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Sprachwechsel erschwert Integration.

Aufgrund einer Diskussion wurde ich an einen Sketch erinnert, den ich an dieser Stelle »einbringen« will. Er war Teil einer inzwischen schon mehrere Jahre alten katalanischen Sensibilisierungskampagne, die den Menschen bewusst machen sollte, dass sie in Anwesenheit von bzw. im Umgang mit Zuwanderern nicht automatisch in die Staatssprache wechseln sollen, weil sie sie sonst am Erlernen des Katalanischen hinderten und ihre Integration erschwerten.

Hier noch eine kurze Erläuterung, um das Verständnis zu erleichtern: Zwei Hausbewohner führen im Vorfeld einer Nachbarschaftsversammlung ein angeregtes Gespräch (das schließlich in einen Streit ausartet). Sobald ein Zuwanderer hinzustößt, beginnen die beiden plötzlich auch untereinander Kastilisch zu sprechen, woran sich selbst dann nichts ändert, als der Betreffende (auf Katalanisch) ausdrücklich darauf hinweist, dass sie gerne Katalanisch sprechen können.

Auf die Absurdität dieses Verhaltens wird durch einen bewusst überspitzten Vergleich aufmerksam gemacht: Der gesamte Film wird zurückgespult, woraufhin der (angebliche) Zuwanderer, sobald er zur Gruppe stößt, auf Englisch grüßt. Als Reaktion darauf beginnen die beiden Einheimischen, auch untereinander nur noch auf Englisch zu sprechen.

Der Slogan am Ende des Films, »parla’m en català, així n’aprenc«, bedeutet so viel wie »sprich Katalanisch mit mir, so kann ich es lernen«. Leider werden in Südtirol keine Anstrengungen unternommen, um mit ähnlichen Maßnahmen gegen die weitverbreitete Unsitte anzukämpfen, mit Zuwandernden (fast) ausschließlich Italienisch zu sprechen — was eine mehrsprachige Integration behindert.

Siehe auch:

Kohäsion+Inklusion Medien Migraziun Plurilinguismo | | | | Catalunya | | Castellano Català Deutsch

2 replies on “Sprachwechsel erschwert Integration.”

Ich finde Frau Ahammer bringt es im folgenden Bericht auf dem Punkt:

Mehr Mut zum eigenen Dialekt.


Die meisten Südtiroler sind in Ihrer Sprache verunsichert – und zwar in dreifacher Hinsicht. Wenn Sie Ihren Dialekt sprechen, glauben Sie, Nicht-Südtiroler verstehen sie nicht. Im Hochdeutschen fühlen Sie sich unsicher, weil Sie glauben, sie sprechen nicht korrekt. Daraus ergibt sich die Hauptverunsicherung, nämlich, dass viele nicht genau wissen, wann Sie Dialekt sprechen sollen und wann Hochdeutsch. ……. Es gibt hier eine überzogene Anpassung an das Gegenüber. Dieser Wesenszug zeigt sich auch darin, dass in einer Gruppe mit einer einzigen italienisch sprechenden Person oft alle anderen ins Italienische wechseln. Ein Vorarlberger hingegen haut dem anderen seinen Dialekt um die Ohren, obwohl man ihn häufig wirklich sehr schwer versteht.

Das mag zwar stimmen, ich sehe darin jedoch nicht den Hauptgrund für dieses Verhaltensmuster, da es bei (fast) allen Minderheiten anzutreffen ist. Primär ist es wohl auf die »nationalstaatliche Logik« zurückzuführen, die der Staatssprache die Aura einer übergeordneten lingua franca verleiht. So gibt es im Katalanischen gar kein Dialektproblem, doch auch die Katalanen tendieren dazu, in Anwesenheit eines einzigen Kastiliers (oder Zuwanderers) vorauseilend Kastilisch zu sprechen — was ja im vorliegenden Video thematisiert wird. Durch solche und ähnliche Kampagnen konnte das Phänomen dort bereits deutlich abgeschwächt und das Bewusstsein dafür, dass der Sprachwechsel auch für das Gegenüber exkludierend wirkt, geschärft werden. Obwohl Südtirol seit 1948 bzw. 1972 autonom ist und Katalonien erst seit 1978, ist man dort schon viel weiter (um nicht zu sagen, dass das Problem hierzulande den allermeisten — Bürgern, Politikern, selbst manchen Leuten, die in der Integration tätig sind — noch gar nicht bewusst ist).

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