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Faschistengruß in Sportstätten erlaubt.

Ein toskanisches Gericht hat vier Fußballfans des FC Hellas Verona freigesprochen, die im Jahr 2011 — so schnell ist die Justiz! — während eines Spiels gegen Livorno den Faschistengruß gezeigt hatten. Große Teile der Fangemeinde der venetischen Mannschaft sind für ihre rechtsextremistische Gesinnung bekannt. Der einschlägige Vorfall war von den Überwachungskameras im Stadion festgehalten und von der Staatsanwaltschaft verfolgt worden. Richter Angelo Perrone stellte jedoch in seinem umstrittenen Urteil fest, dass die Handlung nicht strafbar sei, da unter anderem:

  • Sportstätten normalerweise nicht der Ort seien, wo politische Propaganda gemacht werde;
  • angesichts der zahlenmäßigen Minderheit der vier Fußballfans im Vergleich zum gegnerischen Fanblock keine Gefahr der Destabilisierung bestanden habe;
  • der Faschismus weit zurückliege und dies die Stabilität antifaschistischer Werte im rebublikanischen Italien beweise.

Gerade letzteres »Argument«, das einer verqueren Logik entspringt und bisweilen von Rechtsextremistinnen selbst vorgebracht wird, wenn man ihnen Nähe zum Faschismus bzw. Nationalsozialismus vorwirft, ist wahrlich haarsträubend. Faschismus und Nationalsozialismus sind keine beschränkte historische Epoche und die Zeit allein ist kein Faktor, der das Wiedererstarken ähnlicher Ideologien erschweren würde. Urteile wie dieses tragen hingegen dazu bei, rechtsextremistische Positionen hoffähig zu machen und am Leben zu halten.

Richter Perrone ließ es sich übrigens nicht nehmen, die »Diskriminierungen« im Faschismus und im Nationalsozialismus ausdrücklich mit jenen von »Bewegungen umgekehrten Vorzeichens« in einen Topf zu werfen.

Siehe auch:
Faschismen Politik Recht Sport | | | | Italy Venetien-Vèneto | | Deutsch

8 replies on “Faschistengruß in Sportstätten erlaubt.”

Stimme mit dir überein, Faschismus und Faschismen dürfen weder in ihrer “Substanz” noch in ihrer Symbolik kleingeredet werden. Weder im “wirklichen” Leben noch im Fussballstadion.
Da lob‘ ich mir unsere Kammerpräsidentin Boldrini, die den Vorschlag eines ehemaligen Partisanen aufgegriffen hat und meinte, der Schriftzug “Mussolini Dux” sei vom Obelisken vor dem “Foro Italico” zu entfernen.
Ich lob‘ mir ihre Aussage vor allem deshalb, weil sie einen Anstoß dazu gibt, sich der Frage zum Umgang mit faschistischen Relikten zu stellen. Ob die Entfernung des Schriftzugs oder das Schleifen des Obelisken selbst (wie vom ehemaligen Partisanen vorgeschlagen) oder etwas anderes “die Lösung” wäre, ist dabei zweitrangig (und damit meine ich nicht unwichtig, sondern eben zweitrangig).
Und für alle, die (mir) jetzt die Frage stellen, ob auch vom Bozner Denkmal am ehemaligen Friedensplatz der Schriftzug entfernt werden sollte: könnte eine Lösung sein, allerdings könnten auch andere erarbeitet werden.
“Der Lösung” vorgelagert und somit vorrangig, scheint mir der Weg zur Lösung. Sprich: wer sich wie mit der Frage auseinandersetzt, welche unterschiedlichen Überlegungen eingebracht werden, wie und ob Aushandlung stattfindet…Lösungen, die auf diesem Weg entstehen, auch wenn sie Zeit in Anspruch nehmen, sind getragene Lösungen.

Am römischen (faschistischen) Gruß der ehemaligen Tourismusministerin Michela Vittoria Brambilla besteht kein Zweifel. Folgen hatte dies keineswegs. Im Gegenteil: wenige Tage nach diesem postfaschistischen Ereignis hat Österreichs Bundeskanzler Faymann freudig die faschistische Grußhand der Brambilla geschüttelt. Das Tourismusministerium gibt es heute nicht mehr (wurde dem Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung eingegliedert), aber die faschistenfreundliche Ministerin hat uns doch ein ungutes Erbe hinterlassen. 2007 waren im Auftrag des Tourismusministeriums noch zwei Briefmarken mit zweisprachigem (besser zweinamigen) Aufdruck erschienen, nämlich „Brunico-Bruneck“ und „Trentino-AltoAdige/Südtirol“. 2008 wurde die Brambilla Ministerin, und damit war es aus mit der Herrlichkeit. Sie setze ein Komitee ein, das – mit teilweise gleicher Besetzung – noch heute beim Wirtschaftsministerium besteht und für die Gestaltung der Briefmarken zuständig ist. Laut diesem Komitee dürfen zwar die Stempel zweisprachig sein, weil es sich dabei um „atti amministrativi“ handelt. Für die Briefmarken bestehe aber keine Zweisprachigkeitspflicht, weil sie keine amtlichen Dokumente, sondern „Werbeartikel“ seien und außerdem in ganz Italien zirkulierten und nicht nur im zweisprachigkeitspflichtigen Südtirol.

hat Österreichs Bundeskanzler Faymann freudig die faschistische Grußhand der Brambilla geschüttelt

Und diesem Mann wurde die Otto-Bauer-Plakette für Verdienste im Kampf gegen Rechtsradikalismus und Faschismus verliehen….

Für die Briefmarken bestehe aber keine Zweisprachigkeitspflicht, weil sie keine amtlichen Dokumente, sondern ”Werbeartikel” seien und außerdem in ganz Italien zirkulierten und nicht nur im zweisprachigkeitspflichtigen Südtirol.

Wen würden denn Marken mit „Brixen/ Bressanone stören?
Ich schreibe einem Freund auch immer nach „Anpezo in Tirol“, die Briefe kamen immer an :-)

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