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Ernüchternder Diskussionsabend.

Gestern Abend hat im Ahrntal eine höchstkarätig besetzte Diskussion zum Thema »Autonomie oder Selbstbestimmung« stattgefunden. Obwohl sie die selbstverwaltete Volksbefragung der Süd-Tiroler Freiheit wörtlich (und wenig respektvoll) als »Sandkastenspiele« bezeichneten, sind sie alle angetreten: Landeshauptmann Durnwalder, Kammerabgeordneter Siegfried Brugger, Senatorin Helga Thaler Außerhofer, Parteiobmann Richard Theiner und Landesrat Hans Berger.

Im Grunde war es eine ernüchternde Werbeveranstaltung für die Autonomie, welche die unglaubliche Konzeptions- und Visionslosigkeit der Regierungspartei, aber auch der aus dem Publikum intervenierenden Oppositionspolitiker aufgezeigt hat. Die Unfähigkeit, auch nur ansatzweise über den Tellerrand des Nationalstaatsmodells hinauszudenken, die zentrale Wichtigkeit der Ethnie und deren Verteidigung, die Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker (und das erneut vom Landeshauptmann bemühte Schreckgespenst eines Kriegs) sind frappierende Zeichen für eine selbstgefällige Politikerklasse, die keines innovativen Gedankens fähig ist.

Dabei waren die wichtigsten Argumente für die Autonomie die wirtschaftlichen Verbesserungen seit den 50er Jahren (»fragt doch die Alten!« so die wiederholte Aufforderung) und die ethnischen Errungenschaften seit dem Faschismus — als ob wir aus Ehrfurcht nicht über die Lösung der aktuellen Probleme (z.B. die Zementierung der inneren Grenzen zwischen den Sprachgruppen) und über die zukünftige (regionale, kontinentale, planetare) Entwicklung nachdenken dürften.

Die Krönung des Abends war der Vortrag eines Lokalpolitikers (Ortsobmann? Bürgermeister?), der seine Unabhängigkeitsgegnerschaft vor allem damit begründete, dass wir uns mit den 10% mehr Steuereinnahmen, die wir dann hätten, wahrscheinlich kein Militär, keine Polizei und kein Verfassungsgericht leisten könnten. Und dann die Förderungen für die Trachten kürzen müssten. Einfach köstlich.

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23 replies on “Ernüchternder Diskussionsabend.”

E le argomentazioni a sostegno dell’autodeterminazione a quali mirabili intelligenze erano affidate?

Es war eine reine Werbeveranstaltung für die Autonomie, der Titel somit irreführend. Es gab lediglich ein paar Wortmeldungen mir unbekannter oppositioneller Gemeindepolitiker, die wie beschrieben nur bewiesen haben, dass auch sie nicht über das nationalstaatliche und ethnische Modell hinausdenken können.

@pérvasion Wir oppositionellen Gemeindepolitiker haben sehr wohl bewiesen, daß wir über das nationalstaatliche und ethnische Modell hinausdenken können! Wir haben uns für die nächste Selbstbestimmungsveranstaltung in St. Peter (21.05.11) einen renommierten Kenner des politischen Schweizer Staatssystems eingeladen.
Für uns ist die Schweiz das Vorbild eines vereinigten Europa. Dort leben 4 Sprachgruppen seit Jahrhunderten friedlich zusammen, und das kam nur dadurch zustande, daß man eine schwache Zentralregierung, starke Lokale Körperschaften und vor allem die direkte Demokratie hat!
Dieses Idealmodell wollen wir auch für Süd-Tirol erreichen. Wenn man es auf die ganze EU ausweiten kann, dann soll es uns nur recht sein.

Meiner Meinung nach war dieser Abend nichts anderes als eine bodenloße Blamage für die Südtiroler Freiheit. Neben einer Beschämenden und beleidigenden Ausdrucksweise waren die Wortmeldungen der Oppositionspartei unrealistisch, sinnlos und nur dem Zwecke der Provokation dienend.

Der Abend wird hier dargestellt als Werbung für die Autonomie, obwohl dies zurzeit die einzige Wahl ist (wie der Landeshauptmann des öfteren betonte), da es einen Vertrag gibt, der eingehalten werden muss und wenn er nicht gebrochen wird, ist die Selbstbestimmung nicht möglich, was nach meiner Meinung nach auch nicht in die Köpfe der Südtiroler Freiheit rein wollte.

Ein letztes Wort noch zu den Straßen. Ich glaube mal zu wissen, dass sie noch nie in einem besseren Zustand waren als jetzt. Klarerweiße ist sie ZURZEIT in einem nicht so gutem Zustand, da die Verlegung des Glasfaserkabels in vollem Gange ist und ich mir gestern dachte, dass der Wortmelder wahrscheinlich nicht mal Internet hat, oder lieber mit der alten Linie weiterschlafen möchte.

@ Unbekannt: Falls du hier weiter mitdiskutieren möchtest, bitte ich um Angabe einer gültigen Emailadresse (die selbstverständlich nicht veröffentlicht wird).

Für Teldra und Unbekannt: Es ist übrigens nicht erforderlich, eine (inexistente) Webadresse anzugeben.

Fraglich nur wie sich Freistadt, Anschluss an Österreich und ein “Staat ohne Grenze” zeitgleich verwirklichen lässt?
Traurig aber, wenn man Politiker “auf den Mond schiessen muss”…

Es wird doch jede noch so unwichtige Veranstaltung an der ein SVP Redner beteiligt ist zu einer Autonomie und SVP Werbeveranstaltung. Für mich war das wieder einmal eine klare Blamage der Volksparteiler und der Beweis daß die Autonomie längst veraltet ist.

Il livello era troppo basso da entrambe le parti e l’arroganza era inversamente proporzionale. Tra il resto il tema non è stato discusso. Ma se da un valligiano qualsiasi che probabilmente non si occupa di politica quotidianamente è comprensibile, da parte dei politici era davvero insostenibile.

L’autonomia è unica soluzione? Bello, è un’ottima strategia. Basta convincersene e tutti i problemi sono finiti. Basta convincersi che lo spaventoso declino economico e socio-politico del sistema italiano non avrà  nessuna ripercussione sul nostro sistema. Basta abituarsi all’idea che la società  in cui si è nati sia l’unica possibile.
L’affermazione di Berger era illuminante a riguardo: “Die Einfuerung der Proporz haben wir der Autonomie zu verdanken!” non poteva essere più chiaro. La SVP invece che scegliere la strada dello spostamento dei confini esterni ha pensato di crearne di interni, tanto più perniciosi in quanto invisibili.
L’effetto è all’incirca lo stesso, forse peggiore; perchè pochisimi prendono in considerazione la realtà , le cose belle e brutte, che avvengono al di sotto di Salorno. E di fatto le barriere interne continueranno a mantenere vivi i conflitti ed i fantasmi del passato che renderanno per lungo tempo una convinvenza sincera. Gli italiani che vivono una sindrome da esclusione, gli altri una sindrome da assedio…

D’altra parte parlare di queste cose sarebbe stato fuori luogo, avremo scatenato le ire di entrambi. perchè poi alla fin fine l’orizzonte mentale entro cui si muovono SVPler e molti sostenitori di STF è lo stesso…

Glaubt ihr, dass die Väter der Autonomie viel schlauer waren und nur edle Ziele vor Augen hatten? Ich denke, dass alle nur mit dem selben Wasser gekocht haben.

die Väter der Autonomie viel schlauer waren und nur edle Ziele vor

Man sagt Magnago habe sich damals leicht getan von dem schwarzen ins braune und danach ins (edel-)weisse Hemd einzuschluepfen. Es sind aber nur Geruechte, die man vermutlich nicht mehr pruefen kann; niemand hat auch die Interesse dafuer…
Was allzusicher ist das wir heute fast ausschliesslich mit Leute des XX Jahrhundert zu tun haben. Da nuetzt alles nichts: Vorschritt ist es bei der Autonomie sowie bei der Selbstbestimmung in die gegebenen Form kaum zu erwarten… Italien hat vor 150 Jahre zuerst die Landeseinheit und erst viel spaeter eine sehr lueckenhafte geistliche Einheit erreicht. “Abbiamo fatto l’Italia, ora dobbiamo fare gli italiani” hat es damals geheissen.
Wir sollten vielleicht besser zuerst die Suedtiroler machen, dann auch Suedtirol…

Eine kleine Postilla zur Thema: gestern bei der Franz Innerhofer Gedenk-Messe habe ich kurz mit die Frau Klotz geredet. Wenn das auch noch lange nicht genug ist, muss ich ehrlich sagen sie ist, trotz seine Biographie und seine lange politische Karriere, unglaublich viel mehr zu der Meinungsaustausch offen und weniger arrogant und engstirnig als die meisten SVP vertreter. Das muss man ehrlich gestehen…

hat jemand die Diskussion aufgezeichnet und online gestellt? Hört sich nämlich amüsant an…
die SVP hat ja immerhin schweres Geschütz aufgefahren…

@Pesc
ich glaube die Väter der Autonomie waren Pragmatiker, nach Jahrzehnten der Unterdrückung erkannten sie, dass es das Beste war was sie damals, zu Zeiten des Kalten Kriegs und der Machtblöcke, erreichen konnten. Doch ich glaube nicht dass sie solche rückgradlosen Politiker waren wie die heutigen. Denn die wollen uns glauben machen das es das Beste ist was wir jemals erreichen können, ungeachtet der Tatsache dass sich auch wieder in den letzten Jahrzehnten unglaublich viel geändert hat. Die Situation ist heute soviel anders und ich bin der festen Überzeugung, dass die Väter der Autonomie sich unter diesen Voraussetzungen nie und nimmer mit der Autonomie hätten abspeisen lassen.

Auch auf die Gefahr hin, daß dieser Beitrag als Blödsinn abgestempelt wird, finde ich die Argumentation von fabiVs sehr interessant und glaube, daß das Ziehen neuer Grenzen bzw. die Verschiebung von Grenzen genauso wenig innovativ ist wie die Vorschläge unserer gewählten Volksvertretung oder die “neue Option”, wie sie uns die selbstveranstaltete Volksbefragung der SF aufzwängt.

In der Tat ist die heutige politische Führung fast ausschließlich im vorigen Jahrhundert groß geworden, und ist von eben diesem geprägt. Weiter zu denken, von heute ausgehend, fällt ihnen wohl schwer. Ist es denn so kompliziert, nach fast 100 Jahren endlich zu akzeptieren, daß die hier lebenden Italiener Teil Südtirols sind und keine Gastarbeiter, die bald in Rente gehen und in ihre Ursprungsregion zurück gehen? Und eben diesen Teil der Südtiroler Bevölkerung so anzunehmen, wie er ist, und nicht so, wie man ihn sich vielleicht gerne vorstellt?

Ich glaube nicht, dass das fabivS so gemeint hat — aber das wird er uns ja vielleicht selbst erklären.

Dass die meisten derzeitigen Unabhängigkeitsbefürworter das Ziel (der Loslösung) vor den Prozess (der Schaffung eines gesellschaftlichen Zusammenhalts als Voraussetzung) stellen, bemängelt die BBD seit ihren Anfängen. Es geht um die Definition eines klaren Prioritäten- und Zeitplans sowie eines Projekts, wie sie etwa das BBD-Manifest skizziert, und nicht darum, sich mit dem status quo abzufinden.

Ein großes Problem der Unabhängigkeitsbefürwoter ist auch ihre mangelnde Zusammenarbeit. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. So kann nichts daraus werden. Wir müßen uns zusammenraufen und dann so wie es pérvasion geschrieben hat vorgehen, aber eben alle gemeinsam!

@1hold
Die “neue Option” sehe ich als Möglichkeit zu erfahren was wir, die Bevölkerung wollen. Ich finde nichts schlimmes daran mal nachzufragen um dann einen erfolgreichen Weg zu finden. Gleichzeitig sieht so auch die allmächtige SVP das die Autonomie nicht mehr des Volkes Wille ist und zieht daraus Konsequenzen. Hoffentlich!

ihre mangelnde Zusammenarbeit

Schau mal die ARGE Selbstbestimmung… zusammengestellt fast ausschliesslich aus Rechte, die mit Deutsch-Nationalismus leibaeuglen, K.u.k-nostalgikern, ex-Bumser, tja man kann sagen dass die moderirtesten dabei sind nur ganz die normalen Schuetzen.
Auf welche Basis koennte man erfolgreich zusammenarbeiten? Ich hab’ mich eben lange gefragt wieso Simon nicht mittun wollte. Jetzt habe ich eine moegliche Antwort gefunden.
Es geht eben gar nicht um das Zusammenarbeiten, es ginge um viele dieser Leute zur BBD Projekt zu gewinnen, zu “bekehren”; dafuer muss man aber auch sagen dass ein solches Projekt schon eine klare politische Perspektiv voraussetzt, die sich, meiner Meinung nach, nicht mit jedem Gedankegut leicht vereinbaren laesst.

@1hold:
Ich meine die Selbstbestimmung koennte eine neue “Option” sein, jedoch nicht unbedingt, wenn sie nur richtig zu der Bevoelkerung praesentiert wird. Solang der Landeshauptmann immer wieder betont betont wir muessten einen Krieg gegen Italien starten, wird sie wahrscheinlich nicht von allen als grossartige Chanche empfunden…
Und jetzt zum Thema Grenzen. Es mag so bloed scheinen in eine Zeit der Grenzenabbau neue Grenzen zu ziehen, ist aber genau das Gegenteil. Im XX Jahrhundert waren die Grenzen wahrscheinlich am spuerbarsten: sie waren vollkommen dicht und man hat sie mit Rasse/Nationalitaet und mit den politischen Systemen Kapitalismus/Kommunismus gerechtfertigt. Im Mittelalter war es nicht so und heute ist die Situation auch viel entspannter. Genau deswegen, weil die Grenzen immer mehr zu einer administrativen Funktion und nicht als Trennlinie zwischen verfeindeten Voelker dienen, ist es sinnvoll sie den Beduerfnisse der Bevoelkerung zu biegen…

@fabivS scrive:….heute ist die Situation auch viel entspannter. Genau deswegen, weil die Grenzen immer mehr zu einer administrativen Funktion und nicht als Trennlinie zwischen verfeindeten Voelker dienen, ist es sinnvoll sie den Beduerfnisse der Bevoelkerung zu biegen…

Grazie @fabivS ! Mi scrivi dal cuore !

@fabivS
Ich meine alle die mit der Autonomie nicht mehr zufrieden sind sollen sich zusammensetzen, ein Projekt ausarbeiten das auch von der Bevölkerung mitgetragen wird und dieses dann umsetzen. Es sind nicht nur rechte Politiker an der Selbstbestimmung interessiert, im Grunde bringt es jeden im Land weiter und das muß man den Menschen näher bringen! Die Autonomie ist nicht das Ende der Entwicklung Südtirols, auch die SVP wird das einsehen und muß daher für ein Projekt Südtirol gewonnen werden. Das gleiche gilt für die italienischen Bürger (bei den Politikern bin ich mir nicht sicher ob sie soweit sind) und ganz unbedingt für die Ladiner!

Der 2. Teil deines Kommentars ist einfach genial! Die administrative Grenze ist das Problem der heutigen Zeit und die Autonomie bringt uns da überhaubt nichts.

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