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Grüne: Gedächtnis statt Missbrauch!

In einer Stellungnahme äußern sich die Landesvorsitzenden der Grünen heute zum Umgang mit dem Siegesdenkmal in Bozen.

Wir Grüne erinnern daran, dass wir seit Jahren mit dem Vorschlag des Gedächtnisparcours in Bozen auf taube Ohren stoßen — dabei wäre dies der einzige Weg, Frieden mit dem Denkmal zu schließen. Der Sinn ist es, das Denkmal zu erklären (dazu reichen die derzeitigen, winzigen und kaum sichtbare Tafeln nicht aus!) und seine Geschichte allen BoznerInnen, SüdtirolerInnen und TouristInnen zu erschließen. Bozen hat als Stadt zweier Faschismen eine einzigartige Architektur und urbanistische Struktur. Diese muss verständlich gemacht werden – möglicherweise in einer Art Freilichtmuseum. Das Denkmal ist das, was wir daraus machen. Es kann als Zeichen und Zeugnis unserer aller leidvoller Geschichte gesehen werden.

Es kann aber auch missbraucht werden — zum Beispiel, wenn es weiterhin als Ort der Verherrlichung des Faschismus dient oder andererseits für die Fortschreibung der einseitigen Opferrolle der deutschsprachigen Südtiroler benutzt wird.

Wir fordern daher erneut auf, das Projekt “Bozen als Europäische Stadt der Erinnerungen” aufzugreifen und die Diskussion um das Siegesdenkmal endlich zu versachlichen.

Siehe auch: 1/ 2/

Foto: Wikipedia/Hubert Berberich.

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29 replies on “Grüne: Gedächtnis statt Missbrauch!”

Ja machen wir aus Bozen ein Freilichtmuseum für faschistische Relikte, aber um die Erinnerung zu komplettieren würde ich noch ein Hitlerrelief über dem Landttag und ein riesiges Hackenkreuz auf dem Dominikanerplatz vorschlagen…

Der Vorschlag der Grünen ist zu begrüßen. Zentraler Punkt ist allerdings in welchem Kontext ein “Siegesdenkmal” in Zukunft zu einem Mahnmal umgewandelt wird und in den entsprechenden historischen Kontext gesetzt wird. Wenn man sieht, welche Mühen es bedurfte einige lächerliche, wirkungslose Erklärungstafeln anzubringen, braucht man wohl nicht pessimistisch zu sein um hier davon ausgehen zu müssen, dass in der Stadt Bozen hierfür noch nicht die entsprechenden Voraussetzungen vorhanden sind.
Wenn das “Siegesdenkmal” wirklich zu einem Mahnmal umgewandelt würde, heißt dies, dass es dem (tages)politischen Missbrauch generell entzogen wird. Politische Kundgebungen jeglicher Natur oder Aufmärsche vor diesem Denkmal sind dann automatisch ausgeschlossen. Oder kann sich jemand einen Neonazi Aufmarsch in oder vor einem KZ vorstellen.
Wenn es wirklich zu einem Mahnmal umgewandelt wird, würden irgendwann möglicherweise diejenigen, die diesen Schandfleck heute am vehementesten verteidigen, für dessen Abbruch sein.
Ein Vergleich: Ein KZ ist heute ein Mahnmal, das die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes aufzeigt und in den entsprechenden historischen Kontext setzt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass einem überzeugten Neonazi ein KZ als Mahnmal aus verschiedensten Gründen ein Dorn im Auge ist und diesen Leuten ein Abbruch dieser Stätten lieber gewesen wäre.
Mal sehen, ob es in Bozen tatsächlich zu einer historischen Aufarbeitung kommt, die wissenschaftlichen Kriterien folgt, die diesem Anspruch auch gerecht werden. Die Toponomastik Kampagne, wo man 6000 faschistische Namen ins dritte Jahrtausend retten will, oder die Abstimmung 2002 zwischen Friedensplatz und Siegesplatz lassen kaum Optimismus aufkommen.

Es kann aber auch missbraucht werden

Im Moment, mit dieser Schrift, missbraucht das Siegesdenkmal mehr als es missbraucht wird, denn nur das Noch-Vorhandensein dieser Schrift ist ein Missbrauch jeder Art von Zivilisation, ein Missbrauch aller ethischer Grundsätze, die in der ital. Verfassung stehen!

Mit SoSigIs’ Sarkasmus kann ich nichts anfangen. Wenn das Projekt seriös umgesetzt wird, gibt das kein Fascho-Disneyland, sondern einen lehrreichen, mahnenden Geschichtsparcours. Ich halte das für eine sehr gute Option — auch wenn freilich nicht für die einzige (wie die Grünen es formulieren).

Wie niwo gut beschrieben hat, geht es um den genauen Inhalt und um die ideologische Entschärfung, doch darum muss ernsthaft gerungen werden.

@ niwo
zwischen kz und siegesdenkmal besteht freilich ein riesiger qualitativer unterschied. das muss man schon auch festhalten. aber das prinzip zum umgang mit totalitären vergewaltigungen ist das selbe, wie du richtig bemerkst.

zu oft wird relativiert, dass das eine nicht so schlimm wie das andere gewesen sei. wie bereits einmal erwähnt – das ist kein argument, denn der maßstab ist die wesensart eines systems, nicht der vergleich mit anderen. denn mithilfe des arguments “ja, aber den juden ist es viel schlimmer ergangen. was regt ihr euch denn auf” könnte man wohl fast alle verbrechen der menschheitsgeschichte relativieren.

“Siegesdenkmal muss in historischen Kontext gestellt werden”

Erneut Stellung genommen hat die Landesregierung heute auch zu ihrer Einstellung gegenüber den faschistischen Denkmälern in Südtirol.

Grund für die Stellungnahme war ein entsprechendes Schreiben der Schützen. “Wir sind zwar der Meinung, dass solche Stellungnahme grundsätzlich den Parteien überlassen werden sollten, wir haben aber kein Problem damit, auch unsere Meinung kundzutun”, so Landeshauptmann Luis Durnwalder.

“Überall wo möglich, sollen faschistische Denkmäler beseitigt werden”

Demnach spreche sich die Landesregierung nach wie vor dafür aus, alle faschistischen Denkmäler im Land zu beseitigen, sofern dies möglich sei.

Stehe diese Option nicht offen, sei in jedem Fall zu verhindern, dass die Denkmäler für politische Veranstaltungen oder zur Verherrlichung des Faschismus missbraucht würden.

“Siegesdenkmal muss in historischen Kontext gestellt werden”

Im Einzelnen sprach sich die Landesregierung heute dafür aus, das Siegesdenkmal in Bozen in seinen historischen Kontext zu stellen. “Sicher wäre es das Beste, wenn man das Denkmal schleifen könnte, das ist aber keine realistische Forderung”, so Durnwalder.

Auch eine Entschärfung in dem Sinne, dass faschistische Symbole und Inschriften entfernt würden, sei nicht zielführend.

“Es geht vielmehr darum, das Denkmal zugänglich zu machen, den Zaun zu entfernen und die bereits vorbereiteten erklärenden Tafeln direkt am Denkmal anzubringen, sodass es von allen Besuchern als Mahnmal wahrgenommen wird”, so der Landeshauptmann.

Die Landesregierung spricht sich zudem dafür aus, in der Krypta des Denkmals eine Ausstellung einzurichten, in denen die Zielsetzungen, die Entwicklung und die Gräueltaten faschistischer Regime anschaulich gemacht würden.

“Mussolini-Relief ist eine Zumutung”

Was dagegen das Mussolini-Relief am Gebäude des Finanzamts in Bozen betrifft, so ist die Landesregierung der Meinung, dass dieses abgehängt werden müsse. “Ein solches Relief, noch dazu vor dem Gerichtsgebäude, ist nicht zumutbar”, so Durnwalder.

Die Abnahme des Reliefs sei technisch kein Problem, es bleibe dem Staat zu entscheiden, ob das Relief in ein Museum oder ein Depot verbracht werde.

Sonderfall Ossarien

Einen Sonderfall bilden laut Landesregierung die Ossarien an den Grenzübergängen Südtirols. “Sie sind zwar aus rein politischen Zwecken errichtet worden, bilden aber auch eine Grabstätte”, so der Landeshauptmann.

Die dort Begrabenen seien zwar nicht im Kampf um die “Eroberung” Südtirols gefallen, sind aber doch Menschen, deren Schicksale man respektieren müsse.

Aus diesem Grund sollten auch hier erklärende Tafeln angebracht werden, um einen weiteren politischen Missbrauch dieser Monumente zu verhindern.

Andere Location für Alpini-Denkmal

Auch für das Alpini-Denkmal in Bruneck, den so genannten Kapuzinerwastl, hält die Landesregierung einen Lösungsvorschlag bereit. Im Zuge einer Neugestaltung des Platzes solle das Denkmal abgetragen und innerhalb eines Kasernenareals wieder aufgestellt werden.

“Für diese Lösungen werden wir uns bei allen sich bietenden Gelegenheiten einsetzen und wir werden sie auf allen Ebenen verfechten, weil wir der Meinung sind, dass sie einen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben in diesem Land leisten”, so Landeshauptmann Durnwalder.

Toponomastik: “Unsere Meinung geht klar hervor”

Gewünscht worden war von den Schützen schließlich auch eine Stellungnahme der Landesregierung zur Toponomastik. “Wir sind der Meinung, dass unsere Position aus dem nun vorgelegten Gesetzentwurf klar hervorgeht”, so der Landeshauptmann heute.

http://www.stol.it/Artikel/Politik-im-Ueberblick/Lokal/Siegesdenkmal-muss-in-historischen-Kontext-gestellt-werden

Bereits bei der erstmaligen Vorstellung des Projekts »Bozen als Europäische Stadt der Erinnerungen« hatte ich darauf hingewiesen, dass ich den Vorschlag der Grünen zwar sehr gut finde, ihn aber nicht für die einzig mögliche Lösung halte. Auch José Rodriguez Zapateros Ansatz (vgl. »ley de memoria historica«) finde ich durchaus diskussionswürdig. Die Grünen aber sprechen in der oben wiedergegebenen Pressemitteilung vom »einzigen Weg […]« und somit jedem anderen Vorschlag die Daseinsberechtigung ab.

An der Aussendung fand ich außerdem bedenklich, dass die Verherrlichung des Faschismus und die Opferrolle der deutschsprachigen Südtiroler auf eine Stufe gesetzt werden.

Beide Bedenken habe ich jedoch wohlwollend beiseite geschoben, als ich hier die Pressemitteilung — die ich ja im Ganzen teile — wiedergegeben habe.

Nun zeigt sich leider wieder einmal, dass das keine gute Entscheidung war. Auf eine Aussendung der Landtagsabgeordneten Klotz, deren Inhalt ich als völlig überzogen zurückweise, reagieren die Grünen in der Person der Landesvorsitzenden Foppa abermals mit einer Stellungnahme — die im Kern die soeben erwähnten Kritikpunkte miteinander vermischt und sogar noch übersteigert:

Zeugen der Vergangenheit auszulöschen ist dabei ein ebenso verfehltes Vorgehen wie ein andauerndes Verherrlichen der bestehenden Denkmäler.

Nun, wenn wir diesen Gedanken anwenden, können wir damit den Neofaschisten Donato Seppi und den sozialistischen spanischen Regierungschef auf eine Stufe stellen. Das geht mir eindeutig zu weit.

Wie in Ihrem Blog über den Schilderstreit sehr klar herausgearbeitet wurde, sind die ethnischen/politischen Probleme dadurch entstanden, daß die Politik es unterlassen hatte, rechtzeitig eine Entscheidung über die Toponomastik zu treffen.
Wollen wir diesselbe Unterlassung bei den faschistischen Relikten tolerieren oder gar mitmachen?

Ablehnung des Namens Friedensplatz, lächerlich anmutende Täfelchen weit entfernt an der Talfer, mehrmalige Renovierung durch den bankrotten Staat, jährlich sich wiederholende Aufmärsche und Kranzniederlegungen und die faschistischen Erinnerungsstücke in der Krypta müssten doch jedem denkenden Menschen klarmachen, dass eine “Mahnung” im Sinne einer Aufarbeitung und Überwindung der Geisteshaltung noch Lichtjahre entfernt ist.
Es ist immer noch ein “Denkmal”, und zwar für die Unverbesserlichen und Neofaschisten, die ihren Kult offen und unter Polizei- und Justizschutz ausleben können.
Und da sprechen wir von Entschärfung und Musealisierung? Lächerlich!

Jeder anständige Mensch oder Politiker, der noch ein wenig Verstand im Leibe hat, der sollte entweder den Abriss dieses Denkmals der Schande fordern oder gar nichts mehr sagen, sonst macht er sich ethisch und politisch in breiten Kreisen der Bevölkerung nur unglaubwürdig.

So lange die Fremdbestimmung in Süd-Tirol andauert, so lange werden auch diese Denkmale der Schande stehen bleiben, da sollte man sich nicht selbst in die Tasche lügen, außer man ist selbst ein Teil der Macht der Fremdbestimmung.

Geduld ist eine gute Eigenschaft.
Aber nicht, wenn es um die Beseitigung von Missständen geht.

Margaret Thatcher

Viele Menschen in Leeds, Manchester, Sheffield und Liverpool wünschen sich heute noch nichts sehnlicher, als dass die “iron lady” bei so manchem “missstand” ein wenig mehr geduld an den tag gelegt hätte :-))).

@Barbara Klotz: Leider muss ich Ihnen Recht geben, was den derzeitigen Status des Denkmals betrifft — von kritischer Aufarbeitung fehlt noch jede Spur.

Davon jedoch abzuleiten, dass der Abriss die einzig demokratisch vertretbare, ja sogar denkbare Lösung sei, finde ich absolut inakzeptabel. Solange eine redliche, zielgerichtete Diskussion geführt wird, die rechtsstaatlichen, antitotalitären Maßstäben genügt, ist die Faschismuskeule entschieden zurückzuweisen.

Es ist eine Anmaßung, wie sowohl Grüne, als auch STF in einer so komplexen Materie nicht nur ihren Weg als den einzig richtigen bezeichnen — so überzeugt darf man von den eigenen Vorschlägen durchaus sein — sondern davon eine Haltung ableiten, die allen anderen Ansätzen von vornherein die Existenzberechtigung abspricht.

@Barbara Klotz
“Jeder anständige Mensch oder Politiker, der noch ein wenig Verstand im Leibe hat, der sollte entweder den Abriss dieses Denkmals der Schande fordern oder gar nichts mehr sagen, sonst macht er sich ethisch und politisch in breiten Kreisen der Bevölkerung nur unglaubwürdig.”

Dann sind also alle Politiker mit Ausnahme jener der Südtiroler Freiheit keine anständigen Menschen und Politiker?

Wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, steht die Südtiroler Freiheit mit ihrer Forderung nach Schleifung bzw. Abtragung des Denkmals mittlerweile alleine da. Selbst die Freiheitlichen setzen sich dafür ein, dass das Siegesdenkmal zu einem Mahnmal wird. Über diese Entwicklung bin ich erfreut.

@pérvasion
“Davon jedoch abzuleiten, dass der Abriss die einzig demokratisch vertretbare, ja sogar denkbare Lösung sei, finde ich absolut inakzeptabel.”

Da stimme ich zu. Die einzig demokratische Lösung wäre ein Volksabstimmung, bei der alle Südtiroler entscheiden dürfen, was mit diesen Relikten zu passieren hat. 3mal dürft ihr raten was dabei herauskommen würde ;)

anonym@ geb dir völlig recht! jeder der demokratisch empfindet und ein gefühl dafür hat, was recht und unrecht ist, wird so wie in anderen demokratien für die beseitigung menschenverachtender diktatorischer prunkdenkmäler stimmen. und das wäre sicher auch in südtirol der fall, wenn alle leute darüber abstimmen könnten! anstelle dieses siegesdenkmal kann dann gerne ein mahnmahl errichtet werden…wer, glaubt ihr, ist es, der sich über die Tatsache am meisten freuen wird, dass dieser Faschistentempel in welcher Form auch immer nun auch neu renoviert erhalten bleiben soll?

Wenn man von Umgestaltung des Denkmals reden möchte, gibt es hier ein Beispiel dafür, wie sowas in Deutschland gehandhabt wird:

http://www.mianba.de/heimatforschung/frameeiberg.html

Analog auf das Siegesdenkmal in Bozen bezogen, müsste man dasselbe zum nackten Rohblock abschleifen, sodass es frei jeglicher faschistischer Insignien, Innschriften, Symbolik und Ornamentik dasteht. Der nackte Block würde dann mit entsprechender Schriftgestaltung zum Mahnmahl werden. Nur in diesem Fall, was im Grunde wortwörtlich einer Schleifung gleichkäme, ist meineserachtens das Wort “Umgestaltung” berechtigt.

@Barbara Klotz
“Jeder anständige Mensch oder Politiker, der noch ein wenig Verstand im Leibe hat, der sollte entweder den Abriss dieses Denkmals der Schande fordern oder gar nichts mehr sagen”
Dann sag ich besser mal gar nichts mehr. Oder?? Wieso eigentlich sollte ich mir von ihnen den Mund verbieten lassen? Wer sind sie denn, für wen sprechen sie denn, um mir das Reden zu verbieten?

“Geduld ist eine gute Eigenschaft.
Aber nicht, wenn es um die Beseitigung von Missständen geht.”
Na dann beseitigen sie mal schön, aber fangen sie doch bei den wirklich wichtigen Sachen an! (Vorschläge gibts auf Nachfrage, sollte ihnen nichts wichtigeres einfallen)

@anonym
Eine Volksabstimmung mit welchen wählbaren Möglichkeiten? Alles so lassen oder alles abreissen? Oder gibt es in deiner Vorstellung noch eine andere Möglichkeit?
Und über den Ausgang wäre ich mir mal nicht so sicher, ich glaube, dass die Diskussionen über die Ortsnamen und diese Denkmäler vielen, sehr vielen Menschen in Südtirol am Arsch vorbei gehen, und die werden immer mehr, weil immer mehr Menschen in Südtirol darauf schauen müssen, wie sie ihren Lebensstandard – mit Haus, Zweitauto, 3-4 Wochen Familienurlaub, mindestens zwei Hobby’s – halten können in diesen schlechten Zeiten! Und es gibt leider auch hier immer mehr Menschen, die schauen müssen, wie sie mit dem Geld bis zum Ende des Monats kommen.
Und der Mehrzahl dieser Menschen ist es sowas von egal, was auf Schildern oder auf dem Sieges-Friedensplatz steht!

“Lebensstandard – mit Haus, Zweitauto, 3-4 Wochen Familienurlaub, mindestens zwei Hobby”

Hier spricht man etwas an, das wirklich nicht sein müsste. Das was die Leute hier bei uns in Südtirol meinen haben zu müssen, ist auf der restlichen Welt purer Luxus. Dort müssen 3/4 der Weltbevölkerung schauen, wie sie an Wasser und Brot kommen. Meine Meinung ist sowieso, weniger ist oft mehr! Du wirst sehen jonny wie schnell man wieder zu Grundwerten wie Geschichtsbewusstsein usw. zurückkommt, wenn man erst weniger fett lebt. Weniger zu haben muss nicht immer schlecht sein (natürlicherweise Armut ausgeschlossen, aber eben bescheidener leben), man freut sich mehr auf Kleinigkeiten und hat wieder Ziele. Dies ist auch im Großen zu sehen und auf eine Masse von Leuten (z.B. auch auf ein Territorium wie Südtirol) übertragbar. Natürlich sollten unsere maßgeblichen Poltiker dann nicht bei sich Geld scheffeln und dem Normalo alles kürzen, wie es jetzt in unserer Zeit passiert (Stichwort SVP). Aber ein wenig bescheidener und nicht so verschwenderisch Leben (wofür 2 Autos und andere Luxus-Allüren??) tut uns allen gut.
Und der Mehrzahl der Menschen ist es eben nicht egal, dass hier faschistische Protzbauten stehn wie in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

@jonny
in der Tat hätte ich eine andere Idee: Ich bin absolut gegen eine Vernichtung! Stattdessen würde ich die Relikte (Siegesdenkmal, Relief, usw.) nicht schleifen im Sinne vernichten, sondern sie an einen anderen Platz schaffen wo sie zusammen ausgestellt und erklärt werden können. Ein Museum würde mir da vorschweben, z.B. könnte man eine alte leere Kaserne o.ä. Orte dafür umfunktionieren und zur Dauerausstellung machen, wo auch die jüngere Zeitgeschichte 20. Jahrhundert aufgearbeitet wird!
Das hätte nebenbei noch den Effekt daß die Relikte öffentlich zugänglich aber vor den “Huldigungen” sicher wären.
Hätte ich aber nur die Wahl zwischen Belassen wie es jetzt ist oder Schleifen, dann spreche ich mich natürlich für letzteres aus. Aber es können von mir aus ja mehr Vorschläge zur Abstimmung kommen, ich meine nur die Bevölkerung ist gegen ein Belassen im jetztigen Zustand.

Zum zweitel Teil deiner Nachricht: niemand wird gezwungen wählen zu gehen, weder zu den normalen Wahlen noch zu Volksabstimmungen. Dann gingen eben nur mehr jene hin die es wirklich kümmert (was ohnehin besser wäre) oder die es “sich leisten können”, weil sie deiner These zufolge eben einen Lebensstandard haben, der ihnen die Teilnahme am politischen Leben gestattet (meiner Meinung nach Schmarrn, aber bitte).
Kennst du übrigens die Mehrzahl der Menschen hier? Nein? Ich auch nicht, aber ich denke genau das Gegenteil, es kümmert/stört sie sehr wohl. Die Wahrheit kommt wohl erst an Licht, wenn wir endlich mal frei abstimmen dürften.

@Susanne
hock dich mal in Spanien schützend vor ein Franco Denkmal und gib deine These “Eine Schleifung muss im Kopf passieren.” zum besten. Mal schauen ob die Spanier sich davon überzeugen lassen.
Wobei ich dir ja insofern Recht gebe, daß das Gedankengut hinter diesen “Denkmälern” aus den Köpfen muß, aber genauso müssen die Manifestationen dieser Ideologien aus dem öffentlichen Raum entfernt werden.

@laios
Interessantes Beispiel, wobei es hier schon vorher um Gefallene ging. Würde das bedeuten aus dem Siegesdenkmal (Sieg über Österreich) würde ein Sieg über den Faschismus Denkmal?
Und bei deinem Beispiel mussten nur Symbole und Inschriften entfernt werden, die Masse blieb erhalten, beim Siegesdenkmal sind aber die sogar Säulen einzige Rutenbündel (Fasci), wenn du da mit schleifen anfängst, bleibt nicht mehr viel übrig.

@pérvasion
ich weiß ja, ich bin der “böse, böse Extremist”. Aber ist es wirklich notwendig meine Nachrichten zu zensurieren und einzeln freizuschalten?

Seit der angeheizten Toponomastikdebatte werden alle Kommentare moderiert, nicht nur deine. Das können dir die anderen Diskussionsteilnehmer bestätigen. Ich stehe jedenfalls dazu, dass das auch bedeutet, extremistische bzw. unangemessene Inhalte herauszufiltern.

@ barbara: das mit dem mund verbieten, wenn man nicht exakt derselben meinung ist, gefällt mir auch überhaupt nicht.

@ jonny: sich für eine sache einzusetzen, ist legitim. und das ständige aufrechnen – nach dem motto “was wirklich wichtig ist”, ist blöd. demnach könnte man ja auch sagen: solange es hunger auf der welt gibt, darf ich mich keinen vergnügungen hingeben, denn es ist bestimmt “wichtiger” den hunger in der welt zu besiegen, welcher den bedingungslosen einsatz eines jeden einzelnen erfordert, als dass ich mich an einen kunstwerk erfreue, mir etwas gönne usw.

aber es gibt nun einmal dinge, die sich an materiell nicht messbaren empfindungen festmachen. es wird auf meinen zukünftigen lebenswandel (speziell in ökonomisch-materieller sicht) keinen einfluss haben, ob das siegesdenkmal in dieser form an der talfer steht oder nicht. da geb ich dir schon recht.
es hätte ebenso überhaupt keinen einfluss auf mein weiteres leben, ob ein bernard l. madoff nun mit seinen anlagebetrügereien ungeschoren davonkommt, oder nicht. es gibt bestimmt wichtigeres. dennoch ist es nicht falsch oder sinnlos oder verlorene anstrengung, wenn ich mich dafür einsetze, dass madoff die verantwortung für seine taten übernehmen muss.

im gegenteil – ich finde es sogar wichtig, dass gewisse werte (ich hasse dieses wort) in einem rechtsstaat und einer demokratie gewährleistet sind. auch wenn sie – was schade ist – “vielen leuten am arsch vorbei gehen”, weil die ökonomische ebene in unserer gesellschaft alles überlagert – sei es bei den armen, die sich bis zum monatsende durchkämpfen müssen, wie bei den reichen, die für 30 silberlinge mehr ihre mutter verkaufen würden.

@steffl
Weniger Fett leben unterstützt das Geschichtsbewusstsein? Da habe ich so meine Zweifel, wer fettarmer lebt. oder leben muss, sucht eine Schuldigen für seine Armut, und folglich wächst der Neid und die Missgunst, und das wiederum unterstützt eher das extreme Gedankengut.
Und ob der Mehrheit der Menschen diese Protzbauten egal sind oder nicht, müsste man evaluieren(tolles Wort), so wie es anonym vorschlägt.

@anonym
Deine Idee hört sich wirklich gut an, könnte man so ungefähr in der Art auch umsetzen.
Und auch ich weiss nicht, wie eine Volksbefragung ausgehen würde, aber mit 3 mal raten …………………?! Das hört sich ziemlich sicher an, oder??

@hunter
Sicher hast du Recht, aber wie Frau Klotz hier ihre Meinung als allein richtige hinstellt, geht mir einfach gegen den Strich. Frau Klotz sagt, wer nicht für die Entfernung ist, soll bitte still sein, und, noch schlimmer, “ist selbst ein Teil der Macht der Fremdbestimmung”.
Da wird gar nicht mehr aufgerechnet, da wird nur mehr behauptet, um Recht zu haben.
Natürlich muss es in einer Demokratie gewisse “Werte” geben, an die sich eine Gesellschaft halten muss, aber ist das Beharren an dem Abtragen des Siegesdenkmals so ein Wert?

@ jonny
“das mit dem mund verbieten, wenn man nicht exakt derselben meinung ist, gefällt mir auch überhaupt nicht” in richtung frau klotz war der erste satz meines postings. also darüber brauchen wir nicht zu diskutieren.

viel interessanter und gleichzeitig bedenklicher ist vielmehr, dass das “am arsch vorbeigehen” um sich greift. das siegesdenkmal geht mich nichts an, der irakkrieg ist mir wurscht, kz? ach ja, da war mal was, aber geschichte ist nicht mein ding. betrifft mich ja alles nicht. sollen andere machen. ich hab selber meine probleme.

das ist schon beängstigend
http://www.youtube.com/watch?v=rZfzpgCvXVE

@hunter
Und wer ist Schuld daran? Unsere Gesellschaft gibt die Prioritäten vor, und die Menschen passen sich an, obwohl, sind nicht die Menschen selbst die Gesellschaft? Was läuft da falsch?

wenn ich das wüsste, würde ich nicht hier sitzen und diesem blog meine ergüsse von mir geben (sorry pérvasion :-))

Was würdest du denn dann tun? Die Welt verändern? Die Gesellschaft verändern? Die Gesellschaft will nicht verändert werden!
Die meisten Menschen wissen vielleicht nicht genau, was falsch läuft, aber sie ahnen, dass etwas falsch läuft! Und die Reaktion auf dieses “ahnen??
Nichts!
Und wenn ein Mensch, du oder ein anderer, das Wissen hätte, würde ihn unsere Gesellschaft wahrscheinlich an eine Mauer stellen oder ans Kreuz nageln, denn “The show must go on!”

@jonny
Ist zwar off topic, aber wenn Dich die Materie “Welt verändern” interessiert gibt es nächste Woche in Bozen auf Schloss Maretsch eine international hochkarätig besetzte Veranstaltungsreihe zum Thema “Der Reichtum des Südens”. Unter anderem gibt es am 25.09.2010 ein Referat der indischen Umweltaktivistin und Bürgerrechtlerin Vandana Shiva und am 30.09.2010 ein Referat von Jean Ziegler.
Nähere Infos unter: http://www.provinz.bz.it/praesidium/0101/cooperazione/download/Die%20Woche%20der%20Entwicklungszusammenarbeit%2025-30.09.pdf

@hunter
Völlige Zustimmung, dass man nicht ein Problem mit einem anderen ausspielen kann. Das wäre ein Standard-Totschlagargument in jeglicher Hinsicht und keine Grundlage für eine funktionierende Zivilgesellschaft. Deshalb: Die faschistischen Denkmäler und die Tolomei Namen mögen zwar kein existentielles Problem darstellen, aber das Argument “Habt ihr keine anderen Probleme” ist völlig abzulehnen. Das Totschlag Argument wird übrigens häufig von Leuten verwendet, die sich sonst ja auch nirgendwo engagieren und denen die existentiellen Probleme ja ebenfalls gleichgültig sind.

In caso di un referendum si porrebbero i problemi di sempre: qual’è il quorum che lo renderebbe valido? Se ne devono tenere due, uno per gruppo linguistico (considerando i ladini parte del gruppo tedesco), facendo poi la media ponderata delle due rispettive maggioranze? Oppure il referendum deve essere unico per tutti i residenti della provincia di Bolzano?

È vero, il problema si porrebbe, ma — indipendentemente dall’oggetto del referendum — non sarebbe un buon motivo per arrendersi.

Per dare una risposta al tuo quesito di fondo, trovo che la ricerca di meccanismi che inibiscano la sopraffazione ai danni di un gruppo linguistico sia fondamentale per raggiungere la coesione necessaria a un progetto come quello di BBD.

So che l’Iniziativa per più democrazia, dopo l’esperienza dei Landesreferendum, sta lavorando proprio su questo punto e sono impaziente di vedere i primi risultati. Forse Thomas Benedikter ci può dare qualche informazione a riguardo. Sarà  un tema sul quale confrontarsi.

Infine voglio buttare lì una provocazione: Perché, stranamente, «i problemi di sempre» non si sono posti (letteralmente non sono stai posti da nessuno) in occasione del referendum su piazza della vittoria?

@niwo
Danke für den Hinweis, da klingt wirklich sehr interessant, am 30. werde ich sicher dabei sein, da mich Ziegler sehr interessiert.

“Das Totschlag Argument wird übrigens häufig von Leuten verwendet, die sich sonst ja auch nirgendwo engagieren und denen die existentiellen Probleme ja ebenfalls gleichgültig sind.”
Und diese Leute werden leider immer zahlreicher und bestimmender in unserer Gesellschaft!

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