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Lächerliche Probleme mit der Identitätskarte.

Da ist sie wieder, die nationalstaatliche Logik: Mehreren übereinstimmenden Medienberichten zufolge wurde die Einführung der Identitätskarte im Scheckkartenformat in Südtirol auf Eis gelegt, weil dem Zentralstaat die gleichwertige Unterbringung zweier Sprachen nicht gelingen will. Dann würde noch immer das Ladinische fehlen, dessen Berücksichtigung auf den Ausweisen eigentlich beschlossen schien.

Dass Zweisprachigkeit auch im Scheckkartenformat problemlos möglich ist, beweist die nahe Schweiz: die dortigen Identitätskarten sind sogar fünfsprachig. Mit gleicher Schriftgröße finden die vier Landessprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch Berücksichtigung — und weil den Eidgenossinnen das wieder einmal nicht reichte, wurde auch noch Englisch hinzugefügt.

Dass das hiesige kein Platzproblem ist, wäre damit wohl belegt. Vielmehr wird eine solche Vorlage im Nationalstaat grundsätzlich mit nur einer Staatssprache im Sinn erschaffen und muss dann — gegen die intrinsische ‘Staatslogik’ — umständlich angepasst werden. Das macht dann eben Schwierigkeiten, über die Menschen in einem konstitutiv mehrsprachigen Land wie der Schweiz wohl nur lachen würden.

Siehe auch:
Comparatio Discriminaziun Medien Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Service Public Sprachpfusch | | | | Ladinia Südtirol/o Svizra | | Deutsch

7 replies on “Lächerliche Probleme mit der Identitätskarte.”

Das Ganze wird schlussendlich ausgehen wie das Hornberger Schießen. Die Identitätskarte wird’s nur einsprachig geben und es wird heißen „da kann man nichts machen“ und „es gibt wichtigere Sachen“.

Was heißt hier sogar?

Personalausweis:
– in Österreich Dreisprachig
– in Deutschland Dreisprachig
– in Belgien Viersprachig
– in der Schweiz Fünfsprachig
– in Ungarn Doppelsprachig
– in Rumänien Dreisprachig

Demgegenüber Einsprachig bzw. nur in der Nationalsprache:
– Italien
– Frankreich
– Spanien
– Polen
– Türkei

»Sogar« deshalb, weil Österreich — anders als die Schweiz —kein konstitutiv mehrsprachiges Land ist.

Sind Italiens Scheckkartenausweise nicht zweisprachig (allerdings nicht gleichwertig)?

Diese Einsprachigkeit bei nationalen Websites und Diensten, die ich „gezwungen“ bin zu nutzen, geht mir schon seit langem richtig auf die Nerven und es wird einfach nicht besser…

Natürlich liegt das vor allem daran, dass ich mit meinem Italienisch auf Volksschulniveau nicht einfach den Weg des geringsten Widerstandes gehen kann und gezwungen bin mich irgendwie durchzuwurschteln. Mit Deutsch oder Englisch kommt man allerdings nirgends hin.

Meine persönlichen letzten 3 Highlights die mir spontan einfallen (und diese sind alle nicht länger als 1 Jahr her):

– Anmeldung der Kreditkarte von meiner lokalen Bank nur online auf der Website „Nexi.it“ möglich, war ein totaler K(r)ampf. Internetseite nur auf italienisch, Englisch nicht brauchbar. Irgendwie hat’s funktioniert, keine Ahnung was ich alles angeklickt und/oder bestätigt habe.

– Anruf bei der Grünen Nummer um den vorgegebenen Versicherungsweg von Carglass zu beschreiten um eine kaputte Autoscheibe zu ersetzen. Die Dame am anderen Ende hat mir zunächst erklärt ich muss in Deutschland anrufen. Beim Wechsel in die englische Sprache hat sie nur gelacht. Erst eine bekannte mit entsprechenden italienisch Kenntnissen konnte mir dann weiterhelfen.

– Neue Simkarte von einem Mobilfunkbetreiber. Sperren lassen der „direct carrier billing“ Funktion nur über einen persönlichen Anruf an die 155. Nach scheitern eines ersten Versuches meinerseits, dann die Suche nach Unterstützung im lokalen Vertriebs-handel wo ich die Simkarte gekauft hatte. Abgesehen von dem sehr unfreundlichen Umgangston wurde mir nach einiger Zeit dann erklärt, ok es sei möglich, allerdings gegen eine Bearbeitungsgebühr von 5€.

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