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Unterstreichen.
Quotation 68 // Verharmlosungen

Die zahlenmäßig stärkste Entwicklung erfuhr die italienische Sprachgruppe in der Zeit des Faschismus in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als das Mussolini-Regime versuchte, durch eine massive Zuwanderung aus dem Süden den »italienischen Charakter« Südtirols zu unterstreichen.

Quelle: Broschüre »Das ist Südtirol«

Und das deutsche Reich versuchte wohl fast zeitgleich, den »deutschen Charakter« Polens zu unterstreichen.
Außendarstellung Faschismen Geschichte Medien Politik Publikationen | Geschichtsaufarbeitung Quote | | | Italy Südtirol/o | | Deutsch

12 replies on “Unterstreichen.
Quotation 68 // Verharmlosungen

Grundsätzlich muss gesagt aber werden, dass es sich beim Versuch, den zahlreichen Touristen im Lande die Geschichte und die Besonderheiten Südtirols näherzubringen, um eine löbliche und eigentlich längst überfällige Initiative handelt.

Die Wichtigkeit der Außendarstellung wurde hierzulande über Jahrzehnte unterschätzt und vernachlässigt. Durch bessere Information und den damit einhergehenden Abbau von Vorurteilen hätten wir uns vielleicht auch einige Konflikte ersparen können.

Es ist natürlich bequem, alle Schuld auf den angeblich nicht mehr existierenden Faschismus abzuwälzen. Tatsächlich hat die Zuwanderungspolitik der „demokratischen“ Nachkriegsregierungen Südtirol in dieser Beziehung mehr geschadet.

@ pérvasion
Das wäre auch mein Ansatz gewesen…
Wundere mich, dass sich niemand an „…den »italienischen Charakter« Südtirols zu unterstreichen.“ stört.

der vergleich ist in der tat verfänglich, da man ihn so interpretieren könnte, wie es karl-heinz getan hat. mit pervasions erklärung geht’s besser.

Na, das kann ja lustig werden, wenn der Blogeintrag schon einen Nazi-Vergleich beinhaltet ;)

[…] als das Mussolini-Regime versuchte, durch eine massive Zuwanderung aus dem Süden den »italienischen Charakter« Südtirols zu unterstreichen.

Lernen wir doch mal vorurteilsfrei Lesen:

a) „Italienischer charakter“ ist unter Anführungszeichen geschrieben. Satzzeichen haben eine Bedeutung! In diesem Falle eine distanzierende/zitierende.

b) Darüber hinaus wird durch die Konjunktion (Bindewort) „ALS“ ein eindeutiger temporärer und modaler Bezug zum Mussolini Regime hergestellt.

c) „Italienischer charakter […] zu untersreichen“ gibt die Absicht des Mussolini Regimes wieder. Du ignorierst das Subjekt des Nebensatzes.

Die Aufregung ist umsonst und die Frage „Kann man etwas unterstreichen, was es nicht gibt?“ lässt darauf schließen, dass der Text nicht verstanden wurde, denn das Mussolini Regime wollte genau dies unterstreichen.

Beispielsweise wurde das Siegesdenkmal errichtet um zu betonen dass „diese Stadt den italienischen Charakter unberührt bewahrt und sich von jeder Vermummung (deutsche Einwanderer im 19. Jh.) befreit habe“ .

Nebenbei bemerkt kann ich sehr wohl verbal etwas hervorheben/unterstreichen, das es nicht gibt. Werbung/Propaganda macht das andauernd. Die USA haben unterstrichen, dass es im Irak Atombomben gibt. Laimer hat seine Unschuld mehrfach unterstrichen, McDonalds unterstreicht die Gesundheit seiner Produkte u.s.w.

In der italienischen Ausgabe der Broschüre steht’s auch so:

Il maggiore incremento del gruppo linguistico italiano si registrò all‘ epoca dell‘ fascismo, quando il regime di Mussolini cercò di potenziare il „carattere italiano“ dell‘ Alto Adige attraverso una massica immigrazione da altre regioni.

Und der Kommentar mit dem Überfall auf Polen (selbst wenn man die Broschüre falsch liest) ist einfach nur Schmarrn.

Satzzeichen haben eine Bedeutung! In diesem Falle eine distanzierende/zitierende.

Es gibt nur ein kleines Problem: Das Wort »unterstreichen« müsste ebenfalls unter Anführungszeichen stehen.

Ich unterstelle gar keine Böswilligkeit — aber eben mangelnde Sorgfalt. Und: Natürlich ist es i-Tüpfelchen-Reiterei… (so wie deine, bloß, dass deine ihr Ziel verfehlt).

Problem gelöst : „unterstreichen“ müsste nicht unter Anführungszeichen stehen, da es wertfrei ist und als Verb jediglich die Absicht des Regimes, beschreibt. Es reicht, wenn „italienischer Charakter“ unter Anführungszeichen steht.

Man könnte es unter Anführungszeichen stellen, wenn „unterstreichen“ als Teil eines Zitates verstehen möchte. Wird es aber nicht.

Das Zitat ist eigentlich leicht verständlich, einleuchtend.

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