Die letzten Tage des Sa-Feixina-Monuments.

Der im letzten Juni stattgefundenen Regierungswechsel im Rathaus von Palma, Hauptstadt der autonomen Gemeinschaft der Balearen, hat möglicherweise konkrete Folgen für das Stadtbild: Die neue linke Mehrheit hat nämlich beschlossen, ein ehemaliges Kriegsdenkmal abtragen zu lassen, das das Aussehen des vielbesuchten Sa-Feixina-Parks (/ßa Feschína/) bestimmt. Das Vorhaben war bereits im Wahlprogramm der Koalition enthalten.

Monument vor und nach seiner Entschärfung. (Quelle: dbalears und arabalears).
Das Monument vor und nach seiner Entschärfung von 2010. (Quelle: dbalears und arabalears).

Bereits im Jahr 2010 war das Monument aus der Franco-Ära von der letzten Mittelinksregierung im Stadtpalast entschärft und in ein Mahnmal umgewandelt worden: Unter anderem wurden sämtliche Inschriften sowie das franquistische Staatswappen entfernt und stattdessen ein viersprachiger, mahnender Schriftzug angebracht.

Wie das deutschsprachige Mallorca-Magazin schon Ende Oktober berichtete, erteilte der Gemeindereferent für Kultur, Miquel Perelló, Forderungen eine Absage, das Denkmal zu erhalten oder eine Bürgerbefragung durchzuführen:

Für die linke Rathausmehrheit sei die Debatte um das Bauwerk abgeschlossen. Es werde auch keine Befragung geben.

— Mallorca-Magazin

Mitarbeiter der Stadtwerke hätten bereits Gesteinsproben des Monuments entnommen, das dem Untergang des Kriegsschiffs »Baleares« gewidmet war.

Beim Untergang der “Baleares” während eines Seegefechts vor der östlichen Festlandsküste kamen 786 Menschen ums Leben, unter ihnen viele junge Seekadetten aus Palma und anderen Orten auf Mallorca. Die heutige MM-Schwesterzeitung Ultima Hora regte 1938 eine Spendensammlung für den Bau des Denkmals an. Es wurde 1948 zum zehnten Jahrestag des Schiffskatastrophe eingeweiht.

— Mallorca-Magazin

Ob die Weigerung, den Wunsch nach Beibehaltung des Denkmals noch einmal anzudiskutieren oder eine Bürgerbefragung durchzuführen, gut ist, möchte ich an dieser Stelle bewusst nicht bewerten. Zweifellos handelt es sich aber bei der Absicht, die Säule abzureißen, um eine linke Position — während in Südtirol in den meisten Fällen nicht einmal die Entfernung von Inschriften vorstellbar erscheint.

Dass die linke Mehrheit im Rathaus von Palma nun auch noch darüber nachdenkt, Pläne umzusetzen, die von 1935 stammen, bevor also die Franquisten die Macht an sich rissen, würde man hierzulande wohl als hinterwäldlerisch, rückwärtsgewandt und revanchistisch bezeichnen.

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