Bürokratiemonster elektronische Rechnung.

Die Südtiroler Handelskammer hat letzte Woche das Ergebnis einer Mitgliederbefragung zur elektronischen Rechnung vorgestellt. In der Pressemitteilung und in den Medienberichten wurde dabei vor allem die hohe Zufriedenheit der Befragten mit den diesbezüglich von der Handelskammer angebotenen Dienstleistungen unterstrichen.

In Italien ist es inzwischen Pflicht, öffentlichen Verwaltungen elektronische Rechnungen auszustellen. Verkauft wurde dies unter anderem als eine Vereinfachung. Realität scheint vielmehr das Gegenteil zu sein: Viele Unternehmer ächzen unter dieser weiteren bürokratischen Last, deren technische Umsetzung äußerst aufwendig und letztendlich teuer ist.

Ich habe mir von der Handelskammer die Daten zur Frage schicken lassen, wie die Südtiroler UnternehmerInnen die Pflicht zur elektronischen Rechnung bewerten. Das Ergebnis spricht eine Sprache, die deutlicher kaum sein könnte:
Umfrage Elektronische Rechnung 2016.

Für rund neun von zehn Befragten ist die elektronische Rechnung ein großer (51,24%) oder leichter Mehraufwand (38,52%). Von einer Erleichterung sprechen hingegen weniger als zweieinhalb Prozent.

Wäre Südtirol für die Regelung dieses Bereichs selbst zuständig, könnten InteressenvertreterInnen, Handelskammer und Land hier eine unbürokratischere Lösung ausarbeiten. Nachdem die elektronische Rechnung jedoch von oben verordnet wurde, gibt es derzeit kaum Mitgestaltungsmöglichkeiten.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7]

Disqus Comments

brennerbasisdemokratie

Wordpress Comments

37 Replies to “Bürokratiemonster elektronische Rechnung.”

  1. Als Vereinfachung verkauft, wie so vieles, stellt die elektronische Rechnung in der Tat eine Verkomplizierung und einen immensen zusätzlichen Zeitaufwand dar. Und das nicht nur für die Firmen, sondern auch für die öffentliche Verwaltung. Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass auch die öffentliche Verwaltung unter den Vorgaben zu stöhnen hat. Und anstatt Personal einzusparen, würde es eher zusätzliches Personal brauchen.

    0

    0
    1. Als persönlich Betroffener kann ich bestätigen, dass die Einführung der elektronischen Rechnung einen immensen Zusatzaufwand darstellt. Vorteile kann ich keine erkennen, Nachteile in Form von verheizten Ressourcen jede Menge. Teils habe ich das Gefühl, dass wir uns nur mehr selber verwalten. Aber die Ursache dieser nicht mehr haltbaren Zustände – der Zentralstaat läßt grüßen – wird in Südtirol ja nicht thematisiert.

      0

      0
  2. Habe erst kürzlich mit diesem Unsinn Bekanntschaft machen müssen wegen einer kleinen Rechnung an die Gemeinde. Und weil alles neu für mich ist wollte ich mir vom LVH helfen lassen:
    – USB-Stick. 40 Euro
    – Erstregistrierung: 100 Euro
    – Jahrebeitrag: 60 Euro
    – pro Rechnung: 5 Euro

    Also hätte ich für diese eine Rechnung zusätzlich 205 Euro an Spesen gehabt, was wesentlich mehr ist als der Betrag für meine Arbeit. Also arbeite ich in Zukunft entweder gratis oder gar nicht mehr für die Gemeinde – dann habe ich mehr davon.

    0

    0
    1. Ach noch was: für den USB-Stick muss ich persönlich zu Bürozeiten nach Bozen fahren: mindestents 2 Stunden verlorene Arbeitszeit, die mir auch keiner entschädigt.

      0

      0
      1. Die Gemeindemitarbeiterin hat mir gesagt, ich könne die zusätzlichen Spesen für die “fattura elettronica” auf die Rechnung setzen – die anderen Betriebe tun das auch.
        OK, die Gemeinde bekommt nun eine Rechnung von mit mit dem mehr als 5-fachen Betrag, der für meine Leistung ursprünglich vereinbart wurde.
        Wen wundert’s da noch, dass die öffentliche Verwaltung kein Budget mehr hat?!?

        0

        0
      2. Nicht explizit den Jahresbeitrag, sondern die “Spesen”. Wenn ich auf die Rechnung schreibe, dass es 50 Euro Spesen sind, so ist es das eben. Es wurde nicht verlangt, dass ich meine Spesen aufschlüssle, aber bei Bedarf könnte ich gerne alles dokumentieren, vom den Kosten an die Handelskammer für USB-Stick bis zu den Parkplatzgebühren am Waltherplatz als ich den USB-Stick abgeholt hatte – die “scontrini” habe ich alle noch. Meine Arbeitszeit rechne ich ihnen nicht an, ich könnte aber gerne noch ein paar Hunderter für die verlorenen Stunden aufschlagen!

        0

        0
      3. Ich stelle relativ häufig elektronische Rechnungen an öffentliche Verwaltungen oder reiche über das entsprechende Portal Angebote ein. Beides kostet im Gegensatz zum früheren Verfahren Zeit (habe grad heute wieder einen Vormittag damit verbracht), Geld und manchmal auch Nerven…
        Mir ist es allerdings noch nie passiert, dass ich irgendwelche damit verbundenen Spesen hätte verrechnen können. Das scheint mir eine ziemlich eigenwillige Praxis zu sein…

        0

        0
      4. Dass man das so direkt weiterverrechnen kann, wie von Senoner geschildert, finde ich auch merkwürdig (wobei es schon sein kann, dass ihm das gestattet wurde). Trotzdem: Wenn es Zeit, Geld und Nerven kostet wird dies über kurz oder lang in die Leistungen eingepreist werden müssen… und somit ist unausweichlich, dass es auf die SteuerzahlerInnen abgewälzt wird. Andersherum wäre es natürlich auch ungerecht, wenn die UnternehmerInnen auf den Mehrkosten sitzen blieben; man müsste also das gesamte System überdenken, damit es erst keine Mehrkosten (sondern bestenfalls Einsparungen) generiert, aber dafür sind wir ja (auf Landesebene) nicht zuständig.

        0

        0
  3. Der Grundgedanke, das Papier “auszurotten”, mag ja gut und schön sein und die elektronische Rechnung in diesem Sinne auch der richtige Weg. Absurd wird das Ganze aber dadurch, dass vor allem die italienischen Institutionen (Militär, Carabinieri usw.) längst nicht zufrieden sind mit der rein elektronischen Rechnung, die wollen dazu noch jede Menge Begleitpapier haben. Am Anfang wollten sie sogar die Rechnung zusätzlich in Papierform haben. Irrsinn pur!

    0

    0
    1. gibt es derzeit kaum Mitgestaltungsmöglichkeiten.

      Der Grundgedanke, das Papier „auszurotten“, mag ja gut und schön sein und die elektronische Rechnung in diesem Sinne auch der richtige Weg.

      Da wird der Diskussion ein höchstinteressantes Thema beigesteuert: darf das Land über alle Bürgerköpfe hinweg “richtige” Entscheidungen durchsetzen?

      0

      0
      1. und der Staat?

        Wieso die beiden gegeneinander ausspielen, wo die beiden ja wundervoll miteinander zu flirten scheinen, frage ich mich…

        0

        0
  4. Ich hab damit auch zeitweise zu tun und kann bestätigen, dass es einen immensen Mehraufwand bedeutet im Vergleich zu vorher. Nebenbei bemerkt bekomme ich die Dinger nur auf italienisch in die Hände. Aber das ist in der weltbesten Autonomie wohl der Normalzustand.

    0

    0
  5. Vorschlag für Verbesserung:

    Auf der analogen Rechnung wird ein Strich-oder QR-Code generiert, der dann jederzeit digitalisiert werden kann?

    0

    0
    1. Wie stellst du dir das denn vor?!? Soll sich jeder Handwerker da eine eigene Software anschaffen, die den QR-Code generiert? Und wie kriegt man den QR-Code in die Rechnung? Als GIF-Datei einbinden? Das wird ja noch komplizierter! Und wozu soll der QR-Code dann gut sein?

      0

      0
      1. @RoMo:
        Scannen und als PDF Anhang in der email:
        Das ist wohl die einfachste Lösung!

        0

        0
      2. @schierhangl

        Scannen und als PDF Anhang in der email

        .
        Ja, das wäre eine einfache Lösung. Aber leider ist das laut Gesetzgeber keine digitale, sondern eine ganz “normale” Rechnung.
        An deinen Kommentaren erkennt man, dass du mit der ganzen Sache aber schon überhaupt nix zu tun hast …

        0

        0
    2. @schierhangl
      Es gibt einen “kleinen” Unterschied zwischen elektronischer und digitalisierter Rechnung!
      Deinem Vorschlag nach zu urteilen, hast du aber nichts damit zu tun, oder?
      LG, ein Leidensgenosse

      0

      0
  6. Mich würde auch interessieren, wer die 2,47% sind, die zumindest irgendwelche Erleichterung in der elektronischen Rechnungstellung sehen.
    Handelt es sich dabei um solche, die erst seit wenigen Monaten aktiv sind, vorher keine Rechnungen gestellt haben und jetzt keine privaten Kunden haben?
    Oder sind es jene, die alles vom Steuerberater erledigen lassen und die gesamten Zusatzkosten als Spesen auf die öffentlichen Verwaltungen abwälzen?

    0

    0
  7. Das Problem der schlechten Informatisierung entsteht unter anderem dass man nicht auf ein durchdachtes Konzept aufbaut, sondern herumgebastelt ohne die gesamten Abläufe durchzudenken. Auch ist es ein Problem, wenn man die Informatisierung als ein Nischenproblem sieht und nicht eine der gesamten Verwaltung durchziehendes Thema das man zur Chefsache macht. Wie man symptomatisch in der Landesregierung sieht wurde dieser Bereich der Quotenfrau Deeg zugeteilt.

    Im Artikel wird beanstandet dass wir auf lokaler Ebene keine Verbesserungen für dieses System individuell Einführen können, da es sich um gesamtstaatliche Bestimmungen handelt. Doch hätten wir diese Konpetenzen sieht es fraglich aus, dass wir es unbedingt besser machen würden. Wenn schon so was einfaches wie die Anmeldung am Konvent sieht, das sehr amateurhaft Abgewickelt wurde. Auch gibt es Probleme mit der Umstellung der informatischen Systeme von Fachanwendungen in verschiedenen Landesbehörden Verzögerungen wo es intern zu einer Verkomplizierung der Abläufe geführt hat. Die Umstellung der Software in den Sanitätsbetrieben stellt auch eine Geschichte für sich dar.

    Vorbild für eine gelungene Umsetzung von Informatisierungen stellt Estland dar.
    Vor ein paar Tagen war der estnische Premierminister bei der amerikanischen Satiresendung “Daily Show” des Kabelsenders Comedy Central zu Gast. Dort wurde unter anderem mitgeteilt dass ein estnischer Bürger im Durchschnitt 5 Minuten braucht um selbst die eigene Steuererklärung zu machen. Dieser Durchschnitt ist kürzlich auf 3 Minuten gesunken.

    Somit stellt das Problem neben der formalen Kompetenz um nicht weniger auch eine Frage der sachlichen Kompetenz dar.

    0

    0
    1. Südtirol ist nicht Klassenbester aber so bürokratisch wie der it. Staat? Die grössten Bürokratie Monster (Steuererklärung, Arbeit Sicherheit, Vergabegesetz usw) macht Rom.

      0

      0
      1. Vor allem gibt es in Südtirol auch eine maßgebliche Mitgestaltungs- und Beeinflussungsmöglichkeit durch lokale Akteure. Der Weg zwischen Verantwortlichen und Betroffenen ist wesentlich kürzer.

        0

        0
      2. Das “Monster” Vergabegesetz hat unsere Landesregierung verbrochen mit den entsprechenden bürokratischen Folgen bei die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen (zumindest, wie ich sie für Dienstleistungsaufträge kennenlernen durfte…).

        0

        0
      3. Meines Wissens war von 2010 bis 2015 auch in Südtirol das gesamtstaatliche Codice degli appalti gültig. Ich bin damit mehrmals in Berührung gekommen und es war eine echte Katastrophe. Darüberhinaus hatte es negative Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft (Aufteilung nach kleineren Gewerken äußerst erschwert). Mit dem neuen Landesvergabegesetz, das erst seit Jänner 2016 in Kraft ist, hatte ich zwar persönlich noch nicht zu tun, doch angeblich sind damit die Berufsvereinigungen (LVH & Co.) wesentlich zufriedener. Ein massiver Bürokratieabbau wurde meines Wissens auch dadurch erzielt, dass sehr viele Unterlagen (Antimafia uvm.) nicht mehr von allen Wettbewerbsteilnehmern verlangt werden, sondern nur noch vom Sieger der Ausschreibung. Zudem wurde ein eigener Leitfaden veröffentlicht, der öffentlichen Körperschaften und Wettbewerbsteilnehmern mehr Klarheit und Rechtssicherheit verschaffen soll. Vermutlich alles noch immer nicht perfekt, aber wesentlich besser als das staatliche Monster…

        0

        0
      4. Naja, …
        Zumindest bei Dienstleistungsausschreibungen: 47 Seiten Wettbewerbsbedingungen, Formulare, in denen teilweise Angaben (innerhalb des Formulars aber auch in den verschiedenen Formularen) mehrfach auszufüllen sind, Hinweise auf jeder zweiten Seite, welche noch so kleinen Formfehler zum Ausschluss führen…
        Bei jeder Ausschreibung alles wie gehabt von Vorne… Referenzen, massenweise digitale Unterschriften, 20-seitige Berichte deren Bewertung mir mehr als zweifelhaft erscheint…
        Da überlegt man sich jedes Mal wieder, ob man sich den ganzen Zauber wirklich antun sollte, ob der Gewissheit, dass unter 40% Abgebot eh nichts zu holen ist…

        0

        0

Leave a Reply