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Nordtiroler Genies.
Quotation 136

»Gitschberg-Jochtal« ist für Italiener nicht aussprechbar.

Florian Mair, Geschäftsführer Tourismusverein Gitschberg-Jochtal (TAZ, 10. Mai 2014).

Dies ist einer der »marketingtechnischen« Gründe, warum die Region auf dem italienischen Markt fortan als »Rio Pusteria« beworben werden soll. Demnach müssen beispielsweise im Paznauntal wahre Genies am Werk sein. Dort ist es nämlich gelungen, einen Ort, der wohl den wenigsten Nicht-Deutsch-Sprechern – ja nicht einmal diesen – leicht über die Lippen kommt, weltweit bekannt zu machen. Ischgl verbucht rund 1,5 Millionen Nächtigungen pro Jahr und hat einen internationalen Gästemix – darunter auch Italiener. Ob es der Tourismuswerbung außerdem förderlich ist, wenn man seine potentiellen Gäste als Quasi-Idioten hinstellt, die unfähig sind, eine für sie ungewöhnliche Buchstabenfolge zu artikulieren, wäre auch zu hinterfragen.

Siehe auch:

Außendarstellung Medien Ortsnamen Tourismus Wirtschaft+Finanzen | Zitać | | TAZ | | Euregio | Deutsch

18 replies on “Nordtiroler Genies.
Quotation 136

Auch Kitzbühel oder Garmisch/Partenkirchen dürften keine internationalen Gäste haben. Und das italienische Sauze d’Oulx habe ich noch nie aussprechen können. Trotzdem ist mir nicht bekannt, dass diese Ortschaften den Drang verspüren sich umzubenennen.

…die TourismusMarketingStrategen haben sich nun mal für alpin und mediterran entschieden. – Vielleicht schwappen die Mittelmeerwellen eines Tages an die Laurinwand des Rosengarten, dann ist Ruhe …

Lasst uns bitte dieses Schmankerl (aus demselben Artikel in der heutigen TAZ) nicht vergessen oder gar unterschätzen:

Rio Pusteria soll zudem nicht den Namen des Ortes Mühlbach ersetzen. “Das wäre nicht in Ordnung. Bewusst haben wir daher auch nicht die Bezeichnung ‘Rio di Pusteria’ gewählt, weil man damit wieder die Verbindung mit dem Ort Mühlbach hergestellt hätte. Und wir wollen auch nicht den Namen ‘Rio di Pusteria’ verfälschen”, so Mair.

Wenn Leute nicht mehr wissen, was sie sagen sollen, sagen sie manchmal ziemlich viel. Lassen wir es uns langsam auf der Zunge zergehen, genießen wir es:

  • Der Tourismusverein hat also bewusst »Rio Pusteria« gewählt und nicht »Rio di Pusteria«, weil man damit sonst die Verbindung mit dem Ort Mühlbach hergestellt hätte. Köstlich. Ein wahrer Feinspitz, der Herr. »Rio Pusteria« ist auch etwas ganz anderes als »Rio di Pusteria«! Und der italienische Gast, der offenbar ein behinderter ist, ist aufgrund des Wörtchens »di« außerstande, eine wie auch immer geartete Verbindung zwischen beiden Formen herzustellen. Sage ich »Rio Janeiro« würde ja auch nie jemand draufkommen, dass ich die brasilianische Metropole »Rio de Janeiro« meinen könnte.
  • Außerdem stellt Mair klar, dass er den Namen »Rio di Pusteria« nicht verfälschen wolle. Ist ja auch wichtig: Die Fälschung von Tolomei darf ganz bestimmt nicht verfälscht werden, sie soll uns in ihrer reinsten und authentischsten Form erhalten bleiben, so wie sie im Prontuario steht. Verfälschen und verleugnen dürfen wir ausschließlich die historischen Ortsnamen, die sind nämlich absoluter Schrott, kann niemand aussprechen und sind fürs Marketing völlig ungeeignet. Deshalb ist es auch blauäugig, lieber Harald, zu glauben, »Rio Pusteria« diene nur dem italienischen Markt: Es wird umgekehrt sein! »Gitschberg-Jochtal« bleibt für den deutschen Markt, alle andere können doch das (un-)verfälschte »Rio Pusteria« viel besser aussprechen! Ischgl hin, Kitzbühel her… die können doch mit Mühlbach eh nicht mithalten.

Ein interessanter Wikipediaeintrag, der die vielschichtige Herkunft der Ortsnamen in Tirol beschreibt — und damit erklärt, warum es so bescheuert ist, wenn wir von deutschen oder italienischen Ortsnamen sprechen. Auch wenn es nicht leicht sein wird, dies im Alltag zu etablieren, sollte zumindest in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion versucht werden, Mehrsprachigkeit von Mehrnamigkeit zu unterscheiden.

und ischgl noch viel weniger. einer kurzen, nicht gesicherten, recherche zufolge ist der name romanischen ursprungs und kommt von insula.

könnte der daumen nach unten drücker mich berichtigen, wenn ich was falsches geschrieben habe, anstatt einfach nur negativ zu bewerten. heißt das thumbs down, dass meine info nicht stimmt?

… es sollte der geschichtlich gewachsene Namen (deutsch bzw. Ladinisch = Endonym) wieder seine erste Rangordnung einnehmen.
Die italienische Entsprechung ist auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen, in Gemeinden wo keine Italiener ansässig sind (z. B. Martell – “Martello wäre dann eben der Hammer”) haben italienische Entsprechungen (Exonyme) wirklich keinen Berechtigung!
Die korrekte Reihung: zuerst Endonym, dann Exonym wäre dann endlich die Grundlage dafür, dass die wahren NAMEN innerhalb und außerhalb des Landes Südtirol die Bevölkerungs- und Sprach-Situation widergibt!

… und die Daumen geben genau den Zustand wider den wir im Lande haben:
– Kaum jemand weiß um Endonym-Exonym und deren Reihung;
– kaum jemand weiß, dass wir ein amtliches Verzeichnis haben, nach welchem immer noch wie unter Mussolini die zwangs-italianisierten Namen ZUERST aufscheinen, was dann zweitgereiht ist, interessiert in der Praxis offenbar Niemanden!
– Kaum jemand weiß, dass Durnwalder und seine Handaufheber die Ortsnamenregelung an sich gerissen haben, – “eine politische Regelung muss her, mit den Fachleuten kommen wir nicht weiter …!” – Wir sind tatsächlich weit gekommen ! ! ! ! !
In wenigen Jahren “feiert” man -cento-anni-in-italia-, dann wird wohl eh alles gelaufen sein …

Südtirol läßt sich von privaten Vereinen (Tourismusvereine) die Geographie auf den Kopf stellen. Siehe: http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=14197 Diese Vereine werden unter anderem von öffentlichen Geldern subventioniert und maßen sich an die Verwendung gewachsener Flur- und Ortsnamen nach Belieben zu verändern oder nicht zu verwenden. Und die hohe Politik hat dazu nichts zu sagen. Die erneuert sich derzeit. Andauernde Erneuerung scheint einen großen Teil der verfügbaren Ressourcen zu verbrauchen.

Ganz nebenbei: Es handelt sich bei dem so absurd argumentierenden Herren um einen ehemaligen Schützenhauptmann!!!

Bei dieser Diskussion sollte die Thermo-Regle angewandt werden: nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Ich kenne die Entwicklung über die Namengebung sehr gut: damals galt es in erster Linie die störrischen Meransner mit den sturen Vallern und den eigensinnigen Mühlbachern unter einem Hut zu bringen. Dazu wollte man auch die kooperierenden Rodenecker ins Team bringen. Im Endeffekt war es so, dass der Wurm den Fischer schmecken sollte und nicht dem Fisch. Leider!
Dazu kam noch ein sogenanntes “coaching” der SMG, welche die Ferienregion betreut und beraten hat und auch die Namengebung für die jeweiligen Märkte vorgegeben hat. Selbstverständlich wurden sämtliche Vorschläge von den Tourismusgremien abgesegnet, wenn aber kritische Worte geäußert wurden, kamen die Rügen aus der Bozner Zentrale.
Diese Hintergründe bilden die Basis für diese Diskussion, die eigentlich immer in Wahlzeiten ausgegraben wird. Komisch eigentlich.

Wurm, Fisch, Fischer, was für eine bescheuerte Begründung!!! Vielleicht ist einfach der Wurm verdorben, weil er zu lange in der heissen italienischen Sonne lag?!?!?!

Dazu kam noch ein sogenanntes ”coaching” der SMG, welche die Ferienregion betreut und beraten hat und auch die Namengebung für die jeweiligen Märkte vorgegeben hat.

Die Namensrichtlinien der SMG werden aber genauso gegessen wie sie gekocht werden, was soll also die Relativierung? Außerhalb des deutschsprachigen Marktes dominiert Tolomei die SMG Werbung. Die SMG will neuerdings ja verstärkt auf Authentizität setzen und vergisst dabei die historisch gewachsenen Namen. Widerspruch will man keinen erkennen?

[…] Auf der Seite der Südtirol-Marketinggesellschaft (SMG) gibt es stets was zu entdecken, so zum Beispiel die offenbar ohne Beiziehung eines Hirns konzipierte Vorstellung von »Südtirols Nachbarn«. Die da wären: Nordtirol, Graubünden und das Trentino. Wo Osttirol, Salzburg, Sondrio und Belluno bleiben — man weiß es nicht. Ist auch egal, wird doch bereits der Euregio-Partner Trentino als »schon ganz Italien« bezeichnet und — man höre und staune — um Cortina d’Ampezzo erweitert (s. Ausschnitt oben). Die Hauptstadt Trient heißt natürlich: Trento. Und was gibt’s zu Nordtirol zu sagen? Nur soviel: Dass es eine Metropole ist und dass die SMG nicht weiß, wie man Kitzbühel schreibt. Sollen sich halt auch endlich einen italienisch klingenden Ortsnamen zulegen! […]

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