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Im Zentrum der Verharmlosung.

Der Umgang der größten italienischsprachigen Tageszeitung des Landes mit Attributen das politische Spektrum betreffend wird immer abenteuerlicher. Der Einzug der neofaschistischen Bewegung CasaPound in den Bozner Gemeinderat zeigt diese Tendenz so deutlich auf, dass man dahinter schon bewusste Verharmlosung vermuten muss.

Wurden die “Faschisten des 3. Jahrtausends” (Eigenbezeichnung CasaPound) in früheren Artikeln noch richtigerweise als “estrema destra” bezeichnet, so werden Andrea Bonazza und Co. mittlerweile regelmäßig dem “centrodestra” zugeordnet – wie im übrigen auch die Lega und die Lista Benussi. Auch hält man es in einem Portrait von CasaPound nicht der Mühe Wert darauf hinzuweisen, dass der Neogemeinderat bereits wegen faschistischer Wiederbetätigung verurteilt wurde; ein Umstand, der hierzulande ob der laxen Exekution der Gesetze geradezu als Kunststück bezeichnet werden muss. Die mitunter strafrechtlich relevanten Tatsachen, dass CasaPound offen zur Gewalt als legitimes politisches Mittel steht und dass Bonazza eine gute Meinung von der Zeit des Faschismus hat, werden wertfrei und unkommentiert wiedergegeben.

Dass die Zeitung A. Adige mit diesem Sprachgebrauch offenbar bewusst die anerkannte politische Nomenklatur auf den Kopf stellt, lässt eine ethnisch-ideologisch motivierte Kampagne vermuten. Gestützt wird diese Vermutung durch den konsequenten Gebrauch von “destra” oder gar “estrema destra” tedesca bzw. tirolese im Zusammenhang mit der Süd-Tiroler Freiheit oder den Freiheitlichen. Andernfalls handelt es sich um einen völligen Realitätsverlust.

Dabei sind sowohl im Italienischen als auch im Deutschen die Abstufungen doch recht eindeutig, wenn auch fließend. Während man auf Deutsch das politische Spektrum in linksextrem – linksradikal – links – Mitte – rechts – rechtsradikal – rechtsextrem unterteilt sind auf Italienisch die Bezeichnungen estrema sinistra – sinistra – centro-sinistra – centro – centro-destra – destra – estrema destra gängig. Mehr noch als im Deutschen werden radicale und estrema meist nahezu synonym gebraucht. Das deutsche Bundesamt für Verfassungschutz betont aber sehr wohl einen Unterschied zwischen radikal und extrem, den man mitunter auch im italienischen Diskurs findet:

Was ist der Unterschied zwischen radikal und extremistisch?
Als extremistisch werden die Bestrebungen bezeichnet, die gegen den Kernbestand unserer Verfassung – die freiheitliche demokratische Grundordnung – gerichtet sind. Über den Begriff des Extremismus besteht oft Unklarheit. Zu Unrecht wird er häufig mit Radikalismus gleichgesetzt. So sind z.B. Kapitalismuskritiker, die grundsätzliche Zweifel an der Struktur unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung äußern und sie von Grund auf verändern wollen, noch keine Extremisten. Radikale politische Auffassungen haben in unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung ihren legitimen Platz. Auch wer seine radikalen Zielvorstellungen realisieren will, muss nicht befürchten, dass er vom Verfassungsschutz beobachtet wird; jedenfalls nicht, solange er die Grundprinzipien unserer Verfassungsordnung anerkennt.

Man muss sich die Frage stellen, inwieweit die Zeitung durch ihren fahrlässigen Umgang mit politischem Extremismus diesen salonfähig macht und somit mitverantwortlich für den Rechtsruck in Bozen ist. Zudem mutet es sonderbar an, dass “progressive” Südtiroler, die sich selbst meist im linken Spektrum verorten, trotz dieser zweifelhaften Linie nach wie vor keine Berührungsängste haben, ja diese selektive Wahrnehmung in Kommentaren und Interviews bisweilen sogar indirekt bestärken.

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9 replies on “Im Zentrum der Verharmlosung.”

Nicht minder bedenklich finde ich in diesem Zusammenhang allerdings auch das Schweigen der deutschsprachigen Medien, allen voran der “Dolomiten”.

Als extremistisch werden die Bestrebungen bezeichnet, die gegen den Kernbestand unserer Verfassung ………..gerichtet sind.

“Aber dann ist dieser Blog doch auch extremistisch!?!
Oder ist die Unteilbarkeit des Staates nicht ein Kernbestand der Verfassung?”

So würde ich argumentieren, wenn ich ein”extremer” Linker oder Rechter wäre.

Genau die Apposition, die du in deinem Zitat weggelassen hast, präzisiert doch, was (zumindest für den deutschen Verfassungsschutz) den Kernbestand der Verfassung ausmacht, nämlich

die freiheitliche demokratische Grundordnung

Alles andere kann man wohl schlecht als »Extremismus« bezeichnen, sonst wäre jede Partei, die zumindest Teile einer Verfassung nicht teilt und/oder reformieren will, auf extremistischen Positionen. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass die Umsetzung der BBD-Idee eine Stärkung der »freiheitlichen demokratischen Grundordnung« zur Folge hätte. Siehe hierzu [1] und [2]. Trotzdem kann ich mir gut vorstellen, dass Unabhängigkeitsbefürworter durchaus unter Beobachtung der italienischen Verfassungsschützer stehen.

Natürlich hast du recht, ich schreibe ja auch, wenn ich wäre…..!
Aber gerade das Weglassen von Teilen solcher Sätze ist doch die Stärke von Politikern, das gehört sozusagen zum Grundkurs ” Wie manipuliere ich die Gesellschaft nach meinen Vorstellungen”.

Liebe Blog Betreiber, Lieber Herr Constantini,

Ich rate euch mal der Alto Adige Redaktion einen Kommentar zu schreiben.

Zudem mutet es sonderbar an, dass ”progressive” Südtiroler, die sich selbst meist im linken Spektrum verorten, trotz dieser zweifelhaften Linie nach wie vor keine Berührungsängste haben, ja diese selektive Wahrnehmung in Kommentaren und Interviews bisweilen sogar indirekt bestärken.

Heute ist es wieder so weit und der Gadertaler Gemeinwohlhotelier Michil Costa schreibt für das nationalistische Blatt einen »Leitartikel«. Würde er auch für eine Zeitung schreiben, die Neonazis verharmlost?

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