Im Mai hatte ich auf die Marginalisierung der deutschen Sprache auf der Website der Landesenergiegesellschaft Alperia hingewiesen. Einige der dokumentierten Missstände sind inzwischen verschwunden. Wie mir zugetragen wurde, soll dies tatsächlich aufgrund meines damaligen Beitrags geschehen sein.
Das ist erfreulich. Vollständig gelöst sind die Probleme allerdings noch lange nicht.
Nach wie vor
- öffnet sich die Website selbst bei deutsch eingestelltem Browser standardmäßig auf Italienisch;
- ist die Länderauswahl auch in der deutschen Sprachversion ausschließlich auf Italienisch verfügbar;
- wird Brixen nur mit dem italienischen Ortsnamen gefunden.
Wer sich etwas länger auf der Alperia-Website aufhält, stößt aber immer wieder auf sogenannte Easter Eggs — kleine sprachliche Schmankerl, die die Seitenprogrammiererinnen liebevoll für die Kundinnen versteckt haben:
Ausschnitt Seitenfuß
So hat man die Überschriften im Seitenfuß — »Area Legale«, »Dalla parte del consumatore« und »Seguici su« — nicht etwa ins Deutsche übersetzt. Stattdessen hat man sie auf Italienisch belassen und ihnen einfach ein »DE« angehängt. Was habe ich gelacht. Es sind solche sorgfältig eingebauten Überraschungen, die das Surfen zu einem ganz besonderen Erlebnis werden lassen.
A propos Seitenfuß: In der mobilen Version wurde die Sprachwahl ganz unten versteckt. Wer von Italienisch auf Deutsch wechseln möchte, wird so jedes Mal auf die Probe gestellt. Aber auch zwischendurch bleibt es spannend: Beim Antippen interner Verweise landet man immer wieder mal auf der italienischen Seitenversion und muss sich erneut auf die Suche nach der Sprachwahl begeben. Abenteuer pur!
Ausschnitt Tarifsuche
Ebenfalls sehr kurzweilig ist die Tarifsuche: Zunächst ist man vielleicht etwas verdutzt, weil es »Bozen« oder »Südtirol« in der Provinzauswahl gar nicht gibt. Doch nach kurzem Nachdenken versteht man das Konzept: Vorwärts in die Vergangenheit! Hier haben sich die Gestalterinnen vom schwarzen Geist der 1920er Jahre anstecken lassen, weshalb konsequenterweise nur »Bolzano« existieren kann.
In dem Formular wird außerdem abgefragt, ob man an seinem Wohnort »residente« oder »non residente« sei und ob man einen Tarif mit »prezzo fisso« oder »prezzo variabile« sucht. In der mobilen Version kommt noch die Auswahl zwischen »monoraria« und »bioraria« hinzu. Wer kein Italienisch kann, hat so die Möglichkeit, sich entweder an einem kleinen Rate- oder an einem Wörterbuchspiel zu beteiligen.
Am ulkigsten fand ich persönlich aber diese Überraschung in der App:
Bildausschnitte Alperia-App (iOS) – Schwärzung von mir
Wählt man unter »Hilfe & Kontakt« den Punkt »Schreiben Sie uns«, wird der nächste Punkt »Richiedi assistenza« einfach auf Italienisch aufgerufen. Da es in der App — anders als auf der Website — jedoch gar keine Möglichkeit mehr gibt, die Sprache umzuschalten (sie ist ja bereits auf Deutsch eingestellt), bleibt man in der italienischen Sprachversion gefangen. Eine Art sprachlicher Escape Room, allerdings ohne Ausgang. Hihi.
Ich finde, all das hat eine besondere Anerkennung verdient: So viele unterschiedliche Spiele quer durch alle digitalen Angebote unterzubringen, und zwar als besonderes Feature ausschließlich für die gehätschelten deutschsprachigen Kundinnen, verlangt Unternehmen und Entwicklerinnen sicher großes Feingefühl und viel Kreativität ab. Bravo!
Genau für solche Amüsements haben wir die Zuständigkeit für die Energie heimgeholt und eine Landesenergiegesellschaft ins Leben gerufen.
Allerdings hoffe ich, dass sich die Kundinnen italienischer Sprache durch dieses Angebot nicht diskriminiert fühlen. Ihnen steht schließlich nur eine langweilige, einsprachige Standardversion zur Verfügung. Vielleicht sollte Alperia auch hier noch etwas mehr Abwechslung bieten.




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