Zuwanderer: Die Bedeutung der deutschen Sprache wird immer noch stark unterschätzt.

Neue Studie zur Überqualifikation der Migranten.

von Thomas Benedikter

Nur 9% der ausländischen Zuwanderer in Südtirol haben laut einer kürzlich erschienenen, breit angelegten Studie (Paolo Attanasio, Ungenutztes Humankapital – Qualifikationen von Zuwanderern in Südtirol als Schlüssel für deren Integration am heimischen Arbeitsmarkt, apollis 2013, EU-15-BürgerInnen sind in der Studie nicht erfasst) ihre Deutschkenntnisse besser ausgebaut als das Italienische. Drei Viertel von ihnen sprechen Italienisch gut oder halbwegs gut, aber nur 29% können sich laut Selbsteinschätzung zumindest halbwegs gut auf Deutsch verständigen. Dabei leben die befragten Ausländerinnen zu 71% seit über 8 Jahren im Land.

Kein Wunder, ließe sich schließen, dass 35% wegen mangelnden Deutschkenntnissen auf Probleme bei der Arbeitssuche stoßen, wie in der Studie ermittelt, aber nur 22% wegen zu geringen Italienischkenntnissen. Anscheinend schätzen Zuwanderer, vor allem aus Nicht-EU-Ländern, Gewicht und Bedeutung der deutschen Sprache in Südtirol falsch ein. Obwohl die allermeisten längerfristig hier bleiben wollen, hat nur ein Viertel der Zuwanderer Sprachkurse besucht und davon wieder ein geringerer Teil Deutschkurse. Warum wagt man sich nicht ans Deutschlernen? Vielleicht aus der Annahme heraus, die Staatssprache würde ohnehin von allen verstanden. Südtiroler – mich eingeschlossen – verstärken diese unter Ausländern verbreitete Annahme, indem sie oft ganz automatisch mit Zuwanderern Italienisch reden. Dass in Südtirol aber die eigenen beruflichen Chancen mit ausreichend Deutschkenntnissen zusammenhängen können, muss vielfach erst durchsickern. Vor allem wenn man den im Heimatland erlernten Beruf hier anwenden, Weiterbildungsmöglichkeiten nutzen und einen besser qualifizierten Job finden will, geht das nicht ohne vertiefte Kenntnis der Landessprachen. Natürlich müssen auch Arbeitgeber und öffentliche Hand dafür bessere Rahmenbedingungen schaffen, aber ohne eigene Anstrengung geht es nicht.

Die Fehleinschätzung der Bedeutung der deutschen Sprache wirkt sich in den Familien der Zuwanderer auch auf die Folgegeneration aus, was sich in den Zahlen der Schuleinschreibungen widerspiegelt. 2011/12 hatte die deutsche Berufsbildung einen Migrantenanteil von 4,3%, die italienische Berufsausbildung von 37%. Der Anteil der ausländischen Schüler in der Mittelschule ist von 2002 bis 2011/12 in der deutschen Schule von 1,2 auf 4,9% gestiegen, in der italienischen Schule von 9,4 auf 22,1%. Deutsch kann man natürlich auch in der italienischen Schule und außerhalb der Schule erlernen. Dennoch ist eine gewisse Schieflage nicht zu übersehen, denn die Integration der Zuwanderer in die Südtiroler Gesellschaft und ihr sozialer Aufstieg kann – mal abgesehen von 2-3 Städten – nicht mehr nur übers Italienische gelingen.

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  • Steffl

    Diese alarmierenden Zahlen lassen schon heute Rückschlüsse auf das prozentuale Verhältnis der Sprachgruppen (in der “weltbesten Autonomie”) in schon weniger als zehn Jahren ziehen.
    Ein Beispiel aus meinem persönlichen Alltag. An meinem Arbeitsplatz in der Landeshauptstadt grüße ich seit Jahren schon früh morgens und sehr freundlich das Reinigungspersonal, das hauptsächlich aus dem arabischen Raum kommt, mit “Hallo” oder “Morgen”. Ich bekomme seit genau so vielen Jahren immer “Ciao” oder “Buongiorno” zur Antwort… Ich weiß dass es in Bozen besonders gravierend ist, aber dort ziehen halt auch weitaus am meisten Zuwanderer hin. In Meran ist es dasselbe. Die Zuwanderer sprechen jedenfalls gefühlt mehrheitlich und zuerst immer italienisch. Dazu kommt noch der beschriebene Reflex Zuwanderer einfach auf italienisch anzusprechen. Wie gesagt, in meinem Fall und meine Erfahrung sagt mir leider auch, dass man trotz der Verwendung der deutschen Sprache bei den Zuwanderern häufig auf taube Ohren stößt was unsere Sprache anbelangt. Wie soll das so weitergehen? LH Durnwalder hat schon recht wenn er von Überfremdung spricht, auch wenn er vielleicht mitschuldig daran ist sie verursacht zu haben, vor lauter zu “gut gehen”.
    Halten wir fest. Die deutschen Kindergärten und Schulen in den Städten werden immer italienischer, die Zuwanderer werden prozentuell immer mehr und hauptsächlich italienisch integriert und die Geschichtskenntnisse der Südtiroler werden immer schlechter, man ist sich also nicht mehr bewusst, welche Identität man selbst hat. Auf was für eine Entwicklung steuert Südtirol zu und wie soll diese Autonomie, die aus Schutz für die Tiroler Minderheit entwickelt wurde zu halten sein?

    • proEUREGIO

      … nicht viel anders ergeht es mir in Brixen in den Filialen der allbekannten “Tannenbaum-Handelskette”! Als Bestätigung für meinen Besuch bekomme ich dann den Kassazettel wo “fein-säuberlich” und ausschließlich in der “Nationalsprache” für den Einkauf gedankt wird. – Also nicht einmal ein Minimum an Höflichkeit gegenüber – der in Brixen mehrheitlich angestammten Bürgerschaft, – und deren Gäste!

  • m.gruber

    Kein Wunder, ließe sich schließen, dass 35% wegen mangelnden Deutschkenntnissen auf Probleme bei der Arbeitssuche stoßen, wie in der Studie ermittelt, aber nur 22% wegen zu geringen Italienischkenntnissen.

    Du zitierst die Studie falsch. Auf Seite 15 und 16 heißt es, dass 6 von 10 MigrantInnen KEINE Probleme bei der Arbeitssuche hatten. Die Zahlen die du nennst betreffen nur den Rest (40%). Das unterschlägst du. Ebenso unterschlägst du, dass bei 14% (!) das Herkunftsland ein Problem bei der Arbeitssuche war.

    Und noch einen Zusammenhang den man erwähnen könnte: 16% haben angegeben, dass sie weder Deutsch noch Italienisch gut sprechen (Seite 8,9).

    Nur 9% der ausländischen Zuwanderer in Südtirol haben laut einer kürzlich erschienenen, breit angelegten Studie ihre Deutschkenntnisse besser ausgebaut als das Italienische.

    Das ist schlichtweg FALSCH. 9% der Befragten gaben an Deutsch besser zu können als italienisch. Du unterschlägst die 18% die angegeben haben beide Sprachen gleichermaßen zu beherrschen und die 16% die angegeben haben keine der beiden Sprachen außreichend zu beherrschen.

    Der Schluss, den du ziehst, dass eine “falsche” Gewichtung der Sprachen Deutsch und Italienisch ein Hindernis für Integration wäre wird von der Studie nicht getragen.

    Es geht in der Studie auch um etwas anderes, nämlich um einen Vergleich von Qualifikation und tatsächlich ausgeübter Arbeit bei Migranten aus nicht EU-15 Staaten.

    Für alle die Nachlesen wollen: hier der Link zur Studie : http://www.apollis.it/download/26dextOUC20v.pdf

    • hunter

      Das ist schlichtweg FALSCH.

      kannst du mir bitte erklären, was an thomas benedikters behauptung falsch ist. alles was du schreibst, widerlegt ja nicht seine behauptung über die 9%. ich versteh’s nicht.

      • m.gruber

        Zugegeben mein Kommentar ist etwas verwirrend. Ich versuchs meine Gedanken nochmal in etwas strukturierterer Form darzulegen.

        Benedikter sagt: “Nur 9% der ausländischen Zuwanderer in Südtirol haben laut einer kürzlich erschienenen, breit angelegten Studie ihre Deutschkenntnisse besser ausgebaut als das Italienische.”

        In der Studie wurde aber gefragt welche und wie gut jemand eine Sprache beherrscht (siehe Seite 8 und 9). Es wird nicht gefragt, wie weit diese Kenntnisse “ausgebaut” wurden. DAS ist ein Unterschied und deswegen ist Benedikters Aussage falsch. Richtig wäre: 9% der Migranten verfügen über bessere Deutsch- als Italienischkenntnisse. Aber dann wäre die Aussage für Benedikters Argumentationskette nicht mehr brauchbar.

        Die Studie wird von Benedikter dahingehend missbraucht den Migranten eine Art “Fehleinschätzung der Bedeutung der deutschen Sprache” zu unterstellen. Als Hauptargument hierfür wird angeführt, dass 35% wegen mangelnder Deutschkenntnisse Probleme bei der Arbeitssuche haben.

        Die Prozentangabe ist jedoch falsch, WEIL in der Studie festgestellt wird, dass 60% (Seite 15,16) keine Probleme bei der Arbeitssuche hatten. Die von Benedikter angeführten 35% beziehen sich lediglich auf den Rest (40%).

        Diese 35% sind in absoluten Zahlen ausgedrückt 94 Personen von 674. Die 22%, die Benedikter anspricht, entsprechen 59 Personen.

        Von allen 674 Befragten haben jedoch 16%, das sind 108 (!) Personen, angegeben weder Deutsch noch Italienisch in außreichendem Maße zu beherrschen. Man sollte sich, ungeachtet der irreführenden Angabe der 35% vergegenwärtigen, wie alleine die Arbeitssuche dieser Gruppe das Ergebnis und damit den Schluss den Benedikter zieht verfälschen kann.

      • Wieder einmal extremste Wortklauberei deinerseits:

        • Du stößt dich daran, dass Thomas Benedikter von »besser ausgebauten« statt von »besseren« Sprachkenntnissen spricht. Nachdem wir aber davon ausgehen dürfen, dass die Befragten weder Deutsch noch Italienisch als Muttersprache haben, haben sie ihre Sprachkenntnisse irgendwann »ausgebaut«, vor oder während ihres Aufenthalts in Südtirol.
        • Ob sich die 35% und die 22% nur auf die 40% (also 35% von 40% und 22% von 40%) oder auf die Gesamtheit (also 35% von 100% und 22% von 100%) beziehen, geht aus der Formulierung in den Studienergebnissen gar nicht hervor.
      • Thomas Benedikters These, die du für konstruiert hältst, wird übrigens auch extern durch das Astat gestützt. In dessen Studie zur Immigration liest man:

        Italienisch scheint also für Ausländer — egal welcher Herkunft — die Sprache erster Wahl zu sein.

        Diese Aussage gestattet (in Kombination mit der Erkenntnis, dass doppelt soviele Zuwanderer einen Italienischkurs wie einen Deutschkurs besucht haben) ebenfalls die Annahme, dass die Bedeutung der deutschen Sprache unterschätzt wird.

      • m.gruber

        Ob sich die 35% und die 22% nur auf die 40% (also 35% von 40% und 22% von 40%) oder auf die Gesamtheit (also 35% von 100% und 22% von 100%) beziehen, geht aus der Formulierung in den Studienergebnissen gar nicht hervor.

        Doch. Eindeutig. Schon wegen der sprachlichen Formulierung trifft deine Annahme nicht zu. Ich zitiere: “La ricerca del lavoro attuale non è stata difficile per sei immigrati su dieci, per le restanti persone, invece, c’è stata qualche difficoltà. Nel giudizio sugli aspetti che hanno rappresentato un ostacolo […]”

        Da du sprachlich aber nicht über eine derartige sensibel bist wie ich (Stichwort: “Wortklauberei, extremste”) liefere ich dir den mathematischen Beweis gleich nach:
        60% kein Problem + 35% Problem wegen Deutsch + 22% Problem wegen Italienisch + 14 Problem wegen Herkunftsland = 131% … es geht also aus 2 Gründen sehr wohl aus der Studie hervor.

        Du stößt dich daran, dass Thomas Benedikter von »besser ausgebauten« statt von »besseren« Sprachkenntnissen spricht. Nachdem wir aber davon ausgehen dürfen, dass die Befragten weder Deutsch noch Italienisch als Muttersprache haben, haben sie ihre Sprachkenntnisse irgendwann »ausgebaut«, vor oder während ihres Aufenthalts in Südtirol.

        Ausbauen ist eine aktive Handlung. Benedikter unterschlägt die 18% die Zweisprachig sind und die 16% die keine der beiden Sprachen außreichend sprechen, da von diesen beiden Gruppen keine Aussage getätigt werden kann, welche Sprache sie mehr ausgebaut haben.
        Deshalb ist die Angabe der 9% FALSCH, denn es ist nicht ausgeschlossen dass die, die Zweisprachig sind ihre Deutschkenntnisse besser ausgebaut haben, noch kann man sagen, dass jene die keine der beiden Sprachen sprechen ihre Deutschkenntnisse besser ausgebaut hätten. Benedikter kehrt durch seine Aussage 16%+18%= 34% der Befragten mal eben unter den Tisch. Das hat nichts mit Wortklauberei zu tun, das ist ein offensichtlicher Zusammenhang.

        Thomas Benedikters These, die du für konstruiert hältst, wird übrigens auch extern durch das Astat gestützt.

        Genau das ist es ja, was ich Benedikter vorwerfe. Es mag andere Studien geben die seine Thesen untermauern, aber warum baut er seine Argumentation auf einer Studie auf, die dafür nicht, oder nur in Teilen geeignet ist?

        Diese Aussage gestattet (in Kombination mit der Erkenntnis, dass doppelt soviele Zuwanderer einen Italienischkurs wie einen Deutschkurs besucht haben) ebenfalls die Annahme, dass die Bedeutung der deutschen Sprache unterschätzt wird.

        Falsch. Diese Studie gestattet die Aussage, dass Migranten die italienische Sprache bevorzugen und eben NICHT, dass sie die Bedeutung der Deutschen Sprache unterschätzen. Ich finde um den Unterschied dieser Aussagen zu erkennen bedarf es keiner großen sprachlichen sensibilität.

        Die andere Studie aus der Benedikter zitiert ist übrigens die hier. Es wäre toll, wenn nicht die Kommentatoren die Primärquellen nachreichen müssten.

      • hunter

        Da du sprachlich aber nicht über eine derartige sensibel bist wie ich

        nichts für ungut – aber das klingt sprachlich enorm flexibel äh sensibel 🙂

        und entschuldige meine wortklauberei. 🙂

      • hunter

        60% kein Problem + 35% Problem wegen Deutsch + 22% Problem wegen Italienisch + 14 Problem wegen Herkunftsland = 131%

        ich hab mir nicht die mühe gemacht, die studie zu lesen. aber nur so schnell: mehrfachnennung ist keine option? das könnte doch auch eine gesamtsumme über 100% erklären.

      • hunter

        noch kann man sagen, dass jene die keine der beiden Sprachen sprechen ihre Deutschkenntnisse besser ausgebaut hätten.

        das ist mir jetzt zu sensibel. inwiefern tangieren nicht existente hypothetische kenntnisse die aussage der studie?

      • hunter

        Es wäre toll, wenn nicht die Kommentatoren die Primärquellen nachreichen müssten.

        wtf???
        bbd ist weder eine wissenschaftliche arbeit noch eine professionelle nachrichtenagentur, sondern freiwilliges zeitaufwändiges engagement von privatpersonen. was nicht heißt, dass wir uns nicht bemühen, quellen anzugeben. auf bbd findest du für die getätigten feststellungen bestimmt mehr quellen als in zeitungsartikeln oder nachrichtensendungen.

      • Doch. Eindeutig. Schon wegen der sprachlichen Formulierung trifft deine Annahme nicht zu. Ich zitiere: “La ricerca del lavoro attuale non è stata difficile per sei immigrati su dieci, per le restanti persone, invece, c’è stata qualche difficoltà. Nel giudizio sugli aspetti che hanno rappresentato un ostacolo […]”

        Diese sprachliche Formulierung lässt keinen Rückschluss darauf zu, ob die in der Folge genannten Zahlen in »Prozent auf die Prozent« oder in »Prozent auf die Gesamtheit« ausgedrückt sind.

        Da du sprachlich aber nicht über eine derartige sensibel bist [sic] wie ich (Stichwort: “Wortklauberei, extremste”) liefere ich dir den mathematischen Beweis gleich nach:
        60% kein Problem + 35% Problem wegen Deutsch + 22% Problem wegen Italienisch + 14 Problem wegen Herkunftsland = 131% … es geht also aus 2 Gründen sehr wohl aus der Studie hervor.

        Das ist kein mathematischer Beweis, wie hunter schon vorweggenommen hat. Jemand der Probleme wegen Italienisch hat, kann auch gleichzeitig Probleme wegen Deutsch oder wegen seiner Herkunft haben. Du bist vielleicht mathematisch nicht so sensibel.

        Falsch. Diese Studie gestattet die Aussage, dass Migranten die italienische Sprache bevorzugen und eben NICHT, dass sie die Bedeutung der Deutschen [sic] Sprache unterschätzen. Ich finde um den Unterschied dieser Aussagen zu erkennen bedarf es keiner großen sprachlichen sensibilität [sic].

        Ich habe nicht von »Aussage«, sondern von »Annahme« gesprochen. Und du als Sprachsensitiver solltest den Unterschied zwischen »Annahme« und »Gewissheit« kennen.

      • Deshalb ist die Angabe der 9% FALSCH, denn es ist nicht ausgeschlossen dass die, die Zweisprachig [sic] sind ihre Deutschkenntnisse besser ausgebaut haben, noch kann man sagen, dass jene die keine der beiden Sprachen sprechen ihre Deutschkenntnisse besser ausgebaut hätten. Benedikter kehrt durch seine Aussage 16%+18%= 34% der Befragten mal eben unter den Tisch. Das hat nichts mit Wortklauberei zu tun, das ist ein offensichtlicher Zusammenhang.

        Die Angabe der 9% ist nicht falsch. In der Studie steht klar und unmissverständlich:

        si evince che il 18% degli immigrati si può considerare bilingue (possiede quindi buone competenze dell’italiano e del tedesco), il 57% ha buone conoscenze dell’italiano e scarse del tedesco, il 9% buone conoscenze del tedesco e scarse dell’italiano, mentre il 16% ha delle competenze scarse o nulle in entrambe le lingue

        Das heißt, dass es bei den 18% und bei den 16% keine nennenswerten Unterschiede in den Kenntnissen der beiden Sprachen gibt. Thomas Benedikter unterschlägt das nicht, denn jeder, der auch nur ansatzweise einen Hausverstand besitzt, weiß, dass die 9% nicht den Umkehrschluss zulassen, dass 91% bessere Italienisch- als Deutschkenntnisse hätten.

      • m.gruber

        ich hab mir nicht die mühe gemacht, die studie zu lesen. aber nur so schnell: mehrfachnennung ist keine option?

        Diese sprachliche Formulierung lässt keinen Rückschluss darauf zu, ob die in der Folge genannten Zahlen in »Prozent auf die Prozent« oder in »Prozent auf die Gesamtheit« ausgedrückt sind.

        Stimmt. Das ist ein Fehler meinerseits. Dennoch ist die Mehrfachnennung nicht möglich, wenn 60% angeben sie hätten kein Problem. Diese Aussage kann sich nämlich nicht mit den anderen überkreuzen. Also beziehen sich die anderen Angaben auf die restlichen 40%.

        inwiefern tangieren nicht existente hypothetische kenntnisse die aussage der studie?

        Gar nicht. Benedikter interpretiert die Studie, indem er sagt 9% hätten ihre Deutschkenntnisse besser ausgebaut. Das ist schon eine hypothetische Annahme, weil dies nicht aus der Studie hervorgeht. Um dagegen zu Argumentieren und seine Aussage zu widerlegen habe ich diese Annahme auf die anderen Prozentzahlen ausgedehnt und wie du richtig bemerkt hast besteht da kein Zusammenhang.

        Thomas Benedikter unterschlägt das nicht, denn jeder, der auch nur ansatzweise einen Hausverstand besitzt, weiß, dass die 9% nicht den Umkehrschluss zulassen, dass 91% bessere Italienisch- als Deutschkenntnisse hätten.

        Schon klar. Ich kritisiere auch nicht die 9% sondern die Interpretation “BESSER AUSGEBAUT”.

        nichts für ungut – aber das klingt sprachlich enorm flexibel äh sensibel

        http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=13892#comment-227702 😉

    • Thomas Benedikter

      Eine kleine Antwort auf nur zwei Aspekte der Debatte, doch entschuldige ich mich, nicht schon eher in die Debatte eingegriffen zu haben, um Einiges schon vorweg zu klären. M. Gruber hielt mir vor, dass ich die Studie falsch zitiert hätte, wenn ich sage: “Nur 9% der ausländischen Zuwanderer in Südtirol haben laut einer kürzlich erschienenen, breit angelegten Studie ihre Deutschkenntnisse besser ausgebaut als das Italienische.” Natürlich ist das bloß eine journalistische Umformulierung des Umstands: nur 9% der Zuwanderer verstehen besser Deutsch als Italienisch – ist doch eigentlich klar.

      Gruber schreibt: “Richtig wäre: 9% der Migranten verfügen über bessere Deutsch- als Italienischkenntnisse. Aber dann wäre die Aussage für Benedikters Argumentationskette nicht mehr brauchbar.” Das meinte ich doch, wir meinen also dasselbe, also überflüssige Spiegelfechterei. Die Zahlen unterstützen meine Argumentation ganz deutlich.
      In einem anderen Punkt hat er Recht. Natürlich befasst sich die Studie vornehmlich mit der Überqualifikation der Migranten und enthält viele wertvolle Erkenntnisse dazu. Ich empfehle die Lektüre der gesamten Zusammenfassung, doch mir ging es eben – wie in einem kurzen Kommentar erlaubt – nur um die Reflexion dieses speziellen Aspekts, der tatsächlich ein Problem darstellt. Wohlgemerkt: nicht so sehr für den deutschsprachigen Teil der Südtiroler Gesellschaft, der mit dieser Frage so zurechtkommen wird, wie die Luxemburger Gesellschaft mit zu einseitig sprachmächtigen Migranten, sondern für die Migranten selbst, die sich durch Vernachlässigung der deutschen Sprachkenntnisse eben Aufstiegs- und Integrationschancen verbauen.

  • Steve

    Ist es wirklich so, dass man in Südtirol deutsch können muss, um beruflich weiter zu kommen? Ich habe jetzt in 3 (großen) Betrieben gearbeitet, wo in der Geschäftsführung immer Leute saßen, die nur italienisch konnten. Vom einfachen Sachbearbeiter oder Arbeiter in Produktion oder Lager gar nicht erst zu reden…
    Besonders aufgefallen ist es mir in einem Betrieb im Unterland: Tochterfirma eines deutschen Weltkonzerns, der “administratore delegato” kann “nur” italienisch und englisch, in der 9-köpfigen Geschäftsführung kann nur einer deutsch. Wer hingegen nur deutsch kann, wird höchstens noch als Straßenarbeiter in einem abgelegenen Seitental beschäftigt (wobei ich nichts gegen Straßenarbeiter sagen möchte, dies ist ein ehrbarer Beruf welcher auch ausgeführt werden muss).
    Wie gesagt, ich weiß es nicht mit Sicherheit, aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass man in Südtirol auch ohne Deutschkenntnisse Karriere machen kann.

    • Dieter

      Ist es wirklich so, dass man in Südtirol deutsch können muss, um beruflich weiter zu kommen?……….Wie gesagt, ich weiß es nicht mit Sicherheit, aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass man in Südtirol auch ohne Deutschkenntnisse Karriere machen kann.

      Das mag in einigen Berufsgruppen stimmen, kann man aber nicht auf alle übertragen. Im Gastgewerbe (Bedienungen) zum Beispiel sind mangelnde Deutschkenntinnse meist ein K.O.-Kriterium, da sich der deutsche Gast in Südtirol erwartet, mit dem Personal deutsch sprechen zu können und die Gastbetriebe ihm dies auch einräumen wollen.

      • Das gilt aber auch für die Adria und für den Gardasee. Deutsch für den deutschen Gast und nicht wegen der mehrsprachigen Realität unseres Landes…?

      • Dieter

        Das gilt aber auch für die Adria und für den Gardasee. Deutsch für den deutschen Gast und nicht wegen der mehrsprachigen Realität unseres Landes…?

        Ich glaube, an der Adria ist es in den meisten Fällen ein dickes Plus, wenn man der deutschen Sprache mächtig ist. Nicht aber ist es ein K.O.-Kriterium, wie in den meisten Fällen in Südtirol.

      • Steve

        Im Gastgewerbe (Bedienungen) zum Beispiel sind mangelnde Deutschkenntinnse meist ein K.O.-Kriterium,

        Wobei man im Gastgewerbe auch nicht unbedingt Karriere macht. Gibts noch andere Beispiele, wo deutsch de facto Voraussetzung ist (nicht nur de iure wie in öffentlichen Ämtern)? Ein “halbes” Beispiel kenne ich noch: bei Büros, die viel mit der öffentlichen Hand arbeiten (und daher ihre Berichte zweisprachig abgeben müssen) muss mindestens ein Angestellter Deutsch und Italienisch können. Beim Rest der Belegschaft reich dann reines Italienisch (auch bei “höheren” Berufen wie Steuerberatern, Ingenieuren,…).
        Aber ansonsten?

  • Hartmuth Staffler

    Kurios ist, dass man in Südtirol ohne die geringsten Deutschkenntnisse auch in einem Beruf Karriere machen kann, für die laut gesundem Hausverstand Sprachkenntnisse besonders wichtig wären, nämlich als Journalist. Kein Wunder, dass dann die Artikel oder Beiträge ziemlich daneben liegen, aber das stört niemanden. .

    • Karl-Heinz

      ohne die geringsten Deutschkenntnisse auch in einem Beruf Karriere machen kann,,,,, nämlich als Journalist.

      Journalist kann man ohne jegliche Kenntnisse werden.

  • Steffl

    Steve hat recht, die SVP hat diese Probleme besonders bei der Präsentation unserer Autonomie nach Außen immer unterdrückt, nicht angesprochen und zuviel geprahlt. Wenn man Durnwalder und Co. im deutschsprachigen Ausland reden hörte, man hätte meinen können hier leben die Tiroler südlich des Brenners geschichtsbewusst ihre österreichisch geprägte Identität und Sprache aus (erst neulich wieder gesehen wie weit es ist; bei einem Gespräch auf dem Berg zwischen Nordtiroler Touristen und einem alteingesessenen Südtiroler um die 50, der darauf beharrte kein Tiroler zu sein sondern Südtiroler!), es gebe kaum Probleme, die Autonomie schütze vor Assimilierung an das Staatsvolk und es fließe nur Milch und Honig. Deshalb kann man nur “hunter” und alle anderen Mitleser aus Österreich bitten, die Wahrheit über Südtirol in Österreich zu verbreiten. Genauso wichtig wäre es, italienischen Nationalisten in den diversen Foren usw. klar zu machen, dass das österreichische Volk uns mehrheitlich eben schon “will”, das haben mir sogar zig österr. Akademiker bestätigt, besonders jene außerhalb Nordtirols, wo die Südtiroler zugegebenermaßen am unbeliebtesten sind. Neulich im Urlaub hat ein Professor aus Salzburg, dessen Bekanntschaft wir zufällig machten behauptet, wenn sich die Möglichkeit auftäte und Südtirol zu Österreich zurück kommen könnte, wohl praktisch alle Österreicher dafür wären. Ich glaube ihm aufs Wort, und das straft auch die ganzen lächerlichen und extremen ital. Nationalisten Lügen, die immer herumerzählen Österreich würde uns nicht “wollen”. Da man kompromissbereit sein muss könnte man vielleicht das umsetzen, was Sergio Romano meinte: nämlich eine Kondominiumslösung Italien-Österreich ganz im europäischem Geiste. Dann kämen wir unserem alten Vaterland wieder näher und die Italiener behalten ihre Institutionen auch, was ihnen ja sehr wichtig ist. Zudem wäre es auch ein Signal auch an Zuwanderer, dass hier eben mehrere Sprach- bzw. Volksgruppen leben und man beide Seiten beachten muss. Aber leider ist es halt so wie ich schon einmal sagte. Die ganz große Mehrheit der Menschen ist oberflächlich und schaut nur auf das Offizielle (Stichwort italienischer Ausweis, dann ist man halt italienischer Bürger und das ist halt so). Unter anderem deshalb wäre der österr. Pass als Möglichkeit für uns Südtiroler m.M. nach sehr sehr wichtig und nicht zu unterschätzen.

    • Das wäre dann also noch eine Vertiefung der ethnischen Trennung: Die Italiener haben ihre Institutionen und die Deutschen haben andere. Und wer ist für die Ladiner zuständig? Graubünden?

    • Prometheus

      Da man kompromissbereit sein muss könnte man vielleicht das umsetzen, was Sergio Romano meinte: nämlich eine Kondominiumslösung Italien-Österreich ganz im europäischem Geiste.

      (mal schauen ob ich auch zitieren kann) … Man muss nicht kompromissbereit sein. Wenn weder das Volk selbst, noch dessen Beauftragte(nicht Vertreter, da es die ja nicht gibt) über die Zugehörigkeit zu einem Staate entscheiden können, dann besteht ein Zwang. Den nun zu verdoppeln bringt folgenden Vorteil: die deutschsprachigen(nicht die Ladiner) Südtiroler müssen sich endlich nicht mehr als Italiener sehen, welche sie auch sicher nicht sind(genauso wenig wie Österreicher). Das bringt sicher Vorteile; löst das Problem nicht wirklich, sondern lindert es nur ein bisschen.

      • Prometheus

        Ich will damit sagen, dass das zwar sicher eine Verbesserung war, aber nach meiner Ansicht genau darin das große Problem liegt. Dies würde eine Politik nach SVP Manier begünstigen, in der nicht(mehr) das Optimum angestrebt wird, sondern man sich beginnt zu begnügen. Ich glaube jede Verbesserung der Situation verhindert, dass der unbedingt notwendige Schritt getan wird. Ein Konsortium würde meines Erachtens alle ein bisschen beruhigen; aber es ist nicht das Geld wert, wenn wir uns Demokratie schimpfen. Ganz anders sehe ich in diesem Zusammenhang den österreichischen Pass, da ich sehr viele Menschen kenne, die sehr Intelligent sind, aber sich selbst als Italiener sehen, da sie ja einen italienischen Pass haben. Der wird händeringend Gebraucht um solchen Automatismen entgegenzuwirken und um aller Welt klar zu machen: wir sind keine Italiener! Insofern wäre er ja keine Definitive Lösung und könnte der Unabhängigkeitsbewegung sehr gut tun, da er vielen vor Augen führen würde: Pass ungleich Nationalität!!

    • Obervinschger

      Kondominiumslösung: Nein Danke. Ich denke ein unabhängiges Süd-Tirol sollte schon gemeinsame Institutionen haben, auch um die gemeinsame Identität mit den Mitbürgern (vor allem mit den Jungen Leuten) italienischer Zunge zu stärken. Nicht österreichische Institutionen für die deutschsprachigen und italienische Institutionen für italienischsprachigen. Die einzige Konzession die ich im Sinne einer “Kondominiumslösung” zu machen bereit wäre: Am Beispiel Andorras orientierend, dass die Präsidenten Österreichs und Italiens Co-Staatsoberhäupter sind……..

    • KlausK

      Ich bin mal von Innsbruck über Amsterdam nach Bristol geflogen.
      Amsterdam ist in einem solchen Fall Schengen Aussengrenze und ich musste mich mit meiner Identitätskarte ausweisen. Der Beamte wollte mich nicht ausreisen lassen weil italienische ID’s braun sind.
      Einerseits war dieses Erlebnis toll weil mir bestätigt wurde, ich sei kein italiener. Andererseits musste ich 45 min warten bis alles überprüft wurde. Es zeigte halt, dass wir eigentlich nirgendwo richtig dazugehören. Der Beamte hat sich freundlicher weise entschuldigt und gemeint, dass in dieser Gegend ein paar deutschsprachige wohnen. Darauf hin habe ich ihn berichtigt, dass in dieser Gegend die Mehrheit deutsch spricht.

      • Hartmuth Staffler

        Die sogenannten Identitätskarten (anderswo nennt man das Personalausweis) sind in Italien vielfältiger und bunter, als sich das so mancher Grenzpolizist träumen lässt. Neben den grünen zweisprachig italienisch-deutschen Identitätskarten in Südtirol gibt es die ebenfalls grünen dreisprachigen für die Ladiner in Südtirol und im Trentino. In Aosta sind die Identitätskarten zweisprachig italienisch-französisch und von blauer Farbe. Die Slowenen in Friaul erhalten auf Antrag eine dunkelgrüne zweisprachig italienisch-slowenische Identitätskarte. Bei gemeinsamen Fahrten von Minderheitenvertretern in das Schengen-Ausland geht es also an der Grenze ganz schön bunt zu.

      • Zur Ergänzung: Die Identitätskarte heißt auch in der Schweiz so.

  • hunter

    Kafka hätte das nicht besser hinbekommen. Vertrotteltes Staatsbürgerschaftsgesetz in Österreich. Zitat: “Österreichische Behörden akzeptieren als Nachweis ausreichender Deutschkenntnisse zum Erwerb der Staatsbürgerschaft weder eine österreichische Matura noch ein abgeschlossenes Germanistik-Studium.”

    http://derstandard.at/2000004671524/Eine-Staatsbuergerschaft-fuer-Absurdistan

    • Libertè

      faz.net/aktuell/rhein-main/auslaendische-fachkraefte-im-leerlauf-statt-auf-dem-arbeitsmarkt-13105158.html

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