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Der Weltuntergang laut Zeller.

Laut Tageszeitung Online hat Karl Zeller (SVP) auf den mit seiner Hilfe verschlimmbesserten freiheitlichen Verfassungsentwurf reagiert. Er sei zwar erfreut, dass einige der »eklatanten Fehler« der ersten Fassung behoben wurden. Allerdings hätten die Blauen das wichtigste Problem noch nicht gelöst: Obwohl er, Zeller, einen eigenen Staat befürworte, könne er dem Projekt nicht zustimmen, da Südtirol bei einer Loslösung von Italien aus der EU ausscheiden würde. Dies hätte laut Zeller jahrelange Beitrittsverhandlungen zur Folge, an deren Ende Südtirol möglicherweise finanziell ruiniert wäre.

Ob Zeller nur angibt, die Unabhängigkeit zu befürworten, um seinen Argumenten (nach dem Motto: »Es wäre ja wirklich schön, aber es geht leider wirklich nicht!«) besonderen Nachdruck zu verleihen oder ob er es wirklich ernst meint, sei dem Urteil des einzelnen überlassen. Hier sind jedenfalls einige Gegenargumente zu seinen Thesen:

  • Ob Katalonien, Schottland oder Südtirol aus der EU fliegen würden, wenn sie sich von ihren jeweiligen »Mutterstaaten« lösen, ist selbst unter Völkerrechtlern äußerst umstritten. Und die Beweislast liegt nicht ausschließlich bei den Unabhängigkeitsbefürwortern.
  • Selbstverständlich kann hierauf argumentiert werden, im Zweifelsfall sollte man besser bei Altbewährtem bleiben: Doch erstens gibt es auch für den Fortbestand Italiens bzw. der Autonomie keine Garantie und zweitens haben menschgemachte Entwicklungen (einschließlich der europäischen Einigung selbst) nie durch Festhalten an Altbewährtem, sondern durch Ausloten neuer Möglichkeiten stattgefunden. Es gilt also in jedem Fall abzuwägen und ggf. auch Risiken einzugehen, wenn sie von der Güte des möglichen Ziels gerechtfertigt werden. Die Entscheidung hierüber liegt beim Volk.
  • Den Präzedenzfall werden möglicherweise gar nicht wir Südtiroler, sondern andere Regionen proben, falls sich die dortigen Bürger für die Unabhängigkeit entscheiden.
  • Gewisse Entwicklungen gewinnen erst durch »Aktion« an Dynamik: Seit Schottland und Katalonien ganz konkret Schritte in Richtung Unabhängigkeit setzen, suchen auch Rechtsexperten nach Wegen und Lösungen. Unter diesem Gesichtspunkt sind Stillhalten und Abwarten die falsche Strategie.
  • Falls es tatsächlich zu einem vorübergehenden Ausscheiden aus der EU kommen sollte, werden im Falle Südtirols sowohl Italien, als auch die Union als Ganzes großes Interesse an einem raschen Wiedereintritt haben, da sonst der Brennerpass als wichtigste alpenquerende Verbindungsstrecke außerhalb der EU läge.
  • In keinem Fall müsste Südtirol hierbei auf den Euro verzichten.
  • Langjährige Beitrittsverhandlungen, wie von Zeller in Aussicht gestellt, sind Unsinn (und pure Angstmacherei): Solche Verhandlungen haben vor allem die rechtliche und wirtschaftliche Harmonisierung zum Ziel. Da Südtirol schon seit Jahrzehnten zur EU gehört und sämtliche Kriterien erfüllt, gibt es auch kaum zusätzlichen Harmonisierungsbedarf.
  • Eine reine Verzögerungstaktik zum Zwecke der »Bestrafung« wäre nicht nur gegen die Prinzipien und die Interessen der Union, sondern auch missbräuchlich.
  • Grenzbalken müsste Südtirol, anders als von Zeller behauptet, auch keine aufstellen. Jeder Staat kann selbst über seine Einreise- und Zollbestimmungen befinden und Südtirol hat bestimmt kein Interesse an irgendwelchen Schranken zur EU.
  • Selbst wenn Südtirol, was weder wünschenswert noch zu erwarten ist, längere Zeit außerhalb der EU (aber nicht außerhalb des Euroraumes) bliebe, erschließt sich nicht, warum uns das in den Ruin treiben sollte — während der Verbleib bei Italien, dessen Staatsverschuldung im letzten (Spar-)Jahr wieder drastisch angestiegen ist, als Sicherung unseres Fortbestandes dargestellt wird. Es gibt genügend (auch europäische) Staaten, die ohne EU-Mitgliedschaft überleben, obwohl deren Wirtschaft mitunter deutlich schwächer ist, als jene in Südtirol.

Medien Recht Selbstbestimmung Wirtschaft+Finanzen | | Karl Zeller | TAZ | Südtirol/o | EU Freiheitliche SVP | Deutsch

22 replies on “Der Weltuntergang laut Zeller.”

Zeller betreibt dumpfe Panikmache.

Sollte sich tatsächlich ein historisches Fenster öffnen und Südtirol frei werden, hätte das ganz gewiss nicht den finanziellen Ruin zur Folge, ganz im Gegenteil.
Die Wirtschaft würde aufblühen! Denn der ökonomische Hauptnachteil Südtirols liegt ja gerade bei seiner Zugehörigkeit zu Italien.

Falls die Südtiroler nicht sofort aus freien Stücken die Wiedervereinigung mit Österreich beschließen würde, wäre der neue Staat nicht Mitglied der EU.

Na und?

Deswegen können wir trotzdem Touristen empfangen.
Deswegen können wir trotzdem Äpfel verkaufen.
Deswegen können wir trotzdem unsere industriellen Erzeugnisse exportieren.

Und nicht vergessen: wir leben an einem geopolitisch bedeutsamen Standort, der Hauptverkehrsachse zwischen Italien und Deutschland. So schnell könnten wir gar nicht schauen und wir würden hofiert von den Italienern, auf dass wir bitte, bitte einen bilateralen Staatsvertrag abschließen, mit dem die wichtigsten Interessen einvernehmlich vereinbart werden. Mit Deutschland, Österreich und der Schweiz würden wir dasselbe tun und anschließend der Reihe nach mit den wichtigsten Handelspartnern.

Wir verlieren den Euro?

Nur wenn wir wollen. Wir entscheiden das nach eigenem Gutdünken. Entweder wir nutzen den Euro einfach als faktische Staatswährung. Oder den Schweizer Franken (wie die Liechtensteiner). Oder wir schaffen eine eigene Währung. Je nachdem, was uns am vorteilhaftesten erscheint.

Deine Bemerkungen stimme ich zu, nur blendest du die ganzen Förderprogramme der EU einfach aus. Was passiert mit den Förderungen der Bergbauern, Brennerbasistunnel ecc.. Also so ohne Konsequenzen wie du es beschreibst wäre ein Ausscheiden aus der EU nicht. Dennoch muss man für Ideale auch etwas wagen und wie ich in diesem Blog an anderer Stelle schon begründet habe wird sowohl Italien als auch die EU bestrebt sein ST in der EU zu halten. Wichtige Transitroute bzw. Einflussnahme auf ST nur durch Mitgliedschaft möglich. Also wenn die SVP nur noch dieses Argument als Hinderungsgrund für eine Sezession hat, kann die Ablehnung nicht mehr lange anhalten. Und ausserdem werden wir ja sehen was mit Schottland und auch die Katalanen sind leider schon weiter als wir, passieren wird. Spätestens dann wenn Schottland (Ölvorkommen) nach einer Sezession bei der EU bleibt werden die SVP Argumente wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. Wie übrigens schon mit der Behauptung, dass England nie einem Referendum zustimmen wird schon passiert ist. Eigentlich müsste die SVP nach solcher Erfahrung vorsichtiger mit geht nicht kann nicht wird nicht ecc. sein.

der grenzbalken hat auch nicht so viel mit der eu zu tun. dem schengener abkommen können auch nicht-eu-mitglieder beitreten. die schweiz und norwegen sind beispielsweise nicht bei der eu und dennoch bei schengen (haben also keine grenzkontrollen zu angrenzenden eu-ländern). während großbritannien und irland bei der eu sind, aber nicht bei schengen.

… Frage in die bbd-Runde und an die SVP, – warum nicht gleich mit den Zuständigkeiten einer “Vollautonomie” in Brüssel anklopfen?
– Nochmals: warum nicht “EUROPAREGION-Südtirol” ohne nationale Zugehörigkeit und seine Bewohner “Europäische Staatsbürger” ? !
Unser Land (Aut. Prov. BZ) mit seinem Bevölkerungsgefüge(+Fodom) weiterhin als überschaubares und bewährtes Gemeinwesen (dank der Autonomie), nun einmünden zu lassen in ein zukunftsorientiertes Europa aus eben Nationen UND Regionen und damit Schluss mit dem bei uns immer noch und immer wieder vernehmbaren “siamoinitalia” gewisser Mitbürger ! ?
Der “Begleiteffekt” könnte dann sein, dass man endlich beginnt zu hinterfragen, ob die EU-Mitgliedsstaaten mit ihren nationalen Egoismen und so in dieser Form für die Zukunft Europas im globalen Gefüge noch praktikabel sind ! ?

Somit hättest du die maximale europäische Willkür(Stichwort Lobbyismus), fast kein Mitspracherecht(das muss man dem Volk erst einmal schmackhaft machen) und keinen Vorteil gegenüber einem herkömmlichen Nationalstaat. Willst du eine Region mit vollkommener Autonomie etablieren, so handelt es sich um einen souveränen Staat, auch wenn er in äußeren Angelegenheiten und in Belangen der Landesverteidigung von anderen Staaten vertreten wird(z.B. Liechtenstein oder diverse pazifische Inseln). Eine vollkommene Autonomie ist SVP-Propaganda-Schwachsinn, der zur Verschleierung der eigenen Orientierungslosigkeit ersinnt wurde. Der Status einer europäischen Region, was immer das auch sein mag, wäre sicherlich ein Fortschritt gegenüber der absurden Gegenwärtigen Situation als Modellautonomie(no comment), aber wieso sollten sich die SüdtirolerInnen mit weniger zufriedengeben müssen, als ihnen zusteht??
-Weil wir mit der Unabhängigkeit instantan mit der Bestrafung der Italienischsprachigen beginnen würden?
…ich finde, dass so viele Südtiroler Ängste vor derartigem Revanchismus besitzen bestätigt, dass sie sich in unserer Modellautonomie unterdrückt fühlen oder andere als sich unterdrückt fühlend betrachten.
-Weil wir uns eine eigene Verwaltung nicht leisten können??
…also wenn sich jemand eine eigene Verwaltung leisten kann, dann wir! Wir wären weder der kleinste, noch der bevölkerungsärmste in der EU, dessen prozentual einkommensstärkstes Land(Luxemburg) viel kleiner und bevölkerungsärmer als ST ist.
-Weil die Wirtschaft zu Grunde gehen würde?
….Die Wirtschaft geht schon jetzt zu Grunde, Leitner hat letztens seine Forschungsabteilung nach Osttirol verlagert, weil es dort wohl weitaus günstigere Bedingungen gibt. Die Landesregierung investiert lieber in eine neue Umfahrungsstrasse als in forschungsintensive Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen um die sich alle anderen Staaten reißen.
-Weil wir keine Industrie besitzen?
…ist so nicht ganz richtig und vollkommen belanglos für einen modernen Staat, da Informationstechnologie und dergleichen viel lukrativer sind.
…Und hier noch als großes Finale der für mich gewichtigste Punkt:
–>Die Bildung in Südtirol eklatant schlecht ist …überholtes Schulmodell; Lehrer mit Verträgen wie aus Sovjet-Zeiten, die Sie selbst bei vollkommener Gleichgültigkeit zur Arbeit zwingen; absurde Lerninhalte(Informatik mit Excel, Geschichte ausschließlich nach deutschem Standpunkt ohne Österreich/Südtirol zu betrachten), fast 3 Monate durchgehend Ferien(In der Schweiz ca. 1 Monat bei ähnlich langer Gesamtschulzeit), angleichung aller Schultypen an ein schlechtes Mittel aufgrund verschiedener Bestimmungen und Einsparungen, Verlust der Aussagekraft eines Abschlusses aufgrund der teils willkürlichen Bewertungsmethoden(u.a. wegen der gesamtstaatlichen Vergleiche) und dem daraus resultierenden Motivationsverlust. Das selbe gilt für die UNI BZ, die teilweise Studiengänge mit absurd hohem Notenschnitt anbieten. An dieser Stelle muss Frau Kasslatter-Mur nochmals eigens genannt werden, da sie wenigstens teilweise für die oben genannten Zustände verantwortlich ist und nach eigener Erfahung lieber weniger Schule vorzieht.
Es muss endlich ein Wandel stattfinden, aber vor dem Wort Eigenstaatlichkeit kuschen bringt die Sache nicht voran. Volle Autonomie bedeutet eben Eigenstaatlichkeit, ob man nun ein eigenes Militär unterhält oder nicht…

… die “Reaktionen” sprechen Bände! Wenn es nicht um die ZUKUNFT ginge, wäre es sehr amüsant!
– Also weiter Mamone bei MamaRoma als mit der Dame auf dem Stier!

… es geht heute in Meran um das Einleiten einer Weichenstellung: – ob Abstellgleis=Verbleib als Provinz bei Italien, ODER – Schiene in die Zukunft und das ist nun einmal Europa!
Wenn Herr Zeller die Stimme der SVP ist und in seiner Heimatstadt heute das selbe vertritt wie gerade im Morgentelefon des Sender Bozen, bleibt er besser im Bett …

Deine Unterscheidung zwischen der Zugehörigkeit zu Italien und der als “europäischen Player” lässt leider einige andere, durchaus interessante Ideen missen.Ich bin ein überzeugter Anhänger der europäischen Idee, jedoch sollte man dies nicht mit der Institution EU verwechseln. Mir scheint die EU mehr wie ein “kafkaesker”(?!) Beamtenstaat als eine bürgernahe Institution. Rückwirkend auf seine Etablierung glaube ich lehne isch die EU aus dem selben Grund ab, wie in Südtirol die Grünen und direkte Demokratie auf Landesebene(bitte nicht generalisieren, sondern meine Argumente anhören). Ich glaube es fehlt schlicht die demokratische Basis. Es gibt fast keine politische Bildung unter der Bevölkerung, sehr wenig Auseinandersetzung mit den Parteien und deren Programm(insbesondere auf europäischer Ebene). Es fehlt schlicht eine Demokratische Kultur mit Diskussionen(im schweizer Parlament gibt es wirklich Parteien die auch einmal für die Gegenseite stimmen, falls sie es befürworten) und Debatten(Unseren Politikern täte eine Mitgliedschaft in Debattierklubs sehr gut; vielleicht würden sie dann richtiges Argumentieren lernen). Churchill sagte in etwa: Demokratie ist das schlechteste System, bis auf alle anderen die wir probiert haben. Besonders als Minderheit sollten wir doch gelernt haben, dass Demokratie an sich weder positiv noch negativ ist. Genau deshalb besitzen die Grünen ein sehr hohes Gefahrenpotential; sie wollen in einem Land, das so gut wie keine demokratische Tradition hat(auch dank der hierarchischen SVP) und von einem Medium(Stol, Dolomiten) so stark beeinflusst wird, wie es in den meisten Staaten wohl verboten wäre, eine direkte Demokratie auf einer Ebene installieren, wo die Interaktion der Bürger untereinander und mit den Repräsentanten(Politikern) nicht mehr möglich ist …SIEHT DENN NIEMAND WAS HIER PASSIEREN KÖNNTE???? Ich jedenfalls finde diesen Gedanken extrem beängstigend. So elitär und herablassend es auch klingen mag, man muss die Bevölkerung zuerst demokratisieren bevor man direkte Demokratie einführt. Deshalb Lehne ich die Grünen ab und stehe der EU sehr kritisch gegenüber

… meine Fragestellung lautet weiter schlicht und eigentlich verständlich: Provinz (?”autonom”?) in Italien oder Region in Europa!?
Meine VISION: Euregio! – Beim “Um-den-Brei-herumreden” fällt mir ein: … das Volk hat immer die Politiker die es verdient”! – Dies kommt leider auch in diesem Blog zum Ausdruck! – Leider! – Ich sehe es so!

Jedenfalls meine Meinung(da sich die anderen nicht mehr für diesen Thread zu interessieren scheinen) dazu ist:
-“autonome” Provinz in Italien ist fast das worst-case-Szenario
-eine europäische Gemeinschaft ist wünschenswert, ABER verwechsle die europäische Idee nicht mit der Institution!!
-Euregio ist als solches ohne Staatszugehörigkeit nicht definiert, würde juristisch wohl “Südtiroler” als Nationalität(Vertretung in Botschaften, Identitätskarte) mit sich ziehen.
-Euregio bedeutet nicht unbedingt mehr Autonomie auf Landesebene
-Kein Einfluss auf die Gesetzgebung über Landesebene
-Man muss 27 Staaten davon überzeugen, dass dies besser ist für alle, inklusive Italien; das ist viel schwieriger als sich von einem zu lösen!!
-Kein Nationalstaat(soll heißen alle europäischen Staaten) wird dem zustimmen, da er dadurch eine Blaupause für die Auflösung des eigenen Staatengefüges hat
….conclusion: Eine sehr gute und edle Idee,wie die europäische Idee selbst, aber 1. nicht umsetzbar in Europa und 2. birgt es für die Südtiroler wohl viel mehr Nachteile als ein eigenständiger Staat im verbund

e-mail an Fr. Stocker und Hr. Zeller

Sehr geehrte Dr. Stocker, geehrter Dr. Zeller

die Einträge in der SVP Homepage lassen sich leider nicht kommentieren, hat die SVP angst vor einer regen Diskussion, oder will man die Verbreitung von nicht genehmen Meinungen unterbinden? Da lob ich mir ihre Konkurrenz und WebSeiten wie Brennerbasisdemokratie. Nach wie vor halten Sie die Bürger für nicht mündig, über wichtige Themen sich ihre Meinung zu bilden.
Ich wundere mich über das Verhalten ihrer Partei sehr, noch vor geraumer Zeit hat ihre Partei negiert, dass Schottland jemals ein Referendum zur Selbstständigkeit erhält. Für Katalonien behaupten sie das Selbe, ich vermute mal dass sie auf dem Laufenden sind und wissen, dass Katalonien auf dem besten Weg zur Selbstbestimmung ist, auch gegen den Willen der Zentralregierung. Eigentlich sollten sie aus ihren Fehleinschätzungen klüger geworden sein.

Ihr schärfstes Gegenargument ist das vermeintliche Ausscheiden aus der EU. Nun wir werden ja sehen was mit Schottland passiert. Nur wie können sie behaupten, dass es wirklich dazu kommt? Es gibt bis dato keinen Präzedenzfall und in den Statuten der EU, soweit ich informiert bin, ist ein solcher Fall auch nicht vorgesehen bzw. geregelt. Theoretisieren hilft da nicht, sondern nur gesunder Menschenverstand. Glauben Sie wirklich die EU ist nicht daran interessiert, dass Schottland mit seinen Ölvorkommen in der EU bleibt? Ich behaupte dass Italien wie auch die EU es zur Bedingung machen werden, dass ST nach einer Sezession bei der EU bleibt. Nur bei einem Verbleib hat die EU noch eine Möglichkeit auf ST einzuwirken -> Transitroute. Auch das Scheinargument und da unterstelle ich Ihnen (SVP) absichtliche Irreführung, dass wir den Euro nicht mehr haben werden, ist absoluter Unsinn. Auch als nicht EU Mitglied kann man den Euro als Staatswährung verwenden. Wir als ST haben heute kein Einfluss auf die Euro Währungspolitik und würden es auch als eigenständiges Mitglied nicht haben, da würde sich nichts ändern. Aber als eigenständiger Staat währen wir in der Lage, selbst zu entscheiden welche Währung wir haben. Ein enormer Vorteil in diesen unsicheren Zeiten. Gleichmacherei wie es die EU z.Z. auf biegen und brechen versucht, ist eben in einem vielfältigen Europa kontraproduktiv wie der Euro gerade vor Augen führt. Und ich hoffe wir sind uns einig, dass es gerade die Vielfältigkeit Europas ist, die es zu schützen gilt. Das geht aber leider in einem Zentralstaat nicht, wie das Beispiel ST zeigt.

Es ist in den Jahrzehnten der Autonomie nicht gelungen das Fundamentalste durchzusetzen, nämlich die Gleichstellung der deutschen Sprache. Auf dem Papier vielleicht aber nicht in der Praxis. Und wie können sie ernsthaft glauben ein Ausbau der Autonomie könnte Besserung bringen, wenn der Zentralstaat Verträge bricht und dies vom Verfassungsgericht noch bestätigt wird. Und woher nehmen sie den Glauben, dass Rom diesen Ausbau der Autonomie international absichern wird? Wir vergeuden Ressourcen um uns vor den Launen aus Rom zu währen, hat da schon mal jemand nachgerechnet was das kostet? Gescheiter wäre es diese Ressourcen für eine freibestimmte Zukunft unseres Landes einzusetzen, um dieser Gängelei aus Rom endgültig zu entkommen. Ein über Generationen Verbleib bei Italien führt automatisch zur Assimilierung, selbst wenn sie eine international abgesicherte Vollautonomie erreichen. Übrigens die Assimilierung ist ja schon im Gange.

Sie, die SVP glaubt alleinig über den richtigen Weg für ST bescheid zu wissen, dabei ist auch für die Vollautonomie noch lange nicht alles klar und sicher. Da wende ich doch lieber die ganze Energie für ein selbstbestimmtes ST auf, und habe dann Ruhe.
Aber natürlich kann die SVP bei Ihrer Meinung bleiben und diese auch vertreten. Sie sind doch Demokraten, d.h. sie akzeptieren, dass das Volk der Souverän ist. Warum sträuben sie sich dann gegen eine Volksabstimmung. Sie können da ja für ihre Idee werben und wenn ihre Idee gewinnt, gibt es keine Diskussion mehr. Umgekehrt muss natürlich das Gleiche gelten. Es gibt nur einen Grund warum sie gegen eine solche Abstimmung sind, sie glauben das Volk ist zu dumm die richtige Entscheidung zu treffen. Sie sprechen dem Volk die Fähigkeit ab, die Risiken richtig einzuschätzen um diesbezüglich eine Entscheidung treffen zu können.
Die Vollautonomie wie auch die Sezession ist mit Unsicherheiten behaftet, wer dies verneint lügt. Aber wenn ich schon Risiken eingehen muss, versuche ich doch das Optimale anzustreben. Was ist das Optimal? Das was die Mehrheit will. Danach kann dann keiner mehr sagen, wir können nicht besser weil von Rom die Direktiven so sind (eventuell im Fall Autonomie), oder uns fehlen die EU Gelder (eventuell im Fall Freistaat). Der Souverän hat entschieden und trägt die Konsequenzen im Schlechten wie im Guten. Das verstehe ich unter Demokratie und bin dabei überzeugt, dass nur die Bevölkerung und keine Partei in der Lage ist in solchen fundamentalen Fragen die richtige Entscheidung zu treffen.

Mit freundlichen Grüssen

Klaus Kompatscher
Neustift

PS Diese Zeilen sind auch bei BBD veröffentlicht.

@KlausK

Super Initiative die Politiker direkt anzuschreiben. Ich hätte auch einige Fragen an die hohen Poltiker in diesem Land und unsere Abgeordneten in Rom.
Eine Frage hätte ich schon, die ich nachfolgend etwas ausführen werde (vielleicht liest ja ein Poltiker mit): Ich habe ein Kind das in Meran in den deutschsprachigen Kindergarten geht. Dort wird wirklich professionell gearbeitet und wir Eltern sind mit dem Angebot mehr als zufrieden und finden unser Kind dort im Grunde sehr gut aufgehoben. Soweit so gut. Wir bekommen halt mit der Zeit jetzt immer mehr mit, dass im Kindergarten bald mehr italienischsprachige Kinder sind als deutschsprachige und dementsprechend viel italienisch gesprochen wird. Das ist ja im Grunde natürlich nichts schlimmes, aber für eine Minderheit wie wir es nun mal sind (und scheinbar auch noch perfekt geschützt) bedeutet dies halt, dass italienisch immer mehr zu Lingua Franca wird und es unsere Kinder dann eventuell später als normal ansehen, wenn italienisch eben die Hauptsprache im Lande wird. Denn seien wir ehrlich, die Dörfer spielen doch eine immer geringere Rolle, die Stadt ist einfach die Zukunft und die Landflucht die wir erleben bezeugt dies. Zu dem kommt noch hinzu, dass ich beobachtet habe, dass viele Kinder von Staatspolizisten, Militär, Carabinieri usw. diesen Kindergarten besuchen. Und dass genau jene Mitarbeiter von staatlichen Institution besonders “Südtirol-begeistert” wären ist mir noch nicht aufgefallen (“Italia”-T-shirts und Trikolores auf Rucksäcken ihrer Kinder sagen jedenfalls schon einiges aus). Da ich sicher bin bzw. teilweise weiß, dass auch das eine oder andere hohe “SVP-Tier” Kinder in einigen von diesen Kindergärten hat, frage ich mich schon wieso da nicht schon lange die Alarmglocken läuten (?). Deshalb meine Frage in die Runde und auch an die hohe Politik im Lande: wie will man dem Problem der schleichenden (bzw. noch fortgeschritteneren) Italienisierung in den Städten entgegentreten? Ist die Vollautonomie, die es auch laut heutiger Einschätzung der ital. Tageszeitung “Alto Adige” niemals geben kann, wirklich realistisch? Und muss man sich nicht auch als größte Partei im Lande eines Tages “outen” bzw. sich entscheiden, was man wirklich will? Oder glaubt man in der SVP-Parteizentrale wirklich dass man für alle Ewigkeiten “Mal-hier-mal-da” spielen kann?
Habe zwar keine Hoffnung dass es Antworten auf meine Fragen gibt aber immerhin hab ich sie gestellt…;)

Das ist eine der Facetten der Assimilierung die schon im Gange ist. Was sich die SVP dabei denkt weiss ich nicht, wahrscheinlich gar nichts. Und die selbst ernannten Intellektuellen, wie man sie auf Salto.bz findet, finden das wahrscheinlich auch gut so. So nach dem Motto der Klügere gibt nach.
Ich bin der Meinung man kann nicht von vornherein die Durchführbarkeit einer Vollautonomie noch einer Sezession ausschliessen. Beides sind Wagnisse, nur muss man sich die Frage stellen was bringt mehr und wenn ich schon ein Wagnis eingehe bzw. Energie in ein Projekt stecke, dann wohl jenes wo ich dann frei und unabhängig bin.

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