Pressefreiheit 2016, kleine Staaten weiterhin vorne.

Gestern stellte die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen ihre jährliche Rangliste der weltweiten Pressefreiheit vor, wobei sich auch diesmal wieder besonders viele kleine Staaten mit bis zu 10 Millionen EinwohnerInnen im Spitzenfeld befinden. Unter den ersten zehn befindet sich mit den Niederlanden nur ein etwas größerer Staat.

Pressefreiheit 2016.

Österreich schafft Rang elf und Deutschland Rang 16, während sich Italien an weltweit 77. Stelle positioniert. Alle drei Staaten haben sich im Vergleich zum Vorjahr um vier Plätze verschlechtert.

Am Ende der Ära Berlusconi befand sich Italien punkto Pressefreiheit mit 19,67 (Minus-)Punkten noch auf Platz 61, während seitdem ein Absturz in Punkten (+9,26 auf nunmehr 28,93) und Rängen (-16) stattgefunden hat.

Von den europäischen Kleinststaaten (bis 1 Million EinwohnerInnen) schneidet Luxemburg (15.) am besten und Malta (46.) am schlechtesten ab.

Die weltweite Gesamtlage hat sich laut Reporter ohne Grenzen im Vergleich zu 2015 verschlechtert.

Siehe auch: [1] [2] [3]

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  • m.gruber

    “Ich mach mir die Welt, …”

    a) Vielleicht sollte man erwähnen, dass sich dabei um eine nicht repräsentative Umfrage handelt.
    Beleg:
    https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/Redaktion/Presse/Downloads/Ranglisten/Rangliste_2015/150211_Methode_Rangliste.pdf

    Es handelt sich jedoch nicht um eine repräsentative Umfrage nach wissenschaftlichen Kriterien.

    b) https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Staaten_der_Erde
    ca. 57% (118) der Staaten der Erde haben weniger als 10 Mio Einwohner. Also ist schon die Definition eines “kleinen Staates” irreführend. Die durchnittseinwohnerzahl Weltweit liegt bei 15 Mio und du definierst willkürlich 10 Mio als klein.

    Weiters ist dieser Umstand ein starkes Indiz dafür, dass sich eben nicht kleine Staaten per se im Spitzenfeld bewegen. Im Sinne: 15 “kleine” Staaten sind im Spitzenfeld? Wo sind die restlichen 103?

    c) Auch der Durchschnitt spiegelt das wider:
    “Kleine” Staaten Durschnittsbewertung: ca. 29.11
    “Große” Staaten Durschnittsbewertung: ca. 36.09
    Globale Durschnittsbewertung: ca. 33.52

    … die nehmen sich nicht viel. Die Wertung von Reporter ohne Grenzen geht von 0 – 100. Das sind dann 7% Unterschied. Daraus kann man mMn auch nicht die Aussage konstruieren, “kleine” Staaten stünden per se besser dar.

    d) Ein Umstand, der bei deinen Überlegungen gar nicht berücksichtigt wird ist, dass sich allein 40% dieser “kleinen” Staaten auf dem Europäischen Kontinent befinden, also außerhalb der Kriesenherde dieser Welt.

    Zum nachchecken: http://pastebin.com/nn3Q4uVr

    Conclusio: Einwohnerzahlen haben nichts mit Pressefreiheit zu tun.

    • ad b)

      Selbstverständlich handelt es sich um eine willkürliche Definition, da es gar keine allgemein anerkannte Definition eines »kleinen Staates« gibt. Wir haben aber schon mehrmals erklärt, dass wir uns unter einem regionalisierten Europa eines vorstellen, in dem die Mitgliedsregionen bis zu 10 Millionen EinwohnerInnen zählen. Natürlich nichts als ein Richtwert — aber trotzdem.

      Wenn ich aber nach dem Begriff Kleinstaat google, komme ich unter anderem auf die Publikation »Sezession und Demokratie: Eine philosophische Untersuchung«, woraus ich zitiere:

      Bevor die angeführte Kritik näher untersucht wird, gilt es zunächst die — schon mehrfach verwandten — Begriffe Kleinstaat und Mikrostaat präziser zu fassen. In der völkerrechtlichen und sozialwissenschaftlichen Literatur, die sich unter verschiedenen Aspekten mit der Größe von politischen Einheiten befasst, findet sich keine allgemein anerkannte Definition der Termini. […] Als Grundlage für die weitere Diskussion sollen die Kriterien dienen, die der Völkerrechtler Michael Kilian für die Typologisierung von Staaten vorgeschlagen hat. Kilian spricht von einem Kleinstaat, wenn die Bevölkerungszahl nicht 10 Millionen und die Fläche nicht 100.000 Quadratkilometer überschreitet. Als Mikrostaat bezeichnet er eine politische Entität, wenn sie weniger als 1 Million Einwohner aufweist und ihr räumlicher Umfang unter 1.000 Quadratkilometer liegt.

      Ganz so absurd kann also meine Einteilung — was die Bevölkerungsanzahl betrifft — auch wieder nicht sein. Ich hab halt statt »Mikrostaat« den Begriff »Kleinststaat« benutzt.

    • ad d)

      Es dürfte dir aber eh klar sein, dass unser vordergründiges Interesse ohnehin den europäischen Klein(st)staaten gilt — da ein von uns propagiertes unabhängiges Südtirol genau dieser Kategorie entspräche.

    • Conclusio: Einwohnerzahlen haben nichts mit Pressefreiheit zu tun.

      Ich habe in diesem Beitrag keinerlei kausalen Zusammenhang hergestellt, sondern nur konstatiert, dass sich z.B. im Spitzenfeld viele Kleinstaaten befinden. Die Schlussfolgerung, dass Einwohnerzahlen nichts mit Pressefreiheit zu tun haben, würde mir auch schon reichen — nachdem ja häufig unterstellt wird, dass kleine Staaten besonders Anfällig für Verfilzungen und Korruption sind.

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