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Europäischer Bürgerpreis auf Abwegen.

Seit 2008 vergibt das Europäische Parlament den Europäischen Bürgerpreis, der

außergewöhnliches Engagement für ein besseres gegenseitiges Verständnis und mehr Integration in der EU belohnen [soll]. Ausgezeichnet werden auch Initiativen für bessere grenzüberschreitende Zusammenarbeit innerhalb Europas und die praktische Anwendung der Werte der EU-Grundrechtscharta (Gastfreundschaft, Toleranz, Solidarität).

EU-Parlament

Neben so auszeichnungswürdigen Organisationen wie Cittadini di Lampedusa oder dem Mauthausen Komitee Österreich erhielt letzten Dezember auch die unionistische katalanische Societat Civil Catalana (SCC) den Europäischen Bürgerpreis. Vorgeschlagen wurde SCC vom spanischen Partido Popular (PP), aus dessen Reihen auch der spanische Ministerpräsident Rajoy stammt.

Nun handelt es sich bei SCC nicht nur um eine Vereinigung, die sich gegen die demokratische Selbstbestimmung der Katalaninnen und gegen die Loslösung der Region von Spanien einsetzt, sie ist auch in regem Austausch mit spanischen Rechtsextremisten. So duldete sie etwa bei ihrer Veranstaltung zum Dí­a de la Hispanidad (Tag der Hispanität) 2014 in Barcelona die massive Anwesenheit der rechtsextremistischen Parteien und Bewegungen Plataforma x Catalunya, Movimiento Social Republicano, der franquistischen Nachfolgepartei Falange Española de las JONS oder des Casal Tramuntana, das sich ausdrücklich an CasaPound inspiriert. SCC distanzierte sich von dieser Anwesenheit nicht.

Eine der von SCC veröffentlichten Publikationen wurde im rechtsextremistischen Verlag Galland Books herausgegeben. Im dreiköpfigen Vorstand der von SCC gegründeten Stiftung Juan Boscà sitzt außerdem Jorge Buxadé Villalba, ein Herr, der 1995 und 1996 für die Falange Española de las JONS zu Wahlen angetreten war.

Im Bestreben, selbstbestimmungsgegnerische Tendenzen zu belohnen, hat das Europäische Parlament also mit dieser fragwürdigen Auszeichnung weit über das Ziel hinausgeschossen. Kreidefressende Post- und Neofaschisten, die sich angeblich für das Zusammenleben stark machen, sind uns auch in Südtirol bekannt. Eine internationale Auszeichnung haben sie für ihr hinterfotziges Engagement aber zum Glück — noch — nie erhalten.

Siehe auch: 1/

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23 replies on “Europäischer Bürgerpreis auf Abwegen.”

Sehr geehrte Damen und Herren von Brenner Basisdemokratie,

Links sein ist kein Freibrief, dumme Propaganda wiederzukäuen. Wenn Ihre radikalen Freunde aus dem Unabhängigkeitslager in Katalonien Ihnen Infos zustecken, dann, ja, können Sie diese auch überprüfen, bevor Sie etwas veröffentlichen. Information bitte, nicht Propaganda.

Nach kurzer Rückfrage und Internet-Recherche ergibt sich nämlich:

– Die erwähnte “massive Anwesenheit der rechtsextremistischen Parteien und Bewegungen” war SCC gar nicht recht, und SCC hatte sich von denen im Vorfeld per Presseerklärung klar distanziert.

– SCC hat keine Publikationen im Gallard Verlag herausgegeben. In der Tat, SCC hat (noch) kein Buch veröffentlicht.

– Jorge Buxadé hat sich von seiner Vergangenheit distanziert, und spielt in SCC nur eine sehr geringe Rolle.

Damit wären alle Lügen und Manipulationen, denen Sie aufgesessen sind, geklärt.

Darüber hinaus wäre zu erwähnen, dass neben dem spanischen Regierungschef Rajoy auch bedeutende Führer der Sozialisten und anderer Parteien der SCC zu ihrem Preis gratuliert haben.

Sie wären, werte Damen und Herren, nicht schlecht beraten, sich von den katalanischen Nationalisten zu distanzieren. Denn weder wollen Sie einen ethnisch reinen oder rein deutschsprachigen Staat noch haben Sie, jedenfalls bisher, Expansionsgelüste gezeigt. Die katalanischen Nationalisten fahren jedoch solch eine Politik. Und solch eine Politik kommt in Europa nicht gut an.

Hallo Herr Müller,

mir haben keine Freunde aus dem Unabhängigkeitslager irgendwas zugesteckt — vielmehr hatte ich in einem katalanischen Medium die völlig wertungsfreie (!) Nachricht über die Preisverleihung gelesen. Den Rest habe ich mir dann aus unterschiedlichen Quellen selbst zusammengesucht. Inzwischen liegen mir sogar noch mehr Informationen vor, zu denen ich Sie gerne befrage:

  1. Stimmt es oder können Sie ausschließen, dass rechtsextremistische Bewegungen wie PxC und MSR sogar bei der Gründungsveranstaltung von SCC im Teatre Victòria (Barcelona) am 23.04.2014 dabei waren und MSR-Chef Jordi de la Fuente sogar öffentlich sagte, er wäre an der Vorbereitung von SCC beteiligt gewesen?
  2. Reicht es tatsächlich aus, sich im Vorfeld (!) einer Kundgebung von Rechtsextremisten zu distanzieren und nichts dagegen zu unternehmen, dass sie die Veranstaltung massiv unterwandern?
  3. Man kann sich also von einer aktiven (!) politischen Vergangenheit in einer rechtsextremistischen Partei einfach »distanzieren« und dann in einer Bewegung wie SCC tätig werden, die sich angeblich dem genauen Gegenteil verschrieben haben will?
  4. Ist es für eine Bewegung, die ggf. rechtsextremistisch unterwandert ist, eine ausreichende Adelung, wenn ihr zur Preisverleihung ein sozialistischer Politiker Glückwünsche übermittelt?
  5. Stimmt es oder stimmt es nicht, dass Josep Ramon Bosch, Vorsitzender von SCC, am 26.09.2014 im Hotel Atenea (Barcelona) das bei Galland erschienene Buch »Nos duele Cataluña. 15 españoles con ’seny’« vorgestellt hat? Galland ist ein rechtsextremistischer Verlag, benannt nach dem Nazi-Piloten Adolf Galland, der sich an Luftschlägen in Spanien beteiligte. Tatsächlich gehen die Informationen, ob das Buch mit Unterstützung von SCC herausgegeben oder nur mit deren Unterstützung vorgestellt wurde, auseinander.

Achja, übrigens haben zum Beispiel die beiden Vorsitzenden der großen selbstbestimmungsfreundlichen Parteien, Oriol Junqueras (ERC) und Artur Mas (CiU) immer und immer wieder, auch in Zeitungsartikeln, gesagt, dass Kastilisch im neuen katalanischen Staat — so er entstehen wird — Amtssprache sein soll. Dies, wiewohl die Zweisprachigkeit zwischen Kastilisch und Katalanisch nicht mit der Zwei-/Dreisprachigkeit in Südtirol gleichzusetzen ist, wo sich die Sprachen weit weniger ähneln.

Und von ethnischer Reinheit zu sprechen, wo es wohl kaum etwas Inklusivistischeres gibt, als den katalanischen Prozess, finde ich geradezu erheiternd. Artur Mas im französischen Figaro:

La nostra volontà  di poter decidere il nostro futuro non ha niente a che vedere con il nazionalismo, come alcuni cercano di far sembrare. Su dieci catalani, sette hanno origini, vicine o lontane, fuori dalla Catalogna. La maggioranza dei catalani, dunque, ha parenti lontani o vicini provenienti da altre parti della Spagna, ma anche dalla Romania, dall’Italia o dal Marocco. Oppure dalla Francia. La lingua catalana, ancora oggi, è lingua minoritaria in Catalogna. Sarremmo degli irresponsabili se pretendessimo di costruire, su questa realtà , un progetto politico a carattere nazionalista.

Lustig, da wir heftig unterwandert, und am Ende sieht und spürt man nichts mehr von den Unterwanderern. Das ist der Beweis, dass es sie gibt! Die Unterwanderung. Und die Unterwanderer. Es muss sie geben, gerade weil sie unsichtbar sind und keinen Einfluss ausüben.

Ich will mal nett sein und auf Ihre Fragen nicht Antworten. Nett zu mir selbst, meine ich. Und zum Leser, der auch ohne mich merkt, wie wenig Substanz und wie viel heisse Luft in der Angelegenheit steckt.

Das mit der Sprache ist allerdings schon ein Thema. Das spanische Verfassungsgericht hat gesagt, Spanisch könnte in Katalonien nicht als Unterrichtssprache ausgeschlossen werden. Andere Gerichte sind dabei, dieses umzusetzen. Aber die Gerichte sind wohl auch von Neonazis unterwandert.

Der katalanische Nationalismus ist nicht inklusivistisch. Er will über Sprachgebrauch “ein einziges Volk” schaffen. Das ist erklärtes politisches Ziel. Das ist das Gegenteil von Vielfalt. Ist ja auch normal, Nationalismen sind eben so.

Wenn Herr Ulbricht sagt, er wolle keine Mauer bauen… Verzeihung, wenn Artur Mas sagt, er sei kein Nationalist… Sie verstehen, was ich meine. Wundert mich aber nicht, dass Sie ihn zitieren. Sie haben sich ja auch gut in das Mas’sche Neusprech eingefunden: “katalanischer Prozess” ist voll der Renner.

Die Manipulationen, die hier in Katalonien abgehen, sind so haarsträubend wie hirnrissig. Ich habe aber immer gehofft, dass sie nicht aus Katalonien überschwappen.

Ich beurteile Herrn Mas und seine Politik anhand von Fakten (und nicht von Behauptungen) und dasselbe tue ich mit SCC. Indem Sie nicht auf die Fragen antworten erweisen Sie sich wie ich finde einen Bärendienst.

1. Zuviel bei Steffl gewesen?
2. Wenn sie keinen Einfluss ausüben kann es ihnen egal sein, oder?
3. Eine Menge Seperatisten bezeichnen sich selbst als Nationalisten, allein das sie das weglassen lässt eine Geistige Umnachtung ihrerseits erahnen.
4. Ein toller Stil nicht auf Fragen zu Antworten, bei denen sich pervasion sichtlich mühe gab sie zu unterlegen.

Questo post è una summa di luoghi comuni che testimoniano – cosa che deve preoccupare – fino a che punto può arrivare la propaganda del governo regionale della Catalogna. Chi vive in Catalogna sa che il governo regionale – che è in mano dei catalanisti dagli anni settanta – controlla tutti i mezzi di comunicazione (che sono pubblici e pagati da tutti i catalani), senza il minimo rispetto per il pluralismo e l’impegno del servizio pubblico che dovrebbero svolgere. I rappresentanti di SCC infatti non si vedono praticamente mai nella televisione pubblica controllata dai cosiddetti democratici…
Consiglio all’autore di questo post di pensare prima di giudicare, e di informarsi prima di scrivere. Sono così tanti i fascisti che appoggiano la Società  Civile Catalana, che il leader del partito socialista spagnolo PSOE, Pedro Sà¡nchez, – un fascista da tutta la vita, ovviamente! – si è congratulato con la SCC per l’attività  che svolge nella promozione della solidarietà  e dei valori europei.
E tra questi, si badi bene, non c’è l’esaltazione del nazionalismo.

Ich fasse zusammen: Die beiden SCC-Gesandten, die hier aufgetaucht sind, nachdem ich SCC den obigen Artikel via Twitter zur Kenntnis gebracht hatte, sind außerstande, die Beweise zu entkräften oder auch nur auf ein paar Fragen zu antworten.

Nun wird’s aber zu dämlich.

Irgendwas aus der nationalistischen Presse, oder das, was ein Rechtsaussen sagt oder gesagt haben soll, sind keine Beweise. Und nicht antworten wollen -weil’s mir zu dumm ist- ist nicht, es nicht zu können.

Semantischer Unsinn. Auf der gleichen Ebene liegt auch Ihre inhaltliche Argumentation. Und, in dubio pro reo, auch Ihre Auffassungsgabe.

Entweder Sie widerlegen die Ausführungen des Autors argumentativ und mit neuen Fakten und Erkenntnissen, ansonsten können wir hier auf Ihre Kommentare gerne verzichten.

konstruktive art, die du hier an den tag legst. wenn jemand deine meinung nicht auf punkt und beistrich teilt oder sie hinterfragt, ist er für dich gestorben. finde ich schade.

du bist uns allen offensichtlich in sachen auffassungsgabe und druchblick haushoch überlegen. was bringt dir das aber, wenn du die weniger bemittelten nicht an deinem wissensreichtum teilhaben lässt? festzustellen: “es ist so, weil ich es sage” klingt mir ein wenig zu sehr nach katholischer vor 800 jahren.

ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass jemand, dessen intellekt überdurchschnittlich ist, sich aber einer diskussion mit weniger erleuchteten verweigert, wenn nicht ein intellektuelles dann zumindest ein soziales defizit hat.

Ups, da gibt es wohl eine Nest.

Also nochmals: Offensichtlich verweigere ich mich nicht der Debatte. Und offensichtlich habe ich ich auch Neues zu ihr beigetragen. Ebenso offensichtlich ist, dass einer meiner Beiträge darin bestand, die Ansicht zu vertreten, hier werde Propaganda wiedergekäut: Die schwarze Legende, die man hier lesen kann, wird in Katalonien und Spanien nur von den katalanischen Nationalisten für ernst genommen, und von niemandem sonst. Das würde klar ersichtlich, wenn der Autor des Beitrags seine Quellen nennte. Da ich in Katalonien lebe, habe ich diese natürlich wiedererkannt.

Ich nehme mir die Freiheit, nicht auf alle Fragen im Einzelnen einzugehen, und wünsche allen, die ohne Ende auf diesem Detail herumreiten, weiterhin noch viel Spass.

Im Allgemeinen sehe ich es als wünschenswert an, bestimmte Fragen den Betroffenen zu stellen, bevor man einen Beitrag schreibt. Gute Recherche betreiben, Quellen offenlegen, das sind alles Dinge, die der Leser schätzt, weil ihm damit klar wird, dass er als mündiger Leser anerkannt wird.

Auch das halte ich für offensichtlich, hab’s aber gerne nochmal deutlich gesagt.

Nö, und Spanisch auch nicht. Hab ich in den acht Jahren, die ich hier bin, nie gebraucht, weil hier jeder Deutsch kann.

Das find ich eine löbliche Einstellung, von deren Warte aus sich gut beurteilen lässt, was in einer Gesellschaft los ist. Ganz speziell wenn es um das Thema des Zusammenlebens geht.

(Andernfalls: Beachte auch Punkt 6 unserer Netiquette).

Ok, dann mach ich’s wie Dieter Hildebrandt:

Von jetzt an werde ich bei Ironie immer einen Finger hochheben.

Okay, du beantwortest also auch hunters Frage nicht deutlich.

Dafür, dass du nicht antworten willst, bist du hier aber ziemlich gesprächig. Machen wirs kurz: Wenn du irgendein objektives Argument hast, das dem obigen Artikel substanziell widerspricht, dann poste es hier… andernfalls ist die Zeit hier ein klein wenig vergeudet.

Die Grünen haben im katalanischen Parlament folgenden Resolutionsvorschlag eingebracht:

Das Europäische Parlament hat im vergangenen Monat November einen von 47 Europäischen Bürgerpreisen für Vereinigungen, die theoretisch eine relevante Rolle in der Verbesserung des Lebens der europäischen Bürger eingenommen haben, dem Verein Societat Civil Catalana verliehen. Der so geehrte Verein wurde vom PP für den Preis vorgeschlagen und von einer Jury der Außenstelle des Europäischen Parlaments in Madrid [an das europäische Parlament] weiterempfohlen, deren Mitglieder Europaparlamentarier von PP, PSOE und UPyD waren. Die Anerkennung wurde, wie es üblich ist, vom [zuständigen] Rat, der aus verschiedenen Europaparlamentariern besteht, ratifiziert, obschon [seine Mitglieder] Bedenken gegenüber Societat Civil Catalana zu Protokoll gebracht hatten.

Katalanische Europaparlamentarier von CDC, ERC, Grünen und UDC haben die Preisverleihung kritisiert und dem Europäischen Parlament Informationen über die Verbindungen zwischen SCC und extremistischen Gruppierungen wie der Fundación Francisco Franco oder dem Movimiento Social Republicano sowie über Aussagen des Herrn Josep Ramón Bosch, Vorsitzender des Vereins, der seine Bewunderung über den faschistischen Führer Blas Piñar geäußert hatte, zukommen lassen. Aus diesen Gründen soll das katalanische Parlament dem Europäischen Parlament seinen Protest zukommen lassen.

Aus vorgenannten Gründen präsentiert die Parlamentsfraktion von Iniciativa per Catalunya Verds – Esquerra Unida i Alternativa folgenden

Resolutionsvorschlag:

Das [katalanische] Parlament drückt dem Europäischen Parlament die Beschwerde der Institution, die den Willen der Bevölkerung Kataloniens repräsentiert, über die Verleihung eines von 47 Europäischen Bürgerpreisen an den Verein Societat Civil Catalana aus, da es sich um einen Verein mit Verbindungen zu extremistischen Gruppierungen wie der Fundación Francisco Franco oder dem Movimiento Social Republicano handelt, der von einem erklärten Bewunderer des spanischen Faschistenführers Blas Piñar geleitet wird.

Übersetzung von mir.

Josep Ramon Bosch hat vor wenigen Tagen »aus persönlichen Gründen« den SCC-Vorsitz niedergelegt, nachdem Ermittlungen gegen ihn eingeleitet wurden. Er soll mittels eines gefakten Facebook-Profils systematisch massive persönliche Drohungen an Unabhängigkeitsbefürworter, einschließlich Artur Mas (CDC) und David Fernandez (CUP) geschickt haben.

Am Freitag (1.12.) hat sich die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, nach mehrmaligem Aufschub mit der neuen Führung von Societat Civil Catalana getroffen. Wie SCC im Anschluss selbst via Twitter bekanntgab, lehnte es Colau ab, sich mit den Vertreterinnen des Vereins fotografieren zu lassen.

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