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Die digitale Grenze.

In der EU gibt es heute keine Grenzen mehr, schon gar nicht in der digitalen Welt.

Schon klar, das kann man durch einen Proxy — de facto illegal und für viele zu umständlich — umgehen.

Siehe auch: 1/ 2/

Grenze Recht Tech&Com Verbraucherinnen | Geoblocking | | | Südtirol/o | EU | Deutsch

61 replies on “Die digitale Grenze.”

Irgendwie ironisch, dass man ausgerechnet dieses Video über u.a. die zwei italienischen Banker Gottes nicht im Pizza und Pastaland sehen kann…

Das ist zutiefst ärgerlich, gehört aber mittlerweile an die Tagesordnung. Gerade die immer stärker zunehmende Rechteverwaltung der Medienkonzerne zeigt, welchen weiten Weg wir noch vor uns haben. Nicht nur das Fernsehen, auch findet man sich digital immer wieder in italienischen Märkten eingeschlossen. Beispielsweise kann ich mit meinem Android-Smartphone im Market von Google zwar italienische Bücher kaufen, deutsche Bücher werden gar nicht mal angezeigt, zumindest habe ich keine Einstellung gefunden, wie ich eine bevorzugte Sprache einstellen kann. Schöne neue digitale Welt.
Am besten, man verweigert sich dieser eigenartigen Kommerzkultur, die vor allem darauf aus ist, möglichst viele Daten zu sammeln und eine Entrechtung in allen Bereichen anstrebt. Früher konnte man noch eine CD oder LP kaufen, die dann weiterverleihen, kopieren bzw. an jemanden weiterverkaufen. Dies ist mit DRM-geschützten Material praktisch nicht mehr möglich, deshalb versuche ich verstärkt auf freie Inhalte zu setzen, auch wenn es mir nicht immer gelingt.

Ich finde es gut, auf freie Inhalte zu setzen. Trotzdem ist es inakzeptabel, dass man auf Inhalte des wohl besten europäischen Senders verzichten muss, nur weil man ein paar km zu weit südlich wohnt (bzw. sich die »nicht existente« Grenze ein paar km zu weit nördlich befindet).

Das Wort Grenze ist in meinen Augen hier nicht angebracht, es geht einzig um Urheberrechte und diesen sollten ENDLICH europäisch gelöst werden. Solange es hier national sehr unterschiedliche Rechtsgrundlagen gibt wird sich wohl kurzfristig auch nichts ändern.
Auch im Apple-Store mache ich immer wieder die blöde Erfahrung nicht im österreichischen oder deutschen Store einkaufen zu können. Einfach ärgerlich!

Und warum soll das keine Grenze sein?

Na weil nicht sein kann was nicht sein darf.
“Man” will es halt so nicht nennen. Politik eben.

wir empfinden es als Grenze weil wir den “raum” im netz als grenzenlos ansehen. ein digitales video ist aber das genau gleich konsumgut wie ein video auf dvd
würde ich es genauso als Grenze empfinden wenn ich auf Grund staatlicher normen in einer lokalen buchhandlung eine bestimmte dvd nicht “finde”?

Na klar sind das alles Auswirkungen der Grenze. Selbst, dass ich für dasselbe Buch, dieselbe CD oder dieselbe Zeitschrift (wenn ich sie »finde«) im Südteil der Ortschaft Brenner einen anderen Preis zahle, als im Nordteil derselben Ortschaft, ist doch auf die Grenze zurückzuführen — worauf denn sonst? So kostet mich die »Zeit« am Bahnhof Brenner (Südtirol) 5,20 €, während sie an der Tankstelle Brenner (Nordtirol) 4,30 € kostet. Selbstverständlich kann ich mit einem Internetanschluss der Telekom Austria in Brenner Nord das Arte-Video abrufen, während ich das mit einem Internetanschluss von Telecom Italia in Brenner Süd nicht kann.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Tatsache, dass die Grenze sehr wohl konkrete Auswirkungen hat (für die der Preis einer Zeitschrift oder die Nichtverfügbarkeit eines Onlinestreams nur »unbedeutendere« Beispiele sind, die sich jedoch summieren), ist für mich kein auch nur im Entferntesten hinreichender Grund, die Loslösung von Italien zu fordern (davon gibt es wesentlich bessere) — sie beweist jedoch, dass die (unionistische) Mär von der »nicht existierenden Grenze« nichts anderes ist, als eben eine Mär.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Tatsache, dass die Grenze sehr wohl konkrete Auswirkungen hat (für die der Preis einer Zeitschrift oder die Nichtverfügbarkeit eines Onlinestreams nur »unbedeutendere« Beispiele sind, die sich jedoch summieren), ist für mich kein auch nur im Entferntesten hinreichender Grund, die Loslösung von Italien zu fordern (davon gibt es wesentlich bessere) — sie beweist jedoch, dass die (unionistische) Mär von der »nicht existierenden Grenze« nichts anderes ist, als eben eine Mär.

Davon abgesehen wäre es auch nicht die Antwort auf dieses Problem. Um dieses zu lösen bräuchte es einmal eine europäische Verwertungsgesellschaft. Die die unzähligen nationalen Verwertungsgesellschaften ersetzt.

Für die unterschiedlichen Zeitungspreise müsste man eine Richtlinie einführen die Printmedien nur als Empfänger von Förderbeiträgen zulässt, wenn sie eine eu-weiten Euro-Einheitspreis haben.

Anderes Beispiel für die Grenze. Neulich war ich wieder mal in Innsbruck beim DEZ einkaufen. Obwohl ich sonst ein Fast-Food-Muffel bin und auch diese Industrie nicht unterstütze, hab ich meiner Tochter ausnahmsweise -in Nordtirol- einen “McChicken” auf deutsch bestellt (in Südtirol geht dies nur auf italienisch), hab im DEZ dann noch österreichische Markenschuhe zum Top-Preis gekauft (gibts in Südtirol nicht), in der Apotheke ein Medikament mit deutschsprachiger Beschreibung (gibts in Südtirol nicht), im Interspar deutschsprachige Produkte und bei deutschsprachigen Sonderaktionen zugeschlagen (in Südtirol bekommt man besonders bei Aspiag-Geschäften fast nur ital. Produkte, wohl um die nationalistische Italianità  besonders bei einer österr. Gesellschaft zu demonstrieren- siehe etwa “De-spar” statt “Spar”) und an der nächsten Tankstelle um 1,544 Euro für den Liter Benzin getankt (in Südtirol sind wir bei über 1,9 Euro).
Ich denke keiner kann behaupten, dass besonders Familien mit Kindern die Grenze nicht sehr spüren (welche Antwort hätte ingo z.B. darauf), angefangen bei der soliden Familienbeihilfe in Österreich (zum Verlgeich, bitte auf Einkommensgrenze der Eltern in Italien achten) und bei den Kosten fürs Wohnen.
In Südtirol sollten die Produkte natürlich im Gegensatz zu Nordtirol einfach mind. zwei- bzw. dreisprachig sein, aber nicht einsprachig italienisch wenn beinah 70% der Bevölkerung deutschprachig ist! Außerdem wird die digitale Grenze wie hier im Artikel treffend beschrieben auch immer sichtbarer, je weiter die Entwicklung im IT-Bereich fortschreitet (Smartphones usw.).

Die Bezeichnung »DeSpar« hat meines Wissens markenrechtliche Gründe. Außerdem stimmt es nicht, dass »Spar« irgendwas mit »sparen« zu tun hat — auch wenn das in den deutschsprachigen Ländern selbstverständlich marketingmäßig ausgenutzt wird. »De Spar« bedeutet im Niederländischen »die Tanne«, daher auch das Logo. Also nicht immer alles auf die Italianità  schieben. Mit dem Rest bin ich aber weitestgehend einverstanden.

Um das zu vervollständigen: Die Aspiag hatte in Italien einen Markenrechtsstreit mit der Star (Suppenwürfel und mehr) und hatte verloren.

Dass “De Spar” Tanne heisst wusste ich nicht. Ist eigentlich schon lustig, denn das Tannenlogo gehört praktisch zu meinen Kindheitserinnerungen.

»De Spar« bedeutet im Niederländischen »die Tanne«, daher auch das Logo

Danke für die Erklärung, darauf wäre ich nie gekommen, da bin ich wohl in die “Vorurteilsfalle” getappt. Habe aufgrund von “einsprachigen” (ital. einsprachig) Erlebnissen in den großen Interspar-Filialen in Südtirol gewisse Vorbehalte.

… den IST-Zustand zu beklagen ist ok, – schaut doch mal rüber zu:
“Ende einer Ära” – Publiché ai 6. Setëmber 2012 da pérvasion!
– Damit meine ich, ob nicht langsam Handlungsbedarf besteht, darüber nachzudenken wär schon was …

Dieser Artikel beschreibt genau wie unnütz unsere Autonomie seit den 80zigern geworden ist. Die weltbeste Autonomie deckt keine Probleme des täglichen Lebens des gemeinen Bürgers. Zwar müssen Staats und Landesbedienstete zweisprachig sein, aber die Dienstleistungen, Produkte und Arbeitgeber nicht. Obwohl man damit den ganzen Tag zu tun hat.
Wozu brauchen wir sie in dieser Form dann eigentlich noch? Zur Wahrung der Privilegien einiger weniger? Um sicherzustellen dass sie politische Machtverteilung im Land bestehen bleibt? Zur Selbstdarstellung einiger machtgailer Politiker? Oder geht es am Ende doch nur um die paar Euros mehr in der persönlichen Brieftasche der Statthalter Roms?

Unnütz ist unsere Autonomie m.E. beileibe nicht. Aber sie reicht nicht (mehr) aus, um die Ansprüche einer modernen und mündigen Gesellschaft zu erfüllen, die sich nicht (mehr) mit halbwertigen Lösungen begnügt.

Das Beispiel eines Online-Fachhandels mit firmeneigenem Versand.

Versandkosten vom Lager bis

– Brenner (Süd): 440 km 20,00 €
– Nauders: 440 km 7,50 €
– Stockholm: 1.500 km 15,00 €
– Helsinki: 1.700 km (mit Fähre) 12,00 €
– Aberdeen: 1.850 km (mit Fähre) 10,00 €
– Caltanissetta: 1.950 km 20,00 €

Dieses einfache Beispiel illustriert, wie u. a. durch Digitalisierung (ausschlaggebend ist ja das “I” in der Versandanschrift) Südtirol immer weiter in die Marginalität gedrängt wird und was es für “Sonderaufschläge” durch die staatliche Zugehörigkeit erhält.

Ich finde es gut, dass hier dieses Thema aufgeworfen wird. Vor kurzer Zeit habe ihm persönlich darauf angesprochen, da fuer mich dieses Thema tatsächlich sehr leidlich ist, v.a. innerhalb des europäischen Binnenmarktes. Dennoch finde ich die Betrachtungsweise hier zu undifferenziert.
Nicht nur dass die Wochenzeitung “Die Zeit” in Italien mehr kostet als in z.B. in Österreich. Auch italienische Zeitschriften kosten in Österreich mehr als in z.B. in Gossensass. Selbst die Dolomiten kostet in Rimini mehr als in Südtirol, obwohl verwaltungstechnisch der gleiche Staat. Die Preisgestaltung einer Zeitung ist fuer mich eine Frage des Verlags und nicht der Nationalität.
Eine eventuelle Sezession Südtirols oder Angliederung an einen anderen Staates (je nachdem welches Modell bevorzugt wird) würde das Problem nicht lösen. Das Recht auf geistiges Eigentum ist heute national geregelt. Bei der Gründung eines neuen Staates habe ich eine neue Verwaltungseinheit mit einer eigenen neuen Regelung. Der Zugang zu ausländischen Inhalten ist damit nicht automatisch garantiert. Mich persönlich ärgert es ausländische Filme nicht in Originalsprache anschauen zu können. Deutsch- und italienischsprachige TV-Anstalten strahlen ihre Inhalte ausschliesslich in der jeweiligen Sprache aus; oder, dass ausländische Autorenfilme nicht immer zugänglich sind, da der Rechteinhaber die betreffenden Inhalte nur in einem EU-Land zugänglich machen will/kann. Ein Zugang über das Internet ist legal nur selten möglich. Daher ist der Lösungsweg ein europäischer, mit einer europäischen Verwertungsgesellschaft, der allen EU-Buergen in allen EU-Laendern Zugang zu allen Inhalten gewährleistet.
Wenn verwaltungstechnische Staatsgrenzen ein Hindernis zum freien (das bedeutet nicht kostenlosen) Zugang zu geistigen Eigentum sind, muss die Lösung in der Überwindung derselben liegen (durch eine supranationale, z.B. europäische, Regelung) und nicht in der Errichtung neuer Verwaltungsgrenzen, die wiederum den Zugang zu Inhalten noch mehr einschränken würden (z.B. zu italienischen Inhalten, die in Südtirol heute frei zugänglich sind).

@ kersche

es ist nicht wahr, dass deutsch- und italienischsprachige sender ihre inhalte ausnahmslos synchronisiert senden.

der orf sendet viele amerikanische serien in zweikanalton, das schweizer fernsehen zudem noch die meisten spielfilme. sogar mediaset hat inzwischen bei zahlreichen filmen und serien auf zweikanalton umgestellt.

Es stimmt auch nicht, dass eine neue Verwaltungsgrenze dieses Problem verschärfen würde:

1. Wenn man es schafft, die Preise auf europäischer Ebene zu harmonisieren, verhält sich auch eine neue Verwaltungsgrenze neutral (d.h. sie wirkt sich nicht auf die Preise aus);

2. Schafft man die Harmonisierung hingegen nicht, kann man als unabhängiges Land sehr wohl auf die Preise einwirken: Deshalb kostet ja die »Zeit« (wie fast alle deutschen Zeitschriften) in Österreich weniger, als in Italien. In der Schweiz ist es sogar so, dass italienische Zeitungen i. d. R. im italienischen Kanton Tessin deutlich weniger kosten, als im übrigen Bundesgebiet.

Das stimmt schon. Es ging mir aber darum ein grundsätzliches Problem zu skizzieren. Das Recht auf geistiges Eigentum ist heute international geregelt und hat, durch dieses Regelwerk, eine starke nationale Komponente. So kann ich auf manche Inhalte der Internet-Mediatheken von ausländischen TV-Anstalten nicht zugreifen, da der Rechteinhaber der jeweiligen TV-Anstalt nur die Erlaubnis zur Ausstrahlung im Staatsgebiet gegeben hat. Dadurch kann der Rechteinhaber oder die Verwertungsgesellschaft einen größeren Profit ziehen. Dies geschieht unabhängig davon ob ich in Italien, Deutschland, Frankreich oder einem unabhängigen Südtirol, Katalonien oder Schottland sitze. Durch eine einheitliche Verwertungsgesellschaft könnte dies unterbunden werden.
Zum Thema der Zeitungspreise: m.M.n. hängen diese sehr von den Versandkosten ab (zu einem Teil sicher auch aufgrund unterschiedlicher fiskalischer Gesetzgebungen). Wenn ich in einem Gebiet viele Zeitungen absetze, sind die Kosten für Versand pro Nummer geringer. Daher erklärt sich auch, weshalb eine “Die Zeit” in Deutschland und Österreich weniger kostet. Es werden mehr Exemplare abgesetzt. Umgemünzt auf Südtirol bedeutet dies: in Südtirol werden wahrscheinlich mehr Nummern von “Die Zeit” abgesetzt als im restlichen Italien. Hat der Verlag aber einen einzigen Verteiler Südtirol und für andere Regionen (z.B. in Norditalien), verpufft dieser Effekt; hätte Südtirol einen eigenen Verteiler, wäre der Preis dementsprechend geringer. Dies ist jedoch eine betriebswirtschaftliche Entscheidung des Zeitungsverlages, nicht die einer öffentlichen Verwaltung. Die unterschiedlichen Preise eine Zeitung oder Zeitschrift hat aber mit den Autorenrechten und der nationalen Organisation derselben, nur bedingt zu tun. Für mich sind aber diese Autorenrechte das Thema (sie hängen auch unmittelbar mit den Gesetzen zusammen), nicht ob eine Zeitung mehr oder weniger kostet (denn die Preisgestaltung ist Sache des Verlages, nicht der Öffentlichkeit).

Du liegst richtig, es hängt von den Versandkosten ab, aber am Beispiel von stonerblues sieht man, dass die Versandkosten auch von der Grenze abhängen. Gleich wie die Größe des Verteilungsgebiets.

@RR:

[…] aber am Beispiel von stonerblues sieht man, dass die Versandkosten auch von der Grenze abhängen.

Woran erkennst du das ? Ich sehe nur, dass für unterschiedliche Länder unterschiedliche Versandkosten anfallen unabhängig von der Entfernung. Wie sich diese Kosten zusammensetzen wird in stonerblues Kommentar an keiner Stelle erwähnt, auch der Online-Fachhandel wird nicht näher benannt.

In Italien steckt der online-Versand noch in den Kinderschuhen. Auch die Infrastruktur (Speditionen – Post) ist alles andere als ausgebaut. Ich habe meinen Laptop bei DELL-Italia bestellt, musste aber feststellen, dass die Versandkosten deshalb so hoch sind, weil der Laptop aus Deutschland geliefert wird. Stonderblus’ Beispiel ist recht Inhaltsleer, weil es eine Reihe von Faktoren vernachlässigt.

Ich schließe mich der Meinung von Kersche an.

Ich sehe nur, dass für unterschiedliche Länder unterschiedliche Versandkosten anfallen unabhängig von der Entfernung.

Das ist doch gerade der Punkt: Die tatsächliche Entfernung interessiert nicht, sondern nur, ob sich ein Ort dies- oder jenseits der Grenze befindet. Das zeigt doch, dass die Grenze auch in diesem Zusammenhang konkret spürbar bleibt. Oder wie sonst kann es sein, dass ich deutlich mehr bezahle, wenn ich ein Päckchen von Gossensass nach Steinach schicke, als wenn ich es von Gossensass nach Lampedusa schicke?

Dass Italien im internationalen Vergleich (erfahrungsgemäß, und stonerblues’ Aufstellung bestätigt das, obschon mir eine Quellenangabe fehlt) mit die teuersten Versandspesen hat, macht das Ganze ja nur noch ein wenig unangenehmer.

Ihr könnt natürlich auf die Faktoren verweisen, welche diese Unterschiede hervorrufen und rechtfertigen — dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass der ausschlaggebende Faktor nach wie vor ist, ob eine Sendung über die Grenze geht oder nicht. »Es gibt in Europa keine Grenzen mehr« ist damit einmal mehr (für einen weiteren, kleinen Teilbereich des Alltags) widerlegt.

Insgesamt finde ich aber, dass sich diese Diskussion inzwischen selbst überlebt hat.

@pervasion:

Ihr könnt natürlich auf die Faktoren verweisen, welche diese Unterschiede hervorrufen und rechtfertigen — dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass der ausschlaggebende Faktor nach wie vor ist, ob eine Sendung über die Grenze geht oder nicht.

Es wurden eine Reihe von Faktoren aufgezählt, die gerade einer Grenz-Theorie widersprechen.

Und ich lege gerne noch ein Argument nach: Was kümmert ein gewinnorientiertes Unternehmen eine politische Grenze? Ebay.it gibt’s erst seit 2001(ging aus bazar.it hervor), Amazon.it gar erst seit 2010, Anbieter wie zerlando, alternate, thomann, conrad usw. vermisst man in Italien vollständig. Auch die Fastfood-Kette McDonalds, die auf ein funktionierendes logistisches Fundament angewiesen ist gibt’s erst seid 1985 in Bozen. Gründe für die sehr späte, oder fehlende Gründung/Niederlassung solcher Unternehmen sind doch die fehlende Infrastruktur und die mangelnde Nachfrage, die eine Investition anscheinend nicht rechtfertigen. Man muss sich nur das recht durchsichtige Angebot auf ebay.it anschauen.

Was hat denn eine Grenze innerhalb der EU mit Versandkosten zu tun? Versandkosten innerhalb der EU regelt in erster Linie der Markt, die Politik schafft nur Rahmenbedingungen.

Und in Bezug auf ARTE (back to topic) geht es um’s Urheberrecht, das zwar national geregelt sein mag, aber schließlich steht es jedem Urheber frei unter welcher Lizenz er seinen Film stellt. So Kritikwürdig das aktuelle Urheberrecht auch sein mag, Arte hat sich an die Vorgaben des Urhebers zu halten. Wollte der Urheber von diesem Film eine Streammöglichkeit in anderen Länder als Deutschland hätte er dies problemlos zulassen können. Der Grund, weshalb das Video gesperrt ist liegt also nicht bei dem öffentlich rechtlichen Sender, oder bei irgendeiner politischen Grenze, sondern beim Urheber. Und dieses Recht des Urhebers ist erstmal zu respektieren! Alles andere wäre ein Gesetzesverstoß in jedem europäischen Land. Die meisten Inhalte auf Arte sind ja auch frei zugänglich. Und keiner von uns zahlt die GEZ, das sollte man auch mal bedenken.
Ich wiederhole also nochmal: es geht in diesem Fall nicht um Grenzen, sondern um’s Urheberrecht.

Diese ganze Grenz-Argumentation ist gerade deshalb an den Haaren herbei gezogen.

Wenn du den Film trotzdem ansehen willst: du findest ihn in HD bei google als XVID. Das Internet kennt da schon Mittel und Wege, wenn man es benutzen kann. Ob Proxies im Moment illegal sind bezweifle ich auch stark. Wer schreibt mir vor, dass meine IP dem Land entsprechen muss, in dem ich wohne… wäre das nicht so, als würde ich bei arte mit meiner Deutschen Handynummer anrufen… nur mal als Denkanstoß. Anonymität und Pseudonymität gehören zu den großen Errungenschaften des Internets erst mit IPv6 wird eine eindeutige identifizierung möglich.

Meinst du das alles ernst? Es ist ja schon verblüffend, mit welcher Nonchalance du darauf hinweist, dass alles auf das Urheberrecht zurückzuführen ist — welches sich natürlich an den Staatsgrenzen und der staatlichen Gesetzgebung orientiert. Es ist ja nicht so, dass manche Inhalte in Vorarlberg, Asturien und Südtirol gesperrt sind und manch andere in Venetien, Salzburg und Wales — der Knackpunkt sind wennschon immer die staatlichen Grenzen, obschon es die angeblich ja nicht mehr gibt.

Für die ganz Hartnäckigen nochmal anders: Wenn die Grenze nicht am Brenner, sondern in Salurn oder Borghetto wäre, könnten wir dann das Arte-Video sehen? Ja, wir könnten. Und dann soll es nichts mit der Grenze zu tun haben?

Ich zitiere mich selbst:

So Kritikwürdig das aktuelle Urheberrecht auch sein mag, Arte hat sich an die Vorgaben des Urhebers zu halten. Wollte der Urheber von diesem Film eine Streammöglichkeit in anderen Länder als Deutschland hätte er dies problemlos zulassen können. Der Grund, weshalb das Video gesperrt ist liegt also nicht bei dem öffentlich rechtlichen Sender, oder bei irgendeiner politischen Grenze, sondern beim Urheber.

Und als kleine Randbemerkung kann Beispielsweise ein Urheber eines Textes (rein theoretisch) auch erwirken, dass dieser Text in vollem Umfang in den Lokalmedien von Vorarlberg, Asturien, Südtirol, Venetien, Salzburg und Wales nicht, oder zu viel höheren Preisen veröffentlicht werden darf. Bei Streams ist das technisch nur sehr schwer realisierbar.

Und warum ist das technisch so schwer realisierbar? Nicht etwa weil sich auch Internetanbieter an den Staatsgrenzen orientieren (da sie sich ja an nationales Recht halten müssen)?

Und warum ist das technisch so schwer realisierbar? Nicht etwa weil sich auch Internetanbieter an den Staatsgrenzen orientieren (da sie sich ja an nationales Recht halten müssen)?

Weil ich nicht nur 10 Zeitungen meine Unterlassungsklagen schicken muss, sondern gleich Millionen von unterschiedlichsten IP-Adressbereichen habe, die sich u.U. bei jedem Einwahlvorgang ändern. Eine regionale Abgrenzung wird zudem erschwert/verhindert, da ich per IP nur den Providerstandort ausmachen kann. Meiner ist beispielsweise Turin oder Piemont. Dadurch wäre eine solche Anwendung nur bei größeren Regionen möglich, recht fehleranfällig und leicht zu umgehen. Auf nationaler Ebene funktionieren solche IP-Sperren, weil die einzelnen Nationen fixe Adressbereiche zugewiesen bekommen.

Du hast/willst den Punkt meiner Aussage nicht verstanden/verstehen. Es geht ums Urheberrecht und das steht im widerspruch zu deiner Grenz-Theorie.

@m.gruber
du zählst eine Reihe von Unternehmen auf, mit denen ich auch schon meine Erfahrung gemacht habe. Z.B. liefern viele Unternehmen nach Italien ausschliesslich per Vorauskasse. Da kann die Zahlungsmoral in Südtirol gleich gut wie in Nordtirol sein und viel besser als sonstwo in Italien, allein die Grenze ist entscheidend.

Wer schreibt mir vor, dass meine IP dem Land entsprechen muss, in dem ich wohne… wäre das nicht so, als würde ich bei arte mit meiner Deutschen Handynummer anrufen… nur mal als Denkanstoß. Anonymität und Pseudonymität gehören zu den großen Errungenschaften des Internets erst mit IPv6 wird eine eindeutige identifizierung möglich.

Das schreibt dir niemand vor, das ist aber so. Die Adressen sind alle öffentlich nachschlagbar, man kann auch jetzt schon leicht herausfinden woher ein Computer kommt. So ärgert es mich gewaltig wenn mir Websiten Italienisch als Sprache aufzwingen, nur weil meine IP aus Italien kommt (mein System ist aber auf Deutsch/Deutschland eingestellt).
Der angeblich nicht existierenden Grenze und der offensichtlichen Beschränkheit vieler Firmen sei dank.

Nebenbei bemerkt, ARTE hält sich im Internet brav an das Urheberrecht und sperrt uns Südtirolern den Zugriff, da ja aus Italien kommend. Die gleiche Sendung sehen wir aber problemlos über Sat. Alles logisch, nicht wahr?

@anonym:

Z.B. liefern viele Unternehmen nach Italien ausschliesslich per Vorauskasse. Da kann die Zahlungsmoral in Südtirol gleich gut wie in Nordtirol sein und viel besser als sonstwo in Italien, allein die Grenze ist entscheidend.

Guter Einwand. Da müsste man mal bei einem Unternehmen nachfragen, warum das so ist. Dass es an der Zahlungsmoral liegt wage ich zu bezweifeln. Ich glaube eher, dass da bei Rücksendungen höhere Kosten für das Unternehmen anfallen, oder der Rechtsweg sehr mühsam ist. Ich frag einfach mal nach.

Der angeblich nicht existierenden Grenze und der offensichtlichen Beschränkheit vieler Firmen sei dank.

Belassen wir’s bei der Beschränktheit von Programmierern, die sich nicht an Standards halten. Welche Sprache ein Browser gern hätte wird im HTTP-header übermittelt. IP erkennung ist die denkbar schlechteste Sprach-Weiche.

Dass ich arte via Satellit empfangen kann unterstreicht nur die Perversität des aktuellen Urheberrechtes. Vielleicht auch doch nicht, wenn arte z.B. dem Rechtsverwerter Tantiemen bezahlt, damit er ein Programm via Satellit ausstrahlen darf, gleichzeitig aber keine Tantiemen bezahlt, damit das Programm im Ausland angeschaut werden kann, dann kann man diesen Umstand auch recht logisch.
Dieser Umstand ist darauf zurück zu führen, dass das Urheberrecht national geregelt ist. Das bedeutet nicht nur, dass der Urheber (aber meist der Rechteverwerter, also die Person, die vom Urheber das Recht auf wirtschaftliche Nutzung erkauft hat) entscheidet innerhalb welcher Staatsgrenzen sein Inhalt benutzt werden darf. Das bedeutet aber auch, dass derjenige, der einen Inhalt benutzen will dies nur innerhalb einer gewissen Staatsgrenze machen darf. Wenn arte ein Programm ausstrahlen, muss es für jedes Land, in dem sie es ausstrahlen will, Tantiemen bezahlen. Gäbe es eine einheitliche europäische Verwertergesellschaft (ähnlich der italienischen SIAE oder der deutschen GEMA) gäbe es auch die Möglichkeit für das Recht Inhalte benütze zu dürfen regional zu organisieren (z.B. könnten Suedtiroler Kinos einen jeden x-beliebigen Film ausstrahlen, und müssten nicht darauf warten, dass der Rechteinhaber (also der Filmverleiher) eigens Geld abkassieren kann, damit ein Film in Italien anlaufen kann. Das entspricht meiner Auffassung regionaler Entwicklung Europas. Die Frage nach Eigenstaatlichkeit, die hier immer impliziert ist, ist für mich in dieser Frage nicht ausschlaggebend.

Ob Proxies im Moment illegal sind bezweifle ich auch stark. Wer schreibt mir vor, dass meine IP dem Land entsprechen muss, in dem ich wohne… wäre das nicht so, als würde ich bei arte mit meiner Deutschen Handynummer anrufen… nur mal als Denkanstoß.

Proxies sind wahrscheinlich nicht illegal. Aber wenn ich den Satz

Unfortunately we do not own the rights to stream this video in your country.

lese, dürfte es wohl illegal sein, das Video in Umgehung dieser Sperre über einen Proxy zu streamen.

Stimmt, das ist theoretisch so. Technisch soll mir mal einer nachweisen, dass ich einen Proxy verwende, um eine Sperre zu umgehen. Eine derartige Kontrolle kennt man nämlich allenfalls von Regimen in Nah-Ost. Da reicht mein Recht auf Privacy weiter. Ich sehe die Umgehung einer solchen Sperre als digitalen Protest gegen ds momentane Urheberrecht.

Guter Einwand. Da müsste man mal bei einem Unternehmen nachfragen, warum das so ist. Dass es an der Zahlungsmoral liegt wage ich zu bezweifeln.

Ich hab das selbst schon nachgefragt, es liegt bei den meisten an der Zahlungsmoral. Hier gilt für uns Südtiroler wie so oft das alte Sprichwort “mitgehangen, mitgefangen”. Grenzenloses Europa? Von wegen!

Belassen wir’s bei der Beschränktheit von Programmierern, die sich nicht an Standards halten. Welche Sprache ein Browser gern hätte wird im HTTP-header übermittelt. IP erkennung ist die denkbar schlechteste Sprach-Weiche.

Das haben die Programmierer ganz korrekt gemacht, denn die Firmen wollen es so. Kommt man aus Italien, soll man auf die Italienische Website des Unternehmens, bekommt italienische Sprache usw.
Was willst du mit Standards? Das sind keine Gesetze, nur Empfehlungen.
Wie du es drehst und wendest, die Grenzen zeigen sich sogar im angeblich grenzenlosen Internet.

Ich hab das selbst schon nachgefragt, es liegt bei den meisten an der Zahlungsmoral.

So, du hast also gleich bei mehreren nachgefragt? Da bin ich schon gespannt, ob ich zum gleichen Ergebnis komme. Ich sag dir dann auch, bei welchen Unternehmen ich nachgefragt habe.

Das haben die Programmierer ganz korrekt gemacht, denn die Firmen wollen es so.

Einer gewinnorientierten Firma ist also eine schlechte Sprachweiche, mit der sie u.U. weniger Kunden erreicht lieber, als eine standardisierte Sprachweiche, mit der sie mehr Kunden erreicht?

Wie du es drehst und wendest, die Grenzen zeigen sich sogar im angeblich grenzenlosen Internet.

Ich behaupte nicht, dass es keine Grenzen gibt, oder, dass man diese im Alltag nicht spürt. Ich sage nur, dass man mit “Versandkosten” und einer “IP-Sperre” (Arte) denkbar unglückliche Beispiele wählt, um ein grenzenloses Europa zu kritisieren. Menasse hat da schon fundiertere Argumente.

So, du hast also gleich bei mehreren nachgefragt? Da bin ich schon gespannt, ob ich zum gleichen Ergebnis komme. Ich sag dir dann auch, bei welchen Unternehmen ich nachgefragt habe.

»Italien ist das Sorgenkind Europas. Die Zahlungsmoral in dem Land bewerten 64 Prozent als mittelmäßig bis schlecht; von sich selbst behaupten das 57 Prozent der italienischen Firmen. Rund 24 Prozent sind der Meinung, dass sich die Zahlungsmoral zudem noch verschlechtert habe.
In Italien gilt das unübliche Zahlungsziel von 60 Tagen. Doch wer Waren in das Land liefert, wartet durchschnittlich 74 Tage auf sein Geld. Im Vergleich zum inländischen [= inneritalienischen] Tempo von 96 Tagen ist das noch vergleichsweise schnell.
Gegen Zahlungsausfall schützen sich italienische Firmen durch Vorkasse (30 Prozent) sowie Kreditversicherungen (22 Prozent); auffällig stark ist auch der Schutz mit Wechseln (13 Prozent).« Quelle: FTD. Unterstreichung von mir.

Einer gewinnorientierten Firma ist also eine schlechte Sprachweiche, mit der sie u.U. weniger Kunden erreicht lieber, als eine standardisierte Sprachweiche, mit der sie mehr Kunden erreicht?

Ein Beispiel: Apple interessiert es, dass ich als »Italiener« auf der italienischen Seite lande, denn auf der deutschen kann ich sowieso nicht kaufen. Ich bin nicht der Meinung, dass Apple nicht imstande wäre, sich an Standards zu halten, wenn es im eigenen kommerziellen Interesse wäre.

Ich behaupte nicht, dass es keine Grenzen gibt, oder, dass man diese im Alltag nicht spürt. Ich sage nur, dass man mit ”Versandkosten” und einer ”IP-Sperre” (Arte) denkbar unglückliche Beispiele wählt, um ein grenzenloses Europa zu kritisieren.

Wenn’s nur darum geht: Ich habe nie behauptet, dass es sich um die besten Beispiele handelt. Es sind nur zwei der sehr vielen kleinen konkreten Auswirkungen, welche die Grenze im Alltag hat. Wenn du mehr und bessere Beispiele suchst, klicke hier bzw. hier.

Die Zahlungsmoral in dem Land bewerten 64 Prozent als mittelmäßig bis schlecht;

Schon klar, dass die Zahlungsmoral in Italien im Keller ist bestreite ich ja auch nicht. Nur, dass dies ausschlaggebend für ein Unternehmen ist, ob es Bezahlung per Vorkasse oder Nachnahme anbietet bezweifle ich.

Meines Wissens ist die Bezahlung per Nachnahme doch so geregelt, dass der Frächter mit dem Päckchen vor der Haustür steht und ich dann bei ihm bezahle. Bezahle ich nicht gibt’s auch kein Päckchen. Da hat dann die Zahlungsmoral recht wenig ‘mit zu tun.

Ein Beispiel: Apple interessiert es, dass ich als »Italiener« auf der italienischen Seite lande, denn auf der deutschen kann ich sowieso nicht kaufen. Ich bin nicht der Meinung, dass Apple nicht imstande wäre, sich an Standards zu halten, wenn es im eigenen kommerziellen Interesse wäre.

Apple ist ein Käfig. Ich verweigere mich deshalb diesen Produkten. Ich gehe davon aus, dass du dich auf den app-Store beziehst. Ich kenn mich damit nicht aus. Hab nur mal gehört (d.h. ich weiß es ebenso wie du nicht), dass Apple wegen des Urheberrechtes und wegen des customer Support (womit wir wieder beim Punkt wären) jedem Land einen eigenen Shop zuweist.

Mein Beispiel und das von Anonym war jedoch auf Webseiten gemünzt, auch mein Standard, den ich zitiere ist auf das http -Protokoll bezogen. Apple.com hat keine Sprachweiche. Jeder User kann seine Sprache einstellen.

Wenn’s nur darum geht: Ich habe nie behauptet, dass es sich um die besten Beispiele handelt. Es sind nur zwei der sehr vielen kleinen konkreten Auswirkungen, welche die Grenze im Alltag hat.

Unsere unterschiedlichen Meinungen zu dem Thema gründen glaub ich darin, dass wir das Wort Grenze unterschiedlich interpretieren. Kersches Ansatz gefällt mir da gut :

Ich denke der Unterschied liegt darin die Grenze als eine verwaltungstechnische Einheit zu betrachten; nicht als nationenbedingter Umstand.

Es liegt leider nicht an der Zahlungsmoral, oder besser gesagt nur indirekt an derselben. Nehmen wir mal an ein deutscher Händler verkauft an einen in Deutschland ansässigen Konsumenten ein Produkt. Das anzuwendende Gesetz ist das deutsche, Gerichtsort ist Deutschland. Sollte der Kunde nicht bezahlen, hat der Verkäufer relativ geringe Kosten sein verkauftes Produkt wieder zu erwerben, bzw. den Kaufpreis einzuklagen und per Gerichtsvollzieher geltend zu machen. Geht das Produkt aber an eine ausländische Adresse beginnen die Probleme: Wo befindet sich der Gerichtsstandort? Welches Gesetz ist anzuwenden? Sollte zumindest bei ersterer Frage die Antwort sein “im Ausland” habe ich relativ höhere Kosten den nicht bezahlten Betrag einzuklagen bzw. das verkaufte Produkt zurück zu erwerben. Hier haben staatliche Grenzen eine Funktion und das in einem Sinne, der den Handel (nicht nur mit Konsumenten, sondern auch unter Firmen) behindern kann. Die Frage sollte aber sein: Wie kann man das überwinden? Die Antwort ist, und das geschieht derzeit bereits auf EU-Ebene, die Angleichung der Rechtssysteme, sodass der Standort des Verkäufers irrelevant ist.
Bei deinem Beispiel gilt aber einen anderen Faktor zu berücksichtigen. Ist der Käufer ein Konsument, so gilt es diesen zu beschützen. Beim Online-Handel bedeutet dies: im Streitfalle wird das Gesetz des Konsumenten angewandt (in unserem Falle das italienische Gesetz) und der Gerichtsort ist jener des Konsumenten (d.h. das zuständige Gericht für den Wohnort des Konsumenten, also in unserem Falle ein italienisches Gericht oder besser gesagt das Landesgericht Bozen mit seinen Aussenstellen). Das bewirkt, dass sich der Konsument Geld spart (er muss nicht lange anreisen und einen ihm nicht bekannten Anwalt engagieren um den Prozess zu bestreiten). Dies bedeutet aber auch, dass der Verkäufer höhere Kosten zu tragen hat (er muss in einem fremden Land einen ihm fremden Anwalt engagieren um einen Prozess beizuwohnen dessen Gesetz er nicht kennt und dessen Sprache er vielleicht nicht einmal spricht). Das kann ausländische Versandunternehmer dazu “zwingen” Vorkasse zu verlangen um all diesen Unsicherheiten auszustellen.
Auch hier gilt aber, dass die Gründung einer neuen Staatsgrenze das Problem nicht löst, sondern das Gegenteil bewirkt.

Es hat niemand behauptet, dass eine neue Staatsgrenze dieses Problem löst. Ich verweise nur darauf, dass nicht stimmt, was uns »Unionisten« stets vorgaukeln wollen, nämlich, dass es »die Grenzen nicht mehr gibt«.

Auch ich bin selbstverständlich für eine bessere und einheitlichere Reglementierung auf europäischer Ebene, sodass die Grenzen immer durchlässiger und für den Einzelnen im Alltag weniger spürbar werden. (Doch spätestens dann ist die Schaffung einer neuen Verwaltungsgrenze — im Umkehrschluss — auch gar kein Problem mehr.)

Ich denke der Unterschied liegt darin die Grenze als eine verwaltungstechnische Einheit zu betrachten; nicht als nationenbedienter Umstand. In der Frage nach Urheberrecht ist die Grenze tatsächlich nur aus verwaltungstechnischer Sicht zu betrachten. Und verwaltungstechnische Grenzen sind in der Gesetzgebung (also auch in der Urhebergesetzgebung) imminent. Sie sind dahingehend sogar notwendig.

Und trotzdem könnten neue Grenzen das Problem für uns lösen, indem wir dann selber als Land Gesetze erlassen können die vorteilhafter sind. Auch haben wir dann selbst die Möglichkeit mit den Anbietern, Versandhäusern und Internetdiensten zu verhandeln ohne den Ballast Italien. Auch Heute gibt es schon viele Firmen bei denen es keine Rolle spielt ob man in Deutschland oder Österreich wohnt, aber Italien ist immer Ausenseiter.

@kersche: Die Grenze nicht als »nationenbedient« zu betrachten, sondern als Verwaltungsgrenze, das ist nicht leicht… da das eine heute mit dem anderen koinzidiert.

Inhalte in deutscher Sprache werden dann meist für Deutschland, Österreich und die Schweiz lizenziert, in Südtirol sind nur italienische Inhalte uneingeschränkt verfügbar.

Genauso wird man sehr häufig auf italienische Internetseiten umgeleitet oder man kann nur dort einkaufen bzw. Dienstleistungen entgegennehmen usw. usf.

Insofern hat ko Recht, nämlich dass die staatliche Unabhängigkeit für uns auch den Vorteil hätte, dass man flexibler und südtirolspezifisch agieren und reglementieren könnte. Ein Schweizer wird, um beim obigen Apple-Beispiel zu bleiben, schließlich auch auf eine mehrsprachige Schweizer Seite verwiesen und nicht auf eine nur deutsche oder nur französische.

Telefoniere soeben die +49… Service-Nummer von G Data (Antivirenprogramm) an, bei denen wir Kunde sind. Neuerdings wird dort die Sprache aufgrund der Herkunfts-Telefonnummer bestimmt. Nummer +39 bedeutet Kunde aus Italien = Sprache Italienisch. Zur Information: G Data sitzt in Bochum. Wenn ein Südtiroler Kunde dort einen deutschen Berater möchte muss er sich verbinden lassen, was in meinem Falle beim zweiten Versuch noch nicht geglückt ist.
EU = keine Grenzen = Märchen

Jetzt geht der Spaß wieder einmal los: Im AppStore von Apple erscheint jedes Jahr eine Gratis-App namens »12 Tage«, die wie ein »umgekehrter« Adventskalender funktioniert. Ab Weihnachten gibt es dann, wie der Name verrät, 12 Tage lang jeweils etwas Kostenloses aus dem Store (eine App, ein Buch oder Musik). Warum erst nach Weihnachten? Damit auch diejenigen davon profitieren, die ihr Gerät vom Christkind bekommen haben.

Aber: Die Geschenke richten sich nach der Sprache des Handy-Betriebssystems. Ist die Sprache Deutsch, kann es sich schon mal um ein Hörbuch oder um ein E-Book in deutscher Sprache, aber auch um Musik eines österreichischen Interpreten handeln. Als Südtiroler (mit einem Account beim italienischen AppStore — etwas anderes geht gar nicht, wenn man mit einer einheimischen Kreditkarte einkaufen möchte) bekommt man zwar die »Geschenke« des deutschsprachigen Stores angezeigt. Herunterladen kann man sie aber nur, wenn sie auch im italienischen Store verfügbar sind, was gerade bei deutschen Büchern und Musik (aber auch bei bestimmten Apps) oft nicht der Fall ist. Die »Geschenke« des italienischen Stores könnte man wohl herunterladen, dafür müsste man aber wahrscheinlich die Sprache des Betriebssystems auf Italienisch setzen (damit die »Geschenke« des italienischen Stores angezeigt werden).

P.S.: Mir geht es nicht um die »Geschenke«, mir geht es um die Logik, die mal wieder dahinter steckt. Dass die sich nach den (angeblich) nicht mehr existierenden Staatsgrenzen richtet, ist sicher wieder einmal nur »Zufall«.

Bei Googles Android Betriebssystem zeigt es im Store deutsche Lieder oder Bücher gar nicht an. Geht man über einen Proxy zeigt es sie dann zwar an, beim bezahlen mit der italienischen Kreditkarte geht dann aber wieder nichts mehr. Gratis Apps kann man zwar zB über Mc Donalds Wlan holen aber eben keine Bücher, Filme oder Lieder. Auf meine Anfrage bei Google bekam ich leider nur Ausflüchte zu hören.

Ich habe Apple bzgl. der 12-Tage-App ebenfalls jedes Jahr angeschrieben (denn sobald wir uns mit dem Zustand abfinden, ist die Sache endgültig gegessen). Eine Antwort habe ich aber gar nie erhalten.

1und1
Wollte eine Domain registrieren. Damit ich für den Fall, dass Probleme auftreten, ein deutschsprachiges Service habe, wollte ich dies bei einem deutschen Anbieter tun. Fehlanzeige. Die nicht existierende Grenze ist aber bestimmt nicht schuld. Das ist reiner Zufall, dass da nur Deutschland und Österreich zur Auswahl stehen.

hab auf windows 10 upgegradet.
da gibts so einen assistenten namens cortana.

das sind die meldungen, die ich bekommen, wenn ich den starte.

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auf italienisch ist cortana nicht verfügbar. auf deutsch schon. nur kann man ihn auf deutsch in südtirol nicht nutzen. dazu müsste man die regionseinstellungen ändern. tut man dies, kann jedoch wiederum der zugriff auf andere dienste (app-store usw.) verweigert werden.

Als ich neulich bei Freunden in Deutschland war, habe ich dort über mein Notebook ein Netflix-Abo abgeschlossen. Nach einer physischen Adresse wurde ich nicht gefragt. Nach meiner Rückkehr nach Südtirol dann die böse Überraschung: Filme kann ich hier nur auf Italienisch schauen, es gibt ein völlig anderes Sortiment/Angebot, selbst einen in Deutschland begonnenen deutschen (OV!) Film musste ich auf Italienisch zu Ende sehen. Europa lässt grüßen…

Die meisten Angebote kann man sich ohnehin auch im OT anschauen, von daher schon mal ein fortschritt.
In Österreich gibt es übrigens auch ein anderes Angebot…

Des weiteren hätte man bei TTIP die Möglichkeit hier einen transatlantischen Markt zu gestalten, dies wird dank gewisser protektionistischer Länder und unter dem Einfluss des massiven Lobbying aber nicht mal besprochen, traurig. Es ist nicht einzusehen weshalb bestimmte Produktgruppen, aufgrund des Sonderinteresses weniger, von den Verhandlungen ausgenommen werden.
Auch in der EU wird der digitale Binnenmarkt von dieser Seite aus geblockt, mit fadenscheinigen Argumenten wird von der Industrieseite versucht jegliche Einigung zu verhindern.

Hier würde, wie in vielen anderen Bereichen weniger Staat (aka Regulierungen des Marktes) eindeutig die besseren Resultate liefern.

Generell wäre aber ohnehin das gesamte Urheberechtsystem zu überdenken.

Die meisten Angebote kann man sich ohnehin auch im OT anschauen, von daher schon mal ein fortschritt.

Sicher… oder ich könnte ja ins Kino gehen… auch ein Fortschritt. In der Schule würde man sagen: Thema verfehlt.

In Österreich gibt es übrigens auch ein anderes Angebot…

Eben: Staatsgrenzen als Maß aller Dinge. In Brenner Dorf dasselbe Angebot wie in Trapani, in Gries am Brenner dasselbe Angebot wie in Eisenstadt.

Zu TTIP sage ich mal lieber nichts… verstehe auch nicht, was das hier lösen sollte, da wir doch schon innerhalb Europas einen Binnenmarkt haben sollten, der aber nichts bewirkt.

Ad weniger Regulierung: Ich verweise darauf, dass die wenigen Fortschritte, die wir diesbezüglich haben, meist nicht auf die Initiative der Privatwirtschaft, sondern auf Zwang durch europäische Regulierung zurückzuführen sind…

Generell wäre aber ohnehin das gesamte Urheberechtsystem zu überdenken.

Eben…

Sicher… oder ich könnte ja ins Kino gehen… auch ein Fortschritt. In der Schule würde man sagen: Thema verfehlt.

Man muss halt auch das positive sehen.

verstehe auch nicht, was das hier lösen sollte, da wir doch schon innerhalb Europas einen Binnenmarkt haben sollten, der aber nichts bewirkt.

Erstens sind die Argumente die selben und zweitens würde eine transatlantische Lösung eine europäische einschließen.

Ad weniger Regulierung: Ich verweise darauf, dass die wenigen Fortschritte, die wir diesbezüglich haben, meist nicht auf die Initiative der Privatwirtschaft, sondern auf Zwang durch europäische Regulierung zurückzuführen sind…

Ist dem so?
https://www.wired.de/collection/latest/bald-keine-streaming-grenzen-mehr-bei-netflix

http://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Kommission-will-Geoblocking-im-Internet-weitgehend-abschaffen-2584608.html
Dies wäre doch der gleiche Schmarren wie beim Roaming, hier wäre viel eher angezeigt das ich meine Verträge in der ganzen EU abschließen darf.

Interessant ist ja, dass hier die Logik im Vergleich zu den Onlinestores von Apple umgekehrt ist: Bei Netflix kann ich je nach Land in dem ich mich befinde, nur auf Inhalte in der jeweiligen Landessprache zugreifen. Im AppStore (und im iTunes Music Store) kann ich hingegen — egal wo ich mich befinde — nur auf Inhalte zugreifen, die für mein »Heimatland« (Staat) freigegeben sind… einschließlich Online-Videoverleih nur auf Italienisch. In beiden Fällen aber obsiegt die »nationale Logik«, die sich nach den Staatsgrenzen richtet.

Neulich wollte ich über Conrad.de ein Produkt kaufen und zur Selbstabholung in der Münchner Filiale vorbereiten lassen. Der Onlinevorgang samt Bezahlung hat geklappt, doch wenige Minuten später habe ich aus der Serviceabteilung eine Mail bekommen, dass der Kauf storniert worden sei, weil ich nicht in Deutschland wohne. Nicht nur wird also nicht ins Ausland geliefert bzw. verschickt (dazu müsste ich Conrad.it benutzen, wo es das von mir gewünschte Produkt aber gar nicht gibt), ich kann die Ware nichtmal selbst nach Reservierung und Bezahlung in der Filiale abholen. Zur Info: Urheberrechte waren bei dem von mir gewünschten Produkt nicht im Spiel, weder direkt noch indirekt.

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