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Kaiserau? »Interesse Null.«
Casanova, Kaiserau, Neuhaus, Bivio?

Unsere Susanne hat mir einen Briefwechsel zwischen ihr und der SASA zum Gebrauch der Ortsbezeichnung »Casanova« zukommen lassen, den ich hier veröffentliche.

Betreff: Linea 3

Buona sera! Gradirei sapere perché la linea 3 porta come capolinea il nome “Casanova”. Il nome più antico della zona è “Kaiserau”, quindi sarebbe più adeguato. Ancora meglio sarebbe riportare ambedue le denominazioni. Non Vi sembra?

Distinti saluti.

[Susanne]

Antwort der SASA:

Sehr geehrte Frau [Susanne],

bezugnehmend auf Ihre Anfrage im Hinblick auf die Namensgebung “Casanova” der Endhaltestelle der Linie 3 in Bozen, teilen wir Ihnen mit, dass diese Bezeichnung nicht von unserem Unternehmen, sondern von der zuständigen Gemeinde Bozen eingeführt wurde.

Anbei übermitteln wir Ihnen die Stellungnahme des Herrn Bürgermeister Dr. Luigi Spagnolli, welche er uns anlässlich einer ähnlichen Anfrage wie der Ihrigen zukommen ließ, und hoffen, dass wir hiermit Ihrer Anfrage Genüge tun können.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung und verbleiben

mit freundlichen Grüßen

SASA SpA-AG

Direktionssekretariat

[XXX]

Anhang (Schreiben des Bürgermeisters):

CASANOVA (auf deutsch am besten übersetzbar mit NEUHAUS) ist der Name eines Projektes, besser gesagt eines Vorprojektes. Der ehemalige Stadtrat Bassetti hat damit ein ganz innovatives Genehmigungsverfahren genannt, wobei die Vorplanung eines neuen Stadtviertels, jenes hinter der Ortlerstrasse, nicht, wie bis damals, praktisch ganz dem beauftragten Projektanten frei gelassen war, sondern mit bestimmten Bedingungen – mehr als vier Seiten, in der Ausschreibung – von der Stadtverwaltung pünktlich und ausreichend bestimmt wurde.

Dann ist es geschehen, dass dieser Name von mehereren Leute benützt wurde: von den einzelnen Bauprojektanten und -firmen, von denjenigen, die dort sich eine Wohnung gekauft, gebaut oder bekommen haben, von den Anrainern, usw ..

In einer “normalen” Stadt (wie z.B. Innsbruck, Verona, Berlin oder Paris, wo ich ähnliche Situationen persönlich gesehen habe) wäre dies genug um den neuen Name ab jetzt offiziell benützen zu dürfen, ohne besonderen Diskussionen. Nicht so in Bozen, wo die Genehmigung eines neuen Name immer nur nach ewigen Auseinandersetzungen, auf ethnischer, Parteipolitischer, persönlicher und geschichtlicher Ebenen, stattfinden kann.

Deswegen ist der Name Casanova bis dato nie offiziell geworden. Es ist aber so, dass die SASA AG, die einen Dienst leistet, wobei die Leute am besten verstehen müssen, wohin ein Bus fahrt, diesen inoffiziellen Name gebraucht: und somit wissen die Buspassagiere besser als sonst, wohin sie fahren.

Die SASA AG ist berechtigt, sowas zu machen. Das ganze hat gar keine “politische” Bedeutung. Ich bin weder für noch gegen den Name CASANOVA: bin aber für die Leute, und zwar erwarte ich mir, dass sie einen guten Busdienst bekommen. Wenn Sie nach dieser Erklärung nicht zufrieden sind, weil sie denken, dass das ganze eine heimliche Italianisierung Südtirols darstellt, kann ich Ihnen eine Reihe von Fällen zeigen, wo auf ähnlicher Weise neue Namen nur auf Deutsch neu gegeben wurden: damit es klar ist, dass solche Verfahren vielmehr für die Bestätigung des Deutschsein des Landes gebraucht werden, als für die “ItaJianisierung” desselben. Aber dieses Argument, verstehen Sie mich, hat für mich Interesse Null.

Hochachtungsvoll

Luigi Spagnolli

Letzter Akt:

Sehr geehrte Frau [XXX],

ich habe mir den Brief des Bürgermeisters durchgelesen, obwohl dies angesichts des dürftigen Deutsch nicht problemlos war. Ich will gar nicht polemisieren, da es meiner Ansicht nach ob der Vorurteile, die ich auch in besagtem Schreiben erkenne, vergebene Liebesmüh wäre. Hinweisen möchte ich nur darauf, dass für viele Bozner der Name “Casanova” gar nichts bedeutet, “Kaiserau” jedoch schon.

Mit bestem Gruß

[Susanne]

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17 replies on “Kaiserau? »Interesse Null.«
Casanova, Kaiserau, Neuhaus, Bivio?

das deutsch des herrn bürgermeister ist ja tatsächlich ernüchternd katastrophal.

und überhaupt: ist die weitergabe der stellungnahme dess bürgermeisters zu der sache — die laut SASA aber an einen anderen adressaten/andere adressatin gerichtet war — nicht ein verstoß gegen das briefgeheimnis? oder ist das allen ernstes der offizielle standpunkt des gemeindeoberen zur toponomastik im allgemeinen… jeder wie er mag, mal so, mal anders, (denn mich tatsächlich damit außeinanderzusetzen ist mir zu anstrengend)… erinnert mich sehr an eine geschichte von peter bichsel — “ein tisch ist ein tisch”

Die SASA schreibt sie könnte nichts dafür, die Schuld wäre von der Gemeinde und legt als Beleg einen Schrieb des Bürgermeisters bei, wo er behauptet dass die Entscheidung nicht er getroffen hat sondern die SASA. Grübel grübel…

Ja das ist auch eine Form von Zweisprachigkeit: Auf italienisch Denken und auf deutsch Schreiben. Wenn man einen Abschnitt nicht versteht, kann man ihn sich auf italiensich Übersetzen. Dann ist er besser verständlich. Und das ist auch gar nicht so schwer, denn der Satzbau ist eh weitestgehend erhalten geblieben.

P.S.
Warum antwortet die SASA auf einem italienischen Schreiben auf deutsch?

Das habe ich mich auch schon gefragt. Es widerspricht nämlich gegen die Zweisprachigkeitsgesetze. Möglicherweise hat Susanne eine Erklärung dafür!?

Ich frag mich sowieso, warum ich auf Italienisch geschrieben habe. Egal. Ich denke, die Antwort kam auf Deutsch, weil mein Vor- und Nachname danach klingen. Hätte ich Vor- und Nachnamen beibehalten, die ich bis vor siebzehn Jahren trug, wäre die Antwort wohl auf Italienisch gekommen, selbst wenn ich auf Deutsch geschrieben hätte.

Das ist übrigens so eine Sache: Sich auf den Klang bzw. die Schreibung des Namens zu verlassen. Meine Tochter wurde von Amts wegen in eine italienische Grundschule eingeschrieben, obwohl sie den deutschen Kindergarten besucht hatte, nur weil sie einen italienischen Nachnamen trägt.

P.S. Ich bin mir sicher, dass Herr Spagnolli den Kommentar persönlich verfasst hat. Aus Erfahrung weiß ich, dass er Briefe nicht diktiert, sondern selbst schreibt. Eine gute Sache, finde ich. Dennoch, da es sich nicht um Privatbriefe handelt, sondern um Mitteilungen, die mit einem öffentlichen Amt zu tun haben, würde ich an seiner Stelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Das ist nicht gesetzeskonform: Der Name darf nur benützt werden um die “mutmaßliche” Sprache des Bürgers zu “erraten” wenn es sonst keine Anhaltspunkte gibt. Wenn jemand ein öffentliches Amt anschreibt muss aber zwingend in der gleichen Sprache geantwortet werden. Der Name darf auch nicht verwendet werden, um ein Kind einer Schule zuzuweisen.

Vieleicht passt es nicht ins Cliche der SASA, dass sich ein “Italiener” für die Pflege deutscher Ortsnamen interessiert.

Alex, es ist jetzt zwölf Jahr her, aber ich habe das Bild noch vor Augen. Ich war im Sekretariat jener Schule, an der ich lange gearbeitet hatte und an der auch der frühere Kollege arbeitete, der das Ressort in der Gemeinde übernommen hatte, nachdem der frühere Leiter erkrankt war, der ebenfalls an jener Schule tätig war. Ich beschwerte mich bei dem anwesenden Gemeinde-Assessor über das Verfahren, zumal meine Tochter den deutschen Kindergarten und sogar den deutschen Kinderhort besucht hatte. Er antwortete mir nur kurz, das sei halt so die Praxis. Damals hatte ich nicht die Zeit und die Kraft, dem nachzugehen. Meine Tochter hat schließlich die von uns gewünschte, weil sich im Wohnviertel befindliche Pestalozzi-Schule besucht, von Amts wegen eingeschrieben wurde sie aber in eine italienische, ich glaube die Martin-Luther-King-Schule.

Casanova? Da fällt doch einen vielleicht auch der legendäre und sagenumwobene Liebhaber aus Venedig ein…

Und dann steht das auf einem Bus der SASA… das ist doch ein Witz.

Schämen sollten die sich…

Das Projekt sollte Casanuova heissen, nicht Casanova – es handelt sich hier um Neue Häuser, nicht um einen Liebhaber…
Also Ignoranz auf voller Bandbreite! :-)

Stimmt, weil der Durchschnittsmensch, sprich Ottonormalverbraucher, natürlich an Latein denkt….

Casanova ist ein gängies Wort, welches man in erster Linie nicht mit “neues Haus” assoziiert, sondern mit dem legendären Liebhaber…

Da gab es doch eine Bar in Bozens Altstadt, die hieß doch auch Casanova….

@Dolomiticus: Casanova ist sicherlich nicht Latein. Ich kenne nur einen Casanova, und der hiess Giacomo…

@pérvasion: bitte entschuldige, dass ich vom Thema abgewichen bin – aber ich bin eben nicht aus der Bozner Umgebung und weiss auch nicht wo die Kaiserau ist… Aber wer Casanova war – das bilde ich mir ein zu wissen. :-)
Und mit “neuen Häusern” hat der nix zu tun.

Eine gute Nachricht! Die Endstation heißt seit dieser Woche “Casanova/Kaiserau”. Somit wissen endlich auch viele deutschsprachige Bozner, wohin die Fahrt geht. Ich weiß nicht, wem Dank gebührt, jedenfalls ist dies eine nette Nachwahl- sowie Wiederwahl-Handlung.

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