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Vereinigte Regionen von Europa.
Quotation 221

Die EU kommt nicht aus der Krise. Hat das Projekt Europa noch eine große Zukunft?

Ja, es ist vital, lebensfähig und zukunftsfähig. Ein Friedensmodell. Europa muss nur endlich zu einem Bund verschmelzen. Ich meine keinen zentralistischen Riesenstaat, sondern die Summe von Regionen, Kantonen und Bundesländern: Die Vereinigten Regionen von Europa. Wir Südtiroler säßen dann nicht mehr zwischen den Stühlen, wir würden vielleicht sogar zu einer Region namens Tirol zählen, wir wären Europäer und Tiroler, wie vor 100 Jahren.

Dieses Modell würde die Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg rückgängig machen.

Innerhalb eines Europas der Regionen gibt es keine nationalen Grenzen, nur regionale Verantwortung, gemeinsame Werte, gleiche Wettbewerbsbedingungen und Solidarität.

Vorausgesetzt die EU entwickelt sich in diese Richtung: Wie viel Zeit, glauben Sie, wird noch vergehen?

Die Nationalstaaten müssen sich innerhalb der nächsten 50 Jahre verflüchtigen. Wenn es erreicht ist, bedeutet es für alle Europäer ein Mehr an Lebensqualität, bessere Chancen, wenn auch kein freieres Dasein als Bürger. Voraussetzung bleibt, die Nationalstaaten treten langsam zurück und geben noch mehr Macht ab: Kompetenzen an das gemeinsame Ganze in Brüssel und an die kleineren, „autonomen“ Strukturen. Gleichzeitig würde das die kleineren Strukturen stärker machen, die Regionen, in denen die Bürger oft auch direkt abstimmen sollten. Europa ist zu groß, um alles basisdemokratisch zu regeln.

aus dem Interview mit Reinhold Messner in der SZ vom 17. August 2015

Siehe auch:
Föderal+Regional Medien Mitbestimmung Politik Zentralismus | Quote | Reinhold Messner | SZ | Europa | EU Euregio | Deutsch

4 replies on “Vereinigte Regionen von Europa.
Quotation 221

Sorry, aber den Messner kapier ich nicht. Hat er jetzt erneut eine 180°-Kehrtwende vollzogen?

Hier ein FAZ-Zitat von 2012:

Reinhold Messner: Ich will kein eigenes Land Südtirol, ich gehöre nicht zu den Separatisten. Würden wir Europa in kleine Einzelteile zerlegen, mit Südtirol als eigenem Land, würden wir es nie mehr hinkriegen, das große Europa zu schaffen – eine nach wie vor großartige Idee, die daran mangelt, dass die Leute sich nicht als Europäer fühlen. […]

F.A.Z.: […] in Südtirol gibt es eine Los-von-Rom-Bewegung.

Reinhold Messner: […] Diese Bewegungen repräsentieren nur eine kleine Minderheit, zum Glück. Es wäre für Europa verheerend, wenn die Nationalstaaten zerfielen.

Und ein Zitat aus ff 33/2012:

Aus der EU muss ein einheitlicheres Gebilde werden, ich denke da an eine Art Bundesstaat, wie etwa Deutschland es ist. In diesem Rahmen könnte Südtirol Teil der EU sein, der selbständig verwaltet werden könnte. […] Ändern würde sich einzig, dass wir nicht mehr in den Staat Italien, sondern in die EU eingebunden wären. Südtirol wäre eine eigene Region in einem geeinten Europa.

… es ändern hoffentlich noch viele ihre Meinung dahingehend, dass Südtirol ein Teil der EU sein kann und gleichzeitig aus der Bevormundung Roms entlassen wird!
Ein mehrsprachiges Gemeinwesen wie ST wird der EU nur gut tun! – Und was wird aus der Euregio Tirol? – Das Bundesland Tirol wird der Republik Österreich wohl nicht so schnell adieu sagen? – Und das Trentino? Über deren Zukunftsvision habe ich keine richtige Vorstellung … Damit wäre ST allein, zunächst ein guter Anfang!

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