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Schottland: Demokratie gewinnt.

Die Regierungen von Vereinigtem Königreich (UK) und Schottland haben gemeinsam den Grundstein dafür gelegt, dass die schottische Unabhängigkeitsfrage eine Frage der besseren Argumente und des demokratischen Willens wird — und nicht eine juristische Frage, ob Schottland denn das Recht hat, ein Referendum darüber durchzuführen. Der britische Premierminister David Cameron — der sehr klar gesagt hat, dass er die Schotten vom Verbleib im Vereinigten Königsreich überzeugen will — hat sämtliche verfassungsrechtlichen Hindernisse aus dem Weg geräumt, damit die Befragung stattfinden kann. Die schottische Bevölkerung habe bei den letzten Wahlen mehrheitlich eine Partei gewählt, die sich für die Unabhängigkeit stark macht, deshalb sei es eine Frage des Respekts, das Referendum zu ermöglichen. Ganz egal, wie sich die Schottinnen entscheiden werden, ein Sieger steht bereits heute fest: Die Demokratie.


http://www.youtube.com/watch?v=3gKqdCqbClo

Die britische Fairness ist eines der stärksten Argumente für gegenseitiges Vertrauen, und somit wohl auch nicht die schlechteste Voraussetzung für den Fortbestand der Union.

Siehe auch:

Democrazia Politik Selbstbestimmung | Good News Indyref1 | Alex Salmond David Cameron | | Scotland-Alba United Kingdom | SNP | Deutsch

26 replies on “Schottland: Demokratie gewinnt.”

Insert random highly ranked SVP-Member: “Aber Italien würde uns nie gehen lassen, […]”

Aber natürlich, Glückwunsch an die Schotten!

Auch ich finde das Verhalten des Vereinigten Königreichs bemerkenswert, man kann aber nicht daraus auf das Verhalten Italiens schliessen, da ganz andere Vorzeichen.

Die schottische Bevölkerung habe bei den letzten Wahlen mehrheitlich eine Partei gewählt, die sich für die Unabhängigkeit stark macht, deshalb sei es eine Frage des Respekts, das Referendum zu ermöglichen.

Es trifft bei uns nicht zu, dass die Südtiroler Bevölkerung mehrheitlich eine Partei wählt, die sich für die Abhängigkeit stark macht, obwohl es diese Optionen ja geben würde.
Somit sind die Voraussetzungen für eine Vergleich GB-I einfach nicht gegeben, da kann man schreiben, was man will.

Sobald in Südtirol eine Partei, die sich für die Unabhängigkeit stark macht, eine Mehrheit errreicht, egal ob FH, STF oder umgepolte SVP, kann man über die möglichen Reaktionen Italiens dazu diskutieren.

a) Habe ich irgendwo einen Vergleich zwischen GB und Italien gezogen? Der Vergleich ist latent und drängt sich dem Leser auf, weil hierzulande desöfteren mit Verweis auf die Rechtslage behauptet wird, auch bei vorhandenem Mehrheitswillen sei die Unabhängigkeit nicht möglich.

b) Dein Lapsus bzgl. Partei, die sich für die Abhängigkeit (sic) starkmacht ist gut. Im Prinzip wählen die Südtiroler ja eine Partei, welche die Selbstbestimmung im Programm hat — ihre Ausübung aber mit Verweis auf die in Punkt a) genannte Lage ablehnt.

c) Ein exzellenter Vergleich (zwischen Schottland und Katalonien, sollte aber in seinen Grundaussagen allgemeine Gültigkeit haben) ist im oben verlinkten FT-Kommentar enthalten. Übrigens haben auch die Katalanen bislang nicht mehrheitlich für Parteien gestimmt, die die Unabhängigkeit befürworte(te)n. Das ist wohl auch keine conditio sine qua non.

d) Während umstritten ist, ob die Südtiroler (es sind alle Südtiroler gemeint, muss man ja anscheinend dazusagen) mehrheitlich die Loslösung von Italien wünschen, scheint Umfragen zufolge klar, dass sie (groß-)mehrheitlich eine Abstimmung wünschen.

a) Nein

b) ich schrieb, wer sich ” für die Unabhängigkeit stark macht”, und nicht wer was in einem Parteiprogramm stehen hat.

c) Da hast du zwar recht, ändert aber nichts an der Tatsache, dass bei uns weniger als eine Viertel der Bevölkerung solche Parteien wählt.

d) Wenn dem so wäre, warum wählen dann 50% die SVP, bei der die Menschen ganz genau wissen, dass es nie zu so einer Abstimmung kommen wird?
Und hier hast du den nächsten Punkt angesprochen, “alle Südtiroler”!!
Ich frage dich einfach mal ganz ungeniert, da mein Wissen darüber doch sehr beschränkt ist: Gibt es in Katalonien und Schottland auch sprachliche und/oder kulturelle Minderheiten? Und wenn ja, müsste sich eine Mehrheit jeder dieser Minderheiten für die mögliche Selbstbestimmung aussprechen, oder würde eine normale absolute Mehrheit aller Stimmen genügen? Ich stelle diese Frage deshalb, weil es ja anscheinend bei uns so sein müsste, oder?

Wenn dem so wäre, warum wählen dann 50% die SVP, bei der die Menschen ganz genau wissen, dass es nie zu so einer Abstimmung kommen wird?

Ich selbst wähle keine Parteien, die sich für die Unabhängigkeit einsetzen, obwohl ich sie ganz eindeutig will. Das hat damit zu tun, dass mich deren exklusivistisches Modell nicht anspricht.

Darüberhinaus wählen Menschen eine Partei ja nicht wegen eines Programmpunkts. Sprich: Ein toleranter, offener Mensch wählt die xenophobistischen Freiheitlichen nicht nur, weil sie die Loslösung von Italien propagieren.

In Schottland haben umgekehrt viele Leute die SNP gewählt, obwohl sie keine Loslösung von GB wünschen.

Gibt es in Katalonien und Schottland auch sprachliche und/oder kulturelle Minderheiten?

In beiden Ländern gibt es Sprachminderheiten (aber auch religiöse, politische, soziale… Minderheiten): In Katalonien die Kastilier und Okzitanen, in Schottland die Gaelic- und Scots-Sprechenden. In beiden Ländern war aber nie davon die Rede, dass sich auch diese Minderheiten mehrheitlich (und gesondert) für die Unabhängigkeit aussprechen müssen, weil sie erstens im unabhängigen Katalonien und Schottland anteilsmäßig größer wären, als in der jetzigen Situation und weil beide Unabhängigkeitsprojekte inklusivistisch sind. Sprich: Es ist in beiden Ländern Konsens, dass sich die Situation der Minderheitensprachen nicht verschlechtern, sondern eher verbessern würde.

Somit sind die Voraussetzungen für eine Vergleich GB-I einfach nicht gegeben, da kann man schreiben, was man will.

Wie pervasion schon gesagt hat, wurde im Artikel Italien nicht erwähnt, auch wenn der Gedankengang naheliegt. Trotzdem ist es interessant einige Aspekte zwischen GB und Spanien zu vergleichen. In beiden Ländern gibt es die derzeit wohl fortgeschrittensten Unabhängigkeitsbestrebungen innerhalb der EU. Beide Staaten reagieren völlig anders auf diese Forderungen. Während GB demokratiepolitisch vorbildhaft den Weg für eine Abstimmung ebnet und sich nicht hinter irgendwelchen juristischen Aspekten verschanzt, sieht die Angelegenheit in Spanien anders aus. Madrid versucht eine evtl. Unabhängigkeit Kataloniens wahrscheinlich mit allen möglichen juristischen Mitteln zu unterbinden.

Unabhängig davon ob eine Region die Unabhängigkeit offiziell fordert oder nicht, wird die Diskussion darüber ganz stark von den Reaktionen des entsprechenden Zentralstaates bestimmt.
Wenn vorwiegend juristische Hindernisse in die Waagschale geworfen werden, wird eine inhaltliche Diskussion verhindert oder erschwert – genau dies dürfte das Ziel der meisten Zentralstaaten sein. In Schottland kann nun über die Inhalte der Unabhängigkeit diskutiert werden, ein qualitativer Quantensprung und demokratiepolitisch ein Reifezeugnis für London.

In beiden Ländern gibt es Sprachminderheiten (aber auch religiöse, politische, soziale… Minderheiten): In Katalonien die Kastilier und Okzitanen, in Schottland die Gaelic- und Scots-Sprechenden. In beiden Ländern war aber nie davon die Rede, dass sich auch diese Minderheiten mehrheitlich (und gesondert) für die Unabhängigkeit aussprechen müssen,

Ich habe die Frage falsch gestellt:

Muss in Katalonien die Mehrheit der dort lebenden Spanier, bei einem wie immer gearteten Referendum, mit der Unabhängigkeit einverstanden sein?
Muss in Schottland die Mehrheit der dort lebenden Engländer, bei einem wie immer gearteten Referendum, mit der Unabhängigkeit einverstanden sein?

Das ist eigentlich meine Frage, denn bei uns hier scheint es so zu sein.

Darüberhinaus wählen Menschen eine Partei ja nicht wegen eines Programmpunkts. Sprich: Ein toleranter, offener Mensch wählt die xenophobistischen Freiheitlichen nicht nur, weil sie die Loslösung von Italien propagieren.

Da müsste dann doch ein Riesenpotential abrufbar sein!
Wenn über 50% der Südtiroler für die Selbstbestimmung sein sollten, und über die Hälfte dieser 50% keine für sie passende Partei finden, ………….! Mehr will ich gar nicht dazu sagen.

Muss in Katalonien die Mehrheit der dort lebenden Spanier, bei einem wie immer gearteten Referendum, mit der Unabhängigkeit einverstanden sein?
Muss in Schottland die Mehrheit der dort lebenden Engländer, bei einem wie immer gearteten Referendum, mit der Unabhängigkeit einverstanden sein?

Ich hatte deine Frage schon richtig verstanden. Und meine Antwort war: Nein.

Davon war dort nie die Rede, auch weil die dortigen Unabhängigkeitsprojekte sehr inklusivistisch ausgelegt sind.

Da müsste dann doch ein Riesenpotential abrufbar sein!
Wenn über 50% der Südtiroler für die Selbstbestimmung sein sollten, und über die Hälfte dieser 50% keine für sie passende Partei finden, ………….! Mehr will ich gar nicht dazu sagen.

Riesenpotential? Du meinst für neue Parteien? Ich bin anderer Meinung, nämlich weil Parteiprogramme niemals nur auf einen Aspekt (in diesem Fall die Selbstbestimmung) reduziert werden können.

Wenn Partei A den Programmpunkt X vertritt und diese Partei A 51% der Stimmen erhält, heißt das noch lange nicht, dass all diese Wähler den Programmpunkt X teilen. Vielleicht haben sie Partei A nicht wegen, sondern trotz des Programmpunkts X gewählt und ihnen war Programmpunkt Y viel wichtiger.

Deshalb muss eine solche Frage im Idealfall immer in einem Referendum und nicht in einer Landtagswahl entschieden werden.

Ich hatte deine Frage schon richtig verstanden. Und meine Antwort war: Nein.

Und warum ist das hier bei uns so verschieden?

Deshalb muss eine solche Frage im Idealfall immer in einem Referendum und nicht in einer Landtagswahl entschieden werden.

Da hast du vollkommen Recht, würde aber alles viel leichter fallen, wenn eine Mehrheit im Landtag auch dieser Meinung wäre, oder?

Und warum ist das hier bei uns so verschieden?

Weil unsere Gesellschaft derzeit (aufgrund dieser Autonomie) so ethnozentrisch ausgerichtet ist.

Da hast du vollkommen Recht, würde aber alles viel leichter fallen, wenn eine Mehrheit im Landtag auch dieser Meinung wäre, oder?

Selbstverständlich. Aber es ist, wie ich weiter oben geschrieben habe, keine conditio sine qua non. In Katalonien gab es bislang keine Parlamentsmehrheit (!) für die Unabhängigkeit. Erst bei den nächsten Wahlen (am 25.11.) wird ein derartiges Ergebnis erwartet, da auch die derzeit regierende CiU mit einem Unabhängigkeitsprogramm antreten will.

Ich war lange ein treuer Wähler der Grünen, werde nächstes Mal aber eine Partei wählen die die Volksabstimmung will. Welche? Da bin ich mir noch nicht sicher. Gut wäre es hier rechtzeitig vor der Wahl einen Parteiencheck zu machen. ;)
Sobald wir die Volksabstimmung bekommen werde ich vermutlich wieder die Grünen wählen.
Schon mein Vater hat gesagt: Man kann nur das kleinste Übel wählen wenn nichts Besseres da ist.
Nicht wählen ist eine schlechte Entscheidung denn das hilft am Ende doch nur den Falschen.

Nicht wählen ist eine schlechte Entscheidung denn das hilft am Ende doch nur den Falschen.

Da gebe ich Hermann absolut recht! Nicht wählen heißt wählen, dass alles so bleibt und die Demokratie lässt grüßen! Lieber wähle ich eine Partei die für die Loslösung Südtirols von Italien ist und diesen Standpunkt auch am deutlichsten von allen Parteien vertritt, als gar keine! Ohne politische Kraft gehts nicht!

Der katalanische Präsident Artur Mas hat dem britischen Premierminister David Cameron am gestrigen Dienstag einen Brief geschickt, in dem er ihm zum Abkommen mit dem schottischen Premier Alex Salmond gratuliert. Mas schreibt darin, er teile mit Cameron »die Idee, dass die Bevölkerung das Recht haben muss, sich über ihre Zukunft frei und demokratisch zu äußern« und beglückwünscht ihn dafür, dass er die Politik »in den Dienst des Wählerwillens« gestellt hat. »Ich gratuliere Ihnen, weil Sie dem Wählerwillen großen Respekt entgegengebracht haben«.

Mas schreibt weiter, er halte das Abkommen zwischen London und Edinburgh für »historisch« und sei überzeugt, dass es ein »internationales Vorbild« sein werde. »Die Gesetze und die Politik müssen sich den Wählern stellen und ihnen den Weg ebnen, damit sie ihre Ideen und Zukunftspläne frei zum Ausdruck bringen können«, argumentiert Mas.

(Quelle: Ara.cat)

Mas glaubt also anders als viele Politiker hier in Südtirol, dass Schottland sehr wohl ein Beispiel für andere europäische Regionen sein wird. Sein Brief, seine Gratulation, steht im krassen Widerspruch zum beschämenden Votum des Südtiroler Landtags.

Es wird interessant? Sosehr es mich auch freut, dass der Autor wenigstens den schottischen Unabhängigkeitsbestrebungen etwas Positives abgewinnen kann, ich finde den Artikel von einer himmelschreienden Oberflächlichkeit.

Immer selbstbewusster streben viele Regionen die Autonomie an und hintertreiben die Einigungstendenzen der EU.

Wer sagt denn das? Keines der beschriebenen Gebiete (Schottland, Flandern, Baskenland, Südtirol, Katalonien) möchte sich aus der EU verabschieden. Zwei Fragen: Sind die bestehenden Nationalstaaten bessere Mitglieder im Club der Nationen, der die EU bis jetzt ja ist, als etwaige neue? Sind wir sicher, dass ein kleinteiligeres Europa der Einigung stärker entgegenwirkt, als das Europa der großen Staaten? Ich würde das Gegenteil behaupten: Kleinere Gebilde haben ein größeres Interesse, eine starke Union zu haben, während die heutigen Staaten an die Grenzen des Einigungswillens gelangt zu sein scheinen. Übrigens war das Europa der 12 Mitgliedsländer wesentlich stärker von den Staaten abhängig, als das heutige Europa der 27. Besteht es irgendwann aus Dutzenden Regionen, ist es endgültig unrealistisch, dass das Veto einer einzigen Regierung reicht, um Entscheidungen zu blockieren. Spätestens dann wird eine radikale Demokratisierung Europas unausweichlich.

Partikularismus gilt als ein gefährlicher Wunsch, dessen Erfüllung leicht die Schleusen öffnen könnte, durch die Europa wieder mit dem Unrat von Ressentiment und Bruderhass überschwemmt werden könnte.

Kann man die Bestrebungen in den genannten Regionen wirklich so einfach als Partikularismus abtun? Geht es nicht vielmehr um Eigenverantwortung und Subsidiarität im Rahmen der EU? Warum verkörpern kleine Staaten Partikularismus, während das große, »national« geprägte angeblich nicht tun? Und waren Ressentiment und Bruderhass im 20. Jahrhundert nicht gerade von den noch heute existierenden, im Artikel verteidigten Nationalstaaten ausgegangen?

In Spanien begehren Katalanen auf, auch hier ein Wohlstandsseparatismus – ein spanischer EU-Parlamentarier, immerhin Mitglied der Europäischen Volkspartei, der auch CDU und CSU angehören, hat kürzlich eine Volksabstimmung über eine Selbstständigkeit Kataloniens gefordert.

Der katalanische Separatismus ist mindestens genauso inklusivistisch, wie der schottische, dem der Autor ja Positives abgewinnt. Dem Argument des Wohlstandsseparatismus wurde bei Telepolis auf überzeugende Weise entgegengetreten — es greife zu kurz. Wer den Wunsch nach Eigenstaatlichkeit äußert, dem droht in jedem Fall die wirtschaftliche Keule: Ist die Region arm, wird argumentiert, sie könne sich die Unabhängigkeit nicht leisten, ist sie reich, blüht ihr das Egoismus-Argument. Muss man neuerdings arm sein, um glaubwürdig für mehr Eigenverantwortung einzustehen? Nochmal: Katalonien, Baskenland, Flandern, Südtirol streben keinen EU-Austritt an, sie sind also nach wie vor bereit, sowohl zur Einigung als auch zur wirtschaftlichen Umverteilung beizutragen.

Und auch in Südtirol regt sich vor dem Hintergrund der Turbulenzen in der EU das “Weg von Italien” wieder, das vor Jahrzehnten herbeigebombt werden sollte. Lange Bemühungen, dem dortigen Separatismus den giftigen Zahn durch eine offensive Politik größerer regionaler Autonomie samt Zweisprachigkeit zu ziehen, schienen Erfolg gehabt zu haben.

Die Südtiroler Volkspartei hatte längst den Weg der antiitalienischen Konfrontation verlassen. Doch nun erschallt das Lied von der Abspaltung wieder, und es klingt garstig.

Leider trifft es zu, dass die Unabhängigkeit in Südtirol, anders als in Schottland und Katalonien, hauptsächlich von ausländerfeindlichen Rechten vertreten wird. Das tut unserem Image nicht gut und wird uns auch in der Sache nicht weiterbringen. Vielleicht verstehen das diese Parteien und Verbände endlich.

BBD predigt seit langem, Südtirol benötige ein inklusivistisches Modell. Dass sich dies aufgrund der ethnozentrischen Ausrichtung der Autonomie schwieriger gestaltet, als andernorts, ist klar. Andererseits sollte es denjenigen, die ein positives, zukunftsweisendes Unabhängigkeitsprojekt auf den Weg bringen wollen, umsomehr eine Verpflichtung sein, offensiv auf alle Südtiroler (ungeachtet ihrer Sprache, Herkunft, Hautfarbe und Religion) zuzugehen, um sie von ihren Ideen zu überzeugen.

Seit den kleinen Völkern Europas, nicht zuletzt Mittel- und Osteuropas, im 19. Jahrhundert erzählt worden ist, in nationaler Selbstständigkeit und ethnischer Reinheit läge das Heil, lauern in diesem Selbstbestimmungsstreben Gefahren. So kam es zu jenem Hauen und Stechen, das nach dem Ende des Ersten Weltkriegs durch den US-Präsidenten Woodrow Wilson noch ermutigt wurde.

Auch nach dem Ende des Kalten Krieges und des jugoslawischen Staates war es der gewalttätige Nationalismus, der für alle sichtbar den Balkan zurückgeworfen und um die Früchte der neuen Zeit gebracht hat.

Mit solchen Urteilen wäre ich sehr vorsichtig, nach meiner Auffassung handelt es sich um unzulässige Vereinfachungen. Wilsons Prinzipien waren auf den Trend der Zeit abgestimmt und hätten, wären sie denn konsequent angewandt worden, im Europa der Nationalstaaten einige Konflikte vermieden. Andererseits ist auch in diesem Falle unverständlich, warum die ethnische Reinheit der bestehenden Staaten weniger problematisch sein sollte, als jene der »kleinen Staaten«. Und vor allem sollte man besser zwischen ethnischen und inklusivistischen Projekten unterscheiden. Denn gerade die bestehenden Nationalstaaten sind im Globalisierungszeitalter konzeptionell am Ende und völlig überholt.

Genau am Balkan war es die Nichtanwendung von Wilsons Prinzipien, die dazu geführt hat, dass sich während Jahrzehnten Diktatur Ressentiments aufstauen konnten, die am Ende des Kalten Kriegs auch nicht demokratisch kanalisiert werden konnten. Dieses gefährliche Gemisch einer von oben oktroyierten, keineswegs freiwilligen Union und einer demokratischen Sackgasse (wie sie derzeit auch die Katalanen erleben) hat zu Gewalt und Krieg geführt.

Übrigens wurde auch in Südtirol zu einem Zeitpunkt gebombt, als der demokratische Weg aussichtslos erschien. Das sollte man nicht vergessen.

Das Schöne am schottischen Unabhängigkeitsbegehren: Es geht nicht (allenfalls am Rande) um Kilt, Dudelsack, Gälisch und Schlachten von anno dunnemals. Es geht nicht um Vergangenheit, sondern um Gegenwart und Zukunft. Die schottischen Nationalisten, wie sie genannt werden, sind gar keine Nationalisten.

Auch in Katalonien geht es um Gegenwart um Zukunft, was hier im Blog sehr oft thematisiert und veranschaulicht wurde. Warum jedoch das Gälische als Ausdruck von Mehrsprachigkeit und kultureller Vielfalt im Negativen genannt wird, ist völlig unverständlich. Die Katalanen wollen keinen national definierten katalanischen Staat und auch in Südtirol wäre klassischer Nationalismus undenkbar, wenngleich hier das Argument vom »deutschen Land« noch häufig zu hören ist — der Verzicht auf die eigene Sprache kann aber wohl genausowenig ein Kriterium für die Güte eines Unabhängigkeitsprojektes sein.

Es geht nicht um nationale Identität, sondern um Teilhabe, um Selbstbestimmung – was an Ort und Stelle getan werden kann, darum muss sich nicht London, darum muss sich nicht Brüssel kümmern.

Das ist eine Haltung, wie sie die Europäische Union braucht, die ihr aber fehlt. Subsidiarität ist in der EU eine Rest- und Schrumpfgröße, mächtig nur in den Worten zum Sonntag. Weil es leider so ist – brauchen wir die Schotten.

Wo der Autor hier einen Unterschied zu Katalonien und Südtirol sieht, ist völlig unverständlich.

[Einmal mehr wird jedoch klar, dass wir mit einem exklusivistischen Modell in Europa keine Chance haben werden.]

Luis Durnwalder behauptet natürlich, dass die Situation Schottlands eine ganz andere ist, als die Südtirols.

Interessant auch Durnwalders Begründung “dass Südtirol anders als Schottland nie ein eigenständiges Land gewesen sei”.
Aha, interessant. War Kosovo (vor 2008) jemals ein eigenständiges Land?

Stimmt, Südtirol ist nie ein eigenständiges Land gewesen. Wäre Durnwalder First Minister von Schottland, würde er wahrscheinlich sagen: Der grundlegende Unterschied ist, dass Südtirol seit weniger als 100 Jahren und nur in Folge eines Krieges bei Italien ist, weshalb es jetzt legitimerweise einen demokratischen Entscheid anstrebt. Wir Schotten sind hingegen schon seit 1707 bei Großbritannien und sprechen auch noch die gleiche Sprache, wie die restliche »Nation«. Wir, England und die anderen Bestandteile des Vereinigten Königsreichs sind gleichberechtigte Partner.

In der kurzen Pressemitteilung ist übrigens ein grober inhaltlicher Schnitzer enthalten:

2014 werden die wahlberechtigten Schotten über ihren Verbleib im Vereinigten Königreich abstimmen. Darauf haben sich die Vertreter der Krone mit dem schottischen Parlament geeinigt.

Die Krone ist daran nicht beteiligt, die Einigung fand zwischen der Zentralregierung in Westminster und der schottischen Regierung statt.

Auch der mächtige Springer-Verlag (”Bild”, ”Welt”) schreibt heute wieder über Schottland und Südtirol, es wird interessant.

L’articolo effettivamente è interessante, se non altro perché rappresenta un punto di vista tedesco sul separatismo sudtirolese visto nel quadro di quelli europei. E’ vero, pecca di superficialità , anche perché un articolo di giornale forse non dovrebbe spaziare su tutta l’Europa affrontando un argomento del genere (ci vorrebbe un saggio), però mette bene in evidenza l’elemento che accomunerebbe i separatismi altri rispetto a quello scozzese: il benessere. Infatti parla anche della Lega Nord, il cui unico motivo sostanziale e sostanzioso di essere è la difesa “egoistica” della ricchezza prodotta nel territorio. Questo vale anche per le Fiandre, a parte la ben più seria questione linguistica. E un po’ vale anche per la Catalogna, anche se qui intervengono tutti gli elementi positivi di cui parla pérvasion, e lo stesso dicasi del Sudtirolo. Quindi a ben guardare l’elemento discriminante tra separatismi “buoni” e “cattivi” non è tanto la ricchezza territoriale, ma le politiche inclusiviste o meno.

Nel senso, è anche legittimo cercare di difendersi da uno stato accentratore che drena ricchezza dalle varie regioni mediante una burocrazia che sa solo tassare senza dare in cambio servizi efficienti, bisogna vedere come si sa coinvolgere tutta la popolazione in questo.

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