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Schottisches Öl für englische Großmannsträume.

Leserbeitrag von Wolfgang Schimank, Berlin

London, den 19. September 2014. In der Downing Street No 10 herrschte große Erleichterung, als klar wurde, dass sich die Schotten im Referendum mehrheitlich gegen die Unabhängigkeit Schottlands von Großbritannien ausgesprochen hatten.

Die britische Regierung hatte viel Geld für die “No!”-Kampagne ausgegeben. Für Großbritannien stand sehr viel auf dem Spiel. Dieser Aspekt wurde aber eher verschwiegen. Die Losung “Better together!” (Gemeinsam geht es besser!) klingt positiver. Andererseits wurde ein Gespenst des Schreckens und der Unabwägbarkeiten aufgebaut, falls sich Schottland doch von Großbritannien trennen sollte. Alex Salmond, der Führer der Unabhängigkeitsbewegung, hatte zu wenig dagegen vorgebaut. Die Drohung der Banken verstärkte die Verunsicherung der Schotten. Letztendlich hatten die Bedenkenträger die Oberhand. –Haben sich die Schotten vergegenwärtigt, welche Bedeutung ihre Entscheidung auch für viele kleine Völker hat, die gegen ihren Willen in einem Staat leben müssen, der nicht der ihrige ist?

Besonders ältere Menschen haben sich für den Verbleib Schottlands in Großbritannien entschieden. Aber wie ist es um Großbritannien bestellt? Einst war dieses Land die Wiege der Industrialisierung. Dort nimmt das produzierende Gewerbe in erschreckendem Maße ab. Im Jahre 2010 war es nur noch 12,4% des BIP. Dreiviertel der Werktätigen sind im Dienstleistungsbereich tätig. Lediglich der Finanzmarkt in London ist der größte der Welt. Angesichts dieser Lage verlegt sich Großbritannien auf die Ausspähung aller Länder in allen Lebensbereichen. Da wird auch nicht vor den EU-Partnerländern haltgemacht. In Menwith Hill, North Yorkshire, befindet sich das Gouvernment Communications Headquarters (GCHQ), das größte Spionagezentrum der Welt.

Fast nebenbei berichteten ARD und ZDF in ihren Spezialsendungen zum Schottland-Referendum, wie wichtig das schottische Ölgeld für England ist: Dieses Geld wird benötigt, um Nordirland zu alimentieren. Sowohl die Teilung Irlands als auch die Teilung Tirols sind ein Anachronismus in unserer Zeit! –Ohne Schottlands Ölgeld würde Großbritannien zusammenbrechen wie ein Kartenhaus!

Aus Anlass des “Bloody Sunday” (Blutiger Sonntag) am 30. Jänner 1972 komponierte Beatles-Gründungsmitglied Paul McCarthney das Lied “Give Irland back to the Irish!”* (Gebt Irland den Iren zurück!) Dieses veröffentlichte er einen Monat später. Die BBC setzte diesen Titel sofort auf den Index. –Im Jahre 1997 wurde er von Elisabeth II. in den Adelsstand erhoben. Vor dem Referendum appellierte er an die Schotten, gegen die Unabhängigkeit zu stimmen. Trifft da nicht der Spruch zu “Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe”? –Ähnliche Erfahrungen haben die Südtiroler mit Reinhold Messner gemacht. Dieser wetterte gegen die Allmacht der Südtiroler Volkspartei (SVP). Seitdem er mit Hilfe der SVP-Landesregierung seine Bergmuseen errichten konnte, redet er ganz anders… Er setzt sein Ansehen auch nicht für die Freiheit seines Volkes ein. –Da lobe ich mir den Thomas Sean Connery!

Bei vielen englischen Politikern scheint die Nachricht immer noch nicht angekommen zu sein, dass das British Empire nicht mehr existiert. Das Commonwealth scheint ein Placebo zu sein. Großbritannien ist als ständiges Mitglied im UNO-Sicherheitsrat vertreten, obwohl sich die Machtverhältnisse grundlegend verändert haben. Die Sitzverteilung im UNO-Sicherheitsrat spiegelt die Verhältnisse von 1945 wieder!

Nach dem gescheiterten Referendum können englische Politiker weiter ihre Großmannsträume träumen und sich an jedem Krieg beteiligen, sich aufspielen und andere ausspähen. –James Bond lässt grüßen!
Mitbestimmung Politik Wirtschaft+Finanzen | | Reinhold Messner | ARD BBC ZDF | Nordirland Scotland-Alba United Kingdom | SVP UNO | Deutsch

8 replies on “Schottisches Öl für englische Großmannsträume.”

Sorry, den Zusammenhängen kann ich nicht immer folgen. Einige Hinweise dennoch:

Haben sich die Schotten vergegenwärtigt, welche Bedeutung ihre Entscheidung auch für viele kleine Völker hat, die gegen ihren Willen in einem Staat leben müssen, der nicht der ihrige ist?

Das war doch nicht Sinn und Zweck der Abstimmung!

Sowohl die Teilung Irlands als auch die Teilung Tirols sind ein Anachronismus in unserer Zeit!

Ich finde nicht die Teilung anachronistisch, sondern, dass die Menschen nicht zum bevorzugten institutionellen Rahmen Stellung nehmen können. Auch eine von oben herab verordnete (Wieder-)Vereinigung wäre m. E. anachronistisch.

Ohne Schottlands Ölgeld würde Großbritannien zusammenbrechen wie ein Kartenhaus!

Im Ernst? Das halte ich für leicht übertrieben.

Vor dem Referendum appellierte er an die Schotten, gegen die Unabhängigkeit zu stimmen.

Wer gegen die Besetzung Irlands war muss nicht zwangsläufig für die Eigenstaatlichkeit Schottlands sein.

Zu Punkt 1)
Schottland wäre (nach einem Beitritt in die EU) sicherlich ein guter Fürsprecher für die kleinen um Unabhängigkeit ringenden Völker.
Meiner Meinung nach kann man diese Frage wohl stellen.
Zu Punkt 2)
Die Teilung eines Volkes ist immer etwas unnatürliches. -Ich hatte den Bau der Berliner Mauer und seine Folgen persönlich erlebt.
Zum anderen denke ich auch an Bismarck. Er sagte, er sei in erster Linie Preuße, dann Deutscher. Dann folgten viele Kriege…
Bayern hatte sich 2 Mal mit Frankreich verbündet und Krieg gegen das Heilige Römische Reich Deutscher Nation geführt, nur um sich Tirol einzuverleiben…
Zu Punkt 3)
In Schottland liegen ca. 75% der Erdölquellen. England hätte dann große Schwierigkeiten, Nordirland zu halten und müßte entscheiden, was diesem Land wichtiger ist: Eine „Kolonie“ oder das Wohlergehen des eigenen Volkes.
zu Punkt 4)
Was ein Mensch macht, wie er sein Leben gestaltet, das muß nicht immer geradlinig sein. Das ist richtig. Ich bin davon ausgegangen, dass Paul McCarthney, wenn er gegen die eine Ungerechtigkeit ist, folglich auch gegen die andere ist. Zumindest erwarten wir es von Politikern und anderen Personen / Idolen, die in der Öffentlichkeit eine herausragende Stellung haben.

ich stimme pervasion zu. der artikel folgt einer nationalen logik und möchte die fehler, die aufgrund von kriegen und eroberungen passiert sind, richtig stellen. der fehler ist jedoch nicht, dass manche „völker“, wie schimank die gemeinschaften nennt, im falschen staat leben. der fehler ist die nationale logik an sich.

Ich denke nich das einer Wiedervereinigung mit Österreich ist, meiner Meinung nach würde diese Option gewinnen. Nur wäre es, von einem Emotionalen Standpunkt aus argumentiert, sehr Schade das all die Opfer umsonst waren und wir nur den Status quo ante erreichen. Doch auch dues wäre zu akzeptieren, die Mehrheit möchte eben kein Europa der Regionen, ja den meisten geht schon diese EU zu weit

Ich denke nich das einer Wiedervereinigung mit Österreich ist, meiner Meinung nach würde diese Option gewinnen.

bitte lies dir deine postings durch, bevor du sie freigibst. es ist mühsam, immer nachfragen zu müssen, was deine sinnbefreiten sätze zu bedeuten haben.

Wenn bei dieser Website der Cursor nicht 10.000* herumspringen würde.
Wenb ich dann Nachlese ist es offensichtlich das ich Drogen konsumiere.

Eine kleine Anmerkung zu Nordirland. Laut „Good Friday Agreement“ haben die Nordiren ja mittelfristig durchaus die Möglichkeit über ihren Status abzustimmen. Ich persönlich sehe bei einer evtl. Abstimmung allerdings die Möglichkeit einer Rückkehr zu Irland nicht als die attraktivste Variante, da dies lediglich zu einer Umkehrung der Minderheit-Mehrheitslogik führen würde. Es gibt vielversprechende Ansätze, dass sich eine nordirische Identität bildet. In einem unabhängigen Nordirland gäbe es eine wesentlich konstruktivere Basis den Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten nachhaltig zu befrieden. Siehe auch: http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=14385

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