Ob US-Präsident Trump den Kanadier Carney und den Grönländer Nielsen auch verhaften lässt?
Es ist doch vorstellbar, auch wenn die Voraussetzungen und Gegebenheiten völlig anders gelagert sind, dass Angehörige der US-Delta-Forces in Ottawa den kanadischen Premier Mark Carney verhaften. Carney, ein »Defätist«, der vor ein US-Gericht gehört oder so ähnlich.
Der Liberale Carney, der aus der sezessionswilligen Provinz Alberta stammt, ist zwar kein angeblicher Drogenboss wie der inzwischen entführte venezolanische Ex-Staatschef Nicolás Maduro. Carney ist aber liberal, in den USA beschimpft MAGA-Präsident Trump Liberale als verrückte und deshalb gefährliche Linksradikale. Carney zeigt außerdem gar keine Lust, mit seinem Bundesstaat von den USA aufgesaugt zu werden. Sozusagen als 51. US-Staat.
Carney ist für die in der Provinz Alberta regierenden Trump-freundlichen Konservativen der liberale Antichrist. Carney lehnt, wie übrigens auch die indianische Bevölkerung Albertas, das angepeilte Sezessionsreferendum strikt ab. Laut den First Nations, den Ureinwohnern, verletzt das Referendum die noch immer gültigen anglo-indianischen Verträge aus dem vorletzten Jahrhundert. Zweifelsohne kümmern solche Kleinigkeiten den US-Präsidenten keineswegs.
Doug Ford, Québec, First Nations
Carney wehrt sich vehementer gegen den Wirtschaftsimperialismus der Marke Trump, eindeutiger, unmissverständlicher, mutiger als die EU-Größen. Er wird in seiner strikten Haltung auch von Konservativen unterstützt, wie beispielsweise vom Premierminister von Ontario, Doug Ford. Dieser kündigte gar an, sollte Trump sich weiter radikalisieren, die Stromzufuhr in die USA zu unterbinden.
Eine starke Abneigung gegen Trump pflegt die frankophone Provinz Québec. Laut Umfragen vom April 2025 befürchten die Québecois Einschränkungen ihrer politischen, kulturellen und sprachlichen Autonomie. Ehemalige US-Politiker stuften Québec vor einigen Jahren als das Kuba des Nordens ein.
Keinen Bock auf Trump signalisierten die First Nations. Der US-Präsident ist gierig auf ihr Land, indigene Rechte empfindet die US-amerikanische Rechte — also das Trump-Lager — als überholt. Zu canceln.
Die Verhaftung von Carney reicht also nicht aus. Vielleicht erstellen die kanadischen Konservativen Namenslisten, Verhaftungslisten mit kanadischen Patriot:innen, die die US-Annexion ihres Landes strikt ablehnen. Listen, die an die Delta Forces weitergereicht werden. Diese Annexion macht America mit einem Schlag Great Again. Kanada, die Ukraine der USA?
Eisiger Traum Grönland
Und die USA würden noch greater werden, wenn der Grönland-Traum von Trump in Erfüllung geht. Keine feuchten Träume eines Seniors, sondern ein Planspiel der nationalen Sicherheitsstrategie. Mit der »Übernahme« Grönlands wird die Sicherheit der USA größer, begründet Trump seine Pläne und, nicht weniger wesentlich, unterm Eis gibt es massenhaft begehrte Rohstoffe. Eine neue Grenze für die US-Siedlergesellschaft öffnet sich, nicht mehr westwärts, wie einst, sondern nordwärts.
Die USA haben darin jede Menge Erfahrung. Die ersten Kolonien an der Ostküste, »Neu-England« genannt, verräumten die Ureinwohner. Massenvergewaltigungen, Massenmorde, ethnische Säuberungen, also Vertreibungen, entgrenzter Landraub, die Instrumente der Eroberung der rassistischen Siedlergesellschaft, die sich von der Ost- bis zur Westküste rücksichtslos ausdehnte.
Der Architekt der Trump-Administration, Stephen Miller — der Kopf des Project 2025 der reaktionären Heritage-Foundation — stellte rotzfrech die dänische Herrschaft über Grönland in Frage. Miller fragte in einem CNN-Interview das ferne Dänemark: »Die eigentliche Frage ist, mit welchem Recht beansprucht Dänemark die Kontrolle über Grönland? Auf welcher Grundlage erhebt es diesen Territorialanspruch? Auf welcher Grundlage ist Grönland eine Kolonie Dänemarks?«
Mit welchem Recht beanspruchen die USA Grönland, die Gegenfrage. Miller umschreibt dieses angebliche Recht mit dem Recht auf Sicherheit und meint damit das Recht des Stärkeren. Vorbild Wladimir Putin, der in Tschetschenien, in Georgien und seit vier Jahren in der Ukraine als der Starke wütete und wütet.
Was wollen die Grönländer?
Und was ist mit dem Recht der Grönländer? Für Miller, Nachfahre belarussisch-jüdischer Einwanderer, wohl eine zu vernachlässigende Größe. Nicht einmal 60.000 Einwohner:innen zählt die Insel. Bereits einige Male wiesen der amtierende Ministerpräsident Jens Frederik Nielsen und seine Autonomistenkoalition die Trump-Wünsche zurück. Die Annexionsgelüste ließen das autonome Grönland und das koloniale »Mutterland« Dänemark zusammenrücken. Grönländische Parteien setzen auf die Selbständigkeit, auf ihre Eigenstaatlichkeit. Die US-Drohgebärden schreckten die grönländische Gesellschaft gehörig auf.
Bereits in seiner ersten Amtszeit posaunte Trump seine grönländischen Immobilienpläne hinaus. Er will die Eisinsel kaufen. 50 Milliarden Dollar wurden genannt. Ein Team der Financial Times schätzt den Wert Grönlands auf 1,1 Billionen Dollar. Für 60.000 Grönländer:innen?
Ob die US-Regierung tatsächlich bereit ist, so viel Geld locker zu machen? Es kann auch anders gehen, Trump will Grönland unter die Kontrolle der USA bringen. Im Zweifelsfall auch militärisch. Derzeit sind 200 US-Soldaten auf dem Stützpunkt Pituffik stationiert. Während des Kalten Krieges waren es mehr als 10.000.
Die US-Kritik ist vielfach stimmig. Die dänische Kolonialherrschaft in Grönland war schmutzig, menschenverachtend und feindlich gegenüber den Ureinwohnern. Die USA sind aber keineswegs die authentische Interessenvertretung der Inuit. Man Frage in Alaska nach.
Russland und China entdeckten Grönland auch für sich. Beide Staaten sind wenig zimperlich, um es verharmlosend zu beschreiben, wenn es um die Wahrung ihrer Interessen geht. Die russischen Kriege in Europa, in Syrien, in Afrika zeigen deutlich, wie brutal Moskau vorgeht. Ähnlich China, Tibet, Ostturkestan, Innere Mongolei, Hongkong, im Inneren. China ist weltweit mit seinen Konzernen »aktiv«, schmutzig, menschenverachtend (siehe Darfur, Kongo) und feindlich gegenüber den Einheimischen.
Es wird so kommen, wie Trump es plant. Die 200 US-Soldaten auf Grönland holen sich Nielsen und sein Kabinett, Trump-Sohn Donald Jr. forschte bei einem Besuch bereits Trump-Fans aus, die die Regierungsgeschäfte von Nielsen übernehmen können. Dann wird halt Grönland der 51. Bundesstaat. Und Europa schaut zu. Wetten?

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