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Sport einsprachig.
Quotation 146

Fakt ist allerdings, dass Italienisch die offizielle Sprache auf dem Fußballfeld ist – auch in Südtirol. Dies wurde vom FIGC so festgelegt.

aus einem heutigen Bericht von Tageszeitung Online.

So transportiert auch der Sport in Südtirol neben Werten wie Fairness, Kameradschaft und Teamgeist den Wert der Mehrsprachigkeit. Wäre spannend zu sehen, was geschähe, wenn ein Südtiroler Verband auch nur für eine Sportart (die in etwa gleichermaßen von Menschen aller Sprachgruppen praktiziert wird) Deutsch zur alleinigen offiziellen Sprache erklärte. Nicht, dass ich mir dies wünsche (ganz im Gegenteil), aber dann wäre sehr schnell klar, wo der sprichwörtliche Hammer hängt.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/

Discriminaziun Medien Nationalismus Plurilinguismo Sport Sprachpfusch | Bilinguismo negato Zitać | | TAZ | | | Deutsch

22 replies on “Sport einsprachig.
Quotation 146

Danke Silvia! Der Artikel ist auch oben unter dem Zitat verlinkt ;)

Ich schließe also, dass es für dich kein Problem ist, wenn auf dem Fußballfeld nur eine Sprache offiziell ist.

;-) ja bin auch der Meinung, doppelt genäht hält besser, und so sind wir vllt auch wirklich sicher, dass die mehr oder weniger geneigten Leser alles lesen, und nicht nur das, was du gern hättest, dass sie lesen ;-)

Im Artikel steht nirgends, dass die Vorfälle sich nicht so zugetragen haben. Die Verbandsverantwortlichen behaupten nur in der Vergangenheit nichts von solchen Fällen gehört zu haben. Sollte es sich aber so zugetragen haben, würde dem Schiedsrichter mit Folgen zu rechnen haben.
Der Umstand dass die alleinige Amtssprache am Fußballplatz Italienisch ist, wird von sämtlichen Fußball-Entscheidungsträgern bestätigt. Ich finde das nicht in Ordnung.

Der Umstand dass die alleinige Amtssprache am Fußballplatz Italienisch ist, wird von sämtlichen Fußball-Entscheidungsträgern bestätigt. Ich finde das nicht in Ordnung.

Frau Rier scheint damit kein Problem zu haben, zumindest hat sie sich diesbezüglich noch nicht auf diesem Blog geäußert. Eine Schieflage zugunsten der lingua franca nazionale wird ja häufig gerade von Leuten hingenommen, die sonst gerne von Mehrsprachigkeit und Toleranz reden.

Wäre fast eine eigene Rubrik wert, mit dem Namen: “Wo der Hammer hängt”.
Dies wird einem ja immer wieder deutlich oder subtil vermittelt.

Fußball ist in Italien schon immer ein Mittel zur Festigung der Nation gewesen.
Freuen wir uns auf die Feiern vor dem Siegesdenkmal während der kommenden Wochen….

Meinst du die Feiern vor dem Mahnmal oder die Feiern über dem Dokumentationszentrum? ;-)

2012 (im Gegensatz zu 2006) ist die ganze Sache meines Wissens recht verträglich über die Bühne gegangen.
Aber das ist jetzt schon eher offtopic…

Das Problem ist doch nicht welche Sprache man spricht, sondern die Kommunikation zwischen Schiri und Spielern. Hätte der Schiri etwas Empathie gezeigt gäb’s keinen Aufstand. Nun war er aber leider ein A… Das ist das Problem und nicht die Sprache.
In diesem Fall werden zwischenmenschliche Konflikte hochgepusht, um sich sein Minderheitendrama zu stricken.

Aber, was red ich da, ihr habt natürlich recht. Ich finde auch, der Gesetzgeber sollte einschreiten und den Sprachgebrauch in der Freizeit regeln. Man denke nur mal an die armen Musiker, die piano und forte spielen müssen und manchmal sogar ein crescendo. Da besteht definitiv handlungsbedarf.

Weder Silvia noch du hast verstanden, dass ich bewusst nicht den einen Vorfall thematisiert habe, sondern die Grundsatzfrage.

Wir haben Recht und der Gesetzgeber soll einschreiten? Habe ich das irgendwo geschrieben? Das Problem ist doch gerade, dass hier jemand eine Sprache vorschreiben will, nämlich der italienische Fußballverband.

ist wohl ein Witz, dass der Gebrauch der Muttersprache gegenüber dem Schiedsrichter verboten wird. Dieses Verbot ist ein typischer Ausdruck der Grundhaltung “siamo in Italia”.
Sicher gibt es manchmal schwierige Personen bzw. zwischenmenschliche Probleme, aber der Anstoß der Empörung ist nicht der Schiedsrichter, sondern die Verbandsvorschrift.
Was wäre denn wohl, wenn jemand Italienisch im Rahmen eines Vereins verbieten würde, da gäbe es aber einen riesen Aufschrei.

… eben! deutsch ist nicht verboten. Und es geht nur um die Kommunikation mit dem Schiedsrichter. Vielleicht wird es mit etwas Informatikjargon deutlich: Die Regel ist keine Blacklist, sondern eine Whitelist. Es wird nichts verboten, wie es hier viele verstehen. Ich sehe das wie @like.

Kommentar von pérvasion vom 5.6.2014, 15:08:
Soweit ich das verstanden habe ist Deutsch gegenüber 1. dem Schiedsrichter verboten und 2. teilweise hätten Schiedsrichter verlangt, dass die Spieler untereinander nicht Deutsch sondern Italienisch sprechen, damit der Schiri sie verstünde.
Punkt 1 und 2 sind zu unterscheiden. 1 rührt aus einer Verbandsregel 2 aus einem Fehlverhalten, hoffentlich nicht aus einer Verbandsregel.

Es geht hier nicht um den Sprachgebrauch in der Freizeit.
Die FIGC finanziert sich nicht zuletzt auch aus öffentlichen Zuschüssen und deshalb ist es ein gutes Recht eines jeden Steuerzahlers, sich einzumischen, wenn es diskriminierende Vorschriften gibt. Das beginnt beim Gebrauch der Muttersprache und geht über Probleme mit Rassismus, Homophobie oder Faschismus in den Stadien.

Tja, die Grundsatzfrage der Sprachverwendung. Das ist natürlich ein schwieriges Pflaster. Und auf den ersten Blick stellt sich schon die Frage, warum auf dem Fußballplatz nur italienisch gesprochen werden soll, wie das obige Zitat suggeriert. Aber der Reihe nach:
1) Wie schon mehrfach angemerkt, ist Deutsch auf dem Fußballplatz keineswegs verboten: Die Spieler können sich natürlich untereinander verständigen, wie sie wollen – wäre ja noch schöner. Betroffen ist hier also erstmal nur die Kommunikation mit dem Schiedsrichter.
2) Jenseits des Grundsätzlichen möchte ich noch ein paar Anmerkungen zur Praxis machen: De facto ist es so, dass auf dem Fußballfeld selten eine elaborierte Konversation geführt wird oder geführt werden muss. Die rudimentären Italienischkenntnisse, die man dort braucht, haben alle oder zumindest fast alle Beteiligten. Für das Deutsche gilt das umgekehrt nicht: Ob das an den vielen Dialekten liegt, der “Siamo-in-Italia”-Mentalität oder was auch immer, möchte ich jetzt gar nicht diskutieren. Doch wenn Deutsch als “Amtssprache” eingeführt würde, käme es in der Verständigung tatsächlich zu immensen Problemen.
3) De facto ist es weiter so, dass die allermeisten Beteiligten auf dem Fußballplatz aus der Sprache kein Politikum machen, weil sie einfach in Ruhe Fußball spielen wollen. Man verständigt sich halt mit allem zur Verfügung stehenden: Sprachkenntnissen oder Händen und Füßen. Das betrifft natürlich auch die Schiedsrichter: Ich habe noch keinen Schiedsrichter erlebt, der der deutschen Sprache mächtig war und ihren Gebrauch auf dem Fußballfeld verweigerte, wenn er mit offensichtlich deutschsprachigen Spielern zu tun hatte. Auch die Schiedsrichter – die in vielen Fällen eh schon einen schwierigen Job haben – haben in der Regel kein Interesse daran, die Atmosphäre unnötig aufzuheizen.
Auch das kann als indirekte Rechtfertigung der Sprachregelung gelten: Wenn diese tatsächlich mit aller Konsequenz durchgesetzt würde, müsste man sich tatsächlich Gedanken machen. Doch in der Praxis sieht es eher so aus, als wären alle Beteiligten gewillt, sich gegenseitig verständlich zu mache – in welcher Sprache auch immer.
4) Andererseits ist es so, dass ich schon mehrfach erlebt habe, dass italienischsprachige Schiedsrichter auf Deutsch beschimpft wurden in der Meinung, die verstünden das doch sowieso nicht. Wenn sie es dann doch verstehen, hat man Pech gehabt – aber ich finde, das könnte zumindest teilweise erklären, warum Schiedsrichter Vorbehalte dagegen haben, wenn plötzlich Spieler oder Trainer – üblicherweise in einer strittigen und hektischen Situation – plötzlich auf Deutsch auf sie einreden.

Zusammenfassend: Die (mangelnde) Zweisprachigkeit ist in Südtirol sicher immer noch ein teilweise eklatantes Problem. Doch auf dem Fußballfeld ist die derzeitige Praxis eher von gegenseitigem Wohlwollen und Entgegenkommen geprägt – zumindest was die Sprache betrifft, denn Schiedsrichter kriegen unabhängig von der Sprachgruppenzugehörigkeit schon genug auf den Deckel. Ausnahmen (auf Schiedsrichter-, Spieler- und Trainerseite) bestätigen die Regel. Und solange sich diese Praxis nicht wesentlich (zum Schlechteren) verändert, ist eine Änderung der Regel meines Erachtens nicht zwingend notwendig. Die FIGC hat unabhängig davon schon genug Probleme – aber die sind ganz anderer Natur.

Schließlich ist Fußball immer noch die schönste NEBENsache der Welt – und für alle Beteiligten eine Freizeitbeschäftigung.

Tja, die Grundsatzfrage der Sprachverwendung. Das ist natürlich ein schwieriges Pflaster. Und auf den ersten Blick stellt sich schon die Frage, warum auf dem Amt nur Italienisch gesprochen werden soll, wie das obige Zitat suggeriert. Aber der Reihe nach:
1) Wie schon mehrfach angemerkt, ist Deutsch auf dem Amt keineswegs verboten: Die Bürger können sich natürlich untereinander verständigen, wie sie wollen – wäre ja noch schöner. Betroffen ist hier also erstmal nur die Kommunikation mit dem Beamten.
2) Jenseits des Grundsätzlichen möchte ich noch ein paar Anmerkungen zur Praxis machen: De facto ist es so, dass auf dem Amt selten eine elaborierte Konversation geführt wird oder geführt werden muss. Die rudimentären Italienischkenntnisse, die man dort braucht, haben alle oder zumindest fast alle Beteiligten. Für das Deutsche gilt das umgekehrt nicht: Ob das an den vielen Dialekten liegt, der ”Siamo-in-Italia”-Mentalität oder was auch immer, möchte ich jetzt gar nicht diskutieren. Doch wenn Deutsch als ”Amtssprache” eingeführt würde, käme es in der Verständigung tatsächlich zu immensen Problemen.
3) De facto ist es weiter so, dass die allermeisten Beteiligten auf dem Amt aus der Sprache kein Politikum machen, weil sie einfach in Ruhe ihre Amtsgeschäfte erledigen wollen. Man verständigt sich halt mit allem zur Verfügung stehenden: Sprachkenntnissen oder Händen und Füßen. Das betrifft natürlich auch die Beamten: Ich habe noch keinen Beamten erlebt, der der deutschen Sprache mächtig war und ihren Gebrauch auf dem Amt verweigerte, wenn er mit offensichtlich deutschsprachigen Bürgern zu tun hatte. Auch die Beamten – die in vielen Fällen eh schon einen schwierigen Job haben – haben in der Regel kein Interesse daran, die Atmosphäre unnötig aufzuheizen.
Auch das kann als indirekte Rechtfertigung der Sprachregelung gelten: Wenn diese tatsächlich mit aller Konsequenz durchgesetzt würde, müsste man sich tatsächlich Gedanken machen. Doch in der Praxis sieht es eher so aus, als wären alle Beteiligten gewillt, sich gegenseitig verständlich zu machen – in welcher Sprache auch immer.
4) Andererseits ist es so, dass ich schon mehrfach erlebt habe, dass italienischsprachige Beamte auf Deutsch beschimpft wurden in der Meinung, die verstünden das doch sowieso nicht. Wenn sie es dann doch verstehen, hat man Pech gehabt – aber ich finde, das könnte zumindest teilweise erklären, warum Beamte Vorbehalte dagegen haben, wenn plötzlich Bürger – üblicherweise in einer strittigen und hektischen Situation – plötzlich auf Deutsch auf sie einreden.

Zusammenfassend: Die (mangelnde) Zweisprachigkeit ist in Südtirol sicher immer noch ein teilweise eklatantes Problem. Doch auf dem Amt ist die derzeitige Praxis eher von gegenseitigem Wohlwollen und Entgegenkommen geprägt – zumindest was die Sprache betrifft, denn Beamte kriegen unabhängig von der Sprachgruppenzugehörigkeit schon genug auf den Deckel. Ausnahmen (auf Beamten- und Bürgerseite) bestätigen die Regel. Und solange sich diese Praxis nicht wesentlich (zum Schlechteren) verändert, ist eine Änderung der Regel meines Erachtens nicht zwingend notwendig. Die Verwaltung hat unabhängig davon schon genug Probleme – aber die sind ganz anderer Natur.

Tja, man kann es sich auch einfach machen.

Ich würde vollkommen zustimmen, dass Zweisprachigkeit für Beamte unbedingt notwendig ist. Aber sehen wir uns noch einmal zwei Unterschiede zwischen Beamten und Schiedsrichtern an, bevor wir alles in einen Topf werfen:
1) Beamte werden gut dafür bezahlt, dass sie die Bedingungen der Zweisprachigkeit erfüllen – wie auch sonst für ihre weltanschauliche Neutralität. Schiedsrichter dagegen sind zunächst Privatpersonen, die sich in einem Verband engagieren, und dafür eine Aufwandsentschädigung erhalten. Kurioserweise gilt das ja selbst für die Profi-Schiedsrichter, die eigentlich eben keine Profis sind, sondern einen anderen Beruf ausüben (auch wenn deren Entschädigungen natürlich sehr viel höher sind als die der Amateur-SR). Ergo verpflichtete man also Privatpersonen zur Zweisprachigkeit. Die Alternative wäre natürlich, Profi-Schiedsrichter auch in den Amateurligen einzuführen, die gemäß der nachzuweisenden Qualifikation der Zweisprachigkeit dann auch entsprechend zu bezahlen wären. Dann wäre der oben angesprochene Schiedsrichtermangel schnell behoben – und die Amateurvereine würden der Reihe nach nicht mehr an Meisterschaften teilnehmen, weil sie die Teilnahmegebühren nicht mehr bezahlen könnten.
2) Die Kommunikation auf dem Amt ist für Bürger nicht nur essentiell notwendig, um ihren Bürgerpflichten nachzukommen und ihre Bürgerrechte wahrzunehmen; sie ist im Gegensatz zu der auf dem Fußballplatz auch keineswegs nur eine rudimentär ausgeprägte Nebensache. Im Prinzip kann ich an einem Fußballspiel teilnehmen, ohne die Sprache der anderen Beiteiligten zu verstehen; wie ich eine Steuererklärung ausfüllen soll, ohne die Sprache zu verstehen o.Ä., weiß ich dagegen nicht.

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn alle Schiedsrichter zweisprachig wären. Aber ich sehe keine Handhabe, sie dazu zu verpflichten. Oder sollten wir in Zukunft auch die Schützenvereine verpflichten, alle zweisprachig zu sein? Derartige Eingriffe in das Privatleben von Bürgern bedürfen einer starken Rechtfertigung. Und die sehe ich im Fall der Schiedsrichter nicht gegeben, vor allem weil die Kommunikation in der Praxis wie oben beschrieben eigentlich funktioniert. (Ich gebe zu, dass ich dafür keinen Nachweis erbringen kann, sondern dass diese Aussagen allein auf persönlichen Erfahrungen basiert.)

Es geht um das Argumentationsmuster, nicht um eine Gleichsetzung. Und einen Schiedsrichter muss man nicht zur Zweisprachigkeit verpflichten (obwohl die in Südtirol selbstverständlich sein und keiner Zusatzbesoldung bedürfen sollte): Man könnte die Sprache auch explizit freistellen. Eine Sprache zur offiziellen zu bestimmen, ist das einzige, was man in Südtirol nicht machen sollte.

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