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Dux in fundo.

Ein Land, das vom Nazifaschismus heimgesucht und beherrscht wurde, muss sich eindeutig von diesem dunklen Kapitel seiner Geschichte abgrenzen, es aufarbeiten und künftigen Generationen als mahnendes Schreckbild übergeben. Möchte man meinen. Hierzulande geht das Gesetz zwar mit voller Härte gegen die Freiheit der Kunst vor, so sie sich anmaßt das Bild des Staates anzutasten. Kriegsverbrecher, deren kriminelle Energie die demokratischen Institutionen schon einmal zersetzt hat, kann man hingegen im Zeitungsladen erstehen: als Kalendermotiv. schließt sich der Forderung von Grünen und Union für Südtirol an, den Vertrieb von Mussolinikalendern in Südtirol unverzüglich zu unterbinden!

Oberstaatsanwalt Cuno Tarfusser, derselbe, der zur letzten Instanz der Kunstkritik aufgestiegen ist, meint dagegen, es gebe kein Gesetz, das es verböte, diese Publikation zu verkaufen. Zwei Einwände:

  1. Die italienische Verfassung wurde am Prinzip des Antifaschismus ausgerichtet. Wo kein Gesetz ist, kann auch ein Richter »im Sinne des Gesetzgebers« handeln und einen Präzedenzfall schaffen. Dahingehend aktiv zu werden fehlt dem Staatsanwalt wohl der Wille.
  2. Es gibt auch kein Gesetz, das eindeutig festschreibt, was Kunst sei und was nicht. Dafür gibt es jedoch den Grundsatz der freien Meinungsäußerung, der im Falle des Museion bereitwillig geopfert wurde.

Dennoch: Stimmt die Aussage Herrn Tarfussers, so sollten bei der Legislative spätestens jetzt die Alarmglocken schrillen: Es muss dringendst ein Gesetz her, das ähnliche Vorfälle in Hinkunft verhindert! Warum kein Landesgesetz?

Was kommt als nächstes? Vielleicht ein schöner Bildband mit Jagdfotos von Hermann Göring?


Nachtrag: Scelba-Gesetz

1. Riorganizzazione del disciolto partito fascista

Ai fini della XII disposizione transitoria e finale (comma primo) della Costituzione, si ha riorganizzazione del disciolto partito fascista quando una associazione, un movimento o comunque un gruppo di persone non inferiore a cinque persegue finalità antidemocratiche proprie del partito fascista, esaltando, minacciando o usando la violenza quale metodo di lotta politica o propugnando la soppressione delle libertà garantite dalla Costituzione o denigrando la democrazia, le sue istituzioni e i valori della Resistenza, o svolgendo propaganda razzista, ovvero rivolge la sua attività alla esaltazione di esponenti, principi, fatti e metodi propri del predetto partito o compie manifestazioni esteriori di carattere fascista.

[…]

4. Apologia del fascismo.

– Chiunque fa propaganda per la costituzione di una associazione, di un movimento o di un gruppo avente le caratteristiche e perseguente le finalità indicate nell’articolo 1 è punto con la reclusione da sei mesi a due anni e con la multa da lire 400.000 a lire 1.000.000 (1). Alla stessa pena di cui al primo comma soggiace chi pubblicamente esalta esponenti, princìpi, fatti o metodi del fascismo, oppure le sue finalità antidemocratiche. Se il fatto riguarda idee o metodi razzisti, la pena è della reclusione da uno a tre anni e della multa da uno a due milioni (4). La pena è della reclusione da due a cinque anni e della multa da 1.000.000 a 4.000.000 di lire se alcuno dei fatti previsti nei commi precedenti è commesso con il mezzo della stampa (1). La condanna comporta la privazione dei diritti previsti nell’articolo 28, comma secondo, numeri 1 e 2, del c.p., per un periodo di cinque anni (5). (1) La misura della multa è stata così elevata dall’art.113, quarto comma, L. 24 novembre 1981, n. 689. La sanzione è esclusa dalla depenalizzazione in virtù dell’art.32, secondo comma, della legge sopracitata. (4) Comma così sostituito dall’art.4, D.L. 26 aprile 1993, n. 122. (5) Così sostituito dall’art.10, L. 22 maggio 1975, n. 152.

[…]

8. Provvedimenti cautelari in materia di stampa

Anche prima dell’inizio dell’azione penale, l’autorità giudiziaria può disporre il sequestro dei giornali, delle pubblicazioni o degli stampati nella ipotesi del delitto preveduto dall’art.4 della presente legge. Nel caso previsto dal precedente comma, quando vi sia assoluta urgenza e non sia possibile il tempestivo intervento dell’autorità giudiziaria, il sequestro dei giornali e delle altre pubblicazioni periodiche può essere eseguito dagli ufficiali di polizia giudiziaria, che debbono immediatamente, e non mai oltre ventiquattro ore, farne denuncia all’autorità giudiziaria. Se questa non lo convalida nelle ventiquattro ore successive, il sequestro si intende revocato e privo di ogni effetto. Nella sentenza di condanna il giudice dispone la cessazione dell’efficacia della registrazione, stabilita dall’art.5, L. 8 febbraio 1948, n. 47, per un periodo da tre mesi a un anno e, in caso di recidiva, da sei mesi a tre anni.

Hervorhebungen:
Cultura Democrazia Faschismen Feuilleton Kunst Recht | Zitać | | | Italy Südtirol/o | BürgerUnion Vërc | Deutsch Italiano

36 replies on “Dux in fundo.”

Ein Land, das vom Nazifaschismus heimgesucht und beherrscht wurde, muss sich eindeutig von diesem dunklen Kapitel seiner Geschichte abgrenzen …

Du übernimmst die terminologische Schlampigkeit der schlechten italienischen Journalisten, die immer „nazifascismo“ schreiben. Es war aber zwei zwar verwandte, aber doch recht unterschiedliche Kapitel der Geschichte, die man nicht in einem einzigen Wort zusammenfassen kann. Wenn auch die Aussagen selbst unterschreiben kann, so ist doch die Terminologie unseriös.

Ich nehme die Kritik an, wenngleich sie etwas spitzfindig ist.

Nach einer kurzen Internet-Recherche weiß ich mich bei der Benutzung dieses (unpräzisen) Begriffs jedoch auch im deutschen Sprachraum in »guter Gesellschaft«:

Um den Staat etablieren zu können, brauchte die nationalkommunistische Führung, mit dieser historisch und politisch mit dem NaziFaschismus kontaminierten Masse der Ostdeutschen, einen Modus vivendi.

Shoa.de
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Kritische Auseinandersetzungen um Nazifaschismus und Neonazismus, Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Antisemitismus sind zwar nicht die einzigen Themen in unserer gesellschaftlichen Debatte, aber doch sehr wesentliche.

Rosa-Luxemburg-Stiftung
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Unzweideutig sprechen ihre Verfasser von “Israels Nazi-Faschismus”: israelische Militäroperationen werden zum “Ausrottungskrieg”, Mosche Dayan zum “Himmler Israels” und über die israelische Regierung heißt es, sie habe ihre Sportler “verheizt wie die Nazis die Juden”.

Uni Bochum
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Peter GOLLER: “… natürlich immer auf wissenschaftlicher Ebene!” Mystifikationen. Die geisteswissenschaftlichen Fächer an der Universität Innsbruck im Übergang von Nazifaschismus zu demokratischer Republik nach 1945, Innsbruck 1999.

Uni Innsbruck
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Mehr als andernorts übernahm in Deutschland der Nazi-Faschismus Wirtschafts-, Gesellschafts- und Geschichtsvorstellungen aus dem Umfeld der Arbeiterbewegung.

Brandenburgische Landeszentrale f. Politische Bildung
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Wer, wie Joschka Fischer, die Auseinandersetzungen im Kosovo mit Auschwitz vergleicht, wie ein selbsternannter „Bürgerrechtler“ die DDR als „ein Auschwitz der Seelen“ diffamiert oder, wie Pfarrer Eppelmann im Bundestag, als „ein einziges großes KZ“, leistet seinen Beitrag zur „historisierenden“ Verharmlosung und Rehabilitierung des Nazifaschismus.

Linkspartei
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Zündende Lieder – Verbrannte Musik
Folgen des Nazifaschismus für Hamburger Musiker und Musikerinnen
(völlig neu bearbeitete Ausgabe)

Uni Hamburg – Publikation
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Mit dem immer brutaler auftretenden Nazifaschismus in Deutschland, der sich vor allem instinktiver Propagandamittel bediente, wurde es für die Sozialdemokratie immer notwendiger, neue Wege der politischen Agitation zu finden.

Sozialistische Jugend Österreichs
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Peter Petersen und die Arbeitsgruppe Exilmusik (Hgg.)
Hamburg: VSA, 1995

Heute ist der Text der Erklärung ein offener Angriff gegen die Geschichte des Kommunismus, gegen die Beiträge der kommunistischen Parteien, gegen die Beiträge der Völker der Sowjetunion im Kampf gegen und beim Sieg über den Nazi-Faschismus.

Kommunistische Partei Deutschlands
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Die Kommunistinnen und Kommunisten haben im Februar 1934 wie schon in den Jahren davor entschlossen und heldenhaft gekämpft. Im Anschluss an die bitteren Erfahrungen der Februarkämpfe 1934 war es eine hervorragende Leistung der KPÖ in den folgenden Monaten und Jahren, die klassenkämpferischen Teile der österreichischen Arbeiterklasse zu organisieren. Das konnte allerdings an der historischen Niederlage nichts mehr ändern und die österreichischen Austrofaschisten lieferten binnen weniger Jahre ihren maroden Staat dem deutschen Kapital und Nazifaschismus aus.

Kommunistische Partei Österreichs
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Gedenkmarsch für die Opfer des Kampfes gegen den Austrofaschismus und gegen den Nazifaschismus.

Dokumentationsarchiv österreichischer Widerstand.
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Laut dem Bericht von Landesobmann Rudolf Haunschmid konnten bereits 18 Anträge auf Entschädigung für Sklaven- und Zwangsarbeit von Opfern des Nazifaschismus der Internationalen Organisation für Migration (IOM) eingebracht werden.

KZ-Verband Oberösterreich.
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„Es mehren sich in letzter Zeit doch die Zeichen, dass uns unsere – der Sozialdemokratie – Geschichte weggenommen, dass diese Geschichtsphase revidiert, umgeschrieben werden soll. Gewisse Kreise in der ÖVP haben es niemals ganz aufgegeben, den Diktator und Demokratiebeseitiger Engelbert Dollfuß als erstes Opfer des Nazifaschismus zu präsentieren.“

Austrofaschismus.at
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Am 8. Mai 2005 jährt sich der Tag der Befreiung von Nazi-Faschismus und Krieg zum 60. Mal. Die Delegierten des Gewerkschaftstages der GEW rufen alle Beschäftigten in den Bildungs- und Forschungseinrichtungen auf, sich an den Kundgebungen und Demonstrationen anlässlich dieses Gedenktages aktiv zu beteiligen.

Uni Kassel – GEW.
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Es ist aber auch bezeichnend, daß der (sowieso recht bescheidene) Widerstand gegen den Nazi-Faschismus aus dem Gemeinschaftsgedächtnis der Tiroler weitgehend gelöscht wurde.

Alexander-Langer-Stiftung.
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Als „Höchstausdruck des Totalitarismus“, vergleichbar mit Nazifaschismus und Stalinismus, hat der vom Vatikan gemaßregelte Befreiungstheologe Leonardo Boff das päpstliche Dokument „Dominus Iesus“ kritisiert, das aus der Feder des Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, stammt.

ORF.
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Hervorhebungen von mir.

ja, ich weiß, ich kenne auch Leute, die für „meine“ Zeitschrift schreiben und an Universitäten lehren und diesen Begriff verwenden, deswegen aber ist er trotzdem nicht richtig. Wie sich auch ein Begriff ganz häufig bis „oben“ hinaus findet, der absolut falsch ist, aber nicht auszumerzen ist, aus einem ganz anderen Bereich: „atonale Musik“. Freitonal, aber nicht atonal.
„Gute Gesellschaft“, sagst Du. Du führst Links an zu Stellungnahmen, die zumeist politisch / ideologisch sind und auch die Terminologie ideologisieren. Neutral und korrekt ist die Terminologie eben nicht. Und weil auch andere diesen schlampigen Begriff verwenden, wird er nicht besser. Sehr viel verwendet wird er vom italienischen Journalismus, u.a. auch, um den Faschismus nicht in den Vordergrund zu stellen und die Schuld primär bei den Nazis zu suchen und nicht bei den Faschisten.

Non ho fatto le ricerche di pérvasion, limitandomi a controllare se l’espressione „nazifascismo“ è registrata, e in quale forma, in un comune dizionario. Ho trovato questo:

http://www.demauroparavia.it/73143

Ciò significa che il termine non è il frutto di un cattivo giornalismo, ma ha una sua legittimazione storica e politica.

Taibon, la parola „blocco“ può essere certamente sbagliata se osserviamo i due fenomeni (nazismo e fascismo) ad una distanza ravvicinata (lo fa per esempio Renzo De Felice, che da storico analitico del fascismo non parla mai di „nazifascismo“). Ma se ci concentriamo sulle analogie (moltissime) che i due regimi possono manifestare, ecco che il termine „blocco“ ci torna utile. Basta pensare all’effetto che un simile „blocco“ (sancito per di più in un „patto“) esercitò sull’evoluzione del conflitto bellico, in Italia, dopo l’otto settembre 1943.

Cito dal libro di Alexander J. De Grand: L’Italia fascista e la Germania nazista:

„… i movimenti da cui sorsero furono tutti ei due i casi il prodoto di uno stesso clima culturale e sociale determinatosi in Europa dopo la prima guerra mondiale; entrambi i regimi si considerarono non solo come risposta alla crisi del liberalismo in un’età  di organizzazione politica e sociale di massa, ma anche come alternativa al modello bolscevico di organizzazione della società  su base classista; i fascisti forgiarono l’unità  sulla base della nazione organica; i nazisti fecero lo stesso sulla base della razza“.

Insomma, l’errore è relativo.

Gott wen scheißts???
Das erinnert mich stark an eine Diskussion: „Was war schlimmer Faschismus oder Nazismus?“
Es geht darum dass es bei uns erlaubt zu sein scheint, dass ein Duce-verherrlichender Kalender (u.a.m.) frei zum Verkauf steht! So etwas wäre in Deutschland nicht möglich!

In Italien ist der Faschismus leider immer noch nicht aufgearbeitet und die Schuld-Frage nicht geklärt worden (übrigens auch nicht in Südtirol !!!).

Angewiderte Grüße Michi

PS.: Noch schlimmer, als dass diese Kalender verkauft werden ist die Tatsache, dass diese scheinbar auch noch gekauft werden…von Idioten!

Michi, Terminologie ist grund-legend. Im wahrsten Sinn des Wortes. Ich gebe Dir gerne einen meiner Artikel zum Thema. Wurde auch in Berlin bei einer Veranstaltung in Gedenken an A. Politkowkaja verlesen. Also nicht ganz so abwegig, wie machen wohl meinen mögen.

„(übrigens auch nicht in Südtirol !!!).“

das ist nicht in Klammer zu setzen: das ist der springende Punkt.

ja, aber statt so zu tun wie Schützen / Union / Freiheitliche und andere rechtslastige Gruppierungen, die sich vor Rechtsextremen nicht abgrenzen, sollte man zuerst vor der eigenen Tür kehren. Mich widert es einfach an, wie man ständig den Italienern Vorwürfe macht, sie hätten ihre Vergangenheit nicht aufgearbeitet, doch Südtirol hat noch weniger aufgearbeitet. Das ist noch immer das ewige Opfermythos, dass man viele eifrige Mittäter hatte, wird verschwiegen, ebenso, dass viele nach dem Krieg weitergemacht haben, in der Politik und mit dem Rassismus. Walschenhass wurde immer als Minderheitenschutz verniedlicht und verteidigt, und als der Herr Maran Nazi-Parolen von sich gab, wollten Pichler Rolle, der JG-Chef, Bürgermeister die Sache einfach wegreden. Der Faschismus stört ja nur, wenn er „walsch“ ist, den eigenen kehrt man unter dem Teppich oder nicht einmal das, denn man hat kein geringstes Schuldgefühl. Die Schützen haben ja die Naziparolen („könnten wir doch wie einst Hitler… „) bis zu eineinhalb Jahren völlig unbeanstandet im Netz gelassen. Aber über die Italiener schimpfen.
Jahre NS-Terror haben übrigens mehr Tote gefordert als 20 Jahre Faschismus. Aber der Faschismus war ja schlimmer denn er war „walsch“. Wir haben in Südtirol die ganze NS-Problematik verdrängt.

ein Kurzartikel:

Südtirol/Juden
Der Abwesende: Gedenken ohne Landeshauptmann
Und wieder war er nicht gekommen. Er hatte keine Zeit. Für Gedenkveranstaltungen dieser Art hatte er noch nie Zeit. In Bozen wurde ein Gedenkstein für die jüdischen Südtiroler, die Opfer des NS-Regimes wurden, enthüllt. Landeshauptmann Luis Durnwalder glänzte wieder einmal durch Abwesenheit. Er hat offensichtlich ein Problem mit jenem Teil der Geschichte, in dem sich Südtiroler mitschuldig gemacht haben am NS-Terror und am Holocaust, ein Teil der Geschichte, der bisher kaum (und vor allem ohne gesellschaftliche Tragweite) aufgearbeitet wurde. “Die wenigen Südtiroler Widerständler bleiben völlig unverstanden: von den Deutschen als Verräter gebrandmarkt, von den Italienern als Deutsche verhasst“, schreibt der Historiker Gerald Steinacher.
Die Tageszeitung “Dolomiten“ des Medienhauses Athesia hatte eine Spendenaktion für einen Gedenkstein für die jüdischen Bürger Südtirols, die 1943-45 Opfer des Holocaust wurden, ins Leben gerufen. Am 25. April wurde am jüdischen Friedhof in Bozen der Gedenkstein enthüllt. Das künstlerisch gelungene Monument zeigt die Neuronen der Erinnerung, die sich über die Opfer der Shoah spannen. Man müsse die Erinnerung wach halten, damit sich so etwas nirgends auf der Welt wiederhole, erklärte die Künstlerin Ariela Böhm den Gedenkstein.
Zur Enthüllungszerimonie gekommen waren die Bürgermeister von Bozen und Meran, Vertreter der jüdischen Kultusgemeinde sowie – für das Medienhaus Athesia – EU-Parlamentarier Michl Ebner. Nicht erschienen eben Luis Durnwalder – ein Feuerwehrfest war ihm wichtiger als das Gedenken an die vom NS-Terror ermordeten Südtiroler Juden. (mt)

Ich finde den Kalender geschmacklos und bin nicht erfreut darüber, dass er am Kiosk erhältlich ist. Dennoch kann man dem Staatsanwalt in diesem Fall keinen Vorwurf machen, denn er handelt gesetzeskonform. Er kann nicht einfach „einen Präzedenzfall“ schaffen wie das vielleicht in Amerika möglich ist, schon gar nicht im Strafrecht, wo wir Gott sei Dank ein Verbot der Analogie haben.

Ich wünsche mir auch, dass ein Gesetz derartige Publikationen verbietet. Aber natürlich nicht ein Landesgesetz, denn das Land hat keine Zuständigkeit im Strafrecht.
Im übrigen mit Michi einverstanden.

Danke, Alexander, für die Klarstellung. Lediglich was die Zuständigkeit des Landes betrifft war es eine bewusste Provokation. Sind wir denn keine Vorzeige-Autonomie?

Andererseits bedarf es – im Sinne des Nachtrags (Scelba-Gesetz) – wohl weder der Analogie noch des Landesgesetzes!? Sagt der Laie, der ich bin. Oder?

Und nun kann man auch noch Hakenkreuze am Kiosk erwerben. Aus Südtirol Online:

Hakenkreuze am Kiosk

Wer sich dieser Tage durch italienische TV-Kanäle zappt, wird sowohl auf privaten, als auch auf den Kanälen der Rai mit Hakenkreuzen konfrontiert. Denn was in Deutschland undenkbar wäre, ist in Italien erlaubt: Hakenkreuze dürfen öffentlich beworben und verkauft werden. Der italienische Verlag “Hobby&Work” hat sich das zunutze gemacht.

Vertrieben werden die Nazi-Symbole an Kiosken, auch in Südtirol. Kaufen kann man eine Kollektion detailgetreu nachgemachter militärischer Abzeichen und Orden aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges – Hakenkreuze inklusive. Und zwar überall dort, wo auch Zeitungen und Zeitschriften verkauft werden.

Dafür, dass in Italien mit der Vergangenheit verbrecherischer Regime sehr leger umgegangen wird, gibt es genügend Beispiele, auch in Südtirol. Das so genannte Siegesdenkmal, die faschistischen Reliefs am Gerichtsplatz, oder aber der Hitler- und der Mussoliniwein, der auch in Südtirol vertrieben wurde, sind nur einige Beispiele. Der norditalienische Weinproduzent, der Etiketten mit Bildern der beiden Massenmörder auf seine Flaschen klebt, darf seit Jahren, völlig unbehelligt von der Justiz, Wein mit Bildern der Nazi- und Faschismus-Größen, aber auch mit Aufschriften wie “Sieg Heil” verkaufen.

Vergangenheitsbewältigung der etwas anderen Art betrieb auch der Fußball-Profi Paolo Di Canio. Bei Spielen der Serie A zeigte der glatzköpfige Stürmer mit der Tätowierung “Dux” am rechten Arm in den vergangenen Jahren mehrere Male den “römischen Gruß” der Faschisten. Dafür würden ihm in Deutschland bis zu drei Jahre Haft drohen – Paragraf 86a des Strafgesetzbuches verbietet den Hitlergruß, das öffentliche Zeigen von Hakenkreuzen in jeder Form, sowie Bilder von Adolf Hitler oder SS-Runen. In Italien ging Di Canio straffrei aus, denn Meinungsfreiheit hat Vorrang.

Das gilt offenbar auch für die Bewerbung und den Verkauf – faschistischer bzw. nationalsozialistischer Symbole. Das bestätigt auch Staatsanwalt Guido Rispoli gegenüber Südtirol Online: “Wenn es sich – wie in diesem Fall – um ein nachgemachtes deutsches Flugzeugführerabzeichen aus dem Zweiten Weltkrieg handelt, ist der Verkauf und Kauf solcher Objekte für den privaten Gebrauch legal, selbst mit einem Hakenkreuz. Es handelt sich in diesem Fall um ein Objekt mit geschichtlichem Hintergrund”. Strafrechtlich relevant sei es nur dann, wenn diese Ornamente öffentlich zur Schau getragen und dabei die Nazi-Ideologie verherrlicht würde, so Rispoli. Gleiches gelte auch für Werbung: Solange diese auf den geschichtlichen Hintergrund des Produkts hinweise und keine Verherrlichung des Nationalsozialismus betreibe, sei diese legal.

Rupert Bertagnolli

Dass man jetzt Symbole von Verbrecherregimes an italienischen Kiosks erwerben kann stellt eine reine Folgerichtigkeit dar. Wenn ein Staat faschistische Triumphbögen, verherrlichende Duce-Reliefs nicht nur billigt, sondern sogar renovieren lässt, erhält und ins Zentrum von verschiedenen politischen Kundgebungen stellt… würde jedes andere Verhalten im Umgang mit diesen historischen Epochen reine perfide Heuchelei darstellen. So hingegen ist wiedereinmal schlicht der Plafonds an Geschmacklosigkeit und Unkultur erreicht. Nichts neues unter kolonialistischer Sonne.

Schon vor etlichen Jahren, sechs bis sieben werden es sein, waren an einigen Autobahn-Tankstellen eine Mussolini-Büste ausgestellt; ob es Kunden dafür gab, weiß ich nicht. Wir haben dort gar nicht mehr getankt, sondern sind weitergefahren.

Dem Bildungsreferenten der Schützen fällt nichts besseres ein, als einen selbsternannten Revisionshistoriker einzuladen.

Bald wird in den Geschichtsbüchern stehen: Il regime di Mussolini ha contribuito a migliorare la vita dei cittadini: ha costruito case, ha bonificato le paludi…

„ha costruito case, ha bonificato le paludi…“

… c’erano i treni in orario, la ginnastica per tutti, venne eliminata la mafia e si poteva dormire con la porta aperta. ;-)

@ orange

Pardon, ich hatte das nicht geschrieben. Ganz sicher bin ich mir bei der Raststätte „Chieuti“ (Richtung Norden) an der Grenze zwischen Molise und Apulien. Wir wollten dort gerade tanken, als wir diese Büsten sahen. Gerade noch rechtzeitig konnten wir den Tankwart stoppen. Ich wollte damals auch ein Foto machen, hatte aber den Apparat nicht dabei. Später sah ich diese Büsten auch andernorts, jedenfalls im Süden.

Ich entschuldige mich für den Kongruenzfehler in meinem obigen Beitrag. Natürlich heißt es richtig: „…waren an einigen Autobahn-Tankstellen Mussolini-Büsten ausgestellt…“

In unserer kollektiven Empörung, sollten wir auch nicht außer Acht lassen, dass in manche Nationen, die immerhin zu Europa gezählt werden (z.b.Italien, Österreich) immernoch die Existenz von kommunistischen Parteien, Symbolen und Agitatoren erlaubt ist. Ja, geradezu als salonfähig und chic gilt. Diese historischen Schandflecken tragen um nichts weniger zu einer teilweisen gesellschaftlichen Korrumption des europäischen Moralstandards bei.

@ Atlantis

Meines Wissens hat es in Italien bzw. Südtirol nie eine kommunistische Regierung gegeben. Eines ist die kommunistische Ideologie (die ich persönlich teile), eines ihre unvollkommene bzw. ungetreue Verwirklichung.

Dazu ein Zitat von Pete Seeger (hatte ich bereits mal im FF-Forum gepostet):
>I still call myself a communist, because communism is no more what Russia made of it than Christianity is what the churches make of it. But if by some freak of history communism had caught up with this country, I would have been one of the first people thrown in ‚ail. As my father used to say: „The truth is a rabbit in a bramble patch. All you can do is circle around and say it’s somewhere in there.“

Es hat hier auch keine NS-Regierung gegeben. Das hindert mich aber dennoch nicht an einer absoluten Verurteilung.
Mit dem Zitat dieses Textes endet meine Kritik am Kommunismus auch schon. Ich finde nur, dass wir in der Verurteilung von totalitären Ideologien konsequent bleiben müssen um unsere Glaubwürdigkeit zu wahren.

Banalität des Bösen*

Die ganze politische Klasse Frankreichs diskutiert zur Zeit über ein Sammelwerk mit dem Titel „Das Schwarzbuch des Kommunismus“ (Le livre noir du communisme), das unter der Leitung von Stéphane Courtois anläßlich des 80. Jahrestages der russischen Oktoberrevolution im Verlag à‰ditions Robert Laffont herausgegeben wurde. Das Buch, das sich im wesentlichen auf die heute den Historikern zugänglichen Moskauer Archive stützt, hat bestätigt, daß die Bilanz des Kommunismus, die der gerade verstorbene französische Ex-Kommunistenchef Georges Marchais als „im großen und ganzen positiv“ bewertet hat, sich auf etwa 100 Millionen Tote beläuft. Diese Ziffer ist schon an sich schrecklich. Aber nicht sie provoziert die Kontroverse, sondern ihre Interpretation. Es handelt sich um die Frage, ob die kommunistische Idee bereits in sich kriminell angelegt gewesen ist, ob sie ihrer Möglichkeiten nach auf Vernichtung hinauslief und – vor allem -, ob es möglich ist, Nazismus und Kommunismus miteinander zu vergleichen. Stéphane Courtois ist dafür, daß er diese doppelte Frage bejaht hat, öffentlich gescholten worden, er habe versucht, eine Symmetrie als optische Täuschung herzustellen. Indem er feststellte, daß der Kommunismus wesentlich mehr Menschen getötet habe als der Nazismus, habe er dazu beigetragen, die Verbrechen der Nazis zu „banalisieren“. Der französische Premierminister Lionel Jospin ist stolz darauf, „niemals das Gleichheitszeichen zwischen Nazismus und Kommunismus“ gesetzt zu haben. Und er ist nicht allein. Es ist natürlich keine ganz leichte Aufgabe zu zeigen, daß der Kommunismus wertvoller als der Nazismus sei, obgleich er noch zerstörerischer gewesen ist und vor allem, daß der Nazismus wesensmäßig mit nichts vergleichbar sei. Diejenigen, die sich auf solche Konstrukte einlassen, sind schon bald gezwungen, auf die verstiegensten Argumentationen zu zurückzugreifen. So behauptet Jean-Jacques Becker in der November-Ausgabe von L’Histoire, daß der Nazismus, verglichen mit dem Kommunismus, niemals „die selbe große Begeisterung“ ausgelöst habe. Dazu führe man sich nur vor Augen, daß es etwa eine Million ausländischer Freiwilliger in der Waffen-SS gegeben hat, aber nur 35.000 in den Internationalen Brigaden. Die Verbrechen Lenins und Stalins resultierten aus einer Perversion des Kommunismus, der „an sich ein Ideal der menschlichen Befreiung“ gewesen sei, so der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Frankreichs, Robert Hue, während die Verbrechen Hitlers sich ganz folgerichtig aus einer Ideologie ergeben hätten, die seit ihren Anfängen offen auf Gewalt und Haß ausgerichtet gewesen seien. Am Anfang ehrenvoll, sei das kommunistische Projekt am Ende verraten worden. Die kommunistische Idee sei eigentlich eine schöne Idee, die eine falsche Wendung genommen habe.*

Ja, aber wie hat sie sich falsch gewendet? Wie hat sich der Traum in einen Alptraum verwandelt? Und wie kommt es, daß diese Umstände oft zu ähnlichen Resultat geführt haben? Abgesehen davon, ist es nicht sehr tröstlich zu wissen, daß man im Namen des Guten umgebracht wird (genaugenommen ist das wohl eher schlimmer).*

Aber dieses Argument beruht auf einem Sophismus. Die Feststellung, daß der Nazismus ein Programm des Hasses war, macht nicht deutlich, warum die Massen ihn derartig unterstützt haben. Der Nationalsozialismus behauptete, das Gute für das deutsche Volk zu wollen, so wie der Kommunismus vorgab, das Gute für die Menschheit zu wollen. In beiden Fällen mußten die vermeintlichen Feinde der Verwirklichung dieser Ideen vernichtet werden. Die Utopie einer reinen Rasse oder einer klassenlosen Gesellschaft erforderte in beiden Fällen, daß das böse Prinzip – „minderwertige Rassen“ oder eine erbliche „konterrevolutionäre Klasse“ – ausgelöscht wurde, das den Anbruch einer perfekten Gesellschaft verhindern könnte. Folglich spricht es von dieser Perspektive aus gesehen keineswegs für den Kommunismus, daß er das „Gute“ für die Menschheit wollte. Wenn man im Namen eines Volkes kämpft, schließt man aus diesem Volk diejenigen aus, die man bekämpft. Wenn man im Namen der Menschheit kämpft, kann man die Feinde der Menschheit nur außerhalb der Menschheit ansiedeln, das heißt, sie nicht als Nicht-Deutsche oder Nicht-Arier zu behandeln, sondern als Nicht-Menschen. Gerade weil der Kommunismus universalistisch war, weil er behauptete die ganze Menschheit von einem Teil der Menschheit mit Hilfe bürgerkriegsähnlicher Mittel zu befreien, hat er die Menschlichkeit am meisten verachtet.

Die fundamentale Frage ist also nicht, ob die kommunistische Idee am Anfang gut gewesen ist oder nicht, sondern ob diese Idee richtig war. Aber genau diese Frage wird nicht gestellt, weil man heutzutage in Kategorien der Moral und nicht in denen der Wahrheit urteilt. Der Nazismus und der Kommunismus waren beide falsche Ideen. Von daher sind Überlegungen, ob die Ideen mehr oder weniger „gut“ waren ohne Belang, da beide Ideen, auch die „guten“, bewiesen haben, daß sie töten können. Eine falsche Idee aber führt in die Katastrophe, sobald sie angewandt wird.*

Wenn man das voraussetzt, kann man immer noch behaupten, Lenin sei kein Kommunist gewesen. Was aber war er dann?*
*
(A.d.Benoist)

„Ich finde nur, dass wir in der Verurteilung von totalitären Ideologien konsequent bleiben müssen um unsere Glaubwürdigkeit zu wahren“.

Bella cosa, la Glaubwürdikeit. E difficile da raggiungere, soprattutto. Infatti io non penso che la nostra credibilità  aumenti molto citando De Benoist come fonte in qualche modo accreditata.

http://en.wikipedia.org/wiki/Nouvelle_Droite

Ich stimme dem Inhalt seines Textes zu diesem Thema voll zu. :-D
Eine weitergreifende Hexenjagd gegenüber meiner Person ist überflüssig, da ich mich als völlig konformer Demokrat verstehe. Man möge die Fackel wieder aus der Hand legen.

„Eine weitergreifende Hexenjagd gegenüber meiner Person ist überflüssig, da ich mich als völlig konformer Demokrat verstehe“.

Nessuna caccia alle streghe, figuriamoci. Ma da quel che ho capito di te (giudicando cioè le cose in base a quel che scrivi) tu non dovresti essere poi troppo distante da una posizione basata sul culto delle piccole patrie omogenee etnicamente (posizione insomma in linea con quella della „nuova destra“). Posso sbagliare, ma l’impressione è quella.

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