Frontalangriff auf die ladinische Sprache.

Seit mehreren Monaten plädiert die Lega Nord in regelmäßigen abständen dafür, lokale italienische Dialekte aufzuwerten, indem man ihnen im Bildungssystem und in der Öffentlichkeit mehr Platz einräumt. Von einer breiten Mehrheit der übrigen Parteien wird diese Forderung (zum Teil reflexartig) abgelehnt, da sie in ein xenophobistisches Gesamtkonzept gebettet ist — und mitunter als Keule gegen Zuwanderer aus anderen Regionen benutzt wird. Nationalisten kritisieren zudem, das Vorhaben bedrohe die Einheit des Landes.

Mit ihrer explosiven Mischung aus Ausländerfeindlichkeit, Lokalpatriotismus und Dialekten erweist die Lega den anerkannten Minderheitensprachen einen Bärendienst. Im Eifer des Gefechts verstricken sich auch Liberale und Linke immer wieder in Verallgemeinerungen und Widersprüche, die deutlich zeigen, wie brüchig in Italien das Bewusstsein für die eigene sprachliche Vielfalt ist. So kommen immer öfter auch die sardische, friaulische und ladinische Sprache mit unter die Räder, wenn es darum geht, die Forderungen der Lega zu entkräften. Als Sprachen werden mitunter nur noch jene anerkannt, die auch im Ausland offiziell und jedenfalls nicht romanischen Ursprungs sind, wie Deutsch, Albanisch oder Slowenisch.

Damit gibt man Nationalisten und Zentralisten neue Munition in die Hand, um einen effektiven Minderheitenschutz (den die meisten Sprachen bis heute nicht genießen) zu unterminieren. So hätten Galicier und Katalanen, die in Spanien weitgehende Sprachrechte genießen, in Italien einen sehr schweren Stand — bedrängt von einer gleichmacherischen Tendenz, die versucht, möglichst alles unter den Hut der italienischen Einheitssprache zu bringen.

u veneriEin aktuelles Beispiel zitiert das ladinische Nachrichtenportal Noeles: Sogar das linksliberale Tagblatt la Repubblica fährt über die Zeilen seiner Freitagsbeilage einen Frontalangriff auf die romanischen Minderheitensprachen. Linguist und Professor Raffaele Simone behauptet darin z.B. unwidersprochen, dass die ladinische Sprache nichts anderes sei als ein italienischer Dialekt. Eine Argumentation, die wir so bereits aus dem Faschismus kennen, der damit die Zugehörigkeit Südtirols zu Italien untermauern wollte.

Einerseits kann man von Glück sprechen, dass ein großer Teil Ladiniens auf dem Gebiet der autonomen Länder Südtirol und Trentino liegt und somit vor dem direkten Zugriff zentralistischer Politikerinnen und Bürokraten sicher ist, die in Friaul und Sardinien regelmäßig dafür sorgen, dass Schutzbestrebungen ins Leere laufen. Andererseits ist jedoch deutlich anzuprangern, dass auch hierzulande viel zu wenig fürs Ladinische unternommen wird. Weder konnte man sich auf die Vereinheitlichung der Schriftsprache einigen, noch gibt es ein Schulsystem, das der ältesten Sprachgruppe im Lande ein langfristiges Überleben sichert — um nur zwei dringend nötige Maßnahmen zu nennen.

Siehe auch: 1/ 2/

Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.

20 replies on “Frontalangriff auf die ladinische Sprache.”

Eine kleine Präzisierung. Es gibt eine nunmehr seit 2002 eine ladinische schriftliche “Standardform”, das Ladin Dolomitan bzw. Ladin Standard, mit einer Grammatik und einem Wörterbuch, die von allen ladinischen Kulturinstituten geminsam herausgegeben worden ist. Die Form steht also fest. Diese Standardform wird auch in der Zeitung und in Veröffentlichungen gebraucht. Der Haken ist daran ist allerdings, dass diese Schriftform, nach dem Wahlsieg von Mussner (SVP) 2003 mit einem Landesbeschluss (210/2003) nicht ofizielle Gültigkeit hat, sondern nur die Talschaftsvarianten. Für Wirbel hat damals die Entscheidung des Rates des ladinischen Kulturinstituts in St. Martin in Thurn gesorgt, der diesem Beschluss seine Einwilligung gegeben hat, sogar ein erklaerter Befürworter wie der ladinische Schulamtsleiter Roland Verra. Das ladinische Kulturinstitut hat mittlerweilen jegliche Arbeit in dieser Angelegenheit eingestellt. Somit wird, anders als etwa in Graubünden, nicht mehr intensiv daran gerarbeitet. Generela und das ladinische Kulturinstitut im Fassatal halten aber weiterhin daran fest.

Die Unterscheidung zwischen Sprache und Dialekt ist vom sprachwissenschaftlichen relativ willkürlich. Ob eine Sprache den Status einer Hochsprache erhält hängt häufig damit zusammen, ob sie in einem eigenen Staat gesprochen wird oder nicht. Beispiel: Schwedisch, Norwegisch (hier gibt es sogar zwei offizielle Sprachen, nämlich Nynorsk und Bokmal) und Dänisch unterscheiden sich untereinander relativ gering. Ein großer skandinavischer Einheitsstaat hätte möglicherweise alle vier Sprachen vereinheitlicht oder würde von regionalen Varianten des Dänischen oder Schwedischen sprechen.
Ähnlich in Spanien. Ohne autonomistische Ausrichtung der spanischen Verfassung und ohne entsprechendes Selbstbewusstsein der Katalanen und Galizier wäre es wohl leicht gewesen beide Sprachen als regionale Varianten des Kastillischen abzutun. Besonders schwer ist es für verwandte Sprachen sich als eigene Hochsprachen zu behaupten.
Frankreich ist hier herausragendes Negativbeispiel und hat sich in den letzten Jahrzehnten als wahrer Sprachtöter hervorgetan. Das Provenzalische als romanische Sprache fristet ein kümmerliches Dasein. Elsässisch, Baskisch, Flämisch wenngleich nicht mit dem Französischen verwandt wurden aufgrund einer zentralistischen Sprachenpolitik elegant in die Bedeutungslosigkeit oder in den Folklorestatus gebracht.
In Italien scheinen das Friulanische oder Sardische ein ähnliches Schicksal zu erleiden. Ernsthafte Bemühungen in Rom diese Sprachen wirksam zu fördern gibt es keine.
Selbst im einst sprachenreichen Osteuropa vernichten die mit dem 1. Weltkrieg entstandenen Nationalstaaten zusehends die sprachliche Vielfalt. In Siebenbürgen vernahm man noch vor etlichen Jahrzehnten Ungarisch, Deutsch, Rumänisch und Roma Sprachen. Wenn es keine Kursänderung gibt, wird wohl nur Rumänsch, die Sprache des Nationalstaates übrigbleiben.
Fazit: in Europa dominiert abgesehen von einigen Ausnahmen (Schweiz, Spanien als autonomistischer Staat, einigen wenigen funktionierenden Autonomieregelungen: Färöer Inseln, Schweden in Finnland, Südtirol) immer noch der Nationalstaat. EIN Land, EINE Sprache – der Rest gerät unter Rechtfertigungszwang. Bitteres Detail am Rande. Die EU hat noch keine einzige Sprache in Europa gerettet. Und, der klassische Nationalstaat ist ein völlig ungeeigneter institutioneller Rahmen um Sprachenvielfalt zu garantieren. In diesem Sinne wird Südtirol seine sprachliche Vielfalt erst dann unverkrampft ausleben und ausspielen können wenn wir einen institutionellen Rahmen außerhalb eines Nationalstaates haben. Um die Fähigkeit und den Willen zur Mehrsprachigkeit zu beweisen sollte sich Südtirol schon heute zugunsten seiner kleinsten Sprachgemeinschaft wesentlich großzügiger zeigen in Form einer asymetrischen Förderung des Ladinischen.

Sehr treffend ausgedrückt! Was eine Sprache auszeichnet ist nicht nur die Sprache an sich, sondern auch das Bewusstsein der Mehrheit einer Gemeinschaft eine eigene Sprache zu sprechen. Das ist meines Wissens sicherlich bei den Ladinern und den Friaulern der Fall (die ja bekanntlich untereinander mehr verwandt sind als mit dem Italienischen). Ladinisch bzw. Friaulisch ist ihre Sprache und Italienisch ist einfach eine andere Sprache, obwohl sie sprachlich verwandt sind. Dieses Bewusstsein ist z.B. in Friaul so stark, dass auch ohne jegliche Förderung, im Schnitt jährlich über 300 Veröffentlichungen in Friaulisch erscheinen. Kein sogenannter “italienischer Dialekt” hat eine derart grosse publizistische Tätigkeit. Auch hier wird der Unterschied zum “Dialektbewusstsein” deutlich.

Mauriz, danke für die Präzisierung. Die Situation der ladinischen Standardsprache ist mir bekannt. Auf deren offizielle Einführung (in den Schulen, beim Land, durch die Gemeinden…) konnte man sich bisher leider nicht einigen, was ich ehrlich gesagt skandalös finde. Schuld daran ist vor allem die SVP, die leider auch von einem großen Teil der Südtiroler Ladiner gewählt wird.

Was eine Sprache auszeichnet ist nicht nur die Sprache an sich, sondern auch das Bewusstsein der Mehrheit einer Gemeinschaft eine eigene Sprache zu sprechen. Das ist meines Wissens sicherlich bei den Ladinern und den Friaulern der Fall.

Anscheinend ist es bei den Friulanern stärker als bei den Ladinern der Fall. Man kann der SVP nicht alles in die Schuhe schieben. Ich habe das Gefühl die Ladiner selbst verzichten teilweise darauf sich für ihre Muttersprache stärker einzusetzen. Auch muss man eine Sprache pflegen und weiterentwickeln damit die Bereiche in denen man sie einsetzen kann nicht abnehmen.

Bitte versteht mich nicht falsch. Ich finde das Ladinische sollte mehr Förderung erfahren und in der Öffentlichkeit mehr präsent sein, damit sich Ladinier auch außerhalb den beiden Tälern mit ihrer Muttersprache identifizieren können. Andererseits kann eine Sprache nicht alleine durch Stützung von außen erhalten werden, entscheidend ist auch, wie vital sie von innen ist.

Die Lage der Ladinischen Sprache ist vielschichtig. Erstens sind die Ladiner mit ihrer Sprache, anders als die Italiener, wo sogar manchmal die Staatsanwaltsschaft bemüht wird, nie agressiv vorgegangen. Das liegt ihnen einfach nicht. Auf der einen Seite verzeichnet man sehr viel Interesse, z.B. abboniert fast jede Familie die ladinische Wochenzeitung und gewisse Publikationen, wie der Ladinische Kalender und die Ladinische Chronik gehen weg wie “warme Semmeln”. Das bedeutet, dass man gerne Ladinisch liest und dass das Interesse an der eigenen Sprache ungebrochen ist.
Wie bereits Pervasion festgestellt hat, besteht aber von aussen, anders als in Graubünden, absolut NULL Sensibilität die Ladinische Sprache stärker zu fördern, z.B. auf Landesebene oder Bezirksebene, z.B. mit ladinischen Aufschriften und Information in ladinischer Sprache (z.B. Gesundheit, über Dienste). Die Ladiner erhalten einfach alles in Deutsch. Die Landesverwaltung diskriminiert, mit dem Hinweis, dass die ladinsiche Sprache gesetzlich nur in den ladinischen Gemeinden Anwendung finden soll, obwohl auch die ladinischen Bürger ihre Steuern zahlen und somit alle Landesdienste mitfinanzieren. Auch die ladinische Toponomastik wird nicht berücksichtigt. Es wäre wohl logisch, dass wenn z.B. der Grödnerjoch – Jouf de Frera (oder St. Ulrich – Urtijei) heißt, dies auch überall angebracht wird, auch ausserhalb der ladinischen Täler, denn dies ist der Hauptname. Diese sind nur einige Beispiele der Diskriminierung in Südtirol. Ihre Sprache wird in der Praxis nicht berücksichtigt, sondern eben nur gerne in SONNTAGSREDEN erwähnt.
Die SVP als ganzes tut einfach nichts.

nicht, dass ich im bündnerland lebe, aber das rumantsch ist dort auch nicht “omnipräsent”. zb. sind ofen-, albula-, julier-pass (pass dal fuorn, pass da l’alvra, pass dal güglia) primär deutsch und erst dann (wenn überhaupt) rumantsch angeschrieben.

und wenn ich den bündnern (vallader) zuhöre, habe ich oft das gefühl dass es eine tote sprache ist: es werden sehr viele deutsche wörter verwendent, wie zb. “strassenverkehrsamt” oder “motorfahrzeugkontrolle” (im prinzip alle neueren wörter)…
wieso entwickelt sich diese sprache nicht mehr?

So oft war ich auch nicht in Graubuenden, aber die Toponomastik, soweit ich das gesehen habe, ist raetoromanisch gehalten, sogar in St. Moritz. In den meisten Doerfen gibt es sogar nur raetoromanische Aufschriften, was bei uns ehrer unueblich waere.
Immerhin gibt es in Graubuenden ein 24stuendiges raetoromanisches Radioprogramm, siehe http://www.rtr.ch, eine Tageszeitung und ein Presseamt in Raetoromanisch, Romanisch ist bei Gericht in jeder Istanz ofizielle Landessprache, auch auf Kantonalebene. Die Standardsprache “Rumantsch Grischun”, wird im Schuljahr 2009/2010 in 1/3 der Schulen unterrichtet. Nach den Fernsehsendungen zu urteilen, sprechen die Leute in Interviews, anders als hier, ein besseres Raetoromanisch. 2007 wurde in Graubuenden gutgeheissen, dass die Integrierung der “Deutschsprachigen und Fremdsprachigen” foerdern soll (damit bei Mehrheitswechsel nicht auch ein Sprachwechsel eintritt wie frueher). Die Gemeindeautonomie in dieser Hinsicht beschraenken soll. Bis jetzt konnte jede Gemeinde selbst die Amtssprache waehlen.

Purtroppo tutte le lingue minoritarie sono minacciate di estinzione in Europa, quale più quale meno. Forse solo il catalano dimostra particolare vitalità  e una forza di resistenza, il che secondo me dimostra una cosa: al di là  della distinzione tra lingua e dialetto, piuttosto artificiosa, perché una lingua sia tale e non si riduca a un patois tenuto pietosamente in vita a scopi più che altro turistico-folkloristici sono necessari tre requisiti: che venga percepita come lingua PROPRIA dalla maggioranza della popolazione residente in un certo territorio, che possa essere usata in tutti i registri del parlato e dello scritto, che venga usata da un numero minimo di persone (qui i pareri possono divergere, ma direi che almeno 1.000.000 di parlanti ci vogliono). Un esempio? L’occitano rispetto al catalano: in teoria ci sarebbero diversi milioni di persone in grado di parlarlo, ma si tratta di una finzione, perché in realtà  le persone non lo percepiscono come lingua propria, lo vedono come un romantico segno di identità  della Francia meridionale, da usare per cantare nei gruppi corali o nelle manifestazioni per rivendicare l’identità  occitanica, ma quando si tratta di usare la lingua per scopi “seri” passano subito al francese, che è l’effettiva lingua materna. Del resto basta ascoltarli per rendersi conto che traducono direttamente dal francese, di cui mantengono accento e cadenza. Un pò diverso è il caso di lingue come il ladino: qui probabilmente viene sentito come lingua propria, ma il numero dei parlanti è troppo esiguo perché il ladino possa essere utilizzato in tutti i registri. Faccio un esempio: se un abitante della Val di Fassa o uno di Badia/Gardena vuole partecipare a un reality show, tipo Il Grande Fratello, oppure vuole scrivere un trattato di filosofia teoretica, cosa farà ? Secondo me il fassano che vuole partecipare al Grande Fratello farà  i provini alla tv italiana, e ugualmente il trattato lo scriverà  in italiano. Il badiotto/gardenese si rivolgerà  alla tv austriaca/tedesca (lo fanno il Grande Fratello?) e il trattato lo scriverà  in tedesco. E’ anche possibile che il trattato di filosofia tutti e due lo scrivano direttamente in inglese, se vogliono assicurargli la massima diffusione. Non molto diversa è la situazione per i friulani e i sardi, anche se sono molti di più dei ladini. In realtà , nonostante tutti i proclami dei linguisti che classificano tali parlate come “lingue”, i corsi universitari, i cartelli bilingui, ecc., la gente li vive praticamente come dialetti, in situazione di diglossia rispetto all’italiano. Il ladino badiotto/gardenese non potrebbe mai essere classificato come dialetto del tedesco, ovviamente, eppure la situazione di diglossia rispetto al tedesco è pressappoco la stessa del fassano/friulano/sardo rispetto all’italiano.

IN EUROPA NON CI SONO SOLO ESEMPI NEGATIVI, come in Italia. Ci sono alcuni esempi dove le lingue minoratarie sono in crescita grazie ad una politica mirata: p.ej. nei Paesi Baschi nel 1991 il 24% conoscevano la lingua, nel 2006 il numero è cresciuto a 30,1%, aumentando il numero di bascofoni a 900.000, e la politica di sostegno cresce.
Un esempio di un gruppo minore sono l’aranese nella Val d’Aran (Cataglogna/Spagna), dove c’è l’unico posto dove l’occitano ha status ufficiale, dal 1981 al 1991 il numero di abitanti è aumentato da 5.923 a 9.815, nel 1961 il 60,9% parlava l’occitano, nel 2001 il 62,2%. La politica linguistica ha permesso di mantenere e aumentare leggermente il numero dei parlanti.
Si potrebbe continuare con gli esempi (Galles p.es.). Le minoranze non sono affatto destinate a morire se c’è attenzione per il loro status (con le poltiche italiene sicuramente si).

Io non vedo nei “registri” un argomento per disqualificare una lingua. Una lingua non deve essere necessariamente usata in tutti i “registri”, basta nell’uso quotidiano e nell’ufficialità  del luogo (giornali, istituzioni, radio, in chiesa ecc.), nella vita concreta di ogni giorno. (Questo diritto gli viene negato ai friulani ed ai sardi quasi completamente). Neanche l’italiano (o il tedesco) non è lingua importante p.es. nella fisica o in altri campi, dove prevale ormai da anni l’inglese. Un fisico italiano deve per forza imparare l’inglese. Nel quotidiano non si parla del resto neanche prevalentemente di trattati di fisica o di filosofia o si deve apparire nel “Grande Fratello”.

Mi sia permesso un piccolo esempio per descrivere la richezza di una lingua. I determinativi di luogo sono in ladino, essendo una lingua maturata nella montagna dove è importante descrivere il luogo, l’altitudine, la profondità  ecc. sono molto più evoluti e precisi che p.e. nell’italiano standard e possono essere combinati in mille modi. Si può infatti descrivere ogni piega del paesaggio per indicare un luogo o come si arriva ad un luogo: roduntacaijö, söite, jöicà , jöicaite, itisöpert, caijöpert, damprosö, jöicaite, surassöite, surassö, surassöitejö, dessurassö, adertsö, adertaite, adertajö, adertacà , anterite, itisö ecc. ecc.

Möchte nur einige Details hinzufügen:

– In den rätoromanischen Gemeinden Graubündens ist Rumantsch für die ersten drei Grundschuljahre ausschließliche Unterrichtssprache in allen Fächern; in den ladinischen Gemeinden Südtirols wird nur eine Wochenstunde Ladinisch unterrichtet.

– Val d’Aran ist besonders gut mit den ladinischen Dolomitentälern vergleichbar; nicht nur, weil es sich um eine äußerst kleine Volksgruppe handelt, sondern auch, weil es eine »Minderheit in der Minderheit« (Okzitanisch in Katalonien) ist. Mit dem Conselh Generau d’Aran hat das Arantal eine eigene übergeordnete Institution der Selbstverwaltung; die Sprache ist vorrangige lokale Amtssprache (d.h. zum Beispiel in der Beschilderung, im öffentlich-rechtlichen lokalen Fernsehen, in den Aushängen etc. einzige benützte Sprache), wird in der öffentlichen Schule als vorwiegende Unterrichtssprache benutzt, ist einzige Sprache in der Toponomastik, verfügt über eine eigene, tägliche, vollwertige Nachrichtensendung (also auch mit internationalen Informationen) im katalanischen Fernsehen, die landesweit ausgestrahlt wird [ansehen]. All dies trifft auf die Ladiner in der »Modellautonomie« Südtirol nicht zu, ja nicht einmal auf viel größere Sprachgemeinschaften in Italien, wie eben die Sarden oder die Friauler.

Noch einige Links zu verwandten Themen in diesem Blog: [Lescha da Linguas] [Engiadina] [Toponomastica ladina].

Was hat hingegen Italien für die Förderung des Okzitanischen gemacht? Fast nichts. Durch das Gesetz Nr. 482/99 wurde das Okzitanische überhaupt erst als Minderheit anerkannt. In der Praxis hat sich das Gesetz als zu unverbindlich erwiesen. Zudem wird die finanzielle Ausstattung des Gesetzes wird von Jahr zu Jahr herabgesetzt. Schlimmer noch: es ist in Italien Mode geworden Gelder für Sprachminderheiten als Geldverschwendung hinzustellen. Gelder für die italienische Minderheiten in Kroatien und Slowenien (es sei ihnen gegönnt) fliessen aber reichlich (für 30.000 Italiener jenseits wurde sogar ein eigener Satelittensender eingerichtet). Am allerschlimmsten ist es das sich sogar die Mitte-Links Parteien daran beteiligen. Das Gesetz zür Förderung des Friaulischen wurde z.B. von der Prodi-Regierung, kurz vor ihrem Rücktritt, zu Fall gebracht.

Seit Walisisch (Welsh) in Wales / England (und die Sprache ist immerhin mit der Weltsprache Nr. 1 konfrontiert) den gleichen offiziellen Status als English hat (Institutionen, Gericht usw.), haben sich die Zahlen deutlich gebessert und die Erosion konnte gestoppt werden. 1991 gaben 508.000 Personen an Walisisch zu beherrschen, 2004 waren es 611.000 (über 20% Zunahme).

@Tuscan. Riguardo all’Occitano dici cose che non corrispondono alla realtà . Ci sono, anche in Francia scuole in Occitano e ci si preoccupa dell’uso della lingua nel quotidianao. Vedi un esempio fra tanti: http://www.calandreta.org/
Del resto l’Italia è già  stata ammonita dall’Unione Europea per il non rispetto dei diritti linguistici delle minoranze.

E’ assolutamente vero che lo Stato italiano non ha fatto nulla di serio per le sue minoranze linguistiche, solo in ST/AA è stato costretto a farlo dalle circostanze internazionali e anche dalla tenace resistenza all’assimilazione praticata dai sudtirolesi. Però questo vale anche per altre nazioni, particolarmente la Francia, in Sudtirolo poi i ladini sono stati sempre visti come la foglia di fico e/o il fiore all’occhiello per eccellenza, perché hanno servito a mettere in scena, di fronte allo Stato italiano, la rappresentazione di una forte volontà  di autonomia territoriale e non etnica, per poi fregarsene altamente di tutelare i loro diritti di minoranza nella minoranza.
Comunque la tutela o l’autotutela dipende anche dalla volontà  delle popolazioni interessate, nel senso: i ladini, quanto intendono difendere la causa del ladino? Quanto lo sentono come lingua propria delle valli del Sella e quanto sono disposti a portare avanti le azioni annesse e connesse?

@mauriz

E’ anche vero che in una lingua l’uso dei registri rispettivamente più basso (partecipare al Grande Fratello, cazzeggiare a vuoto e a vanvera, raccontare barzellette sporche al bar) e più alto (trattato di filosofia o fisica) non è il più frequente. In genere l’uso standard di una lingua si svolge su un piano intermedio, di cui però fanno parte cose importanti come l’utilizzo, sia interattivo che passivo, dei media, uno dei fattori più importanti dell’ ”immersione totale”. Ad esempio quanti sono i film e le fiction tv doppiati o sottotitolati, i libri tradotti in ladino, in friulano, in sardo, in occitano, in gaelico, in gallese ecc.? La mia chiaramente è una domanda retorica, basti pensare che in Catalogna, dove l’uso del catalano è forse il maggior successo europeo di una lingua minoritaria, uno dei temi ”caldi” del momento è proprio la preponderanza del castigliano nel doppiaggio dei film e nella traduzione dei libri.

@Tucan.

E’ assolutamente vero che lo Stato italiano non ha fatto nulla.

No, non ha soltanto fatto NULLA, ma ha anche SEMPRE OSTACOLATO.

P.es. Cortina d’Ampezzo, Livinallongo e Colle Santa Lucia hanno richiesto dopo il 1948 più volte, con tanto di delibere comunali e petizioni, di essere riaggregati alla provincia di Bolzano e alla regione Trentino-Alto Adige. Nel 2007 c’è stato il referendum per l’annessione, con un 80% in favore al distacco dal Veneto. Vedremo cosa succederà . Intanto un cosidetto esperto di minoranze “Francesco Palermo” si è già  affrettato a deridere queste richieste.
Lo stesso vale per il Friuli, p.es. la legge regionale di promozione, impugnata da Prodi alla Corte Costituzionale che ha cancellato persino 1 ora di friulano nelle scuole (????).

Leave a Reply to gadilu Cancel reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *