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Ein Knick(s) für den Realismus.

In anderen Regionen des italienischen Staates wie Venetien (und nun auch Friaul) regt sich der Wunsch nach Unabhängigkeit, doch die politische Spitze in Südtirol bestätigt bei jeder Gelegenheit ihre Loyalität zum Staat. Trotz der zentralistischen Bestrebungen in Rom scheut man sich davor, dem Staat auch nur die Rute ins Fenster zu legen. Stattdessen mahnt der Landeshauptmann — etwa gegenüber der Tiroler Tageszeitung — einmal mehr Realismus an: In einem gemeinsamen Europa seien Grenzverschiebungen »nicht einfach«. Indirekt gibt er damit aber zu, dass die SVP nur noch einfache Lösungen sucht und vor komplexeren Prozessen zurückschreckt. Auf diesem Weg des geringsten Widerstandes hätte man dazumal aber wohl auch die Autonomie kaum erreicht, deren Erringung alles andere als »einfach« war.

Allerdings klingt das heutige »nicht einfach« auch schon völlig anders, als das bis vor kurzem beschworene »unmöglich«. Aufgrund des Präzedenzfalles in Schottland muss der Landeshauptmann denn auch einschränken, nur »ohne die Zustimmung« des betroffenen Staates sei »ein eigener Staat Südtirol nicht möglich«. Doch erstens haben Südtirol und die SVP den Wunsch nach Eigenstaatlichkeit gegenüber Rom nie offiziell artikuliert, weshalb wir gar nicht wissen können, wie der Zentralstaat auf eine derartige Forderung reagieren und welche ’gewogenen’ Kräfte man auf den Plan rufen würde. Und zweitens müssen wir wahrscheinlich nur noch ein paar Monate abwarten, bis Katalonien vormacht, wie man auch ohne die Zustimmung des betroffenen Staates vorgehen kann. Theoretische Analysen liegen bereits vor. Man darf gespannt sein, welche argumentativen Verrenkungen sich die SVP nach einem allfälligen Präzedenzfall Katalonien einfallen lässt, um die Loyalität zum Zentralstaat nicht in Frage stellen zu müssen.

Der angebliche Südtiroler Realismus wird immer öfter von der Realität Lügen gestraft.

Siehe auch:

Medien Mitbestimmung Politik Zentralismus | | | TT | Catalunya Scotland-Alba Venetien-Vèneto | SVP | Deutsch

17 replies on “Ein Knick(s) für den Realismus.”

… der surreale Eiertanz geht weiter, es tanzen die allermeisten BürgerInnen mitsamt den PolitikerInnen die eben gewählt wurden!
Der Herr Landeshauptmann macht mich allerdings sprachlos! – Sechs Kinder … in welche Zukunft sollen die hineinwachsen ? ? ? ?

Der wird schon schauen, dass sie im Ausland unterkommen. Hab das von eingen SVP-Granden erlebt, wie sie diesbezügliche Möglichkeiten ausgelotet haben…

Auch nach Katalonien wird die SVP einen Grund finden bzw. erfinden, um nicht Richtung Sezession zu gehen. Traurig … aber wahr.

Naja, da wird man dann halt offiziell sagen, dass man nicht will…und unsere ach so avantgardistischen Bürger werden nach jahrzehntelanger Gehirnwäsche brav folgen…

Nein, man wird sagen und dem “braven” Volke weismachen: “Katalonien ist nicht mit Südtirol vergleichbar”, “in Katalonien herrscht eine ganz andere Ausgangssituation”, ” das geht so nicht in Italien”, … …

verdammt, wie mir diese realismus-geleiere auf den sack geht!

– wie realistisch ist es, dass italien seine billionen-staatsschuld jemals zurückzahlen kann?
– wie realistisch ist es, dass sich italien mittel- bis langfristig wirtschaftlich erholt?
– wie realistisch ist es, dass das politische und gesellschaftliche system italiens nachhaltig reformiert wird?
– wie realistisch ist es, dass der staat vereinbarungen in zukunft einhält, nachdem er zumindest die letzten vier abkommen hintereinander einseitig übergangen hat?
– wie realistisch ist es, dass nach einer zentralistischen reform die autonomie ausgebaut wird?
– wie realistisch ist es, dass “normale” provinzen den “privilegierten” noch länger zuschauen werden?
– wie realistisch ist es …

https://www.youtube.com/watch?v=csuqZHLbGdg&feature=player_detailpage#t=147

… verdammt, dass es solche Blogger braucht wie hunter, der uns die Realität vor Augen hält! – Was machen wir mit denen die immerzu in den Tag hinein leben und offensichtlich nicht Willens sind, eine Generation weiter zu denken ! ! !

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