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Ladenöffnungszwang.

Seit Montis Liberalisierungen hat das Land Südtirol bei den Ladenöffnungszeiten keine Handhabe mehr. Für eine Vorzeigeautonomie, wie sie genannt wird, ist das eine magere Leistung, schließlich entscheidet darüber jedes normale deutsche Bundesland selbst. Inzwischen hat das Land Verfassungsklage* erhoben, doch mindestens bis zu einem Entscheid gilt aufgezwungenes Recht und die Chancen auf einen Sieg sind sehr gering.

Was die Liberalisierung der Öffnungszeiten bedeutet, dafür gibt es jetzt ein Lehrbeispiel: In der Bozner Museumsstraße hat die schwedische Bekleidungskette H&M ihre Tore eröffnet und sogleich angekündigt, die Filiale auch an Sonntagen geöffnet zu lassen. Was für manchen Kunden bequem sein mag, zwingt jetzt die umliegenden Kleidergeschäfte nachzuziehen, um nicht Käufer an den Großkonzern zu verlieren. Die Kosten (für Personal, Strom, Heizung etc.) steigen dadurch unverhältnismäßig an, während die Einnahmen höchstens gleich hoch bleiben; schließlich verhindert man nur (teilweise), dass Kunden zu H&M abwandern. Kleinere Läden können sich diesen Kampf auf Dauer gar nicht leisten, auch weil häufig die Personaldecke nicht ausreicht, um genügend Schichten zu organisieren. Ohnehin mindert die Sonntagsarbeit die Lebensqualität der Angestellten.

Wo bleibt eigentlich der Protest von Linken und Grünen (Parteien) gegen Montis Liberalisierungen? Achja… protestiert wird nur gegen Maßnahmen des Landes.

* Die Verfassungsklagen, die sich in letzter Zeit häufen, verursachen übrigens hohe Kosten. Bekommt das Land recht, wird die staatliche Regelung nicht rückwirkend aufgehoben, sondern erst ab dem Zeitpunkt des Richterspruchs.

Arbeit Recht Staat vs Land Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen Zentralismus Zuständigkeiten | | Mario Monti | | Italy Südtirol/o | Land Südtirol | Deutsch

8 replies on “Ladenöffnungszwang.”

Naja…der Bericht wirft kein gutes Licht auf den Freiheitswillen Südtirols. Aber zumindest werden sich jetzt mehr Menschen darüber informieren wollen. Hoffentlich dann aber auch gut!

Was die Liberalisierung der Öffnungszeiten bedeutet, dafür gibt es jetzt ein Lehrbeispiel: In der Bozner Museumsstraße hat die schwedische Bekleidungskette H&M ihre Tore eröffnet und sogleich angekündigt, die Filiale auch an Sonntagen geöffnet zu lassen

Und was wäre, wenn die Gesellschaft im Stande wäre, diese Öffnungen einfach zu ignorieren? Das wäre mal ein gutes Zeichen, und auch eine Kette wie diese Schweden würden an besagtem Tag den Laden geschlossen halten, wenn niemand da hinein geht!
Also, nicht lärmen und dann doch hingehen!

Natürlich wäre das ein gutes Zeichen, doch dass dies funktionieren könnte, ist eine Illusion. Der Mensch ist bequem und zudem reicht hier eine kleine Zahl von Kunden, um den Betrieb am Laufen zu halten. Sprich: Es entscheidet nicht die Mehrheit, wie in einem Parlament, sondern ggf. eine Minderheit von Sonntagseinkäufern.

(Wie Tomà¡Å¡ Sedlà¡Äek gestern meinte: Es heißt immer, der Markt würde alles von alleine regeln. Dann denkt euch nur für einen Tag die Polizei weg oder die Notwendigkeit von Baugenehmigungen, um Gebäude zu errichten. Es wäre das Chaos.)

…Globalisierung, Liberalisierung,………, usw. werden uns noch mehr begleiten als uns lieb ist. Stellt Euch einfach vor, auf dem Ritten würde man “seltene Erden” finden. Und so ganz nebenbei; betritt man eine “Kette”; selbst die architektonische Gestaltung spielt uns einen Streich; weiß man doch nicht immer sofort, ob man in Düsseldorf, Erfurt, München oder Insbruck sich gerade befindet. Ergo: brauchts doch irgend wann auch nur noch einen Bäcker; der ist in Müchen zu Hause, einen Fleischer aus der Pfalz und einen Schuster aus Dingolfing. Der Rest ist uninteressant. Ach ja; vielleicht noch ein paar Filialen, welche dann rund um’s ganze Jahr immer für uns da sind; okay an Sylvester von 13h bis 0.30.h geschlossen haben.
:-)))

Einige regen sich auf dass Samstag alle nach Innsbruck fahren um einzukaufen. Jetzt kommen endlich diese internationalen Einkaufsketten zu uns und es passt den gleichen Leuten wieder nicht. – Vieleicht ist das jetzt ein bischen polemisch und auch ein wenig das Thema verfehlt.

Aber wenn ich sonntags in Bozen oder Brixen durch die Stadt gehe, ist immer ein bischen Grabesstimmung in der Luft. Ich würde es gut finden, wenn diese katholischen Öffnungszeiten endlich durchbrochen würden.

Auch ist mir aufgefallen, dass in Brixen sonntags die Gasthäuser offen haben. Unter den Lauben sogar ein Souvenierladen und ein Obst- und Gemüsegeschäft, aber die Pizza und Kebap-Buden müssen geschlossen bleiben. Das hat mit frommer Sonntagsruhe wenig zu tun. Das ist einfach Protektionismus der Alteingesessenen gegenüber neuer Konkurrenz.

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