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Verfolgungswahn: Aufgedeckt.

Südtirols Autofahrer werden von den Ordnungskräften schikaniert und abgezockt, Radarfallen lauern hinter jeder Hecke — und nirgends wird so viel geblitzt wie hier. Angeblich. Mal wieder Weltmeister, sowieso.
Die Tageszeitung ruft zur Sabotage auf, Selbsthilfegruppen sprießen, der LH lässt ganze Anlagen abbauen, die Freiheitlichen rufen den Polizeistaat aus und selbst die Verbraucherzentrale ist auf des Rasers Seite. Doch wie so oft ist auch diese Hysterie bei genauerem Hinsehen mehr als übertrieben.

Weil ich aus subjektivem Empfinden nicht glauben wollte, dass Südtirols undisziplinierte Autofahrerkaste im überregionalen Vergleich tatsächlich diskriminiert wird, habe ich im Internet recherchiert und Daten gesammelt. Setzt man nun die Anzahl der fest installierten Radargeräte in Relation zur Einwohnerzahl oder zur Fläche, ergeben sich geradezu ernüchternde Werte. In Südtirol wird — wenn überhaupt — unterdurchschnittlich viel (sprich: sehr wenig) geblitzt. Und außerdem: Nicht nur, dass das »Vaterland« Österreich ganz vorne liegt. Selbst in Italien gibt es Gebiete mit einer wesentlich höheren Radar-Dichte als bei uns.

Fest installierte Radargeräte je 1.000 km² bzw. Million Einwohner. Einige Werte für ausgewählte Länder und Regionen:

Radarfallen

Legende: SG: Kanton Sankt Gallen – ST: Südtirol – LI: Provinz Livorno – PI: Provinz Pisa
VB: Vorarlberg – BT: Bundesland Tirol – ZH: Kanton Zürich

Quellen: Länder-Infos: European Speed Camera Database; Bundesland Tirol, Vorarlberg: ÖAMTC; Kanton Zürich, Sankt Gallen: Radar-Info-Zentrale.

Zur Erläuterung: Spanien (E) hat mit 819 montierten Geräten die geringste Dichte (17,8 pro Million Einwohnern) unter den berücksichtigten Ländern. Italien (I) folgt mit 19,9. Spitzenreiter Österreich (A: 100,6) weist eine fünfmal höhere Konzentration an Radarblitzern auf.

Unter den verglichenen Regionen kennt nur der Kanton Sankt Gallen (SG) weniger Radarkontrollen pro Einwohner als Südtirol (ST). Setzt man die Zahl der Blitzer in Relation zur Fläche, ist Südtirol mit 2,3 Geräten je 1.000 km² sogar Schlusslicht, und unterschreitet somit sogar den staatlichen (italienischen) Durchschnitt von 3,9 deutlich. In den toskanischen Provinzen Livorno (LI) und Pisa (PI) befinden sich wesentlich mehr Radargeräte als hierzulande, eindeutiger »Gewinner« der Wertung ist der Kanton Zürich mit rund dreißigmal mehr Apparaten pro Flächeneinheit als in Südtirol (73 zu 2,3 je 1.000 km²).

Siehe auch:

Medien Mobilität Polizei Recherche Umfrage+Statistik | | Luis Durnwalder | TAZ | Nord-/Osttirol Südtirol/o Svizra | Freiheitliche SVP | Deutsch

19 replies on “Verfolgungswahn: Aufgedeckt.”

Wollte der Pius Leitner nicht zurück nach Österreich? Wie es scheint, geht es dem aber bei Italien viel besser, zumindest was die Radarkontrollen betrifft. Er könnte höchstens noch eine Annexion durch Spanien anstreben! 8O

Danke für die Zusammenstellung, endlich ein bißchen Realismus.

Der Vollständigkeit halber darf aber erwähnt werden, dass man in Italien, wenn man mal geblitzt wird, wesentlich tiefer in die Tasche greifen muß, als es zum Beispiel in Österreich der Fall ist!

“Bin also voll einverstanden damit, dass mehr Kontrollen durch geringere Strafen kompensiert werden müssten.”

Mein Reden! :-)

Wie man lesen durfte, werden die Strafen wiedermal verschärft. Ich glaube, das wird der nächste grosse Running Gag der Regierung.

Ihr stellt euch immer selbstbeweihräuchernd als die grossen Verfechter des Rechtstaates dar, aber sobald es um subjektives Empfinden wie hier mit Rasern und betrunkenen Fahrern geht, wäre es euch am Liebsten, die würden vergast werden.
Doch wer ist der grössere Verbrecher, der Fahrer der zu schnell / besoffen fahrt, oder der Staat, der verfassungswidrig Privateigentum stiehlt um Lehrerhaft zu wirken (und selbst die Absicht stelle ich in Frage) aber damit seine eigene moralische Integrität verrät?

Ich will damit nicht leugnen dass dies in Italien die Regel ist und der Rechtsstaat die grosse Ausnahme, aber ich finde es seeeehr bedenklich, wenn er soviel unbesonnene und überzeugte Menschen auf seiner Seite hat, die nichts auf den Rechtsstaat halten, bzw nur dort wo es Ihnen selbst nützlich ist – vielleicht gibts ja bald ein 30er Jahre Revival. Jedenfalls bin ich froh nicht mehr in dieser revisionistischen Bananenrepublik zu leben.

Genauso wie ich vehement deine immer wiederkehrende, befremdend wirkende Aussage, dass es in Südtirol extrem wenig Verkehrskontrollen gibt, zurückweisen muss. Ich weiss nicht wieviele km du im Jahr zurücklegst und in welchen Ländern, aber auf meinen Fahrten sehe ich nirgends so viele Kontrollen wie im Vinschgau. Um es zu präzisieren: In der Schweiz hab ich seit 1 Jahr keine Kontrolle mehr gesehen und ich fahre 35’000 km jährlich, davon ca. die Hälfte in der Schweiz. Im Vinschgau ist es nichtmal einen Monat her. In Österreich ca. 3 Monate.
Genauso wie ich 1’200km nach Slowakei fahren kann ohne einmal aufgehalten zu werden, höchstens an der Grenze, nur in unserem schönen Land, wo ich auch schon in 2 Tagen 4 mal aufgehalten worden bin, kann man keine Stunde ungehindert Fahren. Wenn du deine Zeit zu verschenken hast, dann tu das, aber stiehl mir nicht meine Zeit.

Vielmehr glaube ich dass du selber irgendein subjektives Problem hast – ich weiss zwar nicht welches, warum du derart krankhaft mehr Polizei auf den Strassen verlangst. Ich habe 2 gute Freunde und mehrere Bekannte auf den Strassen verloren, aber ich für meinen Teil sehe mich nicht als den grossen Erlöser und peitsche das höchste Recht zum höchsten Unrecht durch.

“Überzeugungen sind die grösseren Feinde der Wahrheit als Lügen”

@wiesion
Doch wer ist der grössere Verbrecher, der Fahrer der zu schnell / besoffen
fahrt, oder der Staat, der verfassungswidrig Privateigentum stiehlt um Lehrerhaft zu wirken (und selbst die Absicht stelle ich in Frage) aber damit seine eigene moralische Integrität verrät?

Die Antwort: Kriminell ist derjenige Autolenker, der unter Alkoholeinfluss Auto fährt bzw. die Geschwindigkeitslimits nicht einhält.
Eigentlich einfach, aber in Südtirol scheint die Allianz derjenigen, die dies nicht so recht einsehen will vom Chefredakteur der FF, Herrn Norbert Dall’O, die Verbraucherschutzzentrale (… frei nach Rai Sender Bozen Versprecher, die Verbrecherzentrale) einige politische Parteien und den LH zu gehen.

Wir haben in Europa jährlich 50.000 Verkehrstote und es ist wissenschaftlich zur Genüge erwiesen, dass die Geschwindigkeit und der Alkohol die Unfallursache Nr. 1 sind.

Liebe Autofetischisten, wenn euch zu viel Polizei auf der Straße herumläuft, warum setzt ihr euch dann nicht einfach für elektronische Geschwindikeitskontroll-Systeme (z.B. GPS Überwachung – wird in Neuseeland und Australien derzeit in einem Feldversuch getestet) ein, die einen großen Teil der Kontrollen und auch der Strafen überflüssig machen würden? Warum etwa kein Engagement der Automobilclubs, Verbraucherschutzorganisation Südtirol, Norbert Dall’O und LH in diese Richtung? Bingo, da diese Kreise gar nicht daran denken Geschwindigkeitslimits ernst zu nehmen und Raserei als lebensbedrohendes Problem wahrzunehmen.

jeder verkehrstote wird gegen den zeitverlust durch geschwindigkeitsbegrenzungen aufgerechnet. jedenfalls wäre dies das normale entscheidungskriterium einer kosten-nutzen analyse.

in italien scheint es irgendein anderes kriterium für die festlegung der geschwindigkeitslimits zu geben …

nur um es klarzustellen, ich verteidige niemanden, der besoffen auto fährt.
von mir aus nehmt denen auch für ein jahr oder länger den führerschein, auch schon bei 0.4 promille. oder führt wie in der slowakei die 0 promille grenze ein, soll mir auch recht sein.

aber treibt die leute nicht in den ruin (strafen bis und über 10’000 euro und auto versteigern – gehts noch bei einem durchschnittlichen netto-jahreseinkommen von 15’000 und derart pervers hohen lebenskosten wie in südtirol ??????). nehmt euch ein beispiel an der schweiz, welche bei sehr vielen strafrechtlichen vergehen die busse an das einkommen anpasst – dann werden weder reiche bevorzugt noch arme in die totale aussichtslosigkeit getrieben. ich will es damit auch nicht zum kavaliersdelikt runterspielen, nur sollte unterschieden werden zwischen zurechtweisung/bestrafung und hexenjagd – aber wenn es nur um die hexenjagd um der hexenjagd willen geht, so wie es den anschein hat, seid ihr auf dem richtigen weg, weiter so bis zu hausenteignung, kontenbeschlagnahmung, lebenslange haft. das meine ich damit – das höchste recht zum höchsten unrecht treiben.

und wo ist dann bitte die konsequenz, wenn ängstliche fahrer mit 80kmh auf der autobahn fahren und somit ein extrem hohes risiko für auffahrunfälle darstellen (vor nicht allzulanger zeit gabs in der ostschweiz einen unfall mit 3 toten wegen so einem kriecher)? die sollten genau gleich bestraft werden wie diejenigen die 160kmh fahren (ch-autobahn ist 120kmh erlaubt). respekt vor dem auto und der strasse ist gut, angst ist gleich schlecht wie respektlosigkeit – beide führen zur nicht-zurechnungsfähigkeit.

natürlich sehe ich es ja auch nicht gerne wenns mal am wochenende wieder ein paar tote junge gab die besoffen und/oder zu schnell gefahren sind – aber gegen das gibts kein patentmittel und diejenigen die das glauben werden selig, sollten aber von jeglicher politischen macht ferngehalten werden. der staat muss die gratwanderung zwischen “moralischer institution” und volksvertreter versuchen (ganz besonders in einer derart unmündigen und unvernünftigen gesellschaft wie die italienische) und nicht einfach 100% populistisch reagieren weils grad am einfachsten und gemütlichsten ist. vielleicht mal etwas nachhaltiges planen statt nur bis zu den nächsten wahlen zu denken, auch wenn das für italien aussergewöhnlich ist.

der fehler liegt aber vielmehr in der gesellschaft, so wird zb. in südtirol unverständlicherweise vielfach ein sprücheklopfender säufer gerne als überzeugter patriot angesehen und diejenigen die sich für den fortschritt im land einsetzen als unsympathische “gscheideler”.

Wie peinlich ist das denn: Diese Bananenrepublik schützt immer noch den Starken vor dem Schwachen und nicht umgekehrt. Jetzt hat ein Trentiner Anwalt in Neumarkt einen Rekurs gewonnen, weil die Schrift des Hinweisschilds, mit dem vor dem Radar gewarnt wird, zu klein war. Muss jetzt wohl in Zukunft einer da stehen und jeden Autofahrer persönlich auf die drohende “Gefahr” aufmerksam zu machen. Und eine Strafe kriegt dann auch nur der, der sie wünscht. Dass ich mich nicht totlache.

das liegt vielleicht viel eher daran, dass die gesetze dieser bananenrepublik vorzüglich von anwälten erfasst wurden und es zu jedem gesetz im prinzip eine art “gegengesetz” gibt, welches es wieder aufhebt, bzw die möglichkeit gegeben ist, es sich so auszulegen wie man es für nötig hält, also rhetorik-terroristen. nichts neues, in italien ist es die regel und nicht die ausnahme.

nicht umsonst werden jene “ordnungshüter” (die sich ja auch mit den absurden italienischen gesetzen auskennen) welche in einer korruptions- oder machtmissbrauchsaffäre o.ä. skandalösen geschichten (alleine im vinschgau sind da zb der dollar-fälscher und der schutzgeld-erpresser) involviert waren einfach nur versetzt oder im besten falle für ein paar monate bezahlt suspendiert werden – von einer unehrenhaften entlassung wie in zivilisierten staaten gar nicht zu denken.

die immer strenger werdenden und z.t. perversen italienischen gesetze muss eigentlich nur der kleine ausbaden, der in dem irrglauben lebt, die regierung wüsste was sie tut und sich auf die richtbarkeit und den rechtssinn des staates verlässt. man möchte meinen, wer so naiv ist kann eigentlich nie mit dem gesetz in konflikt kommen – oder er lebt in süditalien wo gesetze nicht mehr ganz so bedeutend sind.

@desirée
Und in Bruneck wurde ein besoffener Römer (1,3 Promille) vom Friedensgericht freigesprochen, weil laut seinem Anwalt die Strecke kurz kein Verkehr und folglich das Gefährdungspotenzial in diesem Moment gering war.
N.B. Stand im winter in der Neuen Tageszeitung. Außerdem war dort auch geschrieben, dass es sich bei besagtem Autofahrer um den Sohn eines Wirtschafts- oder Steuerberaters handeltet und der Anwalt das Doppelte eines tiefergelegten Golf GTI gekostet hat.
Frage: Ist das richtig bzw. gerecht???????

Geschwindigkeitskontrollen sollen dazu da sein, dass die Limits eingehalten werden und nicht um irgendwelche Kassen zu füllen. Deshalb ist es m.M. nach richtig, dass die Kontrollen angezeigt werden, denn wenn die Leute wissen, dass hier eine Kontrolle stattfindet und sie deshalb langsam(er) fahren, hat die Kontrolle ihre Aufgabe schon erfüllt

Wenn wir also möchten, dass die Regeln eingehalten werden, müssen wir entlang des gesamten Südtiroler Straßennetzes Polizisten aufstellen… am besten im 500-Meter-Abstand und rund um die Uhr? Oder wie stellst du dir das vor?

Ich hab irgendwie den Eindruck, wenn es um den Straßenverkehr geht, setzt bei einigen die Logik aus.

angekündigte kontrollen vermindern die geschwindigkeit genau an der stelle, wo kontrolliert wird. während ich mir aber sicher sein kann, dass ich überall sonst getrost die geschwindigkeit übertreten kann, da ich bestimmt nicht kontrolliert werde bzw. eine kontrolle ohne ankündigung nicht rechtens wäre.

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