicher nichts aufzwingen.

Wie die heutige Tageszeitung berichtet, müssen jetzt genau die von Rom vorgegebenen 285 Betten gestrichen werden.

(Theiner ist übrigens Obmann jener Partei, die uns Südtirolern weismachen will, was in Sachen Zukunftsmodell »realistisch« ist und was nicht.)

@ karl-heinz

für gewöhnlich mag ich zynismus. könntest du deinen in zukunft ein klein wenig geistreicher formulieren, damit er mir auch gefällt?

… und diese sog. Volkspartei wird so lange unglaubwürdig bleiben und damit wohl schwer wählbar, wie lange sie an der VOLLAutonomie innerhalb der Italienischen Nation festhält! – Jetzt braucht es NEUE Visionen, – siehe Katalonien, – siehe Schottland!
WO bleibt ein Land wie Südtirol mit seinen drei offiziellen Volksgruppen aber auch immer mehr Bürgern mit unterschiedlichen Befindlichkeiten? – Wie soll das Miteinander entstehen, wenn ein Teil der Bürger sich zum Staatsvolk zählt (siamo in Italia!)? – Als Bevölkerung die nicht einmal ein Prozent des Staatsvolkes ausmacht?
Wir brauchen wohl notwendigst die Eigenständigkeit als EuropaRegion! Gemeint ist unsere Provinz Bozen mit seiner besonderen Geschichte und den daraus resultierenden Bedürfnissen!

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