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Ortsnamengesetz verabschiedet.

Das Toponomastikgesetz ist Realität. Es wurde kurz nach Mitternacht vom Südtiroler Landtag gutgeheißen und schafft die Grundlage für die amtliche Wiedereinführung der historischen Ortsnamen in Südtirol. Rund 90 Jahre sind vergangen, seit sie durch das faschistische Regime zum Zwecke der Assimilierung abgeschafft und verboten wurden. Rund 40 Jahre seit Inkrafttreten des zweiten Autonomiestatuts hat die Mehrheitspartei SVP benötigt, um diesen Schritt zu tun.

Sieht man sich die Größe des Wurfs an, fragt man sich unweigerlich, warum man dafür so lange gebraucht hat. Wesentliche Teile des Gesetzes wurden buchstäblich in letzter Minute radikal umgeschrieben, um sich die Zustimmung des Koalitionspartners PD zu sichern. Allerdings konnte kein einziger Oppositionsabgeordneter überzeugt werden, für den Entwurf zu stimmen.

Das gesamte Gesetz macht einen äußerst schlampigen und flickschusterhaften Eindruck. Es ist zudem sprachlich schlecht formuliert und derart vage, dass sich während der Artikeldebatte kein Abgeordneter sicher zu sein schien, welche konkreten Folgen die einzelnen Artikel haben würden.

Obwohl der Text nur die Rahmenbedingungen festlegen sollte, ist selbst dieses Unterfangen großteils misslungen. Es werden keinerlei Kriterien für die Erhebung, Festlegung, Beibehaltung oder Abschaffung von Ortsnamen festgelegt. Genausowenig wird auf irgendwelche sprachwissenschaftlichen, statistischen oder international anerkannten rechtlichen Prinzipien Bezug genommen. Völlig realitätsfremd scheint zudem, dass — als Folge eines Kompromisses — für die Ausarbeitung der Vorschläge plötzlich die Bezirksgemeinschaften zuständig sind, deren wichtigste Aufgabe bisher die Organisation der Abfallentsorgung war. Ein paritätisch besetzter Landesbeirat (mit zwei Vertretern pro Sprachgruppe) wird die Vorschläge begutachten und gegebenenfalls verabschieden.

Dass sich mit diesem Gesetz eine nennenswerte Verringerung der Erfindungen von Ettore Tolomei erreichen lässt, ist zu bezweifeln. Gemeinde- und sogar Fraktionsnamen wurden ohnehin ausgespart. Hans Heiss hat in seiner abschließenden Abstimmungerklärung lobend erklärt, die SVP sei sich bewusst geworden, dass man die italienischen (faschistischen) Ortsnamen nicht mehr abschaffen könne. Das bringt das Ergebnis wohl auf den Punkt.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/

Ortsnamen Politik Recht | | Ettore Tolomei Hans Heiss | | Südtirol/o | PD&Co. Südtiroler Landtag SVP Vërc | Deutsch

72 replies on “Ortsnamengesetz verabschiedet.”

Mit ein paar Quellenangaben wär’s seriöser und ich, als Leser, hätte die Möglichkeit mir selbst ein Bild zu machen.

Du hast recht, ich hätte eine Frage stellen müssen, anstatt Kritik zu üben. Mein Kommentar ist wenig konstruktiv.

Ich entschuldige mich dafür und versuch’s nochmal. Diesmal besser.

Ich finde diesen Gesetzestext nirgends. Ich finde nur alte Gesetzentwürfe (Landesgesetzentwurf Nr. 71/10 ) Kannst du mir nicht bitte weiterhelfen? Wo finde ich den Gesetzestext?

Ich weiß nicht, ob es den gesamten Text irgendwo gibt. Vielleicht findet man die einzelnen Abänderungsanträge. Ich habe die Sitzung im Internet-Livestream verfolgt, dort wurden einzelne Passagen vorgelesen und andere Teile »besprochen«. Insgesamt ist es eine magere Leistung des Landespresseamtes, wenn der endültige Wortlaut dieses kurzen Gesetzes noch nicht veröffentlicht wurde.

Der Gesetzestext ist noch gar nicht veröffentlicht. Warum dieser nicht veröffentlicht wurde ist in der heutigen (17.09.) Ausgabe der Dolomiten zu lesen: Durnwalder hat den Gesetzestext noch nicht unterzeichnet, das passiert im laufe dieser Woche.

Daraus sei mir erlaubt zu schließen, dass niemand hier den vollen Gesetzestext kennt und zudem lese ich noch in obenstehendem Artikel: “wesentliche Teile des Gesetzes wurden buchstäblich in letzter Minute radikal umgeschrieben”. Das darf man im Hinterkopf behalten, wenn man folgende Kommentare liest.

Selbst als Laie kann man nur mehr den Kopf schütteln bei der Unklarheit, die bei diesem Thema jetzt scheinbar vorherrscht – Stichwort unwissenschaftliche Vorgehensweise. Und über die Medien wird der Bevölkerung zu vieles vorenthalten (Angst?). So titelt zwar das Tagblatt heute auf Seite 1 über die Ortsnamenfrage, aber im inneren Teil ist es fast nur Nebenthema (ein seit Jahrzehnten ungelöstes Thema!), wohl um der Bevölkerung das unwissenschaftliche “Gewurstel” der Partei zu verschleiern.
Überhaupt gibt es in Südtirol keinen objektiven Journalismus mehr. Selbst die scheinbar unabhängigen Blätter oder Wochenmagazine wie “ff” schreiben oft -beileibe nicht immer- solchen Schwachsinn, dass jeder Normalbürger bald resigniert, jedenfalls medial (diese Woche ist mal wieder schwarz-weiß Malerei im Leitartikel, diesmal zum Thema Trachtenmode. Wobei völlig außer Acht gelassen wird, dass die jungen Leute in Südtirol sehr wohl zu den eigenen Wurzeln zurückkehren und ihnen Werte wie Familie, die Geschichte des eigenen Landes usw. wieder wichtiger sind).
Zum Thema Ortsnamen: wo es in den letzten Jahrzehnten zu viel Stillstand bei diesem Thema gab, ging es m.E. nach jetzt viel zu schnell und unseriös über die Bühne. Denn so wie ich das verstanden hab, lässt man sich auf kein einziges wissenschaftliches Argument bei dieser Sache ein, sondern will eine brisante Angelegenheit wie die Orts-und Flurnamen eines ganzen Landes politisch lösen. Ich bin jedenfalls gespannt wie das Ganze dann ausschaut, wenn es in den einzelnen Bezirken dann ausgearbeitet wird. Es dürfte bekannt sein, dass es in jedem Bezirk Südtirols größere Ortschaften und Städte gibt, wo ein großer Teil der italienischsprachigen Mitbürger wohnt (in den Städten steigt der Anteil der italienischsprachigen stetig an), die über ihre Tageszeitung leider oft sehr populistisch und oberflächlich auf dieses Thema vorbereitet werden. Man soll zwar nicht voreingenommen sein und nicht immer nur meckern, aber klingen tut das, was die Mehrheitspartei da veranstaltet hat halt nicht gut. Aber bitte, vielleicht werden wir alle eines Besseren belehrt…

Ich will jetzt nicht pessimistisch sein, aber ich befürchte dass dieses Gesetz mehr Unsicherheit schafft als dass es zur Beruhigung der Ortsnamen Frage beiträgt. Wie soll ein Bezirk darüber entscheiden was der Landtag nicht mal vermag?
Ein Gesetz muss für Klarheit sorgen! Hier hat die SVP klar versagt und die heißen Kastanien an Unbeteiligte weitergereicht. Der eingesetzte Landesbeirat wird dann (fast) alle faschistischen Ortsnamen belassen müssen da es sonst dort zu keiner Einigung kommen wird… Wenn sogar die UNO Richtlinien vorgibt, warum folgt man denen dann nicht einfach?

Das Gesetz legt nicht nur keine eindeutigen Kriterien fest, es schafft auch einen Landesbeirat für Karthographie, der nicht mit Fachleuten (Geographen, Karthographen, Sprachwissenschaftler…) besetzt wird. Die Ermittlung des Gebrauchs wurde ebenfalls gestrichen. Die ganze Prozedur wird also zur Farce verkommen, es wird sich zu einem einzigen Gewurschtel entwickeln — und die Spannungen und Feilschereien um einzelne Namen werden (wie hier schon bemerkt wurde) lediglich von der Landes- auf die Bezirksebene verschoben.

Wir wurden verkauft.
Es wird nicht einmal der Versuch unternommen das faschistische Unrecht wieder gut zu machen.
Das heiße Eisen Toponomastik wird einfach an eine sog. Expertenkommission und die Bezirksgemeinschaften und Gemeinden weitergegeben.
Dass die SVP so wenig Mut und Selbstachtung hat, macht mich sprachlos.

Das größte Problem liegt darin, dass man sich weitgehend von wissenschaftlichen und international üblichen Kriterien verabschiedet hat. Der Gebrauch von Ortsnamen bzw. Toponymen muss von Fachleuten ermittelt und festgestellt werden und zwar auf Gemeindeebene bzw. noch eine Ebene darunter.
Für eine “Vorzeigeautonomie” ein recht dürftiges Ergebnis, das zudem in der Praxis sehr wenig verbessern wird.

Einer der wesentlichen Punkte, die mir Kopfzerbrechen bereiten, ist die paritätische Kommission (von Laien). Ich bin prinzipiell ein Befürworter der ‚affirmative action’, jedoch ist mir schleierhaft, warum die Kommission paritätisch sein muss. (Das erinnert mich entfernt an das libanesische politische System, das als “frei” aber “nicht fair” gilt.)

Momentan bedeutet das für jede Sprachgruppe 33,3% an Mitspracherecht. Im Vergleich zu den Zahlen der Volkszählung ergibt sich daraus folgende Differenz:

– deutschsprachig – 36,1%
– italienischsprachig: + 7,2%
– Ladiner: + 28,8%

Ich hatte ja schon bereits einmal erwähnt, dass das “friedliche Zusammenleben” laut SVP/PD darauf beruht, dass die deutschsprachige Bevölkerung “zurücksteckt”, sei es in sozio-kulturellen als auch politischen Angelegenheiten. Daher ist das hier ein erneutes Musterbeispiel, da einer Gruppe mehr als ein Drittel an demokratischem Recht entzogen wird – ganz im Sinne des “friedlichen Zusammenlebens”.

Dass die ladinischsprachige Gruppe bevorzugt wird, finde ich im Sinne der ‚affirmative action’ begrenzt in Ordnung, aber dies wird sicher nicht dazu führen, dass man auch in Städten wie Bruneck und Brixen ladinischsprachige Ortsnamen amtlich regelt. (Das wäre ein Wunsch von mir.)

Grundsätzlich ist das alles eine totale Farce mit wahrscheinlich bösen Folgen für die Zukunft. Zudem frage ich mich, warum es Kommissionen geben muss, die nur von – vermutlich – ideologisch voreingenommenen Laien besetzt ist. Es wird bei dieser Frage nicht objektiv-wissenschaftlich vorgegangen, das Ergebnis wird also ein politisches Konstrukt sein. Wäre eine Kommission mit ExpertInnen (Achtung: nicht solche, wie sie die Landesregierung vor einigen Monaten eingeladen hat!) beauftragt, Lösungen nach wissenschaftlichen Kriterien auf Basis der UNO-Richtlinien zu finden, wäre mir auch deren ethnischer Hintergrund vollkommen egal, und das Ergebnis auf jeden Fall besser, als alles was diese Toponomastik-Neuerung jemals anrichten wird.

Grundsätzlich ist das alles eine totale Farce mit wahrscheinlich bösen Folgen für die Zukunft. Zudem frage ich mich, warum es Kommissionen geben muss, die nur von – vermutlich – ideologisch voreingenommenen Laien besetzt ist. Es wird bei dieser Frage nicht objektiv-wissenschaftlich vorgegangen, das Ergebnis wird also ein politisches Konstrukt sein.

Politico ed etnico. La commissione paritetica è palesemente uno specchio per le allodole. Due tedeschi e due ladini significherà , in sostanza, 4 esponenti vicini (se non direttamente aderenti) alla SVP. Quindi maggioranza assoluta garantita, con buona pace degli esponenti italiani – i quali, con questo strumentale surplus di ladini “buoni”, sono e resteranno in minoranza.

E comunque: il ricorso agli “esperti”, a “criteri scientifici internazionali” (qui tanto osannato) non rappresenta affatto una formula magica. La questione è innanzitutto emotiva, psicologica e culturale, più che il frutto di una complessa equazione matematica da risolvere con freddezza e raziocinio. Se da un lato abbiamo la ferita storica per Tolomei (da non sottovalutare, perché incapace di esaurirsi col solo ufficializzare i toponimi tedeschi, ripresentandosi perpetua ad ogni revanscistica evocazione – su entrambi i fronti – dei nomi italiani imposti), dall’altra parte c’è un legame affettivo, un attaccamento storico (perché 90 anni non sono niente…) alle denominazioni entrate a far parte integrante del “dizionario” collettivo della comunità  italiana in Sudtirolo – ed è qualcosa di assolutamente comprensibile, nella natura delle cose. Pesare sulla bilancia della storia i mille anni del Deutschtirol (la cui rilevanza e priorità  è tuttora sbandierata da alcuni patridioti) contro il fatidico benché faticoso mezzo secolo del Sudtirolo bi/plurilingue (reso tale anche dalla subentrata componente “italiana”, già  rea di miti italianizzanti sull’onda lunga del nazionalismo) è iniquo e ingiusto: così come la toponomastica imposta (pur sedimentatasi in 60 anni di democrazia) non è più importante della precedente, la toponomastica originaria (nonostante abbia subito, dopo secoli di intangibilità , il durissimo affronto fascista) non può aprioristicamente essere più degna di considerazione della successiva, fermo restando che i nomi tedeschi/ladini non vengano depotenziati o messi all’angolo dal mancato rispetto “sostanziale” (fissato dallo Statuto) del bi/trilinguismo atto a recuperare e valorizzare tale toponomastica (processo già  avvenuto benché non esaurito, dato che dovrebbe essere applicato pure alle nuove tecnologie, quali cartografie digitali etc, e ad altri ambiti rimasti “scoperti”). Perciò non c’è alcun criterio che tenga, neppure la cosiddetta “fondatezza storica”, se non quello dell’effettivo uso consolidato nel tempo, tradizionale e popolare, verificato con rivelazioni statistiche eseguite da istituti di buon senso. Non potrà  mai e poi mai essere una mera faccenda di numeri, maggioranze/minoranze, proporzioni, attraverso cui la consistenza di un gruppo linguistico priva l’altro di una piccola porzione di identità  e, tutto sommato, di radicamento. Non sarà  così facendo, fissando in un elenco previsto da specifiche norme giuridiche o qualsivoglia altro provvedimento legislativo “di parte”, che gli italiani del Sudtirolo acquisiranno una tale elasticità , un “disinteresse etnico” per cui Scena potrà  semplicemente essere Schenna. Né i tedeschi saranno più sereni e persuasi dell’avvenuto rimarginarsi della ferita tolomeiana se Niclara lascerà  definitivamente il posto “solo” a Entiklar o Valdurna a Durnholz. Affinché le colpe dei padri (fascisti) non ricadano sui figli, e i traumi (sudtirolesi) ancora presenti e tangibili non restino tali, serve uno sforzo di comprensione e di dialogo costante, depotenziando i nomi dal loro carico “di conquista” o “di stirpe”, per arrivare a “normali” indicazioni geografiche comuni – risultato parzialmente ottenuto dalla (un po’ disarmonica) convivenza “anni 2000”. Rattoppare i danni del Novecento tramite provvedimenti studiati a tavolino non basterà , perché le parole sono importanti. E nessuna legge saprà  cancellarle.

Senza entrare troppo nel merito: Quello della consulta politicamente ed etnicamente in mano alla SVP è un argomento usato in aula solamente da Donato Seppi; ciò non significa che sia falso, ma personalmente sarei molto prudente e aspetterei a giudicare. Mi risulta infatti che nella commissione paritetica istituita dall’intesa Fitto-Durnwalder anche i membri nominati dal governo sudtirolese si fossero rivelati molto «rispettosi» dell’opera del Tolomei.

Ad ogni modo, perfino chi condividesse l’impostazione della legge non potrebbe che stupirsi e rammaricarsi del suo mancato ancoraggio scientifico al lavoro delle commissioni dell’ONU. Ciò avrebbe almeno assicurato un’interpretazione univoca dei termini in essa contenuti, risparmiandoci future polemiche come quella sul concetto di «località », scoppiata in seguito alla firma dell’intesa sulla segnaletica di montagna. Ci sono già  sufficienti motivi di scontro politici ed etnici, almeno si sarebbero potute disinnescare le ambiguità  scientifiche.

Der Landesbeirat schließlich wird zwar paritätisch besetzt, die Besetzung erfolgt aber durch politische Nominierung, folglich vorhersehbar von SVP’s Gnaden.

Così il comunicato dei Verdi-Grüne-Verc. E dalla stampa leggo:

Tre componenti saranno designati dal Consiglio provinciale su proposta dei consiglieri dei rispettivi gruppi linguistici, e tre dalla giunta provinciale su proposta dei rispettivi gruppi linguistici.

Ergo: i due consiglieri ladini saranno nominati da Florian Mussner.

Ho detto che in aula è stato Seppi a usare quell’argomento e che

ciò non significa che sia falso

ma appunto farei attenzione a dare per scontato l’orientamento dei membri di quella consulta, perché anche nella commissione stato-provincia i membri scelti dalla SVP non hanno per nulla agito secondo i desideri del partito. Prova ne sia che Durnwalder non fu per nulla soddisfatto dei risultati raggiunti.

(P.S.: Quell’apostrofo nel comunicato dei verdi fa male agli occhi.)

die lösung mag vielleicht in der logik unserer autonomie der “convivenza” zuträglich sein. gleichzeitig konterkariert sie jedoch das ziel einer homogeneren gesellschaft und somit eines weniger ethnisch definierten zusammenlebens. mit einem jeden solcher schritte wird die separation mehr zementiert anstatt durchlässiger. dabei würden gerade die namen die chance in sich bergen, die krusten etwas abzukratzen. meines wissens wurde keinen moment lang überlegt, z.b. für ladinien die im deutschsprachigen raum gängigen exonyme NICHT einzuführen bzw. “offiziell” zu machen. oder hab ich da was versäumt? wieso sollen diese orte einen exonymen namen offiziell tragen? auch die uno rät, exonyme grundsätzlich zu vermeiden. aber bei uns muss ja alles schön paritätisch sein. dabei wird von einer zwingenden “sprachlichkeit” von namen ausgegangen. tausende “deutsche namen” in südtirol (mir sind die bezeichnungen endonym bzw. allonym und exonym lieber) sind aber nicht “deutsch”. kastelbell, naturns, kurtatsch … die liste ließe sich unendlich fortsetzen.
zum abschluss noch eine frage: es gibt bekanntlich mehrere wege, namen zu “übersetzen”. wenn die namensteile eine wörtliche bedeutung haben, werden diese wörtlich übersetzt (z.B. Siebeneich – Settequerce). oder sie werden phonetisch angepasst (z.B. Vahrn – Varna). oder man passt sie orthographisch an um zum gleichen phonetischen Ergebnis zu kommen (Straßburg – Strasbourg). manchmal hingegen scheint die übertragung recht willkürlich (Waidbruck – Ponte Gardena). waidbruck ließe sich ja wörtlich übersetzen. daraus schlussfolgernd frage ich mich: warum kann der sog. “Siegesplatz” auf deutsch nicht “Friedensplatz” und auf italienisch “piazza della vittoria” heißen? und warum dürfen die bozner allein bestimmen, wie dieser platz heißen soll? die ahrntaler hingegen haben nicht das recht, einen berg auf ihrem gemeindegebiet zu benennen, wie sie das wünschen (Vetta d’Italia vs. Klockerkarkopf).

p.s.: ich bin freilich dafür, dass die bozner über die namen auf ihrem gemeindegebiet entscheiden können, auch wenn mir das abstimmungsergebnis nicht gefällt. mir geht es mehr darum zu hinterfragen, warum die ahrntaler und alle anderen das bezüglich flur- und bergnamen nicht dürfen. was ist der unterschied zwischen straßen- und flurnamen?

Durnwalder hat im Zuge der gestrigen Verleihung der Tiroler Verdienstkreuze gesagt:

Wir wollten bei der Lösung der Toponomastik keinen Revanchismus betreiben, sondern die Problematik im europäischen Geist lösen.

Diese »Lösung« kann jedoch alles Mögliche für sich beanspruchen, aber keinen »europäischen Geist«.

Was Ladinien betrifft, könnte es sogar zu einer wesentlichen Verschlechterung kommen, nämlich durch Art. 4, der meines Wissens vor Verabschiedung des Gesetzes nicht mehr abgeändert wurde:

Art. 4
Richtlinien für die Hodonomastik

1. Die Appellative der öffentlichen Flächen werden, unbeschadet der Bestimmungen über die Verkehrszeichen der Straßenverkehrsordnung, gemäß Artikel 4 des Dekretes des Präsidenten der Republik vom 15. Juli 1988, Nr. 574, in Deutsch, Italienisch und in den ladinischen Ortschaften auch Ladinisch – nach Artikel 2 Absatz 2 gereiht – angeführt.

Aufgefallen? Die Bezeichnungen von Straßen und Plätzen sollen in den ladinischen Ortschaften dreisprachig werden, dabei sind sie bislang einsprachig ladinisch. Ich hoffe, davon wird in der Praxis abgesehen.

Übrigens: »Appellativ« ist eine fast schon tolomeische Übertragung des italienischen »appellativo« in’s Deutsche. Laut Duden ist ein Appellativ nämlich ein

Substantiv, das eine Gattung von Dingen oder Lebewesen und zugleich jedes einzelne Wesen oder Ding dieser Gattung bezeichnet; Gattungsbezeichnung, -name (z. B. Mensch, Blume, Tisch).

Das ist ein Beispiel für die im obigen Beitrag von mir erwähnte sprachliche und terminologische Schlampigkeit — ich find’s einfach entsetzlich.

la toponomastica originaria […] non può aprioristicamente essere più degna di considerazione della successiva

Evabbè, Val, parliamone… l’unico appiglio che hai per salvare la frase è quell’avverbio, “aprioristicamente”… ma sappiamo tutti che la toponomastica originale e quella di Tolomei non sono qualcosa di “a priori”, bensì il prodotto contingente di processi storici che tutti conosciamo.

mir geht es mehr darum zu hinterfragen, warum die ahrntaler und alle anderen das bezüglich flur- und bergnamen nicht dürfen. was ist der unterschied zwischen straßen- und flurnamen?

Na, das ist halt so eine Südtiroler Anomalie im Jahre 2012. Während laut UNO recht klar ist was unter “örtlichem Gebrauch” eines Namens zu verstehen ist, möchten bestimmte Kreise in Südtirol den örtlichen Gebrauch so weit wie möglich fassen um soviel wie möglich Tolomei durchzuboxen.
Ein Name entsteht vor Ort und ist entsprechend zu gebrauchen.

Während laut UNO recht klar ist was unter ”örtlichem Gebrauch” eines Namens zu verstehen ist,

ganz so eindeutig ist das nicht, wenn man das manual zur ortsnamengebung durchliest. die uno spricht auch davon, dass die namen jeweils in den offiziellen landessprachen eines gebietes verfügbar sein sollen. d.h. exonym sind jene, die nicht “landessprachlich” sind. italienisch ist auch landessprache. dennoch wird aber auch auf den lokalen gebrauch bezug genommen.
siehe: http://unstats.un.org/unsd/geoinfo/ungegn/publications.html

Es wird nicht einmal der Versuch unternommen das faschistische Unrecht wieder gut zu machen.

Wie sollte man das “faschistische Unrecht” wieder gutmachen? In dem man allen Nicht-Deutsch und Ladinischsprachigen ihre “Bezeichnungen” wegnimmt?
Oder wäre nicht die amtliche Anerkennung der deutschen Bezeichnungen genug Wiedergutmachung?
Ich verstehe das Ganze sowieso nicht! Wenn dann hätte man alles vor 60-70 Jahren lösen müssen. Wieso kann man jetzt den Italienern nicht ihre Bezeichnungen lassen, wenn man gleichzeitig die bisher nicht offiziellen “alten oder “deutschen” Bezeichnungen offiziell gültig macht? Mal ganz ehrlich, wen bitte stört es, wenn die Bezeichnung “Vetta d’ Italia” unter der Bezeichnung “Klockerkarkopf” in einer Wanderkarte seht?
Meiner Meinung nach ist das alles reiner Populismus, der mit jedem Jahr schlimmer wurde, und es ist gut, dass man jetzt versucht, einen Schlussstrich unter diese ewige Geschichte zu ziehen, ob es mit diesem Gesetz gelingt, ist eine andere Frage.

Du brauchst dich nur mal im digitalen Bereich umzuschauen, um zu verstehen, was das Problem ist. Kartenwerke (z.B. GoogleMaps) und mit diesen verknüpfte Programme (z.B. GPS) bestehen auf Bezeichnungen wie “Vetta d’Italia” usw. Namen wie “Klockerkarkopf” sind entweder erst gar nicht in den Datenbanken oder werden wieder zu “Vetta d’Italia” weitergeleitet, sozusagen ausgebessert.
Mal abgesehen davon, dass die Bezeichnung inhaltlich falsch ist (wie zig andere im Prontuario, siehe “Gran Pilastro”), führt der Status quo in Verbindung mit der Digitalisierung und Internationalisierung dazu, dass die historischen Namen nicht überlebensfähig sind und längerfristig zur Folklore werden.
Und ganz abgesehen von all dem, sind Ortsnamen Kulturgüter, die nicht einfach übersetzt werden können, gut vergleichbar mit Personennamen. Jemand, der “Viktoria” heißt, kann nicht auch gleichzeitig “Vittoria” heißen, zumindest nicht amtlich. Hinter all den Bezeichnungen stecken Jahrhunderte an Geschichte, auch wenn es – ich gebe zu – abgedroschen klingen mag. Bspw. das -s in Ortsnamen wie “Naturns” oder “Mauls” hat eine Etymologie, die bis ins Keltentum zurückreicht. “Gargazon” hat denselben Ursprung wie die Stadt Carcassonna (Carcassonne) in Okzitanien. Ein solches immaterielles Gut darf nicht relativiert werden. Ich darf ein Gemälde von Gustav Klimt nicht nachbessern, nur weil ich mich mit einem Pinselstrich nicht identifizieren kann.
Es geht hier weniger um eine Wiedergutmachung als um eine Wiederherstellung und Würdigung von kulturellen Gegebenheiten. In der Provinz Aosta-Aoà»ta gebraucht kein Mensch mehr ein “Cormaiore”, obwohl die galloromanischen Idiome zusammen auf gerade mal 18% der Bevölkerung kommen. Warum das in Südtirol bei fast 70% deutscher Sprache und auf Bezirksebene oft weit über 90% ein solches Problem sein soll, ist mir schleierhaft.

@niwo

Bitte hört doch damit auf, alles auf Tolomei zu beziehen, der ist längst tot und begraben!!
“Seine” Namen sind längst ein “Gebrauchsgegenstand” geworden wie vieles andere auch in den letzten Jahrzehnten.
Oder denkst du jedesmal an Tolomei, wenn du einem Italiener den Weg nach San Martino erklärst? Ich nicht!
San Martino ist für diesen Italiener der Name eines Dorfes(ist das schlimm, ist das noch zu ändern??), und nicht eine faschistische Erfindung, die es zu tilgen gibt!

Ah, und noch was:

Wie sollte man die Italiener in ein Projekt wie BBD einbinden, wenn man ihnen “ihre” Namen nimmt?

1. es geht um offizialität und authentizität. wenn ein ort wie martell zu 100 % von deutschsprachigen bewohnt ist, warum sollte er dann offiziell einen namen haben, den italienischsprachige verwenden?
2. ich bin auch der meinung, dass die ladinischen orte keine “deutschen” exonyme brauchen. was mich nicht daran hindert, weiterhin gröden zu sagen. aber am wegweiser soll von mir aus gherdëina stehen. fände ich viel schöner. und ich empfinde nicht, das mir als deutschsprachigen dadurch etwas weggenommen würde?!?!?!
3. wenn wir mal verstünden, dass namen eine andere sprachliche dimension haben als wörter, wäre das loslassen auch leichter. kastelbell ist ungefähr so deutsch wie ouagadougou, und trotzdem gilt es als “deutscher ortsname”.
4. wenn wir ortsnamen übertragen, warum dann nicht auch personennamen?

1. Vielleicht weil sie ihn seit 90 Jahren verwenden, und damit ebenso zu unserem Land gehört wie alle anderen Namen, die halt ein paar Jahre älter sind.
2. Bin ich bei dir, würde aber nicht 60 Jahre ein Gesetz dafür veschieben, so wichtig ist mir das nicht.
3.Verstehen aber zu viele nicht, und werden es auch in nochmals 60 Jahren nicht verstehen, und zwar von allen Sprachgruppen, also muss man einen Kompromiss finden.
4. Hatten wir doch schon, und wenn damals mit den Personennamen auch die ortsnamen wieder geändert worden wären, gäbe es diese ganze Problematik nicht.

wie verträgt sich deine opposition zu punkt eins und deine zustimmung zu punkt 2???
in den ladinischen orten braucht es keine “deutschen” exonyme. richtig. aber in den deutschen orten “italienische”? wieso?

ad ladinische namen: deutsche exonyme würden ja explizit eingeführt, da sie bislang nicht offiziell sind. warum ich das nach 60 jahren machen muss und nicht gleich auf die endonyme zurückgreifen sollte, verstehe ich nicht.

Verträgt sich vielleicht nicht, ist aber einfach meine Meinung, mir ist das nicht wichtig genug, und wäre mir auch vor einigen Jahren nicht wichtig genug gewesen, um auf die offiziellen deutschen Bezeichnungen so lange zu verzichten.
Und wieso? Weil es die Mehrheit der jeweiligen Sprachgruppe so sieht? Oder glaubst du, die deutschen Namen in Gröden würden verschwinden, wenn die “Deutsche dagegen wären?
Natürlich habe auch ich meine Vorstellungen, wie man es besser hätte machen können, aber jetzt nach 60 Jahren ist mal ein erster Schritt getan, und das ist immerhin besser als der status quo, oder?

@ jonny:

noch einmal: es geht nicht darum, dass namen verschwinden sollen. es geht um die offizialität. niemanden stört es, dass du und ich zu milano mailand sagen, aber mailand soll nicht auf der ortstafel stehen. und wir werden wohl auch in den kommenden jahrzehnten mailand sagen. ist das so schwierig zu verstehen? offiziell sollen endonyme sein. nichts weiter.

Sorry, dass ich etwas vom Thema abweiche, aber du kannst mir sicher helfen. Du sprichst von der Offizialität der deutschen Namen.
Gestern aber las ich in unserer Tageszeitung, dass die Gemeinden und Fraktionen in diesem Gesetz gar nicht berücksichtigt werden, weil dafür sei der Regionalrat zuständig. Was heisst das jetzt konkret? Dass auch mit diesem Gesetz die deutschen”Namen” noch nicht offiziell werden, weil nicht zuständig, oder was??
Wenn dem so sei, kann man das neue Gesetz auch gleich im Klo runterspülen!! Denn es ist doch für alle wichtiger, dass ein Namen wie “Jenesien” endlich offiziell wird, als dass auf einem Schild nur noch “Jenesinger Jöchl” steht!!
Oder sehe ich da auch was falsch??
Wenn dem nicht so sei, heisst das, die Makrotoponomastik ist schon im Regionalrat geregelt worden und offiziell??

Ich blicke irgendwie nicht mehr ganz durch?!?!?!?!

Möchte nur mal einwerfen, dass ich deinen ständigen Hinweis auf die 60 Jahre nicht teilen kann. In Spanien wurde exonymen Übersetzungen (künstlichen und — außer im Baskenland — auch historisch gewachsenen) z. T. nach mehreren Jahrhunderten die Amtlichkeit genommen, obwohl sie für die Spanier ebenfalls zum »Gebrauchsgegenstand« geworden und in einigen Fällen wesentlich bekannter waren, als die Endonyme. So war z.B. Lérida im In- und Ausland weit bekannter, als katalanisch Lleida. In der spanischen (kastilischen) Wikipedia wird die Stadt unter dem inoffiziellen Namen Lérida geführt, was auch zeigt, dass man niemandem einen Namen »wegnimmt«, sondern dem Namen die Amtlichkeit.

gute frage jonny. es wurde doch immer auch von den ortsnamen gesprochen, oder? ich weiß auch nicht, welches gesetz jetzt was regelt. und zwei neue gesetze (eines land, eines region) gibt es ja nicht. kann das vielleicht wer aufklären?

@jonny
du sprichst von Gemeindenamen. Die sind sowieso alle gegessen. Es geht im vorliegenden Toponomastikgesetz größtenteils um die sog. Mikrotoponomastik, kleine Weiler und Fraktionen.
Die derzeitige Vorgangsweise wird dazu führen, dass eine großer Teil von Namen, die letzthin nicht mehr in Gebrauch waren – auch nicht von SüdtirolerInnen ital. Muttersprache – aufgefrischt werden.

Wie sollte man die Italiener in ein Projekt wie BBD einbinden, wenn man ihnen ”ihre” Namen nimmt?

BBD hat einen sehr guten Vorschlag skizziert, der sich weder an der historischen Lösung orientiert, sondern einen sehr brauchbaren Kompromiss sucht ohne jedoch systematisch international übliche Vorgangsweisen im Bereich der Namensgebung ad absurdum zu führen.

Was heißt “ihre” Namen? Da beginnt schon so eine Südtiroler Spezialität. Die Namen sind immer die örtlichen Namen, also weder “meine” oder “deine” Namen.

Gegenfrage: Wie soll man sich verstehen, wenn man dieselben Berge, Weiler, Wälder, Bäche, Almen immer mit unterschiedlichen Namen bezeichnet? Wie hunter gut aufzeigt, zementiert dieser Gesetzesvorschlag eher getrennte Welten als dass diese zusammengeführt würden.
Zusammenführen würde man, wenn die Bedeutung historischer Flurnamen in allen Landessprachen erklärt würden. Dt.-sprachige SüdtirolerInnen würden z.B. viel über Ladinien erfahren, Ital.-sprachigen SüdtirolerInnen würde ein Schlüssel zum Verständnis der Textur des Landes gegeben, und es käme zu interessanten Überraschnungen in dem Sinne, dass viele historische Toponyme nicht als dt. oder sonst was zu bezeichnen sind, da sie ihrerseits rätische, romanische, althochdeutsche oder sonst welche Wurzeln haben, die im Dialekt häufig noch völlig anders klingen als in der häufig in diesem Zusammenhang nicht glücklichen Hochsprache.

Ich darf dich enttäuschen: Meines Wissens wurden selbst die Fraktionsnamen aus dieser Regelung ausgespart. Auch kleinste Ortschaften behalten also voraussichtlich ihren Tolomeinamen.

Wie soll man sich verstehen, wenn man dieselben Berge, Weiler, Wälder, Bäche, Almen immer mit unterschiedlichen Namen bezeichnet?

In dem man miteinander spricht, vielleicht? Oder glaubst du wirklich, die Idee einer postethnischen Gesellschaft in Südtirol könnte an einigen italienischen Namen scheitern?
Denn wenn wir an Reinswald-San Martino scheitern, dann könnt ihr diesen Blog gleich zusperren.

Aber an Reinswald ohne San Martino scheitert die Autonomie?
Dann kann die Autonomie nicht das halten was sie verspricht: den Schutz der deutschen und ladinischen Minderheit.

Ich glaube nicht, dass durch die Beibehaltung der Erfindungen von Tolomei der Minderheitenschutz ad absurdum geführt wird. Sie ist aber eine gesellschaftliche und kulturelle Niederlage.

Andererseits ist es nur konsequent, dass die ethnozentrische Autonomie schlussendlich an einer Lösung dieser Frage scheitert. Solange wir uns trennen (müssen), wird jede Sprachgruppe in ihrer eigenen Realität leben, können die Volksvertreter einer jeden Sprachgruppe Kapital daraus schlagen, wird man sich nicht auf eine gerechte Lösung einigen können.

A propos Schlussstrich: Jedes Mal, wenn der neue Landesbeirat für Karthographie eine Entscheidung fällen wird, wird es einen politischen und medialen Aufschrei geben. Die Spannungen, die dieses Gesetz nicht abstellt, werden uns also noch über Jahre begleiten, so das Gesetz nicht vom Verfassungsgericht außer Kraft gesetzt wird.

Ich persönlich könnte sehr gut damit leben, wenn in Ladinien nur noch die ladinischen Namen amtlich wären. Die historisch gewachsenen deutschen und italienischen Namen haben zwar durchaus eine Daseinsberechtigung. Der Minderheitenschutz für die Ladiner hat hier aber unbedingt Vorrang. Diese Entscheidung sollten aber letztendlich die Ladiner selbst treffen dürfen und nicht alle Südtiroler.
Die tolomeischen und post-tolomeischen Erfindungen stehen für mich erst gar nicht zur Diskussion. Diese Namen wurden erfunden, um der Welt (und auch den Italienern) ein falsches Bild von unserer Heimat vorzutäuschen. Da reicht es nicht die echten Namen wieder amtlich zu machen. Die Lügen müssen ihre Amtlichkeit verlieren. Erst ab dem Zeitpunkt sind auch die zugewanderten Italiener in Südtirol angekommen. Da fängt für mich das friedliche Zusammenleben erst an. Zuerst ist die Geschichte aufzuarbeiten und dann kann man gemeinsam nach vorne blicken, eine gemeinsame Zukunft aufbauen. Wenn eine Seite an Geschichtsfälschungen festhält wird das nie gelingen.

Dann kann die Autonomie nicht das halten was sie verspricht: den Schutz der deutschen und ladinischen Minderheit

Was verspricht denn die Autonomie? So weit ich informiert bin, verspricht die Autonomie amtliche Zwei-Dreisprachigkeit, oder pervasion, täusche ich mich da? Und was bitte hat ein Dorf-Berg oder Almname mit dem Schutz der deutschen und Ladinischen Minderheit zu tun? Mir kann niemand meine “Möltner Kaser” oder mein “Becher-Haus” nehmen, egal welcher Name noch auf irgendeinem Schild steht!!

Solange wir uns trennen (müssen), wird jede Sprachgruppe in ihrer eigenen Realität leben, können die Volksvertreter einer jeden Sprachgruppe Kapital daraus schlagen, wird man sich nicht auf eine gerechte Lösung einigen können.

Also hätte man alle so lassen sollen, bis sich die Realitäten der Sprachgruppen auflöst in eine einzige postethnische Gemeinschaft, in der Sprache zweitranging ist? Und wie definierst du die “gerechte Lösung”?

Zuerst ist die Geschichte aufzuarbeiten und dann kann man gemeinsam nach vorne blicken, eine gemeinsame Zukunft aufbauen. Wenn eine Seite an Geschichtsfälschungen festhält wird das nie gelingen.

Und du meinst, bei der Geschichtaufarbeitung sind nur die Italiener angesprochen?
ich glaube, da hätten die Südtiroler auch noch eine Menge aufzuarbeiten, oder?

So weit ich informiert bin, verspricht die Autonomie amtliche Zwei-Dreisprachigkeit, oder pervasion, täusche ich mich da?

Ich habe schon oben geschrieben, dass diese Regelung keine Niederlage für die Autonomie, sondern eine gesellschaftliche und kulturelle Niederlage ist. Sie zeigt, dass das autonomistische, ethnisch geteilte »Zusammenleben« (Nebeneinander der Sprachgruppen) keine gemeinsame Lösung ermöglicht. Dass Zwei-/Dreisprachigkeit nicht Zwei-/Dreinamigkeit bedeutet, zeigen nicht zuletzt die Ladiner, die sich größtenteils auf einnamig ladinische Bezeichnungen von Straßen, Plätzen und Weilern einigen konnten.

Also hätte man alle so lassen sollen, bis sich die Realitäten der Sprachgruppen auflöst in eine einzige postethnische Gemeinschaft, in der Sprache zweitranging ist? Und wie definierst du die ”gerechte Lösung”?

Man hätte eine Einigung versuchen müssen, aber wie sich zeigt, wäre man daran mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gescheitert, solange einige Parteien »die Deutschen« und andere »die Italiener« vertreten. Besser, als dieses Gewurschtel (mir fällt keine bessere Beschreibung ein) wäre es wohl gewesen, ausschließlich die deutschen und ladinischen Bezeichnungen zu veramtlichen. Ich habe noch nie verstanden, warum die SVP so lange damit gewartet hat. Die Realitäten der Sprachgruppen werden sich niemals von alleine auflösen in eine postethnische Gemeinschaft, aber wir brauchen eine institutionelle, staatliche Struktur, die nicht mehr die Ethnien in den Mittelpunkt stellt. Sobald alle Schüler die gleichen Schulen besuchen, kein Proporz mehr nötig ist u.s.w. wird die Gesellschaft zusammenwachsen können. Spätestens dann ist eine gemeinsame Lösung einer schwierigen Frage wie jene der Ortsnamen keine ethnische mehr, sondern eine politische, wissenschaftliche und kulturelle. Vgl. FAQ 21.

Deine letzte Frage war zwar nicht an mich gerichtet, doch auch ich bin der Meinung, dass bei der Geschichtsaufarbeitung immer noch beide Seiten eine Bringschuld haben.

Eigentlich sind wir uns in allen Punkten einig, einzig du würdest nur die deutschen und ladinischen Bezeichnungen veramtlichen, und ich eben lieber alle, damit mal Ruhe ist.
Alle andere unterschreibe ich eins zu eins, besonders das “Gewurschtel”!!

Jetzt hätte ich noch eine Bitte, ich habe über “hunter” eine Frage in den Raum gestellt, auf die du sicher antworten kannst, und ich wäre sehr froh, wenn du das auch tätest, denn ich verstehe hier sonst nur noch “Bahnhof”.

Ich spreche von Veramtlichung der »deutschen« und »ladinischen« Ortsnamen, weil die von Tolomei ja schon amtlich sind.

Auf deine obige Frage an hunter hätte ich eine Antwort, doch ich hatte den Landtag angeschrieben und die endgültige Fassung des Gesetzes angefordert. Ich möchte mich solange zurückhalten.

Ich spreche von Veramtlichung der »deutschen« und »ladinischen« Ortsnamen, weil die von Tolomei ja schon amtlich sind.

Also sind wir absolut in allen Punkten einer Meinung, das finde ich ja mal super.

Auf deine obige Frage an hunter hätte ich eine Antwort, doch ich hatte den Landtag angeschrieben und die endgültige Fassung des Gesetzes angefordert. Ich möchte mich solange zurückhalten.

Ich warte mit Spannung auf diese deine Antwort, danke.

Ich bin ja nicht gerade repräsentativ für diesen Blog aber Süd-Tirol hat derzeit fast 70% deutschsprachige Bürger (bei Einwohnern evtl noch mehr?). Warten wir mal ab bis Süd-Tirol zumindest eine richtige Autonomie oder gar einen Freistaat hat, also eigene Polizei, Verwaltung, Justiz…. Wieviele italienischsprachige werden dann wohl nach Italien wegziehen u. wie ändern sich dann die Anteile der Sprachgruppen?
Von daher sollte es künftig nur noch historische Namen geben u. nur bei neu hinzugekommenen bleibts bei den italienischsprachigen.
Im Übrigen bin ich, sobald ein Freistaat erreicht ist, für eine Volksabstimmung zur Wiedervereinigung mit Österreich in einem eigenen Bundesland Süd-Tirol.

Wir streben ein Modell an, das möglichst niemanden veranlasst, unser Land zu verlassen. Das wäre eine Niederlage. Den Anschluss an Österreich werde ich auf demokratischem Wege jederzeit bis zur letzten Konsequenz bekämpfen. Wir brauchen nicht die Umkehrung der jetzigen Situation mit einer deutschen Mehrheit und einer italienischen und einer ladinischen Minderheit. Das ändert gar nichts.

Eine Umkehrung der jetzigen Situation ist überhaupt nicht möglich da Österreich ein föderaler Staat ist u. die Autonomie seiner Länder achtet! Ein Bundesland kann auch in der Sprachenregelung eigene Wege gehen u. zu deutsch auch italienisch/ladinisch als Amtssprache setzen.
Ich schätze hier sind nur wenige über die Möglichkeiten informiert die man als Bundesland hätte.

@hunter
das möchte ich auch nicht bestreiten, es steht ja auch im Text von wikipedia. Die Frage ist doch eher wer z.B. im “Ortstafelstreit” verantwortlich ist. Wien ja wohl eher nicht, sondern das Bundesland.
Der Wille in Südtirol die Rechte der Minderheiten zu achten bzw der Mehrheit gleichzustellen ist hier aber vorhanden!

Und nun Österreich mit dem Zentralstaat Italien gleichzusetzen u. zu behaupten “ein Südtirol innerhalb Österreichs wäre eine Umkehr der Minderheitensituation” halte ich für eine reine Frechheit.

@ hofmann

die umkehr der minderheitensituation hat nichts mit zentralstaat oder bundesstaat zu tun, sondern damit, dass beide sich als nationalstaaten definieren. daher wäre es sehr wohl eine umkehrung der minderheitensituation, da die italiener dann als minderheit in österreich anerkannt wären. fakt ist aber auch, dass es in österreich keine minderheit gibt, die einen ähnlichen status genießt wie die deutsch- und ladinischsprachigen südtiroler.

Auch ein unabhängiger Staat Südtirol würde letztlich eine Umkehr für die Minderheitensituation bedeuten.
Die Ladiner bleiben immer Minderheit, außer sie gründen einen eigenen Staat.

Der springende Punkt ist »Minderheit in einem Nationalstaat«*, einem Staat, der sich wesentlich über die vorgebliche Einheit von Sprache und Kultur definiert. Eine Willensgemeinschaft, die alle Menschen, Sprachen und Kulturen Südtirols bewusst und bejahend einschließt, ist etwas völlig anderes.

*) also »nationale Minderheit« und nicht »zahlenmäßige Minderheit«

Ein unabhängiges Südtirol würde die Situation gegenüber einem traditionellen Nationalstaat in zweifacher Hinsicht fundamental verbessern:
1) Laut Verfassung wäre Südtirol ein Staat, der sich nicht über eine Nation (gleiche Sprache, gleiche Geschichte, wenn auch vielfach konstruiert) definiert. Italien oder Österreich machen dies.
2) Auch rein zahlenmäßig gäbe es einen fundamentalen Unterschied zu heute. Die italienischsprachigen SüdtirolerInnen wären 26% der Staatsbevölkerung. Die französischsprachigen Schweizer machen 21% der Schweizer Gesamtbevölkerung aus. Letztere würden sich nie als Minderheit fühlen, nicht mal die Tessiner (knappe 4% der Gesamtbevölkerung und italienischsprachig) fühlen sich innerhalb der Schweiz als Minderheit.
Wenn eine Staat sich nicht über eine Nation definiert und in der Verfassung einen mehrsprachigen Quellcode verankert, dann fühlen sich selbst kleine Sprachgemeinschaften nicht mehr als Minderheit. Dies gilt auch für die LadinerInnen in Südtirol. Ladinisch würde eine der drei Landessprachen sein. Diesbezüglich ein gutes Beispiel ist der Kanton Graubünden, wo übrigens dieselben Sprachen, wie bei uns gesprochen werden. Niemand fühlt sich dort als Minderheit, sondern als integraler Bestandteil des Kantons, der von vornherein die Mehrsprachigkeit verankert hat.

Kleine Ergänzung: Ein unabhängiges Südtirol nach BBD-Modell würde die Situation gegenüber einem traditionellen Nationalstaat in zweifacher Hinsicht fundamental verbessern.

;)

@ vinschger

Auch ein unabhängiger Staat Südtirol würde letztlich eine Umkehr für die Minderheitensituation bedeuten.
Die Ladiner bleiben immer Minderheit, außer sie gründen einen eigenen Staat.

bitte manifest und faq lesen!

das prinzip von mehrheit und minderheit gibt es ja nur, weil sich die staaten national definieren. es gibt tausende minderheiten in jedem land: die blonden, die männer, die linkshänder usw. alles meist kein problem, da diese merkmale nicht legitimationsgrundlage der staaten sind. ziel von bbd ist es ja, kein national sondern ein territorial definiertes unabhängiges südtirol zu schaffen. und somit wären die ladiner keine minderheit im nationalen sinne sondern einfach eine zahlenmäßige minderheit wie die linkshänder, die blonden usw.
eine umkehrung der situation gibt es nur, wenn ich das merkmal “ethnie” oder “nation” weiterhin als ein an gewisse gesetzmäßigkeiten gekoppeltes wahrnehme (stichwort: proporz). das ist jedoch nicht das ziel von bbd – im gegensatz zu stf oder den freiheitlichen, die – wie von vielen behauptet – ein ähnliches ziel wie bbd verfolgen.

@ hoffmann
ich denke, dass ich als staatsbürger des besagten landes meinen senf dazugeben darf.
die im staatsvertrag von 1955 festgeschriebenen regelungen zum minderheitenschutz sind für heutige verhältnisse nicht sehr progressiv. dennoch sind sie nach wie vor zum teil nicht umgesetzt. das problem ist also nicht, dass es keinen minderheitenschutz gäbe. er wird nur seit bald 70 jahren (!!!) nicht gesetzeskonform angewandt, denn der staatsvertrag steht im verfassungsrang. sogar urteile des verfassungsgerichtshofes wurden über jahre hinweg ignoriert. von florierenden minderheiten in österreich kann nicht wirklich die rede sein.

La legge della Svp porterà  a una pulizia etnica come quella di Tolomei.

Donato Seppi, Landtagsabgeordneter, laut heutiger Ausgabe des A. Adige.

Nicht schlecht für jemanden, der am 4. November regelmäßig einen Kranz vor Tolomeis Grab niederlegt.

Ich frage mich, wie sich dieses neue Gesetz (das ich nebenbei bemerkt auch nicht unterstütze) mit den bestehen Gesetzen?
Wir erinnern uns zurück: bei der Abschaffung vieler Gesetze und Dekrete aus der Faschisten-Zeit hat Rom damals die Gesetze zu den Ortsnamen (der berüchtigte Prontuario) explizit ausgeklammert und belassen. Somit sind diese bis heute gültig, oder täusche ich mich da?

Ungeheuerlich mit welcher Leichtigkeit Begriffe, wie “ethnische Säuberung” in den Mund genommen werden. Dass die Herrschaften, die diesen Begriff nun in Südtirol im Zusammenhang mit dem Toponomastikgesetz aufgreifen, ganz besondere politische Positionen vertreten, macht die Sache unerträglich.

für eine Volksabstimmung zur Wiedervereinigung mit Österreich in einem eigenen Bundesland Süd-Tirol.

Welch ein Unsinn! Ein eigens Bundesland Südtirol wäre absurd und würde nur auf Ablehnung stoßen. Ein zehntes Bundesland mit allen nur erdenklichen Sonderregelungen etc. dafür würde niemand in Österreich Verständnis aufbringen.
99% und mehr Nordtiroler würden niemals Italien Österreich vorziehen. (Alleine schon der Gedanke ist absurd)
Hingegen sind nicht wenige Südtiroler (wahrscheinlich sogar die Mehrheit) mit Italien ganz zufrieden und wollen vielleicht ein wenig mehr Autonomie, ansonsten soll alles so bleiben wie es ist, solange Italien nicht pleite geht.
Wenn alle so froh und glücklich sind, warum dann etwas ändern?
PS: Italien als Gründungsmitglied der EU wird NIEMALS pleite gehen, denn das würde ganz automatisch das Ende der EU bedeuten. Und um das zu verhindern, würde Fr. Merkel und Co alles tun…

Du solltest dich entscheiden: Sind »alle froh und glücklich« oder sind »nicht wenige Südtiroler (wahrscheinlich sogar die Mehrheit) mit Italien ganz zufrieden«? Aus BBD-Sicht gibt es jedenfalls eine eindeutige Antwort auf deine Frage »warum dann etwas ändern?«

Zum Beispiel hier. Und hier.

Lieber @pervasion!
SIE und ihre (linksliberale) Freunde sollten sich endlich entscheiden, was ihr eigentlich wollt!
Nur diskutieren über die allseits bekannten aber geduldeten Missstände in ST,
Selbstbestimmung oder mehr Autonomie,
oder Freistaat (unabhängige Republik ST)
Ich kann das leider aus ihren Kommentaren nirgendwo herauslesen!
Liebe Grüße nach ST

BBD hat diesbezüglich eine sehr klare, wenngleich nicht plakative Linie — so wie die Realität eben nicht plakativ, sondern sehr komplex ist. Lies dir doch einfach mal in Ruhe das Manifest und die FAQ durch.

Ein Blick in’s Glossar würde vielleicht auch nicht schaden, denn die unabhängige Republik (ein Ziel) und die Selbstbestimmung (ein Procedere) schließen einander nicht aus.

@ Hans

Danke für das “linksliberal”, normalerweise wird man, wenn man hier mitkommentiert, gleich als rechter Tirolpatriot abgestempelt! Da tut so ein “linksliberal” ja mal richtig gut, obwohl, . . . . . . . . . . . . ist das eigentlich ein Kompliment oder eine Beledigung??

@ pervasion
könnte man nicht irgendwie einrichten, dass man nur etwas posten kann, nachdem man das manifest und die faq gelesen hat. :-) was da in letzter zeit daherkommt ist mitunter recht mühsam.

@ hans
ich versteh dich nicht ganz. punkt eins des bbd-manifests, auf dessen grundlage wir hier diskutieren, lautet:

Südtirol ist ein Land mit Anspruch auf Unabhängigkeit, sobald es die Mehrheit der Südtiroler aller Sprachgruppen wünscht.

punkt drei lautet:

Aus der politischen Überzeugung heraus, dass der heutige juristische und institutionelle Rahmen als autonome Provinz:

(a) der besonderen Situation Südtirols und seiner angereiften Realität als mehrsprachiges Land nicht mehr gerecht wird;
(b) keine angemessene Grundlage für die künftige kulturelle, soziale, wirtschaftliche und wissenschaftliche Entfaltung Südtirols mehr darstellt;
(c) keine den speziellen Erfordernissen entsprechende, vor Ort entwickelte Politik zulässt, sondern
(d) erstarrende Konflikte fördert und aufrecht erhält;

macht sich die Plattform für Selbstbestimmung (fortan: Plattform) für die Erlangung der Unabhängigkeit in basisdemokratischer Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes stark.

was genau an diesen sätzen ist dir nicht klar oder zu unpräzise, dann erklär ich dir’s gegebenenfalls?

könnte man nicht irgendwie einrichten, dass man nur etwas posten kann, nachdem man das manifest und die faq gelesen hat.

Es wäre nicht die schlechteste Idee… aber man wirft uns ja so schon vor, zu elitär zu sein (wobei man uns natürlich auch das genaue Gegenteil vorwirft). ;-)

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