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Deutsch auf dem Abstellgleis.

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Über die Missachtung der Sprachbestimmungen durch Trenitalia und RFI

Oft merke ich wenig von den Sprachbestimmungen, die in Südtirol angeblich gelten und Dienstleister im öffentlichen Sektor dazu verpflichten, jegliche Interaktionen mit Bürger:innen sowohl auf Deutsch wie auch auf Italienisch zu garantieren. Zu diesen Dienstleistern gehören in Südtirol das Bahnunternehmen Trenitalia und der Schienennetzbetreiber RFI, die beide den italienischen Staatsbahnen angehören. Um diese zwei Unternehmen soll es in diesem Artikel gehen. Die zuvor angesprochenen Interaktionen, wie ich sie nenne, umfassen im Bahnverkehr jegliche akustischen Ansagen im Zug und alle für Bürger:innen relevanten Beschilderungen in und am Zug (z.B. Sicherheitsbestimmungen, Bildschirmanzeigen usw.). Auch umfassen diese Interaktionen das Zugpersonal, das sowohl Deutsch als auch Italienisch sprechen können sollte. All diese Vorgaben für den Bahnverkehr gelten genauso für die Bahnhöfe in Südtirol, die größtenteils von RFI betrieben werden.  Im folgenden Beitrag möchte ich am Beispiel von Trenitalia und RFI zeigen, dass diese Sprachbestimmungen von beiden Unternehmen systematisch missachtet werden. Nachfolgend werde ich einige jüngste Negativbeispiele anführen, die mir bei der Mitfahrt in Trenitalia-Zügen oder auch von RFI betriebenen Bahnhöfen in Südtirol aufgefallen sind. Dabei erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Repräsentativität, obwohl ich glaube, dass jedes einzelne Beispiel einen empirisch feststellbaren Zustand der Marginalisierung aufzeigen lässt und es noch viel mehr zu zeigen gäbe. Deshalb fordere ich die Leser:innen dieses Artikels auf, gerne selbst eigene diesbezügliche Erfahrungen im Bahnverkehr in den Kommentaren zu teilen.

Die deutschen Ortsnamen

Am 3. April dieses Jahres bin ich mit einem Trenitalia-Zug von Sterzing nach Meran gefahren. Dabei haben mich einige deutschsprachige Ansagen im Zug irritiert, bei denen die Bahnhofsnamen falsch ausgesprochen wurden. Drei Tage darauf bin ich mit einem Regionalzug von Trenitalia – oder wie von der automatisierten Begrüßungsdurchsage vorgeschlagen – «Zug-regionale » (vgl. weiter unten) die gleiche Strecke zurückgefahren. Wieder wurden fast alle Bahnhofsnamen von der automatischen Durchsage im Zug falsch ausgesprochen. Ich füge in diesem Zusammenhang eine von mir am 6. April aufgenommene und zusammengeschnittene Audiodatei an, die einige der falsch ausgesprochenen Bahnhofsnamen dokumentiert:

In der etwas verrauschten Audioaufnahme von den automatisierten Durchsagen der Bahnhofsnamen hört man, dass Ortsnamen völlig falsch ausgesprochen werden. Aus Gargazon wird »Gargasn« oder so ähnlich, anstatt Bozen hört man eher »Bossen«. Dies ging dann mehr oder weniger so weiter bis Sterzing, fast alle noch anstehenden Bahnhofsnamen wurden bei der deutschen Ansage falsch und wie bereits im Audio oben hörbar, gleichzeitig auf lächerliche Weise ausgesprochen, während die italienischen Ansagen immer fehlerfrei waren. Hinzu kommt, dass die italienischen Durchsagen immer vor den deutschen gereiht waren und somit eine Hierarchie begünstigen: Zuerst Italienisch dann Deutsch – und in diesem Fall fehlerhaftes Deutsch noch dazu an wirklich sehr sensiblen Stellen, wie den Ortsnamen. In den Landeszügen gibt es eine umgekehrte Reihung, zuerst Deutsch, dann Italienisch, zusätzlich an zwei Bahnhöfen Ladinisch, dazu aber später mehr. Mittlerweile, auch vielleicht wegen meiner Meldung an das Landesamt für Bürgerrechte, scheint diese Störung nun behoben – ein fehlerhaftes Update war schuld, hieß es.  

Jedoch scheint auch RFI – und dieses Mal in Zusammenarbeit SAD – Probleme mit den Südtiroler Ortsnamen zu haben, wie aus Abb. 1 hervorgeht. Aus Laas und Mals wird Lasa und Malles.

Abbildung 1: Hinweis Vinschgerbahn mit fehlerhaften Ortsnamen, Aufnahme am 6. Juni 2026, Bahnhof Meran; Hervorhebungen von mir

Auch online bei den Ankunfts- und Abfahrtsinformationen von RFI, wie am Beispiel des Brixner Bahnhofs in Abb. 2, wird nur der jeweilige Bahnhofsname mit dem deutschsprachigen Toponym angegeben (sofern man die deutsche Variante der Seite auswählt), alle anderen Haltestellen nur auf Italienisch. Zudem sind die deutschen Übersetzungen teilweise fehlerhaft und scheinen teilweise 1:1 aus dem Italienischen übersetzt.

Abbildung 2: Screenshot digitale Abfahrtstafel Bahnhof Brixen, von https://www.rfi.it/it/stazioni/bressanone–brixen.html

Die ladinischsprachigen Durchsagen

Seit 2023 werden manche Bahnhofsnamen in Zügen auch auf Grödnerisch oder Gadertalerisch durchgesagt, wobei nur fünf Bahnhöfe unter diese Initiative fallen und alle anderen nicht, wie z.B. der Bahnhof Bozen. Die ladinischsprachigen Durchsagen gibt es aber nur in den Zuggarnituren des Landes. Bei den Garnituren von Trenitalia selbst hört man keine ladinischen Ansagen. Trenitalia zeigt somit auch hier, dass Minderheitenrechte oder Initiativen für Minderheiten ein Extra sind, das beliebig ignoriert werden kann.

Es gibt nur eine Lingua franca

Wie bereits im vorherigen Abschnitt festgehalten, wird in manchen Trenitalia-Zügen die italienische Sprache bei den Durchsagen priorisiert, dies ist aber nicht nur bei Durchsagen der Fall. Sehr oft ist mir aufgefallen, dass an Bahnhöfen oder in Zügen Hinweise oder Beschilderungen Deutsch nicht nur zweitreihen, wie von den Sprachbestimmungen noch zulässig, sondern oft einfach noch weiter nach hinten reihen oder unsichtbarer machen im Vergleich zu italienischen Informationen. So wirkt Deutsch, eigentlich eine Amtssprache in Südtirol, als eine von vielen anderen Sprachen ohne jegliche größere Bedeutung. Aus Abb. 3 geht eine Viertreihung der deutschen Sprache hervor. Zusätzlich, wenn man sich den deutschen Text, vergrößert in Abb. 4, anschaut, wird bereits im ersten Satz festgehalten, dass Beschwerden online nur auf Italienisch oder Englisch eingereicht werden können. Wie so oft verursacht die Digitalisierung für Angehörige von Minderheiten keine Vereinfachung, sondern eine Verschlechterung und einen größeren Aufwand, sodass man sich vielleicht von vornherein entscheidet, auf Sprachrechte zu verzichten.

Andere Beispiele dieser Hierarchisierung finden sich bei den Sicherheitsbestimmungen, bei denen Deutsch, wie aus Abb. 5 hervorgehend, als ein reines sprachliches Entgegenkommen für Fahrgäste scheint. Die italienische Fassung ist immer erstgereiht und die deutsche immer letztgereiht. Zudem sind diese deutschsprachigen Hinweise im Beispiel voller Rechtschreibfehler.

Abbildung 5: Sicherheitshinweise voller Rechtschreibfehler in einem Trenitalia-Zug, unterwegs Richtung Bozen. Aufnahme am 24. Juni 2026

Bei Abb. 6 fällt auf, dass eine Information auf Deutsch oder Englisch nie allein auf einem Schild angegeben wird, sondern immer in Begleitung einer italienischen Fassung, die immer erstgereiht und übergeordnet, dazu auch noch viel größer, abgedruckt ist als die deutsche oder englische Fassung. Die Sprachbestimmungen sähen anderes vor. Somit zeigt sich in Abb. 6 sehr gut eine Überpräsenz der italienischen Sprache — die eine Sprache, die auf gar keinen Fall fehlen darf.

Abbildung 6: Informationsschilder in der Unterführung des Bozner Bahnhofes. Aufnahme am 22. April 2026

Unterwegs im »Zug-regionale« 17168 zum Brenner

Diese Marginalisierung der deutschen Sprache zeigt sich auch bei den automatisierten Begrüßungsdurchsagen in manchen Trenitalia-Zügen. Man wird zuerst auf Italienisch, dann auf Englisch und dann erst auf Deutsch begrüßt. Hier die Hörprobe:

Im Englischen schafft es Trenitalia zusätzlich noch die deutsche Sprache zu marginalisieren, indem ausschließlich der italienische Ortsname der Endhaltestelle genannt wird. Bei der deutschsprachigen Begrüßung gibt es dann auch keinen Regionalzug mehr, sondern erfindet Trenitalia einfach ein neues Wort dafür: »Zug-regionale«. Auch dies habe ich dem Landesamt für Bürgerrechte gemeldet, Trenitalia meinte dazu, dass es keine Möglichkeit gäbe, die Reihung der Begrüßung zu ändern, man könne nur die englische Variante ausschalten.

Ich weiß nicht, wie es anderen Leser:innen bei diesen Beispielen geht, aber ich habe nicht den Eindruck, dass Deutsch bei Trenitalia und RFI in Südtirol den Status einer Amtssprache genießt. Natürlich könnte man jetzt bei den Zügen anführen, dass die Garnituren, die Trenitalia benutzt, nicht nur in Südtirol verkehren sondern auch in anderen Regionen außerhalb Südtirols. Dies mag zwar sein, jedoch müsste Trenitalia auch hier sicherstellen, dass alle Informationen – fehlerfrei – auf Deutsch zur Verfügung stehen. Auch Personalmangel hat nichts damit zu tun, ob Schilder korrekt angebracht werden oder automatisierte Durchsagen richtig eingespielt wurden.

Auch – und das möchte ich hier klarstellen – ist nicht alles schwarz und weiß, es gäbe auch einige Beispiele, bei denen die Sprachbestimmungen von beiden Unternehmen in der Praxis auch eingehalten werden, doch sind es genau die Situationen und Fälle, bei denen die Minderheitenrechte nicht eingehalten werden, wo wir nicht wegschauen sollten, aber besonders das Land Südtirol nicht wegschauen darf, da Sprachrechte nicht zu einer reinen Freundlichkeit werden dürfen, die willkürlich eingehalten wird.


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