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Wirtschaftsrückgang verdreifacht!

Das Landesstatistikinstitut (Astat) hat seine Prognose für den Wirtschaftsrückgang in Südtirol für das laufende Jahr drastisch korrigiert: Statt einem Wert (-0,2%), der noch als Stagnation hätte bezeichnet werden können, musste nun mit -0,6% auch hierzulande eine klare Rezession in Rechnung gestellt werden. Südtirols Wirtschaft schrumpft.

Trotzdem werden die Wahlkämpfer der Regierungsparteien, insbesondere der SVP, nicht müde zu wiederholen, unserem Land gehe es nach wie vor besser, als den umliegenden Regionen. Doch weder Österreich, noch Deutschland und die Schweiz befinden sich in Rezession. Dasselbe gilt für die Bundesländer und Kantone in unmittelbarer Nähe: Salzburg, das restliche Tirol, Vorarlberg, Bayern und Graubünden wachsen. Auch die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen, besonders bei Jugendlichen, ist in den genannten Regionen besser, als hierzulande.

Das Astat begründet seine Korrektur übrigens mit der engen wirtschaftlichen Verflechtung Südtirols mit Italien.

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9 replies on “Wirtschaftsrückgang verdreifacht!”

Trotzdem werden die Wahlkämpfer der Regierungsparteien, insbesondere der SVP, nicht müde zu wiederholen, unserem Land gehe es nach wie vor besser, als den umliegenden Regionen. Doch weder Österreich, noch Deutschland und die Schweiz befinden sich in Rezession. Dasselbe gilt für die Bundesländer und Kantone in unmittelbarer Nähe: Salzburg, das restliche Tirol, Vorarlberg, Bayern und Graubünden wachsen.

Ein klarer Fall von Realitätsverweigerung. Nicht unüblich für Vorwahlzeiten. Es ist verantwortungslos vonseiten der Mehrheitspartei keinen Plan B (Loslösung von Italien) durchzuspielen. Aber vielleicht ist das alles zu viel verlangt, wo es nicht einmal einen Plan A gibt.

klar muss man solche entwicklungen ernst nehmen. gleichzeitig sollte man die bip-entwicklung langfristig sehen und ausreißer (auf relativ geringem niveau) nicht überbewerten.

Im Zeitraum von 2007 bis 2013 (7 Jahre!) war die Entwicklung des Südtiroler BIPs:

  • Nur 2009 besser als in Deutschland.
  • Nur 2009-10 besser als in Österreich.

Sonst immer schlechter. Südtirol muss sich eben am Jubelgesang der SVP messen lassen… und das Ergebnis ist derzeit besorgniserregend.

Aber Durnwalder hat gesagt, wir sind immer noch die Nummer 1 in Italien. Deswegen mach ich mir da überhaupt keine Sorgen. Und die umliegenden West-Nord & Ostregionen zählen nicht, denn mit denen haben wir gar nichts gemein. Es zählt nur der Vergleich Südtirol-Sizilien!

der kommentar durnwalders oder jener flos? flo meint seinen nämlich ironisch. während durnwalder es ernst meint.

Was der Rückgang des BIP anbelangt, so sind die Auswirkungen für viele sehr deutlich spürbar. Ein paar Beispiele:
Im Tiefbausektor war der Rückgang dramatisch. Ich kenne Firmen, die von 15 Arbeiter auf einen zurückgehen mussten und mit immensen Problemen zu kämpfen haben. Die Landesverwaltung hat hier schwere Fehler begangen, in der Hochkonjunkturphase wurde von der öffentlichen Hand sehr viel gebaut (Schulen, Straßen usw.) und damit der Markt total überhitzt. Nun, da eine konjunkturelle Belebung notwendig wäre, wird auf die Bremse gedrückt, wirtschaftspolitisch ist das jedenfalls sehr kontraproduktiv.
Mir wurde berichtet, dass bei einem Wettberwerb der Landesverwaltung für drei Stellen im Frühjahr über 200 Bewerber kamen, d.h. viele junge, gut ausgebildete Menschen haben große Probleme einen Arbeitsplatz zu finden.
Es gibt genügend – auch alteingesessene – Firmen, die auf Kurzarbeit oder Lohnausgleich setzen müssen, da zu wenig Aufträge vorhanden sind. Hier spürt man direkt die Auswirkungen der italienischen Misere.
Sollte sich die Situation noch verschlimmern (http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=16931#comment-242910), dann wird es vor allem für die Jugend aussichtslos, hier liegt unsere Verantwortung. Wie man sieht, sind auch nur kleine Rückgänge für einige Bereiche und Personengruppen durchaus dramatisch.

Einige aktuelle Rankings aus der Vorstudie zum EU-Kohäsionsbericht “Regional Competitiveness Index 2013” für NUTS2-Regionen. Davon gibt es aktuell insgesamt 262.

– Wettbewerbsfähigkeit allgemein

106. Vorarlberg
109. Salzburg
111. Bundesland Tirol
124. Kärnten
128. Lombardei
145. Trentino
158. Venetien
173. Südtirol

– Öffentliche Einrichtungen

40. Bundesland Tirol
177. Südtirol
181. Trentino

Ein klarer Fall von staatlicher Zugehörigkeit bzw. staatlicher Bürokratie.

– Infrastruktur

102. Bundesland Tirol
113. Trentino
132. Südtirol

Trotzdem – und immerhin – vergleichbar mit anderen Bundesländern wie der Steiermark auf Rang 147 oder der Nachbarregion Salzburg auf Rang 134.

– Höhere Ausbildung und Lebenslanges Lernen

166. Bundesland Tirol
189. Trentino
235. Südtirol

Hier sind wir auf dem Niveau strukturschwacher und peripherer Regionen im Süden und Osten Europas.

– Technologie-Reifegrad (‘technological readiness’)

126. Bundesland Tirol
209. Trentino
211. Südtirol

Wieder ein eklatanter Fall von staatlicher Zugehörigkeit. Ohne Einbezug des nationalen Indexes liegt Nordtirol auf Rang 134, das Trentino auf Rang 180 und Südtirol dennoch nur auf Rang 184.

– Innovation

89. Bundesland Tirol
120. Trentino
167. Südtirol

Hier ist Südtirol schlechter vertreten als alle seine Nachbarregionen.

aus: Annoni u. Dijkstra, EU Regional Competitiveness Index, Brüssel: 2013
http://ec.europa.eu/regional_policy/sources/docgener/studies/pdf/6th_report/rci_2013_report_final.pdf

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