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Dorfmann für Etiketten-Lösung.

Vor einigen Tagen war in der Tageszeitung (TAZ) ein Bericht über den römischen SVP-Vorstoß zum Thema Produktkennzeichnung erschienen. Darin wird EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann (SVP) folgendermaßen zitiert:

Für Herbert Dormann […] ist die ganze Diskussion unverständlich: »Natürlich wäre es grundsätzlich wünschenswert, wenn Lebensmittel in Südtirol zwei- und dreisprachig gekennzeichnet würden«, betont Dorfmann. Allerdings müsse man sich auch bewusst sein, dass der größte Teil der in Südtirol vertriebenen Lebensmittel nicht hierzulande hergestellt werde und auch der Verkauf im Land nur einen winzigen Teil des gesamten Umsatzes ausmache und stellt unmissverständlich fest (sic): »Durch diese neue [EU-]Verordnung soll einfach sichergestellt werden, dass die Konsumenten künftig lesbare und verständliche Informationen auf Lebensmitteln vorfinden.«

Dorfmann wendet sich zwar »unmissverständlich« gegen eine allgemeine Pflicht zur zweisprachigen Produktbeschriftung, seine Aussagen könnten jedoch sowohl zugunsten, als auch gegen den Vorschlag seiner Parteikollegen Pinzger und Thaler-Außerhofer interpretiert werden, die deutsche und die italienische Sprache gleichzustellen — also in Hinkunft nicht mehr nur einsprachig italienische, sondern auch einsprachig deutsche Etiketten zu ermöglichen.

Ich nahm den TAZ-Bericht also zum Anlass, direkt bei Dorfmann nachzufragen, der sich hierauf klar und deutlich für eine Lösung positionierte, die Etiketten in zumindest einer der gleichberechtigten Landessprachen gestattet. Er habe diesbezüglich im Europaparlament schon vor geraumer Zeit eine Anfrage an die Kommission gerichtet.
Wie bereits im Artikel vorweggenommen erteilte er hingegen einer allgemeinen Verpflichtung, sämtliche Produkte zweisprachig zu etikettieren, aus praktischen Gründen eine Absage: Die Märkte, an denen sich international agierende Unternehmen orientieren, seien so groß, dass eigene (zweisprachige) Etiketten nur für Südtirol nicht realistisch seien.

Einheimische Produzenten seien jedoch dazu aufgerufen, mit gutem Beispiel voranzugehen und ihre Erzeugnisse mehrsprachig zu kennzeichnen.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/

Medien Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Verbraucherinnen | Produktetikettierung Zitać | Herbert Dorfmann | TAZ | Südtirol/o | EU SVP | Deutsch

14 replies on “Dorfmann für Etiketten-Lösung.”

Die Märkte, an denen sich international agierende Unternehmen orientieren, seien so groß, dass eigene (zweisprachige) Etiketten nur für Südtirol nicht realistisch seien.

In diesem Sinne (und zumindest im derzeitigen Rahmen) könnte man die nun vorgeschlagene Lösung vielleicht als eine »öffnende«, die allgemeine Zweisprachigkeitspflicht jedoch als eine »abschottende« Mehrsprachigkeit bezeichnen.

… einmal abgesehen von den Unzulänglichkeiten der Sprachsituation im Lande Südtirol, – die Sprachfertigkeit an einer Grenze mitten in Europa 2013 lässt wohl auch weiterhin zu wünschen übrig! – Jüngstes Erlebnis heute am Brenner an der Autobahnraststätte vor der Grenzüberfahrt: auf mein “Grüß-Gott-bitte-einen-Espresso” (in deutlichem Standard-deutsch) folgte “unäuroecinque”. – Gegen den Preis war nichts einzuwenden, aber ich fragte den jungen Mann (dann in italienisch) ob er nicht wenigstens die geforderten Beträge in der Sprache des Gastes nennen könne? Er beteuerte zwar gerade deutsch zu lernen, ich wundere mich trotzdem über die Geschäftsleitung welche es offenbar von vorneherein nicht für notwendig hält, entsprechend sprachgewandtes Personal einzustellen! – Schade, denn der Betrieb ist ein architektonisch-künstlerisch “toller Schuppen”! – Bleibt nur zu hoffen, dass der offensichtliche Probebetrieb die zukünftigen Gäste nicht gleich und für immer vergrault!
– Ob Aufschriften oder angewandte Sprache: ich suche mir die Produkte und die Einkehrstätten stets nach sprachlicher Zuvorkommenheit aus!

Ich möchte nochmals wiederholen, dass die gleichen Produkte, die bei Interspar in Südtirol nur einsprachig italienisch etikettiert sind, bei Interspar in Nord- und Osttirol zweisprachige deutsch-italienische Etiketten tragen. Es ist also nicht eine Frage der praktischen Durchführbarkeit, sondern des politischen Willens. Die ASPIAG ist offensichtlich der Meinung, dass für die Südtiroler die italienische Sprache ausreicht bzw. dass der italienische Monolinguismus Vorteile bei der italienischen Kundschaft verschafft, während man sich im Bundesland Tirol gerne weltoffen und international gibt und auf die Wirkung des italienischen Flairs spekuliert.

Wenn das stimmt, ist das wirklich ein skandalöses Verhalten.

Hier soll es aber erstmal(s) darum gehen, gleiche rechtliche Voraussetzungen für die deutsche und die italienische Sprache zu schaffen. Dann hätten Kunden die Möglichkeit, sich frei zu entscheiden, was Unternehmen wie die Aspiag (Spar) möglicherweise zu spüren bekommen würden.

Ich glaube zwar nicht, dass »der Markt alles regelt«. Damit er aber zumindest ein klein wenig regeln kann, brauchen wir faire und gleiche gesetzliche Rahmenbedingungen.

Was jetzt schon möglich wäre (und z.B. in Katalonien auch gemacht wird): Die Einberufung von Treffen mit Spitzenvertretern größerer Konzerne durch die Landesregierung, bei denen Klartext gesprochen und für die Zweisprachigkeit sensibilisiert wird.

Wenn nur die Etiketten das Problem wären…Vor allem die großen Kaufhäuser, die neuerdings auch in Südtirol anzutreffen sind (sprich H&M, Media “World”, Zara usw. und so fort), haben großteils einsprachig italienisches Personal und Aufschriften, Platkate usw. fast alles in italienisch gehalten. Wenn das die weltbeste Autonomie ist und vor Assimilierung schützen soll, dann weiß ich auch nicht mehr…

Sehr bedenklich finde ich, dass vielen deutschsprachigen Südtirolern diese um sich greifende Einsprachigkeit in den Geschäften gar nicht mehr auffällt, bzw. sie es ohne weiteres hinnehmen. Sie finden es normal.
Kürzlich hat ein Bekannter in einem Geschäft in Bozen ein Laptop gekauft. Auf der Tastatur waren die “ü”, “ä”, usw. als billige “Papierpickerlen” aufgeklebt. Er wollte diesen Computer unbedingt und deutsche Tastatur gab es keine.
Ich halte es wie proEUREGIO und kaufe nur dort ein, wo ich nicht sprachlich diskriminiert werde (z.B Lebensmittel bei Mpreis).

Die Märkte, an denen sich international agierende Unternehmen orientieren, seien so groß, dass eigene (zweisprachige) Etiketten nur für Südtirol nicht realistisch seien.

Jaja, die Märkte … klingt für mich irgendwie nach: Südtirol ist nicht Systemrelevant.

Das Recht auf Zweisprachigkeit mit der Logik des Marktes abzutun ist schon einigermaßen pervers, aber durchaus eine Logik, die noch immer greift. Eigentlich sollte es umgekehrt sein: nicht der Markt entscheidet, sondern WIR!

Soweit kommt’s noch, dass Unternehmen bestimmen, was Kultur ist…
Hoppla, da hab ich was verpasst, ist ja schon so.

Soweit kommt’s noch, dass Unternehmen bestimmen, was Kultur ist…

Dem ist eingentlich nichts hinzuzufügen. In Südtirol überlassen wir ja schon die Geografie den Märkten. Carezza, alta pusteria und val gardena lassen grüßen. Die nationalstaatliche Logik der einseitigen Einsprachigkeit in beinahe allen Ketten scheint sowieso schon akzeptiert zu sein.

Neulich war ein Gast aus der Schweiz bei uns, der zeigte mir nach einem Gespräch über genau dieses Thema einige dreisprachig beschriftete Mitbringsel, die es bei uns hier nur in italienisch gibt. Am besten gefiel mir dabei eine eigentlich unscheinbare Parkuhr (Werbegeschenk einer Autoversicherung die es auch bei uns hier gibt), denn genau solche “Kleinigkeiten” zeigen den Respekt eines Unternehmens vor den Bewohnern eines Landes. Jedenfalls glaube ich dem Herrn Dorfmann nicht alles von dem was er da sagt.

Seit meiner Studienzeit in der Schweiz habe ich auch immer eine »dreisprachige« (leider D-F-I und nicht D-I-L) Parkscheibe im Auto.

Wirklich erstaunlich, dass es sowas in Südtirol nicht existiert. Selbst Parkscheiben, die Südtiroler Versicherungsagenturen eigens als Werbegeschenk für ihre Kunden bedrucken lassen, sind meist nur einsprachig (I) — und das, obschon sie damit wohl das Ziel verfolgen, in »guter Erinnerung« zu bleiben.

Ahrntal: 30.07.12
Offener Brief an den Handels und Dienstleistungsverband Südtirol (hds), an den Apothekerverband Südtirol, an alle Großverteiler und an den Detailhandel in Süd-Tirol, an die Verbraucherzentrale Süd-Tirol.

Betrifft: Einsprachige Etikettierung von Handelsware,

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großem Unmut stellen wir fest, daß vielfach bei der Etikettierung der Ware die deutsche Sprache entweder überhaupt nicht aufscheint, oder daß die deutsche Beschreibung einfach überklebt wird! Besonders bei lebenswichtigen Gütern wie z.B. Medikamenten, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, daß die Indikationen auch in der Muttersprache hinterlegt sind, und nicht erst auf Nachfrage!
Wie Sie wissen, ist Deutsch die meistgesprochene Sprache in Europa, und sollte besonders auch in einem diesbezüglich sehr sensiblen Land wie dem unseren seinen angemessen Platz haben! Hier vermissen wir aber eine europäische Ausrichtung.
Deshalb geben wir Ihnen eine Frist bis Jahresende 2012 um hier eine Lösung im Sinne der Bevölkerung zu finden. Andernfalls sehen wir uns gezwungen die Bevölkerung zum Boykott beim Kauf solcher Ware aufzurufen.
Mit freundlichen Grüßen
Die Gemeinderäte der Bewegung SÜD-TIROLER FREIHEIT Ahrntal

Wir haben leider bis heute von keiner Seite eine Antwort auf unser Anliegen bekommen!

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