Berufsbildung ausgehebelt.

Während die Volkspartei — als Gegenmittel zu erstarkenden Unabhängigkeitswünschen — die Werbetrommel für die Vollautonomie rührt, brechen dem hochgelobten Modell nach der Reihe wesentliche Teile weg. Bereits vor Jahrzehnten hatte das Land das im deutschen Sprachraum übliche duale Bildungssystem mit Berufsschulen, Lehrlingsausbildung in den Betrieben und Meistertitel eingeführt, welches zur anerkannten Kompetenz heimischer Handwerker und anderer Berufe beiträgt. Dieses System musste bereits wiederholt gegen Angriffe aus Rom verteidigt werden, wobei schon vor etlichen Jahren auf den Meistertitel als Voraussetzung zur Ausübung gewisser Berufe in Selbständigkeit verzichtet werden musste.

Kürzlich übernahm Italien, von dessen Vorzügen überzeugt, selbst das duale Modell und machte somit einer Südtiroler Erfolgsgeschichte quasi über Nacht den Garaus. Zunächst von der SVP als Sieg gefeiert — schließlich hatte sich der Staat einmal mehr etwas vom autonomen Land abgeschaut — machte sich jedoch schon bald Ernüchterung breit. Da Südtirol im Schulbereich nur sekundäre Gesetzgebungsbefugnis hat, müssen die staatlichen Vorgaben fast vollständig übernommen werden. Und die haben es in sich. Das Staatsgesetz unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von dem, was man sich in Südtirol von der Berufsbildung erwartet.

So schreibt Rom einen ersten Abschluss schon nach drei, den Endabschluss nach maximal vier Ausbildungsjahren vor. Manche Berufsbilder sind aber nach Ansicht von Südtiroler Fachleuten so komplex, dass das erforderliche Wissen und die nötigen Fertigkeiten nur in den bisher üblichen fünf Jahren erworben werden können. Zudem entscheidet nun der Staat über die Ausbildungsprogramme und liberalisiert auch noch weitgehend die Rolle der Lehrbetriebe, wodurch eine Aushöhlung des gesamten Systems droht. In Hinkunft könnten Lehrlinge vor allem als billige Arbeitskräfte gesehen, aber u. U. nicht mehr nach klaren Richtlinien ausgebildet werden. Zu allem Überfluss droht der Berufsbildung im Gastgewerbe sogar das Aus, da das Staatsgesetz Saisonsbetrieben die Lehrlingsausbildung gänzlich untersagt. Dadurch kommen den einheimischen Azubis praktisch alle Ausbildungsmöglichkeiten abhanden, denn Südtiroler Gastbetriebe arbeiten fast ausschließlich saisonal.
Bildung Scola Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen Zentralismus | | | SWZ | | SVP |

30 replies on “Berufsbildung ausgehebelt.”

Stupisce anche me. Ma qual e‘ la fonte delle tue informazioni? A scuola nessuno parla di questo (e ce ne sarebbe per riempire di materiale almeno due plenarie consecutive).

Da hast du vollkommen recht. Aus meinem Bekanntenkreis kenne ich 2 Fälle von Jungs die eine Schule besucht haben mit (geplanter) Berufsmatura. Weil das entsprechende Gesetz nicht durchkam, schlossen sie mit der 4. Klasse ohne Matura ab und mussten sich dann die Matura auf dem 2. Bildungsweg (Walthers) selbst machen.
Jahr für Jahr dasselbe Schauspiel. Die Frechheit ist dann aber wenn Frau Kaslatter-Mur & SVP gross-spurig von der Schul-Autonomie sprechen. De facto zahlt Südtirol nur und darf verwalten, die Bestimmungen aber werden allein von Rom gemacht.

Was aus Rom kommt wird geschluckt, als wär es gottgegeben.

Diesbezüglich spielen auch viele Gewerkschaften eine sehr kontraproduktive, unglückliche Rolle.

In Hinkunft könnten Lehrlinge vor allem als billige Arbeitskräfte gesehen, aber u. U. nicht mehr nach klaren Richtlinien ausgebildet werden

ich glaube – ich bin in der berufsbildung tätig – dass dies schon bisher der fall war, (ausnahmen ausgenommen) – das hat ihnen der lehrer sicherlich bestätigen können

zu klaren richtlinien: ist es nicht seltsam, dass die lehrzeit von den zitierten „experten“ in manchen berufen notwendigerweise 5 jahre betragen muss, es diese „experten“ aber nicht gestört hat, dass die schulische ausbildung in den berufsschulen ausnahmslos nach drei jahren beendet wurde und wird? so viel zur komplexität

der vollständigkeit halber sei erwähnt, dass bisher das sog. gesellendiplom (nachweis einer „persona esperta“) auch ohne lehrvertrag bzw. besuch einer berufsschule bzw. lehrabschlussprüfung nach 6 jahren ausgestellt werden muss!

es wäre doch seltsam anti-europäisch und entgegen aller grenzüberschreitenden tendenzen ein system aufrecht erhalten zu wollen, das befähigungen vergibt, die nur auf südtiroler territorium und weder im benachbarten ausland noch in italien anerkannt werden (meisterdiplom eingeschlossen)

Mag ja sein, dass viele Betriebe ihre Lehrlinge schon bisher einfach als billige Arbeitskräfte betrachtet haben. Das rechtfertigt jedoch gerade nicht eine weitere »Lockerung«, die de facto den direkten Weg ins Prekariat ebnet, sondern hätte genau gegenteilige Maßnahmen erforderlich gemacht.

Und aus welchem Grund sind Südtiroler Befähigungen im Ausland nicht anerkannt? Könnte es damit zusammenhängen, dass unser Land nicht über die nötigen Zuständigkeiten verfügt, die Anerkennung im Ausland (also jenseits der angeblich nicht mehr existierenden Grenzen und mit der EU) zu verhandeln? Ob es dann der richtige Weg ist, die eigenen beruflichen Kompetenzen widerstandslos vom Staat herunterschrauben zu lassen, nur um im Gegenzug die Anerkennung zu erlangen, wage ich zu bezweifeln. Im Sinne des Papiertigers »Vollautonomie« und im Interesse des Landes wäre wohl auch hier nur der umgekehrte Weg: Volle Zuständigkeit an’s Land, damit wir endlich eigenständig handeln können. Stattdessen wird der Weg über den Zentralstaat mal wieder als heilsam angepriesen, auch wenn er ein funktionierendes Bildungssystem vernichtet.

es wäre doch seltsam anti-europäisch und entgegen aller grenzüberschreitenden tendenzen ein system aufrecht erhalten zu wollen, das befähigungen vergibt, die nur auf südtiroler territorium und weder im benachbarten ausland noch in italien anerkannt werden (meisterdiplom eingeschlossen)

Wenn den Südtirolern etwas von Italien diktiert wird, dann muss immer Europa herhalten. Ist ein italienischer Berufsschultitel in Zukunft in ganz Europa gültig? Wohl kaum.
Die Liberalisierung des Arbeitsmarktes kann übrigens auch ohne römische Vorgaben im Bereich der Südtiroler Berufsbildung erfolgen. Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun.
Aber für bestimmte Leute gilt die Formel:
Autonomie = antieuropäisch
Zentralstaatliches römisches Diktat = Europa :ohno:

ad prekariat: wie prekär ist es, wenn das unternehmen vorschreibt wie lange die azubi-zeit zu dauern hat, obwohl die schulzeit bereits nach drei jahren beendet wird – ich finde erheblich.
ist es nicht ungerecht dass lehrling a im betrieb a 2 jahre länger „lernen/billig arbeiten“ muss als lehrling b im betrieb b, beide im selben metier tätig – das sind halt die auswüchse des südtiroler systems

wie prekär ist es, wenn nach der lehrzeit ein neues arbeitsverhältnis eingegangen werden muss, und es nach meiner erfahrung nicht selten vorkommt, dass der ausgelernte, der jetzt mehr kostet (leistet er nicht auch mehr?), seinen arbeitsplatz verliert und einem billigeren lehrling weichen muss

Könnte es damit zusammenhängen, dass unser Land nicht über die nötigen Zuständigkeiten verfügt, die Anerkennung im Ausland…..zu verhandeln?

selbstverständlich. wenn diesem satz die überlegung zugrundeliegt, dass das winzige südtirol anstreben sollte, seine eigenen abschlüsse über die grenzen hinaus anerkennen zu lassen (ich denke wir sind uns einig, dass dies sinnvoll wäre), dann möchte ich auf den sog. bologna prozess hinweisen. hier werden sämtliche europäisch-universitäre Bildungssysteme harmonisiert (über den erfolg kann gestritten werden, noch). die marschrichtung scheint doch eher in richtung europäische, statt zonal regional unbedeutende mikrosysteme zu gehen. in sachen jugendarbeitslosigkeit kein unwichtiger aspekt, wie ich finde…..

Ist ein italienischer Berufsschultitel in Zukunft in ganz Europa gültig? Wohl kaum.

natürlich ist das das mittel bis langfristige ziel. zuerst national harmonisieren (südtirol als beispielgeber), dann europäisch..stichwort liberalisierung der dienstleistung in der EU..bei waren, menschen dienstleitung und währung sind wir da schon weiter, nicht?

Aber für bestimmte Leute gilt die Formel:
Autonomie = antieuropäisch

das kann man nirgends hier lesen, auch nicht zwischen den zeilen, außer man will es so. autonomie kann aber nicht bedeuten sich als nabel der welt zu sehen und zu glauben man könnte in der eu mit einem regionalzonal unwichtigem bildungssystem auch nur einen der überbezahlten politiker bewegen einen finger zu rühren…utopien sind zwar schön, aber leider utopisch

Also lautet die Devise »Nivellierung nach unten«, um langfristig eine (in den Sternen stehende) europäische Harmonisierung herbeizuführen. Dass wir dabei eine Jahrzehnte alte Erfahrung quasi auf die Müllhalde der Bildungsgeschichte werfen, nehmen Sie natürlich in Kauf. Das Südtiroler Modell ist/war nicht perfekt, das habe ich auch nie behauptet. Doch wo ist das Staatsgesetz besser? Und warum hätte man nicht auf Landesebene Verbesserungen einführen können? Immerhin ist unser duales Bildungsmodell Teil eines Gesamtkonzeptes, das zu einer der geringsten Arbeitslosenquoten in ganz Europa geführt hat. Es mit einem inkonsistenten Verweis auf die EU (es riecht hier wohl eher nach Zentralismus) widerstandslos aufzugeben, finde ich fahrlässig, ist aber wieder einmal typisch für die Südtiroler Untertänigkeit.

Dass Südtirol zu klein ist, um innerhalb eines durchaus sinnvollen europäischen Rahmens eigene Ansätze zu entwickeln, erzählen Sie mal in Luxemburg, Malta oder Zypern. Oder in föderalistisch gegliederten Ländern, wo die Bildung nicht Sache des Zentralstaats ist. Vollautonomie lässt grüßen.

natürlich ist das das mittel bis langfristige ziel. zuerst national harmonisieren (südtirol als beispielgeber), dann europäisch

Entweder es gibt eine europäische Richtlinie, die jetzt schon die Marschrichtung vorgibt, wie diese Materie europaweit harmonisiert wird, ansonsten ist die Vorgangsweise zuerst national harmonisieren (sprich unsere Autonomie aushebeln), dann europäisch anpassen eine höchst sonderbare Vorgangsweise.

Dass Südtirol zu klein ist, um innerhalb eines durchaus sinnvollen europäischen Rahmens eigene Ansätze zu entwickeln, erzählen Sie mal in Luxemburg, Malta oder Zypern.

luxemburg: sie sollten die historische rolle von lux. in der eu kennen – der vergleich mit südtirol ist lächerlich…., sorry
zypern: den vergleich können sie nicht ernst meinen – versuchen sie mal in zypern über bildung einen diskurs zu beginnen und sie werden sehen wie glücklich wir uns schätzen dürfen, darüber zu diskutieren, weil friedens- und überlebenspolitische dinge geregelt sind
malta: dazu kann man nun wirlich nix mehr sagen!

sie vergleichen staaten mit unwichtigen provinzen…..aber gut, wenns der diskussion dienlich ist, meinetwegen

Entweder es gibt eine europäische Richtlinie, die jetzt schon die Marschrichtung vorgibt, wie diese Materie europaweit harmonisiert wird,

sie verlangen nach einer langfristigen vorausschau in hochkomplexen systemen, die hat es in der europäischen integration mit ausnahme des punktes friedens noch nie gegeben…..leider

Ich denke, Ihre Antwort disqualifiziert sich von alleine. Wir sollten die Katze im Sack kaufen, nur weil dann — vielleicht, irgendwann — die europäische Harmonisierung kommt. Genauso sinnvoll wäre es doch, das gesamte Schulsystem auf Italienisch umzustellen, um dann Deutsch als Fremdsprache zu lernen. Jedenfalls wäre das sehr »europäisch«.

Im Rahmen einer primären Gesetzgebungsbefugnis, die doch Ziel der »Vollautonomie« sein sollte, könnten wir eine allfällige europäische Harmonisierung auch eigenständig umsetzen, und das ohne auf unser Modell zu verzichten.

Was — über die zweifelhafte Harmonisierung hinaus — die Vorteile des staatlichen Gesetzes und der Bevormundung aus Rom sein sollen, haben Sie mir auch nicht beantwortet. Ich wiederhole: Eine widerstandslose Aufgabe eines Erfolgsmodells ohne konkrete Verbesserungsaussichten halte ich für fahrlässig.

Ich denke, Ihre Antwort disqualifiziert sich von alleine.

klar, sie stellt sichn gegen ihre, dann muss sie das wohl…

Wir sollten die Katze im Sack kaufen

nö, sie können aber nur mitgestalten, wenn sie mitreden wollen, wenn sie sich von vornherein entziehen, fährt der zug halt ohne sie ab …

primären Gesetzgebungsbefugnis

die wir hier leider nicht haben und m.M.n. auch so schnell nicht haben werden…

Genauso sinnvoll wäre es doch, das gesamte Schulsystem auf Italienisch umzustellen, um dann Deutsch als Fremdsprache zu lernen. Jedenfalls wäre das sehr »europäisch«.

es gibt ziemlich viele schulen staatlicher art in südtirol: das sind dann also auch schon alles oberschulen mit deutsch als fremdsprache (sic!), oder kommt das noch? ich denke zumindest hier haben sie sich ordentlich verhaspelt

Was — über die zweifelhafte Harmonisierung hinaus — die Vorteile des staatlichen Gesetzes und der Bevormundung aus Rom sein sollen, haben Sie mir auch nicht beantwortet.

sie haben nicht genau genug gelesen, gerne liefere ich explizit verbis:
1. die dauer der ausbildung wird vereinheitlicht
2. die jugendlichen wären nicht mehr dem goodwill der unternehmen ausgesetzt, wann ihre lehrzeit endet
3. die anerkennung der ausbildung über das südtiroler territorium hinaus, bietet jugendlichen eine erweiterte perspektive und chancen (in diese ruichtung geht, nebenbei erwähnt, das jahrelange bestreben richtung berfufsmatura, nur wäre es für die lehre nun auch greifbar)

Eine widerstandslose Aufgabe eines Erfolgsmodells ohne konkrete Verbesserungsaussichten halte ich für fahrlässig.

von widerstandlos war nie die rede – mit dieser simplifizierung machen sie es sich zu einfach. auch die von ihnen befürchtete „nivellierung nach unten“ steht für mich a priori nicht fest.

klar, sie stellt sichn gegen ihre, dann muss sie das wohl…

Das ist nicht der springende Punkt. Ich habe Luxemburg, Malta und Zypern genannt, um Ihre Behauptung, Südtirol sei zu klein, in einen Kontext zu stellen und zu entlarven (man ist immer so klein und unwichtig, wie man sich selbst macht). Darauf gehen Sie in Ihrer Antwort nicht ein, sondern wurschteln sich mit irgendwelchen Floskeln (»dazu kann man nun wirlich nix mehr sagen« etc.) heraus.

nö, sie können aber nur mitgestalten, wenn sie mitreden wollen, wenn sie sich von vornherein entziehen, fährt der zug halt ohne sie ab …

Mit diesem Argument könnte man jede Beschneidung der Autonomie hinnehmen — weil sonst der Zug ohne einen abfährt. Sehr schlau. Wir hatten die Möglichkeit, selbst zu gestalten, und sollten uns jetzt damit begnügen »mitzugestalten« (selbst das ist zweifelhaft). Wären wir die Vorzeigeautonomie, von der die Mehrheitspartei stets schwadroniert, dann dürften wir nicht unfreiwillig zu solchen Schritten gezwungen werden: Wenn die Zentralisierung wirklich ein Vorteil wäre — was ich bezweifle — müssten wir frei sein, uns aus freien Stücken daran zu beteiligen.

die wir hier leider nicht haben und m.M.n. auch so schnell nicht haben werden…

Klar, wenn die einzige Dynamik unserer Autonomie in Richtung Rückgabe von Zuständigkeiten an den Zentralstaat geht, kann es auch gar nicht anders sein. Und wenn man das — wie Sie — auch noch rechtfertigt, anstatt für mehr Eigenregierung zu kämpfen, darf man sich auch nicht wundern, wenn sich daran nichts ändert.

es gibt ziemlich viele schulen staatlicher art in südtirol: das sind dann also auch schon alles oberschulen mit deutsch als fremdsprache (sic!), oder kommt das noch? ich denke zumindest hier haben sie sich ordentlich verhaspelt

Ich habe nicht geschrieben, dass an staatlichen Oberschulen Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird, sondern, dass das der gleichen Logik entspräche.

1. die dauer der ausbildung wird vereinheitlicht

Ich kann darin per se keinen Wert erkennen. Wäre dies von Vorteil, könnte man dies aber auch in Südtirol umsetzen.

2. die jugendlichen wären nicht mehr dem goodwill der unternehmen ausgesetzt, wann ihre lehrzeit endet

Auch das könnte man auch eigenständig umsetzen, ist aber angesichts der Ungewissheiten, die mit der staatlichen Ausbildung zusammenhängen, kein Argument für eine Zentralisierung.

3. die anerkennung der ausbildung über das südtiroler territorium hinaus, bietet jugendlichen eine erweiterte perspektive und chancen (in diese ruichtung geht, nebenbei erwähnt, das jahrelange bestreben richtung berfufsmatura, nur wäre es für die lehre nun auch greifbar)

Eine Berufsmatura würde die Anschlusschancen drastisch verbessern, die Anerkennung wäre allein dadurch gegeben. Dazu braucht es aber keine Beschneidung der autonomen Befugnisse.
Die Möglichkeit, irgendwo sonst in Italien zu arbeiten, ist weder an die Anerkennung des Titels gebunden noch — angesichts der italienischen Jugendarbeitslosigkeit — wirklich attraktiv.

Insgesamt erscheinen mir die von Ihnen genannten Vorzüge im Vergleich zur Aufgabe eines etablierten, funktionierenden, wenngleich verbesserungswürdigen Modells nicht wirklich das Spiel wert.

von widerstandlos war nie die rede

Wo ist der Widerstand?

P.S.: Ich bitte Sie, beim Verfassen neuer Kommentare eine gültige Emailadresse anzugeben.

luxemburg: sie sollten die historische rolle von lux. in der eu kennen – der vergleich mit südtirol ist lächerlich…., sorry

Könnten Sie das bitte genauer ausführen. Warum ist ein Vergleich Südtirol – Luxemburg lächerlich?

sie vergleichen staaten mit unwichtigen provinzen…..

Provinzen werden unter anderem durch „opinion maker“ wie Sie unbedeutender als sie sein müßten.

Letztendlich bestätigen Sie mit dieser Aussage gängige Meinungen und die Existenz von Grenzen, die aber anscheinend gar nicht mehr existieren.
Wenn man zufällig kein unabhängiger Staat ist, dann ist man eine unbedeutend Provinz.
Luxemburg ist es historisch gelungen ein eigener Staat zu werden. Erst dadurch konnte Luxemburg die wertvolle Rolle einnehmen, die es derzeit innerhalb der EU einnimmt und dies als Kleinstaat. Die geschichtliche Entwicklung hätte für Luxemburg etliche Male auch ungünstiger verlaufen können. Dann wäre es auch eine „unbedeutende Provinz“ Frankreichs oder ein Bundesland Deutschlands.
Südtirol hatte dieses Glück nie – historisch betrachtet hätte das historische Tirol durchaus auch ein unabhängiger Pass-Staat werden können (wie die Schweiz). Nun ist es durchaus müßig in der Geschichte darüber zu diskutieren „was wäre wenn“.

Es ist auch müßig feststellen zu müssen, dass der aktuelle nachteilige politische Status Südtirols von vielen, durchaus intelligenten Zeitgenossen, als gottgegeben hingenommen wird, ja noch schlimmer, der Status einer unbedeutenden Provinz durch bestimmte Vorgangsweisen (z.B. vorauseilender Gehorsam gegenüber Rom usw.) erst entsteht und forciert wird, da man nationalstaatliche Harmonisierungen und Selbstläufer ja augenscheinlich in bestimmten Kreisen begrüßt.

… sondern wurschteln sich mit irgendwelchen Floskeln (»dazu kann man nun wirlich nix mehr sagen« etc.) heraus.

wenn eine schöne mittelmeerinsel als vergleich herhalten muss, macht es mich wirklich sprachlos. wenn sie das adjektiv klein nur ein geographisches maß für sie ist, so sehe ich dass ich hätte darauf hinweisen sollen, das dies für mich nicht so ist……
sie beziehen sich mit den genannten drei beispielen auf kleine staaten, sagte ich staaten!? noch ein nicht unwichtiger unterschied, zu südtirol. dass sie kdiesbzgl. kein anderes regionales beispiel in europa finden werden, auch ein deutsches bundesland kann da nicht herhalten, spricht bände. natürlich können wir die ersten sein…siehe den hinweis auf utopien in einem obenstehehnden beitrag

man ist immer so klein und unwichtig, wie man sich selbst macht

im umkehrschluss: man braucht sich nur groß u wichtig zu machen, dann ist man groß u wichtig? dann sind wir bei durnwalder, ebner, stocker, rainer und konsorten ja in besten händen…..

Mit diesem Argument könnte man jede Beschneidung der Autonomie hinnehmen

meine worte! sie können zu monti sagen, wir tun nicht mit! kein treffen, kein gespräch ist dazu notwendig. oder sie können versuchen zu verhandeln….wenn es gelingt im verhandlungswege pakete zu schnüren in welchem auch neue kompetenzen sind, dann ist das ein erfolg, der druch ihre blockadehaltung nicht zu erreichen ist.

Ich kann darin per se keinen Wert erkennen. Wäre dies von Vorteil, könnte man dies aber auch in Südtirol umsetzen.

das wundert mich: sind doch solcherlei bestrebungen bisher immer an den verbänden gescheitert: stichwort billige arbeitskräfte.
leider setzt südtirol nicht alles durch was vorteilhaft ist, das wissen sie besser als ich, nachdem sie sich die mühe machen, missstände in diesem forum aufzuzeigen….

berufsmatura: mit wem verhandeln sie diese? etwa mit österreich – eben. und so wird es auch bzgl. der lehre gehen, mit verhandeln.

wenngleich verbesserungswürdigen

bingo, und jetzt müssen wird das endlich angepackt, es kommt also bewegung in die sache…

Die Möglichkeit, irgendwo sonst in Italien zu arbeiten, ist weder an die Anerkennung des Titels gebunden noch — angesichts der italienischen Jugendarbeitslosigkeit — wirklich attraktiv

außerhalb südtirols ist nicht nur italien, sondern eben auch nachbarländer – diese chance unterschlagen sie. welche qualifikation geben sie also derzeit an, wenn sie gezwungen sein sollten im ausland auf jobsuche zu gehen…? sie können keine angeben, weil sie dort nicht anerkannt ist….

Aus Zeitgründen kann ich nur einige Punkte herausnehmen:

wenn eine schöne mittelmeerinsel als vergleich herhalten muss, macht es mich wirklich sprachlos.

Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass die schönen Mittelmeerinseln (ich kenne beide sehr gut) über ziemlich gute wirtschaftliche Eckdaten verfügen. Ich kenne das dortige Bildungssystem nicht, aber mit einigen Eckdaten können die meisten EU Staaten nicht mithalten:
Staatsverschuldung Zypern 2010. 61,5% vom BIP
Staatsverschuldung Malta 2010: 69% vom BIP
Nun sind die klassischen wirtschaftlichen Eckdaten ja nicht das Maß der Dinge, aber man sollte sich schon ein wenig informieren bevor Länder disqualifiziert werden.

im umkehrschluss: man braucht sich nur groß u wichtig zu machen, dann ist man groß u wichtig? dann sind wir bei durnwalder, ebner, stocker, rainer und konsorten ja in besten händen…..

Die Missstände des Systems Südtirol wurden in diesem Blog häufig kritisiert und angeprangert. Wenn Sie davon auch nicht amused sind ist es eigentlich unverständlich, dass sie eine Harmonisierung mit Italien begrüßen. Italien schneidet in den meisten Disziplinen (Korruption, Transparenz. Rechtsstaatlichkeit) in internationalen Rankings meist miserabel ab. Wenn wir Missstände in Südtirol verbessern wollen, dann müssen wir uns an Ländern orientieren, die tatsächlich Maßstäbe setzen, wie etwa den skandinavischen Ländern. Hierfür benötigen wir aber eine wesentlich weitreichendere Autonomie bzw. Eigenstaatlichkeit, ansonsten treten wir in den meisten gesellschaftlichen Bereichen auf der Stelle.

meine worte! sie können zu monti sagen, wir tun nicht mit! kein treffen, kein gespräch ist dazu notwendig. oder sie können versuchen zu verhandeln….wenn es gelingt im verhandlungswege pakete zu schnüren in welchem auch neue kompetenzen sind, dann ist das ein erfolg, der druch ihre blockadehaltung nicht zu erreichen ist.

Verhandlung ist immer gut. Vorauseilender Gehorsam, der bezüglich Rom häufig manifestiert wird, ziemlich kontraproduktiv und lähmend.
Tatsache ist, dass letzthin häufig verbriefte Rechte der Südtiroler Autonomie angetastet werden. Wir backen also autonomiepolitisch derzeit recht bescheidene Brötchen, die durch Meinungsäußerungen, wie den Ihrigen, noch negativ multipliziert werden.
Was wir benötigen sind Konzepte für eine weitreichende Vollautonomie (damit meine ich nicht die Ankündigungen der SVP Führung) bzw. seriöse Pläne zur Erreichung der Eigenstaatlichkeit und keine Harmonisierungen mit Italien.

außerhalb südtirols ist nicht nur italien, sondern eben auch nachbarländer – diese chance unterschlagen sie.

Wo erkennen Sie im nationalstaatlichen Diktat z.B. eine Anpassung an die Schulsysteme in A und D? Ist überhaupt garantiert, dass diese Harmonisierung einer europäischen Strategie folgt? Gibt es diesbezüglich Richtlinien oder EU-Papiere aus denen klipp und klar hervorgeht, dass die ital. Vorgangsweise einer europäischen Vereinheitlichung folgt? Wobei auch diese Entwicklungen kritisch zu begleiten sind. Nicht alle EU-Entwicklungen sind sinnvoll und notwendig.

Könnten Sie das bitte genauer ausführen. Warum ist ein Vergleich Südtirol – Luxemburg lächerlich?

kurz: lux hat als gründerSTAAT der EWG/EU von anfang an an dern harmonisierung mitgewirkt. ich denke nicht, dass denen bei der unterschirft der römischen verträge schon klar war, was konkret mit dem projekt eu umszusetzen war, außer eben frieden. die beschreibung dieser rolle sollte als hinweis auf den hinkenden vergleich reichen…..

Provinzen werden unter anderem durch ”opinion maker” wie Sie unbedeutender als sie sein müßten.

sie überschätzne mich; kein „opinion maker“ – höchstens ein „opinion carrier“

Grenzen, die aber anscheinend gar nicht mehr existieren.

so lange sie nationale parlamente haben und nicht deren souveränität zu gunsten des europ. parl. abgeben, werden politische entscheidungen wohl oder übel (auch) an nationale politscher mehrheitsentscheidungen gebunden sein, das war bis jetzt auch schon so, nichts ist ohne zustimmung der nationalen parlamente passiert.

Wenn man zufällig kein unabhängiger Staat ist, dann ist man eine unbedeutend Provinz.

zufällig???????

was lux und südtirol betrifft stimme ich ihnen zu. wenn das ziel ein eigener staat südtirol sein soll, ist das ein diskurs den ich hier nicht führen wollte

mein beitrag zu malta warausschließlich auf das (aus)bildungsthema dieses thread bezongen. eine disqulifikation von malta war nie beabsichtigt, ichnhabe lediglich darauf hingewiesen, dass der vergleich südtirols mit einem mittelmeerinselstaat sehr weit hergeholt ist….ihr hinweis auf die wirtschaftlichen daten würde ja bedeuten, dass in ST alles bestens ist, bei unserer wirtschaftsleistung….

in den meisten Disziplinen (Korruption, Transparenz. Rechtsstaatlichkeit) in internationalen Rankings meist miserabel ab.

meine hypothese: ST würde nicht viel besser abschneiden, vor allem nicht in den von ihnen genannten punkten, das habe ich in den letzten jahren gelernt…

Wir backen also autonomiepolitisch derzeit recht bescheidene Brötchen .. Was wir benötigen sind Konzepte für eine weitreichende Vollautonomie

stimmt und anscheinend wollen sie mehr eigenständigkeit erzwingen statt verhandeln?

Wo erkennen Sie im nationalstaatlichen Diktat z.B. eine Anpassung an die Schulsysteme in A und D?

wie ich schon öfters gesagt habe, in der europäisierung der systeme, die (noch, lange) über den nationalstaat führen…

Ist überhaupt garantiert, dass diese Harmonisierung einer europäischen Strategie folgt

ich bin davon überzeugt, dass die weitere europäische integration dazu führen wird, denn ein staat wird sich über kurz oder lang nicht dem europäischen prozess verschließen können, schon gar nicht in bildungsfragen….

Wobei auch diese Entwicklungen kritisch zu begleiten sind. Nicht alle EU-Entwicklungen sind sinnvoll und notwendig.

immer kritisch. gibt es entwicklungen die ALLE sinnvoll und notwendig sind?

natürlich können wir die ersten sein…siehe den hinweis auf utopien in einem obenstehehnden beitrag

Utopien? Wir hatten die Zuständigkeit schon, sie wäre ausbaufähig gewesen, stattdessen wird sie untergraben.

im umkehrschluss: man braucht sich nur groß u wichtig zu machen, dann ist man groß u wichtig?

Ansprüche zu erheben ist eine Grundvoraussetzung. Aber erst die halbe Miete. Wer sich selbst klein und unwichtig macht, wird jedenfalls nie etwas erreichen.

dann sind wir bei durnwalder, ebner, stocker, rainer und konsorten ja in besten händen…

Verwechseln Sie nicht Wichtigkeit und (Macht-)Arroganz.

meine worte! sie können zu monti sagen, wir tun nicht mit! kein treffen, kein gespräch ist dazu notwendig. oder sie können versuchen zu verhandeln….wenn es gelingt im verhandlungswege pakete zu schnüren in welchem auch neue kompetenzen sind, dann ist das ein erfolg, der druch ihre blockadehaltung nicht zu erreichen ist.

Niemand will Verhandlungen blockieren, aber Verhandlungen müssen erstmal stattfinden — und vor allem: auf Augenhöhe. All das scheint mir derzeit nicht der Fall zu sein. Vielmehr fährt der Staat über die Vorzeigeautonomie drüber.

das wundert mich: sind doch solcherlei bestrebungen bisher immer an den verbänden gescheitert: stichwort billige arbeitskräfte.

Laut dem von mir befragten Lehrer — aber auch gemäß Unterton des SWZ-Artikels — ist es viel wahrscheinlicher, dass Lehrlinge in Zukunft als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden, als bisher.

leider setzt südtirol nicht alles durch was vorteilhaft ist, das wissen sie besser als ich, nachdem sie sich die mühe machen, missstände in diesem forum aufzuzeigen….

Niwo hat schon darauf aufmerksam gemacht: Nicht alles hier ist gut, man muss aber gewillt sein, etwas zu verbessern, und dazu muss man sich die Vorbilder sorgfältig auswählen.

berufsmatura: mit wem verhandeln sie diese? etwa mit österreich – eben. und so wird es auch bzgl. der lehre gehen, mit verhandeln.

Man hätte über die Erlangung der primären Zuständigkeit verhandeln müssen — jetzt kommt die Berufsmatura auf dem Weg der Zentralisierung. Auch eine Möglichkeit, aber die denkbar schlechteste.

bingo, und jetzt müssen wird das endlich angepackt, es kommt also bewegung in die sache…

Bewegung kommt zwar an die Sache, wir werden aber nicht mehr federführend daran beteiligt sein.

außerhalb südtirols ist nicht nur italien, sondern eben auch nachbarländer – diese chance unterschlagen sie.

Nichts unterschlage ich, aber eine offizielle Anerkennung wird es in absehbarer Zeit nur in Italien geben, das räumen Sie doch selbst ein. Wobei das gar nicht erforderlich wäre, denn im Privatsektor kann jeder die Qualifikationen anerkennen, die er möchte. Und da hätte man unter Umständen mit einem eigenen Südtiroler Titel die besseren Karten in der Hand.

welche qualifikation geben sie also derzeit an, wenn sie gezwungen sein sollten im ausland auf jobsuche zu gehen…? sie können keine angeben, weil sie dort nicht anerkannt ist….

Detto.

sie überschätzne mich; kein ”opinion maker” – höchstens ein ”opinion carrier”

Achso? Und wessen Meinung carriern Sie dann?

wenn das ziel ein eigener staat südtirol sein soll, ist das ein diskurs den ich hier nicht führen wollte

Dieser Blog befasst sich aber im Kern mit dem Thema Eigenstaatlichkeit, und in diesem Lichte sind auch die Artikel zu lesen; ich empfehle Ihnen hierzu, unser Manifest zu konsultieren.

meine hypothese: ST würde nicht viel besser abschneiden, vor allem nicht in den von ihnen genannten punkten, das habe ich in den letzten jahren gelernt…

Ich bin da zwar anderer Meinung, aber angenommen Ihre Befürchtungen würden sich bewahrheiten, so hab ich als Bürger in einer kleinen (staatlich unabhängigen) Verwaltungseinheit ganz andere Möglichkeiten um wirksam gegen diese Missstände vorzugehen als in einer großen Verwaltungseinheit. Dies beginnt damit, dass ich mit den entsprechenden Verwaltern direkte Verbindung aufnehmen kann und Druck erzeugen kann und hört damit auf, dass meine Stimme in Südtirol mehr Gewicht hat, als in Italien.
Im Übrigen sind etliche Missstände des Systems Südtirol Folge der Zugehörigkeit zu Italien. Sollten wir tatsächlich ein unabhängiger Staat sein, würden sich ganz andere Machtverhältnisse einstellen. Die absolute Mehrheit der SVP in der heutigen Form wäre kaum realistisch. Eine ausgeglichenere Machtbalance ist wahrscheinlich.

stimmt und anscheinend wollen sie mehr eigenständigkeit erzwingen statt verhandeln?

Die Möglichkeiten, wie Verhandlungen geführt werden sind vielfältig. Derzeit manifestiert Südtirol vor allem vorauseilenden Gehorsam gegenüber Rom. Verhandlungen auf Augenhöhe finden jedenfalls keine statt – Südtirol ist in der schwachen Verhandlungsposition.
Um etwas zu erreichen müssen auch entsprechende Forderungen deponiert werden. Genau dies ist derzeit nicht der Fall.
Im Übrigen beweisen andere europäische Regionen (Katalonien und Schottland) sehr gut, dass sich Autonomie und Unabhängigkeit in der Verhandlungsführung nicht ausschließen. Beide Regionen fordern mehr Autonomie, haben als mittelfristiges Ziel aber die Unabhängigkeit. Die SVP verneint diese Strategie und richtet damit für Südtirol einen großen Schaden an.

Ich würde teacher schon auch bitten, die Kirche im Dorf zu lassen. Eine Handvoll veritabler Skandale in 60 Jahren Regierungsgeschichte reichen nicht aus, aus Südtirol ein Reich der Korruption zu machen. Filz und Freunderlwirtschaft gibt es überall, und wenn die Wähler einer einzigen Partei für so lange Zeit die alleinige Macht verleihen, wird dies geradezu gefördert. Ich will die Volkspartei damit nicht rechtfertigen, denn jeder einzelne Fall von Misswirtschaft ist einer zu viel, sondern lediglich ein bisschen Realismus und Sinn für die tatsächlichen Proportionen einfordern. Darüberhinaus bin ich dafür, dass die Vorfälle lückenlos aufgeklärt und politische Konsequenzen gezogen werden und hoffe, dass die Ära der absoluten Mehrheit für die Volkspartei für immer zu Ende ist. Das wären gute Voraussetzungen für die Zerschlagung dessen, was man gemeinhin als System Südtirol bezeichnet. Rechtssicherheit und rasche Prozesse wären ebenfalls wichtig, doch diesbezüglich mache ich mir keine großen Hoffnungen, solange wir bei diesem Staat sind.

@pérvasion
zustimmung (wieder einmal)
natürlich gibt es überall skandale und jeder systemmissbrauch ist einer zuviel. aber im gegensatz zu manch anderen gegenden sieht man in südtirol sehr wohl, dass geld für die allgemeinheit vielfach sinnvoll investiert wurde.

ich hab jedenfalls in südtirol noch nie autobahnbrücken gesehen, die ins leere führen …

…ganz andere Möglichkeiten um wirksam gegen diese Missstände vorzugehen als in einer großen Verwaltungseinheit. … Verwaltern direkte Verbindung aufnehmen kann und Druck erzeugen kann und hört damit auf, dass meine Stimme in Südtirol mehr Gewicht hat, als in Italien.

den unterschied zur aktuellen situation erklären sie mir bitte – kontakt aufnhemen und (sagen wir bei landtagswahlen) hat ihre stimme weniger gewicht…??

verhandlungen: ihre genannten punkten kann man zustimmen. ich frage mich jedoch wie eine verhandlung auf augenhöhe aussehen soll, wenn sie genau wissen dass sie nicht auf augenhöhe sein können. was können sie als kleine unwichtige provinz dem staat anbieten, ausßer geld, und das geld haben sie erst, wenn der zentralstaat es ihnen gibt…..auf augenhöhe wäre sicher wünschenswert, ich sehe nur noch nicht, wie das funtkionieren soll. ich denken, de facto aber auch de jure ist diese „gleichheit“ nicht umzusetzen. übrigens, nicht einmal staaten untereinander verhandeln häufig auf augenhöhe….eine im fach internationaler politik allgemein anerkannte these, wobei das natürlich nicht heißt dass sie stimmen muss, aber immerhin….

Beide Regionen fordern mehr Autonomie, haben als mittelfristiges Ziel aber die Unabhängigkeit.

rein des verständnisses halber: sie würden also auch zuerst vollautonomie anstreben und dann die selbstbestimmung? klingt ziemlich nach linie der svp oder irre ich mich?

@pervasiòn:
meine zustimmung in sachen machtmissbrauch und monopolismus. nun, die 60 jahre regierungstätigkeit müsste man durchaus ein wenig differenzeirt betrachten. bis zum zweiten autonomiestatut war es schwierig bis unmöglich einen filz zu pflegen, weil schlicht die mittel und kompetenzen fehlten. das ging erst mit zunehmenden zustädnigkeiten die an das land übertragen wurden. so gesehen haben wir einen ordentlichen filz in viel kürzerer zeit aufgebaut, als gar manche andere – die csu in bayern war da viel langsamer, dafür zugegeben auch erfolgreicher im negativen sinne…

@hunter:

aber im gegensatz zu manch anderen gegenden sieht man in südtirol sehr wohl, dass geld für die allgemeinheit vielfach sinnvoll investiert wurde.

als beispiele dazu fallen mir spontan ein: flughafen, sel ag, therme meran, safety park, landesbürosilos, fussballplätze in jedem dorf, wettrüsten bei feuerwehren keine 10km auseinander, brennercom, wasserstoffzentrum, technologiepark, gefühlte 10.000 landesämter, protz hallenbäder….
.natürlich ein jammern auf hohem niveau und sicher gibt es beispiele für schlechteres wirtschaften, aber eben auch viele für bessere

ich hab jedenfalls in südtirol noch nie autobahnbrücken gesehen, die ins leere führen …

stimmt, dafür x kathedralen in der wüste, siehe oben, sind wohl beides verlorene gelder…dafür brauch ich die brücke nicht instand zu halten (kleiner scherz am rande)

@ teacher

ohne die skandale gutheißen zu wollen aber am flughafen landen flieger, die sel ag liefert strom, in der therme meran kann ich schwimmen gehen, im safetypark kann ich über die rutschplatte fahren, in den landesbüros erhalte ich auskunft, auf dem fußballplatz kann ich spielen, um die feuerwehr bin ich froh, wenn’s brennt …

auch der umstand, dass die italiener eine bezeichnung dafür haben und die deutschsprachigen nicht, lässt auf ausmaß und häufigkeit schließen. die redewendung „kathedrale in der wüste“ gibt es nämlich – soweit ich weiß – auf deutsch nicht.

die massai haben wahrscheinlich ja auch kein wort für schnee (kleiner scherz am rande)

Boh… io a volte non capisco alcuni modi di vedere le cose. Questo è un discorso generale, non solo rivolto a questa discussione.
Pare che il Sudtirolo, per quanto ci si giri intorno, lo si possa solo osannare o detestare. Ci sono lo sciovinismo patriottico o „autonomistico“, che crede di vivere nel migliore dei mondi possibili oppure al contrario il pessimismo che dietro ogni pecca, per grande o piccola che sia, ne vede la punta dell’iceberg di un sistema del malaffare ai più bassi livelli della scala (un sacco di miei amici bolzanini sembrano gongolare di ogni scandalo provinciale). Tra queste due posizioni sta il nulla o quasi.
Non ho intenzione di soffermarmi ad analizzare se le ragioni dell‘ „ins geas sou guat“ siano meglio di quelle della „Südtiroler Mafia“, perchè il meccanismo che sta alla base di questo modo di pensare è identico: si prende un particolare che piace o non piace e lo si ingigantisce fino ad estenderlo a tutti gli ambiti della vita pubblica.
L’altro punto in comune di queste visioni è la loro debolezza: chi non riesce ad analizzare obbiettivamente la situazione ha poche chance di poter cambiare alcunchè, anche se su qualche punto può avere visto giusto, proprio a causa dell’errata percezione dell’insieme.

den unterschied zur aktuellen situation erklären sie mir bitte

Es geht mir hier in erster Linie aufzuzeigen, dass ich in Südtirol sehr wohl viele Möglichkeiten habe gegen Missstände vorzugehen, in Italien nicht. Ein kleines Beispiel. Wenn ich einem bestimmten Landesrat eine email schreibe, dann bekomme ich eine zeitnahe Antwort. Versuchen sie das mal in Rom, noch dazu in ihrer Muttersprache. Wenn Südtirol also unter Missständen leidet, die aufgrund der Zugehörigkeit zu Italien entstehen, dann kann ich und ganz Südtirol dagegen relativ wenig bis gar nichts machen.
In diesem Sinne kann ich auch das Verhalten vieler SüdtirolerInnen nicht nachvollziehen, die gegen Missstände im Land zwar lautstark schimpfen, an deren Beseitigung keinen Beitrag leisten und indirekt hoffen, dass Rom ja keine Kompetenzen abgibt, da wir ja von Italien gerettet werden müssen. Völlig lachhaft dieses Verhalten.
Im Übrigen kann ich obigen Kommentaren nur zustimmen, die aufzeigen, dass die Zustände in Südtirol mit den italienischen Zuständen in keiner Weise zu vergleichen sind. Frage: warum funktionieren vom Land verwaltete Zuständigkeiten besser als staatliche Zuständigkeiten?

rein des verständnisses halber: sie würden also auch zuerst vollautonomie anstreben und dann die selbstbestimmung? klingt ziemlich nach linie der svp oder irre ich mich?

Nein das klingt nicht nach SVP Linie. Die SVP lehnt die Unabhängigkeit ja ab und behauptet, dass sich Forderungen nach mehr Autonomie und nach Unabhängigkeit ausschließen. Dies ist Unfug, wie Schottland und Katalonien beweisen. Im Übrigen artikuliert die SVP in Rom derzeit nicht mal Forderungen nach konkreten Zuständigkeiten.
Ich bin im Gegensatz zur SVP für ein souveränes, staatlich unabhängiges Südtirol. Zeithorizont: mittelfristig. Ein Ausbau der Autonomie widerspricht diesem Ziel nicht. Neue Kompetenzen sind deshalb immer zu begrüßen. Derzeit befindet sich die SVP mit ihrer Autonomiepolitik aber in der Sackgasse. Unter anderen aufgrund ihres vorauseilenden Gehorsames gegenüber Rom. Der erste Schritt um etwas zu erreichen beinhaltet die Verbalisierung von Forderungen und Zielen. Unter Zielen verstehe ich auch die Forderung nach Unabhängigkeit. Wenn diese Forderung von Rom 50 mal als völlig indiskutabel bezeichnet wird, aber beim 51sten Male nicht mehr, dann bin ich dem Ziel schon um Welten näher gekommen als mit der derzeitigen SVP-Verweigerungspolitik.

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