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Open Spaces: Kommet doch all’.

Wie Markus Lobis (Demos Brixen) war auch ich am Samstag bei der Konventveranstaltung in Bruneck, weil ich den Termin in Brixen nicht wahrnehmen kann. Anders als der ehemalige Gemeinderat bin ich aber leider außerstande, genaue (und despektierliche) Angaben zu geografischer Herkunft und Vereinszugehörigkeit der Teilnehmerinnen zu machen.

Doch Lobis’ Einschätzung, dass Selbstbestimmungsgegnerinnen und Progressive (zu) dünn gesät waren, teile ich voll und ganz — wobei ich wohltuend feststellen konnte, dass diese beiden Gruppen nicht deckungsgleich sind. Nicht nur wegen der Anwesenheit von lern.

Ob Bruneck für die weiteren Veranstaltungen des Konvents repräsentativ war, kann man natürlich nicht voraussagen. Die Vielfalt an Positionen, die in der Südtiroler Gesellschaft zweifelsfrei vorhanden sind, war am Samstag jedoch ganz sicher nicht angemessen abgebildet. Das gilt übrigens auch:

  • für die unterschiedlichen Sprachgruppen, wobei wenigstens mehrere Ladinerinnen aus dem unteren Gadertal ihren Weg nach Bruneck gefunden haben;
  • für die Geschlechter, da nur sehr wenige Frauen anwesend waren.

Die Teilnehmenden ob ihrer angeblichen oder tatsächlichen »Organisiertheit« zu verurteilen, halte ich für keine wirklich gute Idee. Wäre die Gruppe der, nennen wir es konservativen Selbstbestimmungsbefürworterinnen, nicht gekommen, hätte man die Brunecker Veranstaltung ohne weiteres in einer Telefonzelle abhalten können.

Erstaunlich und bedauerlich ist vielmehr, dass sich die Befürworterinnen von mehrsprachigen Schulexperimenten, der Beibehaltung faschistischer Ortsnamen oder des Verbleibs beim Nationalstaat Italien offenbar kaum aus ihren warmen Stuben locken lassen, um in einem partizipativ-demokratischen Prozess mit Andersdenkenden in einen konstruktiven Dialog zu treten.

Es wäre schön, wenn sie diese nahezu einmalige Gelegenheit in Brixen, Meran, Neumarkt, La Ila und Bozen wahrnehmen würden.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/

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14 replies on “Open Spaces: Kommet doch all’.”

Ich glaube übrigens kaum, dass Lobis ein Problem damit hätte, wenn es andersrum laufen würde und bei den Open Spaces fast ausschließlich Befürworter von mehrsprachiger Schule, ersatzloser Abschaffung des Proporzes usw. anwesend wären. Dann würde er vermutlich schwadronieren von Offenheit, Partizipations- bzw. Dialogfähigkeit und der demokratiefernen Schicht der Unabhängigkeitsbefürworter — wenn er deren Existenz nicht ganz in Abrede stellen würde.

Herr Lobis wird von Ihnen als präpotentes Gigerl in der Art der Hauptpersonen des Lieds

dargestellt.
Nun, über Geschmack lässt sich streiten; Tatsache ist doch wohl, dass Herr Lobis wohl schon seit langem Assistent eines MdEP ist
https://www.xing.com/profile/Markus_Lobis

Zudem ist er Projektmanager
Projektmanagement

Warum diese Häme? Die Stimme dieses Mannes aus der Weltstadt B. muss doch mehr gelten als die der 120 bis 140 aus dem “Toule”.

der demokratiefernen Schicht der Unabhängigkeitsbefürworter

Demokratieferne Unabhängigkeitsbefürworter die nur am Stammtisch groß reden und ein Mal in fünf Jahren ihr Kreuzl an der richtigen Stelle machen. /ironie

Die Autonomiepatrioten haben sich offenbar verrechnet.
Erwartungsgemäß hatte die politische Elite unseres Landes Denkverbote bezüglich der Selbstbestimmung verkündet. Anscheinend hatte man sich daraufhin erhofft, daß Selbstbestimmungsbefürworter sich nun wie ein trotziges Kind verhalten, das man nicht mitspielen lassen will. Es stampft zornig mit dem Fuß auf, zieht einen Schmollmund und fügt sich dann ins Unvermeidliche. Stattdessen ist man nun erstaunt -und offensichtlich fast schockiert, daß sich die Achse des Bösen, bestehend aus sogennanten “Tirolpatrioten” und Sezessionisten jeglicher Coleur so zahlreich am Konvent beteiligt. Dabei hätte es ohne diese ungebetenen Gäste so “schön” sein können: das Konvent wäre ein politisches Konklave geworden, bei dem man zwar das eine oder andere “aggiornamento” abgesegnet hätte, bei dem aber an grundsätzlichen Glaubenswahrheiten nicht gerüttelt worden wäre, zum Beispiel, daß der bloße Gedanken an Selbstbestimmung eine Todsünde ist und die Autonomie die alleinseeligmachende Gnade – Roma locuta, causa conclusa. Amen.
Und jetzt das….
Vorige Woche hatte Susanne Pitro von “Rechtsdrall” gesschrieben, diese Woche war Markus Lobis mit einem mehr oder weniger lustigen Beitrag dran. Man ist frustriert, daß die Leute mit der “richtigen” Einstellung lieber daheim auf Salto bloggen, während die Töldra, Tschöggl, Tirolpatrioten und so weiter dort sind, wo im Augenblick die Musik spielt……

Freu Dich mal nicht zu früh:
Es gibt genügend Leute, die diese Querfront durchblicken.
Der Konvent dauert noch lange. In diesen Versammlungen wird eine qualitative, keine quantitative Erhebung vorgenommen (siehe auch: Kommentare lost in Translation)
Am Thema Selbstbestimmung kommt man nicht vorbei, das war klar. Eine Diskussion darüber, wie ein Ergebnis nach der Abstimmung aussähe lohnt sich unbedingt. Eine Rückkehr zu Tirol wird teilweise ausgeschlossen…. (Kripp Sigmund).

Es gibt genügend Leute, die diese Querfront durchblicken.

Ja sicher, spätestens wenn dann im Rat der 33, Berufspolitiker und Verfassungsjuristen unter sich sind, wird man die Ergebnisse des open space aushebeln und wieder ein tolles Resultat zwischen Immersionsschule und zeitweiser Aussetzung des Proporzes ausküngeln.
Lieber als hier abschätzig von Querfront zu sprechen sollte man sich an den Diskussionen beteiligen und nicht die beleidigte Leberwurst spielen, da man sich der freien Diskussion entweder ganz entzieht oder, wenn man daran teilnimmt plötzlich außerhalb der biotopmäßig geschützten Räume unserer Mainstreammedien, die bestimmte Themen systematisch kleinreden oder ignorieren, nackt und ohne Argumente dasteht.

(…) spätestens wenn dann im Rat der 33, Berufspolitiker und Verfassungsjuristen unter sich sind (…)

Die werden nicht unter sich sein. Es werden u.a. auch acht BürgerInnen aus dem Forum der 100 in den Konvent der 33 entsandt.

@niwo
Es ist nicht zielführend die verantwortlichen Politiker bereits im Voraus zu diskreditieren und so einen (noch) offenen Prozess zu behindern.

In einer Demokratie müssen mehrere Meinungen nebeneinander existieren können, ansonsten handelt es sich um eine plebiszitäre Diktatur.
Ich fordere eine neue Sachlichkeit. Wie kann ein Konsens jenseits von Grabenkämpfen der Lager gefunden werden? Eines scheint klar zu sein, dass der Wunsch der Beendigung des “Prinzip der Trennung” zumindest teilweise existiert. Der wesentliche Unterschied zwischen BBD und Lobis liegt nicht in der Sache sondern im Zeitpunkt vor oder nach einer Abstimmung.
An dieser Stelle wiederhole ich meine Vorschläge zur Besänftigung der “Identitären”:
– Toponomastikregelung demokratisch auf Gemeindeebene
– Beibehaltung einer “italienischen” und “deutschen” Schule jedoch mit Immersionsunterricht wahlweise Englisch/Italienisch/Deutsch
– Landespolizei mit Zuständiglkeit Verkehr, Finanz, Gemeinde
– Post zum Land
– Sport: Euregioligen Fussball, Eishockey, Volleyball, Handball, …
Inhaltlich wird sich Lobis auch allen Forderungen, die im Artikel http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=26879 schön zusammengefasst sind nicht verwehren.

P.S.: Das Verlassen des Biotops kann umgekehrt auch nicht bedeuten, sich freiwillig in ein Korsett der Zwangsbeglückung zu begeben. Gerne bin ich für Medienkritik bereit, dann aber bitte die ganze Geschichte: Griechenland, Bankenrettung, Entsolidarisierung durch Aufgabe des europäischen Stabilitäspakts, ….

Es gibt genügend Leute, die diese Querfront durchblicken.

Tut mir leid, das hört sich jetzt fast ein bissl nach Verschwörungstheorie an. Wer steckt dahinter ? Etwa die Süd-Tiroler Freiheitmaurer ?

In diesen Versammlungen wird eine qualitative, keine quantitative Erhebung vorgenommen

Wie soll das gehen ? Wie stark die Zustimmung zu einem Thema ist kann man messen, aber wie willst du die Qualität von Beiträgen bewerten? Applausometer ? Likes auf Facebook ?

Es ist nicht zielführend die verantwortlichen Politiker bereits im Voraus zu diskreditieren und so einen (noch) offenen Prozess zu behindern.

Ich glaube zwar nicht, daß niwo das wollte, aber ich stimme dir durchaus zu. Dasselbe sollte allerdings auch für die Teilnehmer gelten.

In einer Demokratie müssen mehrere Meinungen nebeneinander existieren können

Kein Problem damit. Überleg doch mal wer in den vergangenen Jahren bestimmte Themen als ewiggestrig oder rückwärtsgewandt stigmatisiert hat? Oder zu welchen Themen in den Medien der Ball bewusst oder subtil flach gehalten wurde? Übrigens welcher Politiker/Wissenschaftler hat denn schon vor Beginn des Konvents die Diskussion über bestimmte Themen als Zeitverschwendung bezeichnet?
Ich sehe es autonomiepolitisch, und da reden wir noch lange nicht von Unabhängigkeit oder Selbstbestimmung, als sehr problematisch, dass in der großen Partei, abgesehen von einigen Lichtblicken, mittlerweile sehr wenig Leute sitzen die in freier Rede einen autonomiepolitischen Kozeptgedanken glaubwürdig und schlüssig vortragen können. Damit meine ich keinen Marketingsprech und auch keinen Verwaltungsjargon über Bauleitpläne.

@ Manni

Wie soll das gehen ? Wie stark die Zustimmung zu einem Thema ist kann man messen, aber wie willst du die Qualität von Beiträgen bewerten? Applausometer ? Likes auf Facebook ?

Qualitativ bedeutet eben nicht ‘messen’. Etwas zu messen, heißt die Quantität eines bestimmten Elements zu erfassen. Das passiert auch mit einem Applausometer oder den Likes.
Qualitativ bedeutet nicht “viel” oder “wenig” aber auch nicht “gut” oder “schlecht” (wie fälschlicherweise oft angenommen). Qualität ist sozialwissenschaftlich ein “neutraler” Begriff.
Wenn ein qualitatives Instrument angewandt wird, dann heißt das, sehr vereinfacht, dass nach Ausprägungen/Eigenschaften/Wesenselementen geforscht wird.
Auf die Open Spaces übertragen bedeutet das, dass Themen in ihren unterschiedlichen Ausprägungen erfasst werden sollen. Also nicht nachzählen, wieviele Menschen z. B. CLIL befürworten, sondern unterschiedliche Argumente und Ideen rund um die Frage “CLIL ja/nein?” sammeln.

Mich würde Ihre Meinung interessieren zu welchen Themen es sinnvoll wäre bei einem Autonomiekonvent zu diskutieren.

Die gestalterische Kraft partizipativer Prozesse erwächst aus der Heterogenität der Teilnehmenden.
Neben der Möglichkeit, Themen einzubringen, geht es vor allem um den Austausch und das (Weiter)Entwickeln von Ideen und konkreten Vorschlägen. Das allein ist natürlich auch unter Gesinnungsgleichen möglich. Allerdings kann der respektvolle Dialog in differenziert besetzten Gruppen zu einem zusätzlichen positiven “Nebeneffekt” führen: Die Essenz der Demokratie, nämlich das argumentative Aushandeln, wird für eine breitere Bevölkerungsschicht erfahrbar, lebendig, auch erlernbar.
Und nur so, davon bin ich überzeugt, kann Demokratie in unseren Gesellschaften nicht nur überleben, sondern sich weiterentwickeln.
Deshalb stimme ich Simon zu, kommet doch all’…

Ich habe die Diskussion auf Salto verfolgt. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welchen Vorurteilen Menschen aus dem grünen Dunstkreis Andersdenkende diffamieren und vor allem pauschalisieren. Es grenzt an Rassismus, wenn “Töldra” pauschal als der nichtprogressive Teil der Bevölkerung eingestuft werden. Ich habe einige Töldra kennengelernt, zumeist sehr liebenswerte und intelligente Menschen. Zum Glück hat hunter sehr gut gekontert, der Verlauf der Kommentare ist lesenswert und vor allem entlarvend, wie der selbst ernannte progressive Teil der linken “Reichshälfte” die übrigen Mitbürger einschätzt.

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