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Unterirdische Grenze.
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Nach derzeitiger Planung soll sich der Scheitelpunkt des Tunnels bei der Staatsgrenze auf einer Höhe von 794 m ü. M. befinden. Ein Scheitelpunkt weiter im Süden hätte tiefer gelegt werden können. Der Staatsvertrag zwischen Österreich und Italien verlangt den Scheitelpunkt aber an der Stelle der Staatsgrenze. Als Begründung für diese Wahl des Scheitelpunkts wird angeführt, dass österreichisches Wasser im Tunnel nach Österreich und italienisches Wasser nach Italien laufen müsse. Auf österreichischer Seite erhält der Tunnel damit 6,7 Promille, auf italienischer Seite 4,0 Promille Steigung.

Auszug aus dem Wikipedia-Eintrag zum Brennerbasistunnel

Im 21. Jahrhundert wird also der Scheitelpunkt eines Tunnels — eines Länder verbindenden Tunnels im Herzen der Vorzeige-Euregio, kofinanziert von der EU — so gelegt, »dass österreichisches Wasser im Tunnel nach Österreich und italienisches Wasser nach Italien« läuft. Die Grenze muss auch unterirdisch weiter unterstrichen werden — das Ganze klingt nach schlechter Satire.

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9 replies on “Unterirdische Grenze.
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Die heilige Wasserscheidentheorie kann natürlich auch außer Acht gelassen werden, wenn es, wie im Pustertal, zugunsten Italiens ausfällt. Ab Toblach fließt ja “italienisches” Wasser nach Österreich.

Ich hoffe natürlich, dass im Staatsvertrag nicht vergessen wurde, »italienische« Luft über geeignete Ventilation nach »Italien« (sprich: Südtirol) abzuführen und österreichische Luft nach Österreich.

Wurde im Staatsvertrag auch festgehalten, wie die unterirdischen Wasseradern zu verlaufen haben?
Nicht dass womöglich italienisches Wasser auf natürlichen Umwegen doch noch die österreichische Tunnelsohle erreiche…

Was auch für mich lächerlich klingt, hat doch handfeste wirtschaftliche Interessen. Am neuen Gotthardtunnel in der Schweiz wird das warme Bergwasser gesammelt und eine Fischzucht betrieben. Es wird auch darüber nachgedacht, Treibhäuser damit zu beheizen und Tomaten zu züchten oder Strom zu erzeugen. Ähnliche Überlegungen gibt es sicherlich auch beim BBT.

Wenn man von Wirtschaftlichkeit spricht, stellt sich die Frage, ob man bei einer Scheitelhöhe von 794 m Höhe nicht gleich auf plus/minus 900 m Höhe einen Scheiteltunnel zwischen Steinach und Sterzing (Stilfs) hätte bauen sollen. Dieser wäre mit einer Länge von ca. 25 km nur halb so lang, wie der geplante Basistunnel, bei einer Scheitelhöhe, die nur ca. 150 m über dem Basistunnel läge.
Die Bauzeit und die Baukosten würden wohl maximal ein Drittel sein. Das macht man mit ein wenig warmem (italienischen) Wasser wohl nicht wett.
Zum Vergleich: Die Scheitelhöhe beim Gotthard Basistunnel liegt auf 549 m Höhe, also knappe 250 m unter dem Brenner Basistunnel. Die Steigungen in den Tunnels sind vergleichbar.

Sicher geht es beim Wasser um wirtschaftliche Interessen. Trotzdem oder genau deshalb zeigt uns dieses Beispiel, wie wichtig Grenzen nach wie vor sind. Wären wirtschaftliche nicht zugleich »nationale« Interessen, käme wohl niemand auf die Idee, das Wasser genau an der Grenze zu »scheiden«. Gäbe es am Brenner keine Staatsgrenze, wäre dieses Thema wohl nachrangig — am Gotthardbasistunnel etwa wird es kaum so penibel darum gehen, wieviel Wasser ins Tessin und wieviel in den Kanton Uri abfließt. Meines Wissens musste aufgrund der Grenzbeharrung der Scheitelpunkt des BBT so gelegt werden, dass es auf Südtiroler Seite zu einer ungünstig hohen Neigung der Bahnstrecke kommen wird. Wenn man uns also sagt, dass es keine Grenzen mehr gibt, oder auch nur, dass sie zunehmend abgeschwächt werden, so stimmt das nicht. Sie werden gar bei neuen Projektenund selbst unterirdisch repliziert und betont. Fehlt nur noch, dass sie unterm »sacro confine della patria« im BBT einen Umsteigebahnhof anlegen.

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