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Der Antiladiner-Landesrat.

Nach dem Referendum über die Wiedervereinigung Ladiniens hatte sich Landesrat Florian Mussner gegen den breiten und demokratischen Mehrheitswillen der dortigen Bevölkerung für einen Verbleib der ladinischen Gemeinden Anpezo, Col und Fodom bei Venetien ausgesprochen, wo sie keine Schutzrechte genießen. Damit widersprach er selbst Landeshauptmann Luis Durnwalder, der sich mehrfach für den Anschluss dieser alten Tiroler Gemeinden an Südtirol ausgesprochen hatte.

Jetzt zeigt der ladinische Landesrat einmal mehr sein wahres Gesicht: Kurz nachdem das einzige gesamtladinische Blatt Usc di Ladins vom Österreichischen Journalisten Club mit dem renommierte Claus-Gatterer-Preis für sozial engagierten Journalismus ausgezeichnet wurde, ließ Mussner im heutigen TAZ-Interview wissen, eines von zwei Usc-Abonnements, welche sein Ressort besitzt, werde »aus Spargründen« aufgekündigt. Der ladinische Landesrat spart bei der kleinen ladinischen Wochenzeitung ein paar Dutzend Euro ein. Damit nicht genug, erhob er sich zum Richter über Gut und Böse und bezeichnete das Wochenblatt als extremistische Talibanpostille, die sich den Claus-Gatterer-Preis gar nicht verdient habe.

Noch nie hat man aus der Landesregierung solche Töne zum Beispiel über die Tageszeitung A. Adige vernommen, die in vielen Fällen bewusst und aktiv den gesellschaftlichen Frieden unterminiert — schon gar nicht von einem italienischen Landesrat. Bei der kleinsten Minderheit im Lande traut man sich jedoch sogar, mangelnde Loyalität zu bestrafen, weil die Regierungspartei offensichtlich mit Kritik nicht umgehen kann. Das ist eine Bedrohung der Meinungs- und Pressefreiheit.

Nach diesem beschämenden, undiplomatischen Fehltritt, der eine Brüskierung des Österreichischen Journalisten Clubs bedeutet, dürfte wohl auch dem letzten Südtiroler klar sein, dass Florian Mussner als Kultur- und Ladiner-Landesrat eine totale Fehlbesetzung ist.

Siehe auch:
Cultura Medien Politik | | Florian Mussner | AA TAZ Usc di Ladins | Ladinia Souramont | SVP |

20 replies on “Der Antiladiner-Landesrat.”

Das sog. Standardladinisch ist unter den Ladinern selbst sehr umstritten. Das konnte ich in meinem Bekanntenkreis selbst feststellen. Da ist Landesrat Mussner nicht der einzige Gegner.
Ansonsten stimme ich dir zu. Auch der SVP- Ladina geht es nur um Eigeninteressen und nicht um das Allgemeinwohl. Das ist halt so bei Parteien, die Jahrzehntelang alleine herrschen. Da fehlt einfach die Bodenhaftung.

die festlegung von sprachstandards geschah in der vergangenheit völlig willkürlich durch eine kleine elite. dies war wohl aufgrund der hohen analphabetenrate möglich, die zu der zeit vor einigen jahrhunderten herrschte, zu der die meisten sprachen europas verschriftlicht bzw. standardisiert wurden.
ich kann die probleme zur einigung auf eine schriftsprache für die ladiner nachvollziehen. man stelle sich vor, die deutschsprechenden müssten sich heute darauf einigen, was standard ist. ein nahezu unmögliches unterfangen.

Das stimmt schon. Es ist verständlich, dass sich die Ladiner nicht leichttun, sich auf eine Schriftsprache zu einigen. Der Landesrat aber hätte die Aufgabe zu informieren, zu koordinieren und zu vermitteln — und nicht, die Notwendigkeit einer Schriftsprache zu leugnen und deren Einführung zu behindern. Das, was die Rätoromanen und Sarden, die Basken und Galicier, die Bretonen und Okzitanen geschafft haben, weil sie wissen, dass es ohne eine gemeinsame Sprache keine vollständige Amtlichkeit und auch kein dauerhaftes Überleben gibt, sollten auch die Ladiner schaffen. Und der zuständige Landesrat ist dafür eben (gemeinsam mit anderen)… zuständig.

Das Institut Ladin Micurà  de Rü und die Union Generela di Ladins (einschließlich ihrer Zeitung, der Usc di Ladins) sind sich der Notwendigkeit der Schriftsprache bewusst und benutzen sie meines Wissens auch. Nur das Land weigert sich bislang beharrlich, sie einzuführen.

Schon klar. Ich würde vorschlagen, 2013 bestimmst einfach du alleine wer Regierungspartei wird. Dann haben wir zwar keine demokratisch legitimierte Regierungspartei mehr, aber in deinen Augen auch keine Fehlbesetzung mehr und das ist ja schließlich das wichtigste.

Ko nennt die Regierungspartei eine Fehlbesetzung. Für die Besetzung des Landtages fühl ich mich aber als Wähler verantwortlich. Insofern wird hier nicht die SVP mit Füßen getreten, sondern jeder Wähler. Eine Wahl ist auch eine Form der freien Meinungsäußerung. Freie Meinungsäußerung ist ein Recht, das ko nicht für sich selbst in Anspruch nehmen und anderen abstreiten kann.

Ich habe ko’s Kommentar gelesen und 12 Daumen nach oben und 0 nach unten gesehen und da hab ich mir gedacht so kannste das nicht stehen lassen. Es sind derartige Phrasen, welche auch Parteien gerne in den Mund nehmen, ohne zu bedenken, dass solche Äußerungen zutiefst undemokratisch sind und eine Verachtung des Wählers/der Meinungsfreiheit darstellen. Und dann wundert man sich über Demokratieverdrossenheit Demokratiefaulheit.

Wir sind das Volk und uns obliegt alle demokratische Macht. Das Problem ist, dass die meisten das gar nicht wissen und ko’s Kommentar trägt zu eben dieser Unmündigkeit bei. Wenn wir es wollen ändern wir die Verfassung (2001), wenn wir es wollen wird in Italien kein Atomkraftwerk gebaut (2011), wenn wir es wollen wird die Wasserversorgung nicht privatisiert(2011), wenn wir es wollen wird die Immunität des Ministerpräsidenten teilweise aufgehoben (2011) , … und da machen wir uns Sorgen wegen einem H&M in Bozen… wenn wir es wollen sieht der Laden keinen Cent.

Die Meinungsfreiheit umfasst auch, dass ich den Wählerwillen kritisieren darf. Ein eklatantes Beispiel wäre Berlusconi: Ich werde Berlusconi stets für eine Fehlbesetzung halten, ganz egal, wie oft ihn die Italiener noch wählen. Etwas anderes wäre es, wenn ich die Rechtmäßigkeit seiner Wahl in Frage stellen würde.

Auch bei H&M bin ich nicht deiner Meinung: Referenda sind demokratisch und bei demokratischen Entscheiden bestimmt die Mehrheit. H&M reicht aber, dass eine kleine Minderheit am Sonntag einkaufen geht, um die Sonntagsöffnung zu rechtfertigen und beizubehalten.

Keine Sorge m. Gruber, 2013 wird das alles sehr demokratisch ablaufen. Die Südtiroler sind viel kritischer geworden. Nach all den Skandalen und vor allem den Beeinflussungen seitens der Regierungspartei bei den Volksabstimmungen wird die SVP sehr viele Stimmen verlieren. Die immer hochgelobte Autonomie wird täglich beschnitten, was hat die Volkspartei dann noch als Argument? „iaz miassmer erscht recht zommholtn gegn die Walschn“ sowas zog schon 2008 nicht mehr richtig und 2013 hilfts erst recht nicht mehr!
Seit 2008 hat es sich ganz einfach herausgestellt dass wir den Falschen die Macht in die Hände gegeben haben. Das ist keine Beleidigung der SVP Wähler wie du es mir glauben machen willst.
Zeiten ändern sich, Meinungen auch und wer vor der Wahl große Töne spuckt und dann bei jeder Verhandlung oder Sitzung den Schwanz einzieht ist eine Fehlbesetzung!

man kann mit der SVP nicht einverstanden sein, aber es ist schon so – wie m.gruber richtigerweise bemerkt – dass diese partei bei den wahlen mit großem abstand die mehrheit errungen hat.

Hmmm… man darf aber doch schon seinen Dissens — auch in Bezug auf ein demokratisches Mehrheitsvotum — zum Ausdruck bringen? Es hat ja niemand gesagt, dass die SVP unrechtmäßig an der Macht ist…

Bedenklicher finde ich es, wenn es immer wieder heißt, Südtirol sei undemokratisch.

Es ist ja doch ein Unterschied, ob man ein Feststellung macht

Die ganze SVP ist eine Fehlbesetzung als Regierungspartei!

, an der es kein wenn und aber gibt,
oder ob man seine Meinung vertritt

Ich werde Berlusconi stets für eine Fehlbesetzung halten,

.
Merkt jemand den Unterschied??

Jo, natürlich hinter, anders gesagt „im Schatten“ !!!

Arme Ladiner, schon schwierig mit der Ziege im Krautkopfacker leben zu müssen !

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