Bozen ehrt den Nazi-Widerstand.

Vor wenigen Wochen hatte ich die Gemeinde Bozen kritisiert, weil sie den Alpini und somit einer kontroversen Militärabteilung einen Teil der städtischen Wassermauer gewidmet hatte. Nun darf ich die Verwaltung aufgrund der erfreulichen Tatsache erwähnen, dass sie gleich mehrere Schritte zum symbolischen Gedenken an den Nazi-Widerstand beschlossen hat:

Ehrenbürgerschaft für Josef Mayr-Nusser. Der junge Bozner hatte sich geweigert, den Führereid zu leisten und wurde deshalb zum Tode verurteilt. Er starb noch 1945 auf dem Weg in das Konzentrationslager von Dachau. Nachdem ihm in der Landeshauptstadt bereits eine Straße gewidmet ist, wird Mayr Nusser rund 100 Jahre nach seiner Geburt die Ehrenbürgerschaft verliehen.

Ehrenbürgerschaft für Franz Thaler, dem lebenden Symbol des Südtiroler Widerstandes. Der Sarner floh nach seiner Einberufung zur Wehrmacht und landete deshalb als Deserteur im Konzentrationslager. Erst nach dem Weltkrieg kehrte er in seine Heimat zurück, wo er zunächst von Teilen der Bevölkerung als Verräter behandelt wurde.

Platzbenennung nach Hans und Sophie Scholl. Der Platz zwischen Rom- und Trientstraße soll den Namen der Geschwister erhalten, die sich als wichtige Mitglieder der Widerstandsgruppe »Weiße Rose« verdient gemacht haben.

Nur die faschistischen Gemeinderäte von Unitalia stimmten den Ehrenbürgerschaften aus zweifelhaften formalen Gründen nicht zu.