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»Kulturhauptstadt« 2019 — eine Kritik.

von Thomas Benedikter*

Wie von ihren Präsidenten am 1.10.2010 beschlossen, bewerben sich die Regionen Venetien, Friaul-Julisch Venetien, die Provinzen Südtirol, Trentino und Venedig und die Stadt Venedig gemeinsam um den Titel “Europäische Kulturhauptstadt 2019”. Offiziell heißt dieses jährlich seit 1985 von der EU verliehene Siegel noch so, weil es tatsächlich in der Regel an Städte verliehen wird — auch bis 2015 sind wieder Städte dran —  während die Kulturregion Ruhrgebiet 2010 bisher eine Ausnahme war. Nun stimmen unsere Kulturpolitiker die Öffentlichkeit auf dieses sonderbare Projekt ein und Kulturprofis machen sich munter ans Werk, die Bewerbung mit Inhalt zu füllen. Wenn es dazu kommt, wäre nicht nur das Konzept der Kulturstadt gesprengt, sondern auch jenes einer “europäischen Kulturregion” überdehnt, denn diese drei Regionen sind allesamt schon für sich Regionen mit ausgeprägter kultureller Identität. Nichts spricht dagegen, europäische Kulturregionen ins Licht zu rücken, und man hätte 2-3 Jahrhunderte zu tun, um alle vorzustellen.

Was macht aber eigentlich den geografischen Raum Nordostitalien zu einer “Kulturregion”? Es wird kaum reichen, dass dieses Gebiet von 1815 (erstmals von Österreich 1797 annektiert) bis 1866 gemeinsam Teil des k.u.k-Reichs war. Es wird nicht reichen, dass es unter dem Faschismus zum “Triveneto” erklärt worden ist, ein Begriff, der in der italienischen Publizistik immer noch herumgeistert. Auch das verschwommene Konzept von Mitteleuropa gibt zu wenig an Gemeinsamkeit her. Dass es in allen Regionen Sprachminderheiten gibt, ist auch nicht das Verbindende, denn sie spielen zumindest in Venetien fast keine Rolle. Fantasievolle Redner werden gefragt sein, um für die entsprechende Aufladung mit Gemeinsamkeiten zu sorgen.

Also riecht das Ganze doch wieder nach geschickt angelegter Strategie zur touristischen Vermarktung, nach Mitnaschen am Förderungskuchen der EU, nach künstlichen Dachmarken und Plattformen für internationale Bewerbung jenseits jedes klaren Profils. Was wirklich Appetit macht ist die Tatsache, dass laut Statistik europäische Kulturhauptstädte im Schnitt ein Plus von 12% an Touristenzustrom verzeichnen konnten. Hunderte von Veranstaltungen, die ohnehin angesetzt und gut besucht würden, liefen dann eben unter dieser artifiziellen Klammer. Hat Venedig oder Verona das nötig? Braucht Südtirol mit seinen bald 28 Millionen Gästenächtigungen das überhaupt?  In der Internetwerbung der Venezianer für die Kulturhauptstadt (www.nordest2019.eu) wird Südtirol kurzerhand in die “area metropolitana del Nordest” einverleibt, eine Art Hinterland Venedigs, dem die Gäste der Lagunenstadt mal eine Stippvisite abstatten können.

Eine Region der europäischen Öffentlichkeit als “Kulturregion” zu präsentieren und über die EU zu fördern, macht Sinn, wenn sich ihre Bevölkerung einer erkennbar gemeinsamen Identität verbunden weiß. Das Konzept an sich wird ad absurdum geführt, wenn es nur als Destinationsbewerbung dient. Kasslatter-Mur hat denn auch gleich klargestellt, dass es bei der Bewerbung darum geht, sich in diesem Rahmen als deutsche und ladinische Sprachminderheit zu präsentieren. In der Kulturregion, der sich die allermeisten Südtiroler zugehörig fühlen, sind sie aber keine “Sprachminderheit”, nicht umsonst strapazieren unsere Kulturpolitiker das mehrsprachige Südtirol als besondere Realität.

Eine gemeinsame regionale Identität des Nordostens Italiens lässt sich weder erkennen noch aus Marketinggründen herbeireden. Im Gegenteil, die Erfindung einer Kulturregion Nordost lässt eine gewachsene Region in den Schatten treten, die es grenzüberschreitend auch institutionell wieder gibt, die von der EU gefördert wird und darauf wartet, mit mehr Inhalten und Initiativen gefüllt zu werden: die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. Warum schafft man in Europa Verwirrung, indem man Südtirol einmal zu diesem Raum schlägt, einmal zum anderen; einmal sich auch kulturell ganz Italien zurechnet, dann wieder in der 150-Jahre-Einheits-Diskussion ganz den eigenständigen Tiroler gibt? Gefragt, ob das zeitliche Zusammenfallen des angepeilten Kulturregion-Jahres 2019 mit dem 100-Jahren Zugehörigkeit zu Italien ein Problem sei, antwortete Durnwalder: “Im Gegenteil, wir wollen auch im Rahmen der Bewerbung zeigen, dass Südtirol ein ganz besonderes Land mit einer entsprechenden Geschichte und Kultur ist” (im Südtiroler Bürgernetz). Mit anderen Worten: man tut sich mit anderen zusammen, um zu zeigen, dass man selbst etwas Besonderes ist.

Siehe auch:

*) Thomas Benedikter ist Wirtschafts- und Sozialforscher in Bozen. Er ist u. a. Autor von »Autonomien der Welt« (Athesia, Bozen 2007) und »The World’s Working Regional Autonomies« (Anthem, London/Neu-Delhi 2007).

Außendarstellung Cultura Feuilleton Politik | | Luis Durnwalder Thomas Benedikter | | Friaul-Friûl Nord-/Osttirol Südtirol/o Trentino Venetien-Vèneto | Euregio | Deutsch

26 replies on “»Kulturhauptstadt« 2019 — eine Kritik.”

Aus der Onlinezeitung nordest.eu:

La metropoli diffusa

Dal basso, dalle classi dirigenti più lungimiranti, dalle proprie imprese più innovative (quelle capaci di farsi apprezzare a New York come a Pechino), Veneto, Friuli Venezia Giulia e Trentino-Alto Adige (pur nella consapevolezza delle diversità  che le separano e che, al contempo, ne fanno un tutt’uno) elaborano e propongono un nuovo modello di metropoli diffusa, di pensieri e di idee e di creatività  in rete, di policentrismo economico e culturale che dalle debolezze della crisi (identitaria e non solo economica) prenda vigore per diventare, con la stravaganza tipica di questo microcosmo italico, più forte della crisi.

Capitale europea

Il Nordest.eu, in un territorio orfano del Gazzettino di Giorgio Lago (l’unico quotidiano che negli anni Ottanta fu in grado di dare a quest’area una dignità  e una ribalta nazionale), intende raccontare quest’ennesima trasformazione, questo mutamento in chicane, offrendo a quelle stesse classi dirigenti che ne sono il motore uno strumento nuovo di elaborazione culturale e progettuale, capace di alimentare quei dibattiti che, a piccoli passi, a volte in modo sonnacchioso, stanno conducendo – o dovrebbero condurre – alla definizione di un sistema integrato nei settori strategici dello sviluppo: università , aeroporti, porti, finanza, fiere, infrastrutture, sanità , lavoro, immigrazione. E naturalmente Cultura – con la C maiuscola – quella di cui il Nordest vuole diventare Capitale europea nel 2019: una candidatura lanciata per sfida nel 2005, fortemente sostenuta dall’editore di questo giornale, e infine fatta propria dalle istituzioni locali.

[Unterstreichungen von mir.]

Die Initiative wurde also von einer Zeitung bzw. ihrem Verleger lanciert und erst dann von den Institutionen aufgegriffen. Ist das der Südtiroler Landesregierung bekannt? Und ist derselben Regierung bekannt, welches Ziel dahintersteckt, nämlich jenes, aus dem Nordosten Italiens eine einzige zersiedelte Metropole, einen »italischen Mikrokosmos«, eine Einheit, zu generieren?

Dem Ganzen fehlt einfach die Logik. Während unsere Touristiker und Marketingfachleute gebetsmühlenhaft von der Entwicklung einer eigenständigen Marke und die Schaffung einer eigenen Identität sprechen, werden diese Grundsätze bei der nächsten Gelegenheit wieder über Bord geworfen, nur um an ein paar Fördergelder zu kommen bzw. irgendwie Publicity zu machen. Hier wird ihr ganzer Marketingpallaver schön entlarvt.

Für den Alpenraum ist die Gefahr, zum Spielball von künstlichen metropolitanen Großregionen zu werden, reel. Selbst in der EU gibt es Tendenzen in diese Richtung, die auf den Alpenraum bezogen, auch von Werner Bätzing, immerhin einer der Koryphäen was die Erforschung des alpinen Lebensraumes betrifft, zu einer Marginalisierung der inneralpin, selbstständig gesteuerten Entwicklung führen würde.
Was macht die Südtiroler Landesregierung? Sie schließt sich kulturell freiwillig einer Großregion an, die weder mit den sprachlich/kulturellen Eigenheiten noch mit den alpinen/topographischen Bedingungen Südtirols etwas gemein hat. Eine Fehlentscheidung, die die Konzeptlosigkeit unserer Landesregierung symbolisiert.

Wer beim Pro und Contra auf RAI-BZ (Kasslatter-Mur vs. Klotz) zugeschaut hat, dem ist vielleicht auch folgendes aufgefallen. Von der mehrfach wiederholten Frage von Klotz, weshalb wir daran teilnehmen, bedrängt, schlüpfte Kasslater-Mur der wahre Grund aus dem Mund: es bringt Tourismus. Mehr also nicht. Wenigstens einmal eine ehrliche Antwort.

Zweite Sache die ich noch anmerken möchte: wie absourd ist es, dass beim der Europäischen Kulturregion/stadt nichts landerübergreifendes organisiert werden darf, also über die theoretisch nicht mehr existierenden Grenzen hinweg?

Sì, Waltraud. Penso che l’inclusione della provincia di BZ in questa macro-regione non abbia molto senso. Mi sembra una zona troppo vasta. Io avrei preferito l’unione di Trentino, Alto Adige e Tirolo del Nord. Mi sarebbe sembrata una buona cosa, da molti punti di vista. Questa scelta, invece, mi rende perplesso. Tu cosa pensi?

Lieber Herr Benedikter, ich bin mit ihrer Kritik an der Bewerbung zu “Kulturhaupstadt 1919” nicht einverstanden. Sie sprechen zum Beispiel “vom verschwommenen Konzept Mitteleuropa”. Ich möchte Sie an folgendes erinnern: Claudio Magris hat in seinem ersten Buch “Il mito asburgico nella letteratura austriaca” die von den Machtblöcken im Kalten Krieg zerrissene Region Mitteleuropa rekonstruiert. Die Wendejahre 1989/90 boten dann in seinen Augen die Möglichkeit, Mauern nieder zu reissen, ein neues Mitteleuropa aufzubauen, die Chance für ein geeintes Europa vorzubereiten. Magris warnte aber gleichzeitig vor den Mikronationalismen, die ausgelöst werden durch die “Vergötzung der eigenen Besonderheit”. Das “verschwommene Konzept Mitteleuropa” könnte in der Bewerbung äusserst hilfreich sein. Weitere Kritikpunkte meinerseits an ihren Ausführungen folgen . Lieben Gruß Waltraud Mittich

Ein offenes Mitteleuropa kann keinesfalls an nationalstaatlichen Grenzen haltmachen. Die Grenzziehung der Bewerbung selbst ist ein Widerspruch zu diesem »positiven« Mitteleuropa. Doch auch innerhalb dieses Gebiets ist der Umgang mit der kulturellen Vielfalt eine Verhöhnung des Kulturhauptstadt-Gedankens. Außer in Südtirol und Trentino finden die Sprachen und Kulturen, welche nicht dem nationalstaatlichen Einheitsbrei entsprechen, im Alltag keine annähernd befriedigende Berücksichtigung. Dies soll sich auch durch die Kulturhauptstadt nicht ändern — dazu reicht ein Blick in die Bewerbung. Das ganze Projekt hat eher etwas mit dem Triveneto, als mit Mitteleuropa zu tun. Dazu passt — wie Thomas deutlich gemacht hat — auch Kasslatter Murs Wunsch, die Südtiroler als Minderheit zu präsentieren.

Gleich am Anfang des offiziellen Berichts der Kandidatur (abrufbar unter http://www.nordest2019.eu) steht folgender vielsagender Abschnitt, der sehr deutlich macht, wohin die Reise geht:

Un’ultima annotazione prima di procedere nell’analisi. Ai soli fini di questa ricerca, si ritiene di mantenere la definizione di Nord Est ”Capitale della Cultura 2019”. Giova tuttavia sottolineare come il concetto di ”Nord Est”, cosiÌ€ immediatamente evocativo di un territorio e di una popolazione quando viene utilizzato in Italia, perderebbe assolutamente di significato in ambito europeo: il cosiddetto ”Nord Est” dell’Europa coinciderebbe al massimo con la Finlandia e i Paesi Baltici, e non certamente con le tre regioni oggetto dell’analisi!
SaraÌ€ utile, pertanto, identificare al piuÌ€ presto una definizione alternativa e appropriata per connotare la candidatura, eventualmente riscoprendo il termine (un po’ desueto, ma tuttora efficace) delle Tre Venezie – Venezia Euganea, Venezia Tridentina e Venezia Giulia.
Un claim che, anche nelle lingue ufficiali di lavoro dell’UE (francese, inglese e tedesco), avrebbe il pregio di avere una forte componente di ”attrattività”, riuscendo peroÌ€ a sintetizzare felicemente, senza complicate perifrasi, il senso di una candidatura regionale:

”Les 3 Venises 2019”
”The 3 Venices 2019”
”Die 3 Venedige 2019”

Der Bericht trägt das Datum September 2010, wurde also nach dem Beitritt Südtirols zur Kandidatur veröffentlicht. Die Landesregierung will uns also an einem Projekt beteiligen, welches Südtirol weltweit ausdrücklich als Teil der “drei Venedige” präsentieren und positionieren will. Das ist ein erstklassiger Skandal, wie ich finde.

Vergötzung der eigenen Besonderheit

Se smascherare un’operazione di marketing professando il proprio scetticismo nei confronti di una “metropoli diffusa”, probabilmente inesistente, sicuramente composta da regioni che poi tanta storia in comune non ha avuto (perchè il Tirolo si sa, è sempre stato territorio autonomo) significa idolatrare le proprie particolarità , allora perchè parlare di Mitteleuropa? Ma parliamo allora di “Pianeta Terra dove tutti sono uguali” e omettiamo parole come “Mittel”, “Europa”, che rimandano comunque a contesti e punti di vista particolari.
Sfortunatamente però al centro della manifestazione ci sono appunto le particolarità  regionali, altrimenti non avrebbe senso farla in un territorio preciso e si potrebbe tranquillamente celebrarla contemporaneamente in tutta Europa.
In questo caso si chiamerà  “le 3 Venezie” od il “Nordest”; che, come potrà  intuire inducano punti di vista e riferimenti fortemente localizzati. Se non altro perchè solo rispetto all’Italia siamo a Nord-est, i greci ci considererebbero ad ovest ed i danesi a sud. Nessuna regione, poi, ricca di una tradizione propria si sognerebbe di aggregarsi a Venezia per ragioni di marketing. Nessuna regione italiana. Non l’Emilia, non la Toscana (e Gabiele lo sa benissimo), non la Puglia e così via… il Friuli sì e fa bene, come mostra questa cartina…

http://www.linguaveneta.it/materiale/cartina_serenissima_1782_G.jpg

Il vuoto in alto, lungo il corso dell’Adige siamo invece noi, che ora ci siamo intrufolati grazie all’ottima trovata dei nostri politici. Ascolti le grandi e nobili motivazioni della Kasslatter-Mur e si faccia un’idea… qualche Tracht sul ponte di Rialto ed avremo reso il mondo intero partecipe della nostra storia. La corte di Massimiliano I ad Innsbruck può invece aspettare al di là  del Brennero…

Nicht vergessen: Im Jahr 2011 sind 2 nordeuropäische Städte aus dem Baltikum Kulturhaupstädte, aus 2 verschiedenen Staaten! Estland und Finnland. Talinn, die ehemals deutsche Hansestadt Reval und das zweisprachige! Turku, schwedisch Abo

Vielfalt, Vielfalt statt Einfalt. Der Begriff Nord Est wäre allerdings zu diskutieren ! Die 3 Venedige ist auch nicht besser. Kreativität gefragt.

Ich verstehe noch immer nicht. Die Kandidatur der “drei Venedige” ist doch eine Kandidatur der Einfalt. Wennschon müsste man Slowenien, Kroatien, Österreich miteinbeziehen, aber das ist ja bewusst nicht geschehen. Und wir ordnen uns freiwillig — und wie Sie, mit Verlaub, auch noch blauäugig — einer solchen nationalstaatlich geprägten Initiative unter.

Kreativität gefragt? Wir sollen der Region auch noch einen neuen Namen verpassen? Das mit der Erfindung geographischer Bezeichnungen scheint ja eine Südtiroler Spezialität geworden zu sein.

Übrigens, dass Turku/à…bo und Tallinn Kulturhauptstadt sind, ist nichts Besonderes: Jedes Jahr wird der Titel an Städte in zwei EU-Ländern vergeben, 2019 wird dies außer Italien Bulgarien sein. Die geographische Nähe der Kulturhauptstädte 2011 ist meines Wissens nur Zufall. Wenn aber Turku/à…bo und Tallinn auch eine gemeinsame Kandidatur gewesen wäre, dann wäre sie ja tatsächlich Ausdruck von Vielfalt, was auf den italienischen Nordosten wie gesagt nicht zutrifft — weil die Vielfalt sogar bewusst unterdrückt/ausgeblendet wird.

Non solo i sudirolesi ma anche i trentini dovrebbero ribellarsi al’inclusione in quelle “3 Venezie”, definizione che rimanda esplicitamente al nome “Venezia Tridentina”, creato dall’Italia nazionalista post-unità  e fatto proprio dal fascismo.
Ma tanto si tratta di una mera operazione di marketing, l’effetto sperato dagli interessati è un maggior flusso di turisti, non certo l’unificazione culturale delle 3 Venezie, quindi forse non vale la pena di discuterne più di tanto.
Giusto una nota a margine: anche sulla Mitteleuropa come fattore di aggregazione culturale si dovrebbe essere abbastanza pessimisti, il micronazionalismo temuto da Claudio Magris sta venendo fuori alla grande, proprio adesso l’Ungheria ha approvato l’inserimento nella costituzione di Dio, Ethnos e Famiglia quali valori fondanti. Chissà  cosa ne penseranno tutte la varie Slovenia, Croazia, Slovacchia, Austria ecc. e ultima ma non ultima Bruxelles.

Vielfalt, Vielfalt statt Einfalt.

Vielfalt wird schon von der Name verwehrt: “Die 3 Venedige” bezeichnet einschlaegig Einfalt, drei vermutlich gleiche Staedte (sind aber offensichtlich viere). Vielfalt waere, wenn schon, “Bozen, Trento, Venezia e Trieste” gewesen…

Liebe Frau Mittich,
mir ist Claudio Magris’ Konzept von Mitteleuropa und überhaupt die Wertschätzung eines ideellen, vielsprachigen Mitteleuropas jenseits staatlicher Grenzen mit seiner kulturellen Vielfalt in Triest und in Friaul-Julisch Venetien überhaupt bekannt, doch heute kann Mitteleuropa kulturgeographisch auch ganz anders definiert werden. In Südtirol haben wir z.B. mit den Nachbarregionen in den Alpen mehr gemeinsam als mit Istrien und Triest. Doch jeder Dialog und Austausch mit offenem Geist ist gutzuheißen. Doch darum geht es hier gar nicht. Es geht, wie einige Kommentatoren zu Recht angemerkt haben, um ein Tourismus-Marketingstrategie, um die Manie der Tourismusmacher, bei jeder sich bietenden Chance der Bewerbung und Förderung mitnaschen zu wollen, und nachträglich dem Konzept ein kulturpolitisches Mäntelchen umzuhängen. Doch bin ich dagegen, dass Kulturpolitik und offizielle Präsentation Südtirols als Kulturregion von Tourismusstrategen in Venedig, Udine und Bozen gemacht werden: dann kann mn gleich den SMG-Chef zum Kulturlandesrat machen. Er wird Südtirol überall und unter jedem Etikett vermarkten, wo sich noch irgendein zusätzlicher Gast herankarren lässt. Noch ein umweltpolitisches Argument: Südtirol hat laut ASTAT die zweithöchste Tourismusintensität im Alpenraum und liegt mit fast 29 Mio Nächtigungen im Jahr unter den ersten 10 Tourismusregionen Europas. Brauchen wir überhaupt diese artifizielle Zusatzwerbeschiene oder könnte man nicht mal in Bozen, Trient und Venedig sagen: nein, danke, L’Aquila hat das nötiger?
Thomas Benedikter

Lieber Herr Benedikter, meines Wisssens steht in den Gründungsstatuten für die Kulturhaupstädte ausdrücklich , dass sich die Städte zahlreiche Besucher erwarten können und sollen. Eine Ankurbelung des Srädtetourismus ist auf jeden Fall mitgemeint. Lieben Gruß

Liebe Frau Mittich: Herr Benedikter kritisiert nicht, dass mehr Besucher kommen, sondern, dass für diese Mehrbesucher, die wir nicht brauchen, jeder sinnvolle und sinnlose Marketing Firlefanz mitgemacht wird. Ich bin auch dafür, dass wir der Krisenregion um l’Aquila den Vorrang geben, anstatt auf Biegen und Brechen diese Kandidatur zu unterstützen.

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