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Tourismus: Europaregion… kaputt.
SVP lehnt gemeinsame Marke ab

Vor rund 15-20 Jahren bereits hatte ich die Tourismusverbände in Nord-/Osttirol und Südtirol angeschrieben, um mich nach etwaigen Plänen für eine stärkere Zusammenarbeit oder gar für einen Zusammenschluss zu erkundigen. Soweit ich mich erinnern kann, bekam ich damals aus Bozen gar keine Antwort. Wessen ich mich aber ganz genau entsinnen kann, ist die Antwort von der Tirol-Werbung in Innsbruck. Sinngemäß: Wir täten schon wollen, aber die Südtiroler zeigen kein Interesse.

Schon öfter habe ich mich seitdem geärgert, dass ich besagte Mail nicht archiviert hatte, denn so viel Offenheit ist selten.

Beim jetzigen Dreierlandtag in Trient — der Dreierlandtag ist das Gremium, das die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Europaregion Tirol symbolisiert wie kaum eine andere Institution — wurde die ablehnende Haltung der Südtiroler Politik bei diesem Thema jedoch offenkundig. Und jetzt haben wir es auch amtlich und schwarz auf weiß.

Wie die Tiroler Tageszeitung (TT) berichtet, sah ein Initiativantrag von »Tourismusexperte und FP-Klubomann Rudi Federspiel« — in Anlehnung an einen Beschluss des Dreierlandtags 2014 — die Schaffung einer Dachmarke für die drei euregionalen Tourismuswerbungen sowie die Einleitung eines Markenbildungsprozesses vor. Die gemeinsame Marke Tirol sollte durch den Zusammenschluss der drei relativ kleinen Destinationen vor allem in entfernten Märkten wie USA, Brasilien oder China für mehr Schlagkraft sorgen.

Federspiels Antrag wurde zwar angenommen, ist aber laut TT wohl eher für die Schublade: Die Abgeordneten aus Nord-/Osttirol hätten den Vorstoß nämlich »einhellig« unterstützt, während die Zustimmung aus Südtirol und dem Trentino eher bescheiden ausfiel. Die Südtiroler Volkspartei (SVP), die die Zusammenarbeit in der Europaregion so gern als Alternative zur Loslösung von Italien präsentiert, stimmte gar geschlossen dagegen.

Siehe auch:

Außendarstellung Grenze Medien Politik Tourismus Wirtschaft+Finanzen | | | TT | Nord-/Osttirol Südtirol/o Trentino | Euregio Freiheitliche SVP | Deutsch

9 replies on “Tourismus: Europaregion… kaputt.
SVP lehnt gemeinsame Marke ab

Die Nordtiroler würden schon gerne, aber die Südtiroler wollen nicht …

Und diese traurige Feststellung zieht sich wie ein roter Faden bzw. wie die »unsichtbare Grenze« quer und längs durch unser Land.

Die Südtiroler torpedieren so ziemlich alles, was die beiden Landesteile etwas näher zusammen bringen könnte. WARUM tun sie das?
Ist die Angst, dass die Nottiroler mehr von der Sache profitieren könnten, wirklich so groß?
Die Südtiroler müssten nur sagen: NEIN, wir wollen mit euch Nordtirolern nichts mehr zu tun haben. Und mit diesem Wurmfortsatz namens Osttirol schon gar nicht. Und eure Staatsbürgerschaft könnt ihr euch sonst wohin stecken.
Sie müssten es nur sagen, und jeder in Ö würde das ohne Wenn und Aber respektieren.
Aber sie tun es nicht, aus bekannten Gründen.

Im Übrigen finde ich es eine unerhörte Frechheit, wenn in sämtlichen Südtiroler Prospekten das Hochpustertal bei Winnebach/Innichen endet. Dann beginnt nicht das Osttiroler Hochpustertal, sondern Österreich.
Gleichzeitig aber ungeniert und fordernd nachfragen, wann denn der Radfahrweg von Innichen nach Lienz (wegen der derzeitigen Bauarbeiten) wieder ungehindert befahrbar ist, kann auch nur einem Südtiroler Touristiker einfallen …
Vielleicht wiederhole ich mich wenn ich (auch aus eigener Erfahrung) behaupte, die Südtiroler sind kein beliebtes Volk. Man sieht sie lieber gehen, als kommen. In Nordtirol mehr als in Osttirol.

LG

… da gibt es viel zu erinnern und zu beanstanden! – Es fängt damit an, dass es ein Bundesland TIROL gibt und damit den Alleinvertretungsanspruch deutlich macht!
Mit Südtirol und Osttirol(?) ist man Tirol zweiter Wahl. Im Falle von S.Tirol kommt dies den Sog. VP-lern und ihren Parteigängern/Stimmvolk ganz gelegen, weil man sich so als etwas besonderes fühlen kann! Die Tourismus-Entwickler haben diese Befindlichkeit weiterentwickelt, – man ist “alpin-mediterran” mit Betonung auf Letzterem! – Und so haben sich alle “ihr” Tirol zurechtgezimmert … und im Tourismus leben wir immer schon “nebeneinander her”, wohl übertragbar auf das einfache Empfinden sehr vieler Tiroler aller Landesteile! – Das gemeinsam gelebte und empfundene TIROL gibt es wohl mehrheitlich unter den Menschen der Kultur und der Bauernwelt.

jap, aus marketing-sicht wäre südtirol schön blöd, wenn es sein gesamtes Konzept und die vielen investierten millionen aufgeben würde. ich finde die idee auch recht stupide. wozu denn _noch_ eine dachmarke? wieso kann man nicht einfach “nur” zusammenarbeiten, ressourcen teilen/optimieren? es braucht dafür echt keine eigene dachmarke.

… bedeutet man nimmt sich mal da mal dort! – Wie es dem Profit gerade gut tut! – Der Mensch lebt nicht vom Brot allein …

Wie kann man nur so eine Partei wählen? Kein Wunder, dass die Österreicher die Schwesterpartei ÖVP bei der Wahl abgestraft haben. Hoffentlich passiert das auch bald bei uns.

“Unser Ziel ist und bleibt die Vollautonomie”.
Offtopic, aber dieser Spruch ist mir wieder eingefallen, als ich Euregio gelesen habe.
Ein weiterer Papierzombie.

Nun mal angenommen:
Es gäbe so was ähnliches wie eine »Fußballnationalmannschaft« der Regionen. Würde Südtirol zusammen mit Nord- und Osttirol als Mannschaft »Region TIROL« bei intern. Meisterschaften antreten?
Eher nicht. Südtirol würde ohne in Rom nachzufragen behaupten, Italien würde das nicht zulassen …
Diese Frage ist ohnedies nur rein spekulativer Natur, weil so etwas wird es nie geben, wie es auch ein Europa der Regionen nie geben wird. Zumindest nicht in den nächsten 200 Jahren.
Es muss doch jemand ein hoffnungsloser Träumer sein um zu glauben, Frankreich, Italien, Polen oder England hört (freiwillig) als Nation auf zu existieren. Den Deutschen würde ich es allerdings zutrauen- und das schon in den nächsten 20 Jahren.

Nochmals angenommen:
Die Nationen blieben erhalten, und es gäbe trotzdem eine Meisterschaft der der Regionen.
Ich wette meinen Almdudler den ich gerade saufe, es würden alle Regionen in Europa teilnehmen, nur nicht die »Region TIROL« … weil Südtirol aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen die Teilnahme verweigern würde … wie sie auch jetzt so ziemlich alles verweigern was neu- und nicht zu hundert Prozent durchkalkulierbar ist- und möglicherweise dem jeweiligen Partner (z.B. Nordtirol) mehr Nutzen bringen könnte …

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