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»Ottomanische« EU.
Quotation 132

Der us-amerikanische Professor Noam Chomsky, der als sehr einflussreicher kapitalismus- und globalisierungskritischer Vordenker gilt, hat sich mehrmals zur Föderalisierung der EU durch die Abspaltung von Regionen wie Schottland und Katalonien geäußert. Dabei hat er Parallelen zum Ottomanischen Reich gezogen. Ein Auszug:

Denken Sie einfach mal an das Ottomanische Reich: Niemand will das Ottomanische Reich wiedererrichten. Es war brutal, harsch, korrupt — natürlich wollen Sie es nicht. Trotzdem gibt es einiges am Ottomanischen Reich, was man wiederbeleben könnte. Zu ottomanischen Zeiten konnte man von Kairo nach Bagdad und Istanbul reisen, ohne eine Grenze zu queren. Man brauchte kein Visum; es war ein einziges Land. Zum Teil aufgrund der verbreiteten Korruption überließ das Reich seine Regionen mehr oder weniger sich selbst. Die armenische Gemeinschaft konnte ihre Angelegenheiten regeln, die griechische ebenso. Sie waren eng miteinander verflochten — wirtschaftlich, kulturell und so weiter — doch sie waren gewissermaßen autonom. Diese langfristige Struktur ist als Ziel nicht schlecht, glaube ich. In der Tat geht Europa in diese Richtung, wenn es etwa Katalonien in eine breitere föderale Struktur einbindet. Ich denke, das sind insgesamt recht gesunde Entwicklungen. Sie haben jede Menge Probleme, es können zahlreiche unangenehme Konflikte entstehen, doch es ist sinnvoll, dies als eine langfristige Vision zu betrachten.

Quelle — Übersetzung:

Siehe auch:

Föderal+Regional Mitbestimmung Politik Selbstbestimmung Transparenz | Zitać | Noam Chomsky | | Catalunya Europa Scotland-Alba Turchia | EU | Deutsch

10 replies on “»Ottomanische« EU.
Quotation 132

… das tut richtig wohl!
… Ansonsten hat man es meistens immer und überall mit glühenden Nationalen/Nationalisten zu tun … wie darf man die Gattung eigentlich nennen?
– Kein Wunder, dass mit dem „Europa-mit-einem-Außenminister“ nichts weitergeht!
– Ein Europa das man nur braucht um darüber zu schimpfen wenn in der „eigenen-Nation“ etwas schief läuft, wird global niemals ernst genommen!

Ich bevorzuge mehr die Vereinigten Staaten. Diese haben ein föderales System wo wichtige Funktionen die der Bund übernimmt wie ein Teil der Steuerhoheit, der Wirtschaft-, Außen-und Sicherheitspolitik.
Einzelne US-Bundesstaaten können viele Dinge im Alleingang regeln, so wie die Einführung der Homo-Ehe oder die Legalisierung von Kanabis, aber auch die Einführung er Todesstrafe. Das Letzte heiße ich nicht gut, aber es ist ein Indikator der großen Selbstständigkeit der einzelnen Bundesstaaten.

Das Letzte heiße ich nicht gut, aber es ist ein Indikator der großen Selbstständigkeit der einzelnen Bundesstaaten.

nein, das ist nur ein Indikator dass in den Vereinigten Staaten ein Menschenleben nicht viel gilt und die Menschenrechte nicht respektiert werden.

“Vereinigte Staaten” – das ist das alte europäische Projekt. Europäer haben in Amerika gewaltsam Territorium erobert, es durch einen blutigen Bürgerkrieg geeint und schließlich eine Nation gebildet, die ihre Interessen jederzeit militärisch duchzusetzen bereit ist. Die EU aber ist das neue europäische Projekt, in jedem Punkt das Gegenteil: Sie organisiert ihr Territorium durch freiwilligen Beitritt, einigt es durch Verträge auf der Basis der Sicherung von nachhaltigem Frieden, überwindet die Idee der Nation und baut den ersten nachnationalen Kontinent in der Geschichte auf. Vereinigte Staaten – das ist historisch retro. EU – das ist die Avantgarde.

Robert Menasse hier

die ihre Interessen jederzeit militärisch duchzusetzen bereit ist.

Ich hoffe doch das dies die EU (als Staat) auch bereit und dazu in der Lage, ist.
Natürlich als ultima ratio, aber dennoch stets dazu in der Lage, und das Weltweit!

Sollte es nicht zu den Idealen der EU gehören stets in der Lage zu sein, Dinge die einem nicht passen z.B in Nordkorea, wenn nötig, auch militärisch zu ändern. Und stets für die äußere Sicherheit der Bevölkerung sorgen zu können?
Hier sollte mMn, nach gelten so viel wie nötig (seine Interessen Weltweit durchsetzen zu können) so wenig wie möglich (imperialistische Kriege werden nicht geführt)

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