Categories
BBD

Die Macht des »Alto Adige«.

Selbst Günther Pallaver scheint die Rolle des A. Adige nicht mehr ganz geheuer zu sein:

Transkription:

»Der Politikwissenschaftler Günther Pallaver hat auf die herausragende Rolle der Medien im Konflikt um die 150-Jahr(e)-Feiern hingewiesen. Das Beispiel der Tageszeitung »Alto Adige« verdeutliche eine seit 20 Jahren anhaltende Entwicklung in Italien. Die Medien haben laut Pallaver das Primat der Meinungsbildung übernommen. Die Medien trieben die Parteien vor sich her, und nicht umgekehrt. Der ‘Alto Adige’ stellt laut Pallaver keine Ausnahme dar, sondern bestätige die Regel. Er nehme Einfluss auf die Haltung aller Parteien unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung.«

aus den Radionachrichten im Rai Sender Bozen, 14.02.2011, 12 Uhr; danke an Beppi für Hinweis und Mitschnitt

Pallaver schreibt immerhin regelmäßig Leitartikel für den A. Adige und trägt dazu bei, dem Blatt Legitimation zu verleihen.

Definiert man den Journalismus als vierte Gewalt, ist die Rolle dieser Zeitung in der Südtiroler Politik eine Missachtung des Gewaltenteilungsgebots. Aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung schadet diese Einflussnahme dem friedlichen Zusammenleben und dem sprachgruppenübergreifenden gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/

Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.

19 replies on “Die Macht des »Alto Adige«.”

Wenn “med-chen” Allmacht haben und zündeln können; nur wieder mal so am Rande als “Ausländer”:
So viel Offenheit besser gesagt Interesse sollte schon sein, dass Südtirol sich nicht sooooo wichtig nehmen muss; gilt auch für Gesamt-Berli-ländchen wie auch das meine. Will sagen, interessiert Euch ruhig mal für Themen über dem “Tellerrand”. Ein Erwachen wäre übel.

@ wolfgang kulas

versteh ich jetzt nich ganz den kommentar. anonym meint nämlich bestimmt ein deutschsprachiges medienhaus in südtirol (axel springer war wohl nicht gemeint) und was das mit tellerrand zu tun hat, ist mir schleierhaft?!?!?

@Wolfgang Kulas
ich meinte, wie Hunter richtig bemerkt, tatsächlich ein Medienhaus in Südtirol und nicht sonst eins im deutschprachigem Raum. Den Namen nannte ich absichtlich nicht, denn hierzulande kennt ihn jeder.
Was die produzieren hat mit neutralem, gutem Journalismus auch nicht viel gemeinsam, wobei sie nicht wie die AA auf der Seite der Rechten (hier darf man eigentlich zurecht sagen Rechtsextremen) hetzen, sondern im Gegenteil unverblümt Parteipolitik machen und ungeliebte Opposition systematisch als Rechte diffamieren.

@ wolfgang kulas

wir versuchen hier gemeinsam einen Weg zu erkunden, der allen 3 hier lebenden Sprachgruppen ein möglichst konfliktfreies Zusammenleben erlaubt, was in einem immer mehr zusammenwachsenden Europa von hoher Relevanz ist.
Sollte es Modelle “ausserhalb unseres Tellerrandes” geben, welche ich nachvollziehen kann, so bin ich für Deine Denkanstösse dankbar;

Wenn Dein “Hinweis des üblen Erwachens” aber mehr als Abwertung dieses Blogs gedacht ist, so erübrigt sich jeglicher weiterer Kommentar meinerseits.

Das Überl des Erwachens ist mehr für uns alle gedacht. Denke, dass nehmen mir wohl die meissten Leser ab.
Und dass “Blätter” ausgerichtet sind muss nicht immer so schlecht sein. Man liest es einfach nicht mehr oder man versucht seine Meinung auszutragen. Das Wort Pressefreiheit kann man nur so nehmen, als dass jedes Blatt einem Unternehmen gehört und so sich die Freiheit nimmt seine Meinung kund zu tun. Also: hätte ich eine Zeitung würde ich denken, “bild Dir meine Meinung”.
Na und mancher mag wohl erahnen, was ich mit dem Tellerrand meine.

wir werden sehen, wie “vorsichtig” die Berichterstattung dieses -von meinen vorwiegend ital. Mitbürgern meistgelesenen- Blattes zum “Faschingsumzug am 5.März” sein wird.
Jedenfalls könnte sich nun die jahrelange Realitätsverweigerung bzw- verdrehung dieses Blattes zum Boomerang entwickeln.

Gestern feierte Sergio Baraldi in einem Leitartikel die Rolle seiner Tageszeitung (AA) während der jüngsten politischen Auseinandersetzungen, beschrieb die ungefilterte Veröffentlichung von radikalen Leserzusendungen als basisdemokratisch, freute sich, dass Durnwalder in die Redaktion pilgern musste, um Buße zu tun — und beschrieb nicht zuletzt das Selbstverständnis des Blattes als Anwalt der (nicht existenten, vergessen wir das nicht!) italienischen Minderheit. Das Ganze unter dem Titel »Il giornale tribuna del dialogo«.

Beh, Baraldi guarda avanti. Ha già  messo in conto la secessione e, così come fa Senoner qui in un altro commento, è preoccupatissimo per la preservazione dell’identità . :)

Beh come abbiamo visto e come conferma lo stesso Pallaver quel quotidiano ha un ruolo fondamentale nell’influenzare l’opinione pubblica e perfino la politica. Quindi, per quanto mi piacerebbe ignorarlo, non è attualmente possibile, perché è imprescindibile per capire quel che viene inculcato a una buona parte degli «italiani», soprattutto quelli di Bolzano.

Sì, ma gli italiani di Bolzano BBD non lo leggono… Dovresti concentrarti, a mio avviso, sui media tedeschi che sviluppano discorsi analoghi a contrario. E ce ne sono, come sai.

Ich sehe zwar auf deutscher Seite keine qualitativ hochwertige Tagespresse, sondern ein politisch nicht unabhängiges »großes« Blatt, das einer größeren Parteienvielfalt im Wege steht, aber es gibt keine Zeitung, die so massiv und kontinuierlich das friedliche Miteinander hintertreibt, auf jede Forderung der anderen Sprachgruppe schießt (während die eigene Sprachgruppe immerzu als moralisch überlegen, aber grundsätzlich benachteiligt dargestellt wird) und dabei einen so bestimmenden Einfluss auf die öffentliche Meinung und auf das gesamte Parteienspektrum (!) ausübt, wie der Alto Adige. Mit Dolomiten, Tageszeitung und ff (die auch alle gelesen werden) gibt es bei den Printmedien in deutscher Sprache mittlerweile eine für lokale Verhältnisse befriedigende (wenngleich durch den Athesiaverlag dominierte) Vielfalt, die auch die unterschiedlichen Meinungen der Menschen widerspiegelt. Ich denke es ist kein Zufall, dass Pallaver ausdrücklich die Rolle des Alto Adige stigmatisiert hat.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Nicht, dass mir das Problem der Machtkonzentration nicht bewusst wäre. Es ist aber eine völlig andere Angelegenheit, der man auch anders (als den AA-Kampagnen) begegnen muss. Zum Beispiel, indem man bewusst zur Meinungsvielfalt beiträgt und Gegenpositionen (zu denen der Dolomiten-Partei) Raum schafft und etabliert. Die Dolomiten vertreten ja keine »falschen« Standpunkte, sondern lassen neben ihren eigenen wenig Platz für anderes, das gilt es zu verhindern.

Der Deutsche Journalistenverband hat eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der eine Kampagne der Bildzeitung gegen »die Griechen« verurteilt und ihre Einstellung gefordert wird. Darin heißt es unter anderem:

Eine Kampagne, die direkten Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen wolle, verbiete sich aber mit der beschreibenden Aufgabe des Journalismus.

Eine solche Rüge könnte man dem A. Adige fast jedem Tag aussprechen, aber zum Beispiel auch den Dolomiten wegen ihrer Gewalt-Stopp-Kampagne. Vielleicht ein Anlass, mal wieder die Rolle der Medien in Südtirol zu hinterfragen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *