Heute hat am Brixner Domplatz eine Veranstaltung zur Mehrsprachigkeit stattgefunden, bei der es laut offizieller Ankündigung möglich war, in »nur 10 Minuten« eine neue Sprache auszuprobieren. Angeboten wurden »中文 [sic], English, Español, العربية (al-ʿarabiyya)«1Chinesisch, Englisch, Spanisch, Arabisch sowie die Italienische Gebärdensprache (LIS) — nicht aber die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS).
Die ÖGS ist in Südtirol keineswegs eine exotische oder unbekannte Sprache, sondern wird von Teilen der deutschsprachigen Gehörlosengemeinschaft verwendet und sogar an der Universität in Brixen vermittelt.
Natürlich kann eine dreistündige Veranstaltung nicht sämtliche Sprachen der Welt anbieten, die Auswahl ist zwangsläufig stark eingegrenzt. Doch wenn LIS berücksichtigt wird, liegt es nahe, auch an die zweite relevante Gebärdensprache in Südtirol zu denken.
Schon am 17. August hatte ich unter der Vernastaltungsankündigung des Landes auf Facebook nachgefragt, warum zwar LIS, nicht aber ÖGS angeboten wird. Eine Antwort habe ich bis heute nicht erhalten.
Wenn es die öffentliche Hand selbst bei einer Veranstaltung zur Mehrsprachigkeit fertig bringt, Teile der deutschen Sprachgemeinschaft zu marginalisieren, wirft das Fragen auf. Ohnehin sind Gebärdensprachen in der Öffentlichkeit weniger sichtbar als Lautsprachen und Menschen mit Beeinträchtigung oft mit Barrieren und Ausgrenzung konfrontiert. Da würde man sich zumindest bei einer solchen Gelegenheit wünschen, dass sich Gehörlose — die ohnehin um gleichberechtigte Teilhabe kämpfen müssen — nicht zusätzlich minorisiert fühlen müssen.
- 1Chinesisch, Englisch, Spanisch, Arabisch ↩︎


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