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Wer solche Freunde hat…

Immer öfter machen die Südtiroler Linksdemokraten in jüngster Zeit das Spiel der Rechten und Rechtsrechten. Letzter Streich: Landeshauptmann-Stv. Luisa Gnecchi hat in der Tourismuswerbung einen zweifelhaften Erfolg verzeichnet, indem sie die Bezeichnung »A. Adige« übers Hintertürchen wieder hereingeholt hat. Die absurde, trennende italienische Bezeichnung für unser Land, die gerade im linken und alternativen Milieu ein Auslaufmodell ist, bekommt so unverdienterweise wieder einen amtlichen Frischestempel aufgedrückt — wie kürzlich von Michaela Biancofiore (FI) lautstark gefordert. Dabei wären die Energien der Genossen im Engagement, der Bezeichnung »Sudtirolo« im Sinne des Zusammenlebens und der gesellschaftlichen Kohäsion endlich die offizielle Anerkennung zukommen zu lassen, wesentlich besser investiert.

Sudtirolo.

Siehe auch: 1/ 2/

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36 replies on “Wer solche Freunde hat…”

Ich möchte nur darauf hinweisen, dass immerhin “Alto Adige” eine viel ältere Bezeichnung als “Südtirol”, das ofiziell erst ab 1972 herangezogen worden ist, während “Alto Adige” auf das 19. Jahrhundert zurückgeht. Bis 1918 war “Südtirol” die Bezeichnung für das Trentino. Ich bin auch dagegen, dass Südtirol landesweit gebraucht werden muss/soll (sonst gibt es keine Zuschüsse). Die Bezeichnung “Ladinia”, die immerhin auf das 16. Jahrhundert zurückgeht, wird völlig außer Acht gelassen. Das Recht des Stärkeren auch hier. Einmal wurde auch der Vorschlag gemacht die Region in Trentino-Ladinia-Südtirol umzubenennen. Dies wurde von Engl nur mit einem müden Lächeln beantwortet.

Das ist Revisionismus. Südtirol steht für den südlichen Teil Tirols, ganz egal seit wann diese Bezeichnung amtlich ist. Ich habe diese Kindereien satt! Wie lange gibt es denn (offiziell) die »Ladinia«? Und wir wissen ja genau mit welcher Absicht Alto Adige – sowohl im 19. als auch im 20. Jhd. – eingeführt wurde. Also, ein bisschen Kohärenz.

Gatterer schreibt, dass sich die Bezeichnung “Südtirol” gegen Ende der 20er Jahre für den deutschsprachigen südlichen Teil des ehemaligen Tirol eingebürgert hat. Ich vermute, dass obiges Plakat mit dem Zusatz vor allem das südländische Flair der Kurstadt unterstreichen wollte. Südtirolo – Ladinia wäre in der Tat eine schöne Bezeichnung für unser Land. Ein schöner inklusiver Begriff für die GESAMTbevölkerung sollte noch gefunden werden.

Hallo pè

Also, alles wie gehabt.
Auch im linken Lager (hatte ich mir nicht anders erwartet) denkt man nicht anders: und das sind die autonomiefreundlichen…..
@piere: Alto Adige ist älter als Südtirol: na fällt Dir nix gscheiders ein?
Dann fragen wir ein bisschen anders: ist Alto Adige auch älter als Tirol? Vielleicht gibt’s in Ladinien tatsächlich andere Geschichtsbücher.
Bon dì e a duman…. ;;;-)

Es kann uns nicht um die banale Frage gehen, welche Bezeichnung älter ist. Dabei ist “Südtirol” wennschon der logische Nachfolger für “Tirol” nach der Abtrennung und kann schon darum nicht auf das Jahr 1972 datiert werden.

Alto Adige wurde zweimal von einer fremden Macht zum Zwecke der Beherrschung aufoktroyiert – einmal von den Franzosen und einmal von den Faschisten.

Was mir aber wesentlich wichtiger erscheint, ist die Analyse der Konnotation und des Gebrauchs. Dabei fällt auf, dass das Langer’sche Sudtirolo von jenen, die ein echtes Zusammenleben wünschen und autonomiefreundlich eingestellt sind, weit mehr gebraucht wird als das mittlerweile immer weniger positiv konnotierte Alto Adige. Aus diesem Grund erscheint es mir widersinnig, dass sich die Linksdemokraten für eine Bestätigung dieses als trennend empfundenen Namen eintreten.

Pervasion: “Deutsches Südtirol”, wie auf dem Plakat steht setzt voraus das es auch ein “Italienisches Südtirol” gibt (eben das Trentino von heute). Ich schenke in diesem Zusammenhang mehr Glauben an We(ex-Schneeflocke) und Gatterer. Wie gesagt wurde amtlich von 1948 bis 1972 “Tiroler Etschland” gebraucht.
Die Aufzwingung von Toponymen und dann erklären dies sei für ein besseres Verständnis notwendig erinnert mich auch an den Fall von “Plan de Corones” (lad.) und “Kronplatz” (dt.), Plan de Corones ist älter, waehrend Kronplatz eine späte Übersetzung aus dem ladinischen ist (am Ende ausgehenden 19. Jh. Die ursprünglich dt. Bezeichnung ist Spitzhörnle). Corones hat nichts mit Krone zu tun, sondern ist eine ladinische Bezeichnung einer Geländeart. Seit Jahren will man nur mehr Kronplatz gelten lassen, Plan de Corones wird immer kleiner geschrieben und soll eines Tages als offizielle Bezeichnung verschwinden, da es wie im Falle “Südtirol”, wie der Engl immer erklärt, aus marktstrategischen Gründen vorteilhafter ist. Die Toponomastikfrage ist wirklich sehr komplex.

Natürlich war das Trentino das italienische (welsche) Südtirol. Na und?

Was den Kronplatz betrifft, so bin ich (größtenteils) deiner Meinung, wenngleich der Name keinen kolonialistischen Anspruch vertritt: Es gab ja schon davor eine deutsche Bezeichnung für den Berg. De facto macht es keinen großen Unterschied, ob die Deutschen Spitzhörnle oder Kronplatz sagen – ganz anders als der Unterschied zwischen Alto Adige und Sudtirolo. Was aber weit schwerer wiegt, ist dass der TV von Al Plan de Mareo sich offensichtlich entschieden hat, wieder von “Al Plan” abzugehen. Besucht man die Tourismuswebseite der Ortschaft, ist gar nur noch von “San Vigilio” die Rede – größtenteils auch im Deutschen:

Wer San Vigilio sagt, muss auch Kronplatz sagen. Der 2.275 m hohe Rundberg ist eines der modernsten Skigebiete weltweit. 30 Top-Anlagen, 90 Km Pisten, garantierte Beschneiung ab Anfang Dezember. Vom Gipfel genießt man ein 360° Panorama auf die umliegende Bergwelt: Im Norden die Alpen, im Süden die Dolomiten – mitten drin der ultimative Winterspass!

Langlaufen auf der 24 Km langen Loipe im verschneiten Rautal, mit Steigfellen die schneebedeckten Dolomitengipfel erklimmen oder Schneeschuhwandern im verzauberten Naturpark. Auch das lässt den Winter in San Vigilio zum unvergesslichen Erlebnis werden.

Quelle: http://www.sanvigilio.com (!)

Mit dieser Glaubwürdigkeit tun sich die ladinischen Gemeinden eben schwer, den Gebrauch von “Plan de Corones” einzufordern. Gäbe es eine tolomeische Übersetzung für den Berg (sagen wir mal “Piano delle Corone”) dann hätten die Ladiner ihren Plan de Corones schon längst freiwillig über Bord geworfen. Daraus dem Herrn Engl einen Stick drehen zu wollen, finde ich ziemlich dreist.

Allerdings, da muß ich Dir voll und ganz beipflichten! Die Tourismusmanager bedienen sich nur “angeblicher Traditionen”, wenn es ihnen für ihr Geschäft nützlich erscheint. Leider hat man von “Al Plan” wieder auf “San Vigilio” umgesattelt. Die Beispiele ließen sich forsetzten, La Villa, San Cassiano usw. Das liegt z.T. in der jahrhundertelangen Benachteiligung, wenn nicht Verächtlichung der ladinischen Sprache, die erst ab Ende der 70er Jahren offiziell gepflegt wird, mit Auswirkung auch auf die Toponyme, die erstmals richtig geschrieben wurden (z.B. Pallestrong wurde durch lad. Pastrogn ersetzt, Joch/Giogo durch lad. Ju, Schanung durch lad. Janin, Hof/Corte durch lad. Curt usw. Erst damals hat sich die Ortographie gefestigt und normiert. Eine gewisse Besserung und ein Umdenken kann man auch verzeichnen, seitdem die Wanderkarten bzw. Lokalkarten durchweg ladinische Mikro-Toponyme enthalten. Man muß sich vorstellen, sämtliche Namen, auch Personennamen wurden zuerst Deutsch vorgeschrieben, dann Italienisch, es wurde alles übersetzt, Toponyme und Personennamen, z.T. haben viele Leute noch zwei Personennamen Gottfried/Goffredo, Jan/Giovanni/Johann. Das kann nicht von heute auf morgen über den Haufen geworfen werden.

Ettore Frangipane, pagg. 1 & 10
Quotidiano “Alto Adige” di oggi, martedì 27 marzo 2007.

Sono convinto che l’introduzione ufficiale di ‘Sudtirolo’ (inserito in un nuovo “marchio ombrello”) risolverebbe molti problemi. Innanzitutto le inutili polemiche sull’uso di questa o quella indicazione geografica. D’altro canto, nella questione prettamente turistica c’è un paradosso: nei testi italiani si pretende di usare solo Alto Adige (o al massimo, Alto Adige-Südtirol), in quelli tedeschi solo Südtirol. Insomma, la sopravvivenza dell’uno è garantita dalla separazione dell’altro.

Pochi tengono conto della «varietà  – linguistica – che seduce», propria della nostra terra. Mentre i più volenterosi/politically correct tra gli italiani scrivono sempre Alto Adige/Südtirol [Costituzione italiana], accade di rado tra i sudtirolesi vedere un riferimento alla bilinguità  del territorio (per es. Bolzano-Bozen ecc.). Perciò è arrivata l’ora di una svolta, con lo sdoganamento definitivo di Sudtirolo, e non solo.

Il commento precedente non è una citazione di Frangi, bensì una mia personale riflessione. Colgo l’occasione per aggiungere: diversamente dal marchio (fattore grafico), non posso accettare un “Südtirolo” con la “o” come nuova denominazione della regione. Sarebbe una bruttura linguistica fine a sè stessa. Südtirol-Sudtirolo, max Südtirol/o. Punto.

…finde es ebenfalls schade, dass die (ital.) Linke sich nicht offen zur Bezeichnung “Sudtirolo” bekennt, welche im Langer’schen Sinne einen Schritt weiter in Richtung Überwindung der “ethnischen Käfige” darstellen würde. Dies kann jedoch nur durch eine gesellschaftliche Durchsetzung des “Sudtirolo” geschehen; dessen gesetzliche Anerkennung kann nur ein zweiter Schritt sein. Daher kann ich Frau Gnecchi nicht anlasten, im konkreten Fall des SMG Streites wenigstens eine doppelte Bezeichnung durchgesetzt zu haben, die wenigstens der Mehrsprachigkeit (klar, eine ladinische Bezeichnung fehlt nach wie vor) gerecht wird. Eine Haltung, die ich immerhin dem von Revanscismus geprägten Gebrauch der rein deutschen Marke “Südtirol” bevorzuge.

…gemeint ist natürlich “der Mehrsprachigkeit unseres Landes”, bzw. “der Anwesenheit mehrerer Sprachgruppen”!

Die Anfügung von Alto Adige ist nicht ein Schritt in Richtung Sudtirolo, es ist ein Rückschritt in die Trennung – und nicht zuletzt eine Einmischung ins Dachmarke-Konzept.

Mich wundert aber auch, dass sich der LH für einen derartigen Schwachsinn hergibt, anstatt endlich dort für Zweisprachigkeit zu sorgen, wo sie die Bedürfnisse der Bürger wirklich betrifft (Lebensmittel-Inhaltsangaben, Packungsbeilagen von Medikamenten, Beschriftungen gefährlicher Substanzen usw. usf.). Dafür haben auch die Linksdemokraten heuchlerischerweise noch nie einen Finger gerührt.

talex, stimme dir zu. Besser so als die Einsprachigkeit, als wäre Südtirol ein rein deutsches Land.

Es wurde eine Gelegenheit verpasst, auf “Alto Adige” zu verichten, doch vorher haben SMG und Politik die Gelegenheit verpasst bzw. verweigert, ein Zeichen der Mehrsprachigkeit zu setzen: man hat stur – und gegen die Meinung auch der politischen Partner – versucht, Einsprachigkeit durchzuboxen.

Ein Vergleich: Was würde wohl für eine Empörung laut, wenn ähnlich Bozen, da mehrheitlich italienisch, nur mit “Bolzano” werben würde, auch im deutschen Sprachraum?, etwa:
“Das Tor zum Süden: Bolzano!” …

der Schwachsinn war der Versuch der Einsprachigkeit! Ein mehrsprachiges Land sollte einen mehrsprachigen Namen haben, alles andere ist revanchistische, nationalistische Reduktion.

Ja, Südtirol-Alto Adige ist eine Einmischung ins Konzept der Dachmarke, genauso wie jene Einmischung einer privaten Firma, welche verlangt, dass die Werbegesellschaft mit ihrem vollständigen Namen wirbt. Natürlich können wir darüber diskutieren, ob nun diese “Firma” anders heißen soll (wie schon gesagt bin ich aus verschiedenen Gründen für eine Überwindung der Bezeichnung Alto Adige), dies ändert jedoch nichts daran, dass im konkreten Fall der Eingriff der Landesregierung einer gesetzlichen Grundlage bedarf – und die “Firmenbezeichnung” nunmal in der ital. Verfassung feststeht. Für eine gesetzliche Namensänderung halte ich einen breiten Konsens im ital. “Lager” als unabdingbare Voraussetzung, da diese wie auch jede andere Änderung des status quo in eine Richtung, die von der rechtsnationalen Ecke leicht als “Verdeutschung”angeprangert werden kann, sich sonst als kontraproduktiv (hinsichtlich einer Verbesserung/Verwirklichung des Zusammenlebens) erweisen könnte.

nochmals: Der Grundfehler liegt eben im Konzept der Dachmarke, als wäre ein Land eine Zahnpasta.

Die Dachmarke gibt sich so, als wäre Südtirol rein deutsch.

Genau dies die Stoßrichtung auch der Ablehnung einer Bezeichnung, die Ladinia mit hinein nimmt.

taib, was du sagst machen doch die ladinischen Gemeinden seit Jahren völlig ungestraft

die Gemeinden? Oder die Tourismusvereine?
Du musst auseinanderhalten!
Und dieser Schwachsinn rechtfertigt nicht anderen Schwachsinn, Du bringst immer wieder diese Argument, als ob dieses Fehlverhalten Rechte annullieren würde. Befremdet mich mehr und mehr.

Das Fehlverhalten rechtfertigt gar nichts. Aber wenn du schon sagst “was wäre wenn…” dann brauchst du nur in die ladinischen Täler zu schauen. Da sieht man welche Folgen das hat: Keine. Kein Aufschrei.

Was das Marketing betrifft, ist ein Land eine Zahnpasta. Es ist schon viel wenn sich die Leute einen Namen einprägen können, eine Doppelbezeichnung interessiert kein Schwein und ist verkaufsstrategisch ein Schuss in die Hose. Katalonien, Baskenland, Galicien, alle vermarkten sich mit einem Namen, nicht mit zwei oder dreien.

Die Einsprachigkeit vorher kritisiere ich aber nicht aus Marketinggründen nicht, sondern weil sie m. E. wesentlich besser ist, als Gnecchis Rückschritt in alte Zeiten. Sobald die Linksdemokraten (oder wer auch immer) eine offizielle Anerkennung von “Sudtirolo” erreicht haben, kann ein zweisprachiges Logo ein gesellschaftlicher Fortschritt sein. Im Übrigen wäre die Benutzung zweier so ähnlicher Namen auch vermarktungstechnisch weniger desaströs, als “Südtirol – Alto Adige”.

Ich finde es beschämend, wie ein entschieden auf Entspannung setzender Voschlag von manchen zerpflückt wurde. Deshalb jetzt mal was Grundsätzliches: Ich werde mir in Zukunft öfter mal erlauben, einen Kommentar nicht zuzulassen, wenn er nicht direkt etwas mit dem Thema zu tun hat oder lediglich der Delegitimierung dient. Ich kann mir derart sinnlose Diskussionen auf Dauer nicht mehr leisten, weil ich dafür nicht genug Zeit und Energien habe. Außerdem sind sie auch nicht im Interesse meines Blogs. Achtung: Ich habe nichts gegen Kritik (auch harte Kritik!) in der Sache, noch besser wenn sie konstruktiven Charakters ist und somit einen Beitrag zum Fortschritt der »Idee« darstellt.

Ich kann mich aber nicht ständig von gewissen Leuten prophylaktisch unter den Generalverdacht von Deutschtümelei und/oder Unredlichkeit stellen lassen, und jedesmal von neuem mühsam den Gegenbeweis antreten, wie zuletzt in dieser und der vorigen Diskussion (zum Thema »’S Päckli«). Diese Kleinarbeit erstickt zudem eine weitreichendere Auseinandersetzung zum jeweiligen Thema selbst.

Ich würde mich wünschen, das z.B. die Weltcup-Rennen in Alta Badia und sonstige internationale Veranstaltungen in den Dolomiten unter der Dachmarke “Ladinia” laufen würden, denn der Dolomitenraum, rund um den Sellastock, hat mehr gemeinsam (sprich Sellaronda), als z.B. Alta Badia, mit dem Vinschgau oder mit Ahrntal, die genauso mit der Marke Südtirol “vermarketet” werden. Südtirol empfinde ich dort als irgendwie “störend” und Zuschuss-“aufgezwungen”.

@ Pervasion:
Mal direkt gefragt: Ist die Anerkennung/Unterstreichung/Förderung der Mehrsprachigkeit unseres Landes ein Wert an sich, für welchen du eintreten möchtest, oder ist dieser Wert anderen untergeordnet, so z.B. der historischen Korrektheit der Landesbezeichnung? Anders gefragt: Ist für dich Südtirol/Alto Adige im Hinblick auf die eben genannte Wertvorstellung tatsächlich eine schlechtere Lösung (die IDEALE Lösung scheint für uns beide ja Südtirol/Sudtirolo zu sein) als das einsprachige “Südtirol”?

@ Piere:

Einer Vermarktung als Ladinia steht ja nichts im Wege – Zusammenschlüsse zwischen Tourismusvereinen werden vom Land sogar mit viel Geld gefördert. Was also spricht dagegen, dass sich die ladinischen Ortschaften unter einer Marke zusammentun?

Aber »natürlich« müsste man dann »Ladinia – Ladinien« schreiben. ODER?

@ Talex:

Mehrsprachigkeit ist ein Wert an sich. Mehrnamigkeit nicht unbedingt, s. meine Ansichten zur Toponomastik.

Na gut, dies ist also ein Punkt den ich nicht teilen kann: Für mich ist die Verwendung/Anerkennung einer deutsch-italienischen LANDESBEZEICHNUNG (bei der sog. Mikrotoponmastik können z.T.andere Akzente gesetzt werden) keine reine Frage der Mehrnamigkeit, sondern in erster Linie eine Frage der Anerkennung der Mehrsprachigkeit des Landes – welche auch nicht anhand vieler Argumente, die in der Toponomastik-Diskussion verwendet werden (ich weiß nicht, ob auch von dir) geleugnet werden kann – z.B. die fehlende oder zahlenmäßig fast irrelevante ital. Präsenz in vielen Dörfern, aus welcher die Legitimität einer Abschaffung des ital. Toponyms gefolgert wird (siehe die “Prozentlösung”, welche seinerzeit von Bruno Frick, Sprecher der Toponomastik Arbeitsgruppe der Schützen usw., vertreten wurde.)
An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass deine Ansicht, “südtirol” sei “brennerbasisdemokratischer” als “Südtirol-Alto Adige”, auch autonomiefreundlichen italienischsprachigen Mitbürgern wohl schwer vermittelbar ist, und daher völlig kontraproduktiv hinsichtlich einer Einbindung derselben in den von eurer Plattform gewünschten Prozess ist.

Ich darf vielleicht erinnern, dass es hier nicht um die offizielle Landesbezeichnung geht, sondern um die “Marke” mit der das Land am internationalen Tourismusmarkt auftritt. Ich darf auch auf den im Eintrag verlinkten Artikel “Ancóra sulla toponomastica” und vor allem die dort stattgefundene Diskussion hinweisen, die ich dir zum besseren Verständnis meiner Position zu lesen empfehle.

Es ist desweiteren darauf hinzuweisen, dass das interne Reglement der SMG bereits die zwingende (!) Verwendung der Bezeichnung “Alto Adige” in den Werbetexten vorsah – bloß eben i. d. R. nicht im Logo. Diese Tatsache zeigt auch recht eindeutig den (auch werbetechnischen) Unterschied zwischen Marke und Landesbezeichnung.

Ein Versuch einer Aufklärung zur sprachlichen Verwirrung um den Landesnamen. Der italienische Name Alto Adige/Oberetsch ist historisch gewachsen und wird auf den Landesnamen aus der napoleonischen Zeit Tirols um 1809 zurückgeführt, wo das Land von den Franzosen als “Haute Adige” genannt worden ist. Die Italiener haben diesen Namen in späteren Jahrzehnten für den Teil Tirols südlich des Brenners übernommen und leider von der Seite der italienischen Faschisten missbraucht. Stichwort Ettore Tolomei und seine Wahnideologie von Alto Adige, das nach seinem Plan nach 1918 jede Bindung an Tiroler Lebensart verlieren sollte. Der Widerstand mancher Südtiroler gegen diesen Landesnamen ist daher mehr als verständlich. In der Zeit vor 1918, als Südtirol zu Österreich gehörte, wurde durchgehend im deutschsprachigen Raum dieser Teil Tirol meistens als Südtirol tituliert. Das italienischsprachige Trentino nannte man hingegen in dieser Zeit meistens Welschtirol oder Welsch-Südtirol. Nach dem I. Weltkrieg war im faschistischen Königreich Italien alles verboten, was an Tirol erinnern könnte, auch oder vor allem der Landesnamen. Die Menschen in Österreich oder anderswo im deutschsprachigen Raum haben klarerweise im Bezug auf Tirol südlich des Brenners den Namen Südtirol gebraucht. Die offizielle amtliche Bezeichnung für Südtirol lautet aber seit dem Pariser Autonomievertrag, 1946 zwischen Österreich und Italien abgeschlossen, “Die Autonome Provinz Bozen” und nicht Südtirol. Meines Wissens ist es bis heute der Fall, dass in Italien der Name Südtirol lediglich geduldet wird, aber keinen staatsamtlichen Charakter besitzt, und das eben erst seit Anfang der 1970-er Jahre und nicht früher. Viele in Italien haben heute auch ein Problem den Namen Sudtirolo statt Alto Adige zu gebrauchen, da dieses “Tirolo” doch an den Gedanken von einem Land Tirol erinnert. Letztenendes ist es egal wie man sich nennt, damit müssten aber die meisten einverstanden sein. Nach meinem Dafürhalten sollte es nur die eine Übersetzung für Südtirol geben, nämlich Sudtirolo. Oberetsch oder Obereisack sind Bezeichnungen für geographische Landschaften und nicht für politische Einheiten, wie das Land Südtirol, das ein Subjekt des Völkerrechts ist.

Die Bezeichnung Südtirol ist seit wenigen Jahren amtlich, ja sogar in der italienischen Verfassung festgeschrieben.

Haut Adige stammt tatsächlich aus der napoleonischen Zeit. Dazu ist jedoch zu sagen, dass die Franzosen ihnen »unbekannte« Gebiete einfach nach wichtigen Bergen oder Flüssen zu bezeichnen pflegten. Dies hatte aber weniger den Zweck, Regionen einen neuen Namen zu geben, als vielmehr jenen, (zu militärischen Zwecken) eine klare geographische Auskunft zu erteilen. Das damalige Haut Adige, mit dem nur der südliche Teil des heutigen Südtirols und mithin einige Zonen des Trentino gemeint waren, bezog sich somit lediglich auf ein “Gebiet am Oberlauf der Etsch”.

Die napoleonische Besatzung war nebenbei – genauso wie die faschistische – keine friedliche. Schon damals hat sich (Stichwort: Andreas Hofer) die Bevölkerung heftig dagegen zur Wehr gesetzt. Die Bezeichnung Haut Adige hatte also damals schon den fahlen Beigeschmack der Kolonisierung. Ein erfundener Name wird aber nicht dadurch »richtiger« dass man ihn einer Region nur oft genug aufzwingt – in diesem Fall zweimal: Ein Unrecht kann kein Unrecht legitimieren.

Wie kommt’s, dass die bbd ein Blog für die Mehrsprachigkeit gründet und dort wieder auf Alto Adige zurückgreift? Opportunismus? Hat Langer abgedankt?

Allora, siccome sono chiamato in causa io (mi pare) rispondo:

1. Il blog http://mehrsprachigkeit.wordpress.com non è una diretta emanazione di [BBD] e non ha un taglio in prima istanza politico.

2. Il termine Alto Adige non è un termine “solo” ideologico (lo è, ma in parte), bensì ha anche valenza amministrativa (all’interno del quadro istituzionale vigente). Non vedevo dunque nessun motivo per sostituirlo.

3. Personalmente (e parlando più in generale) io non ritengo che parlare di Alto Adige sia di per sé qualcosa di negativo, da evitare cioè in ogni situazione o circostanza. Io uso di preferenza Sudtirolo, ma non sono un feticista di “Sudtirolo”.

Spero di aver risposto esaustivamente.

Das Blog ist tatsächlich nicht Ausdruck der Brennerbasisdemokratie, Ivan. Ich selbst war über dessen Gründung nicht einmal informiert worden.

Deine Frage ist jedenfalls legitim, ich hatte sie mir auch gestellt. Gerade weil ich den Eindruck hatte, dass etwa Valentin[o] sehr wohl ein strikter Vertreter des einschließenden »Sudtirolo« ist; er hatte einem Junggrünen sogar den Gebrauch der anderen Bezeichnung angekreidet.

Trotzdem würde ich diese Ungereimtheit auch nicht überbewerten und gebe mich mit à‰trangers Erklärung zufrieden, ohne sie zu teilen.

@ “ivan” (Mai 2008)

Non mi ero accorto prima d’ora del tuo commento. Pardon.

Per quanto riguarda il sottoscritto, la scelta del laboratorio “Mehrsprachigkeit” (gestito da me, Gabriele Di Luca ed Enrico Hell) è ricaduta sul termine “Alto Adige” nella sua accezione di nome ufficiale (“Provincia Autonoma di Bolzano-Alto Adige”) nonché di termine più diffusamente conosciuto e utilizzato nel gruppo linguistico italiano. Con ciò non esprimiamo una posizione pro-Alto Adige, ma la volontà  di non accendere gli animi dei lettori su una questione slegata dal tema “tecnico-pedagogico” del plurilinguismo.

Come dice giustamente pérvasion, sono un sostenitore accanito di “Sudtirolo”, che vorrei sostituisse l’indicazione meno inclusiva di ”Alto Adige”. Nel frattempo, concedo l’uso di “Alto Adige/Südtirol”, artificiale sebbene in regola con la Costituzione. Sulla discussione con il giovane verde (ricordata da pérvasion), vedi:
http://blaun.wordpress.com/2008/04/06/volemose-bene/#comment-2513

Una recente discussione in merito a “Sudtirolo” (leggi qui):
http://blaun.wordpress.com/2008/08/28/identite/

Siehe auch:

Autogenes Training für Südtirol.


http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=499

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