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Ein Denkmal für Rom:nja.
Österreich/Wien

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In der Nähe des österreichischen Parlaments soll an die Porajmos-Ermordeten erinnert werden

Eine überschaubar kleine Gruppe demonstrierte still auf dem Wiener Schmerlingplatz für ein Holocaust-Denkmal in Erinnerung an die ermordeten österreichischen Romnja und Roma.

Im »Dritten Reich« ermordeten die Nazis mehr als eine halbe Million Roma und Sinti, darunter schätzungsweise 10.000 aus Österreich. Roma und Sinti wurden als »Zigeuner« bzw. als »Asoziale« systematisch verfolgt und ermordet. Vor 1938 lebten bis zu 12.000 Roma und Sinti in Österreich, die meisten davon im Burgenland.

Der aus dem Burgenland stammende Wiener Historiker Gerhard Baumgartner arbeitete die Geschichte der burgenländischen Roma-Bevölkerung auf, mit einem detaillierten Schwerpunkt über die Verfolgung und Vernichtung im »Dritten Reich«. Zahlen und Fakten liegen seit dem Jahr 2000 peinlichst genau recherchiert vor.

Ein Denkmal in Erinnerung an die Romnja- und Roma-Opfer der Naziherrschaft steht aber immer noch aus. Deshalb auch die leise Kundgebung mit einer klaren Botschaft in Wien anfangs Jänner. Die Frage ist, ob die Botschaft auch angekommen ist.

Ein halbes Jahrhundert

Auch die jüdischen Bürgerinnen und Bürger mussten sich bis ins Jahr 2000 gedulden. Erst ein halbes Jahrhundert nach dem Holocaust wurde in Wien auf dem Judenplatz das Mahnmal für die österreichischen jüdischen Oper errichtet. Es erinnert an 65.000 ermordete österreichische Juden.

An der Entrechtung, Enteignung, Verfolgung und Ermordung der jüdischen Österreicher:innen beteiligten sich viele Nachbarn der jüdischen Österreicherinnen und Österreicher. In den NS-Terrororganisationen waren Österreicher überproportional vertreten. Das Mahnmal ist also so etwas wie das zu Stein gewordene schlechte Gewissen der Österreicher:innen. Und auch immer wieder Anlass für Polemiken. Als der Präsident des Nationalrates, der rechtsrechte FPÖ-Mandatar Walter Rosenkranz, vor einem Jahr am Mahnmal einen Kranz niederlegen wollte, wurde er von der Israelitischen Kultusgemeinde und von der Jüdischen Hochschüler:innenschaft JöH heftig kritisiert. »Wer Nazis ehrt, dessen Wort ist nichts wert«, lautete ein Transparent-Slogan der JöH.

Die Zeit drängt

Die Zeit für ein Porajmos-Denkmal drängt. Bei den nächsten Nationalratswahlen können die Freiheitlichen auf fast 40 Prozent Wähler:innenstimmen hoffen. Die FPÖ ist antiziganistisch, wendet sich beispielsweise vehement gegen den Zuzug von Roma aus Osteuropa. Der bereits erwähnte Nationalratspräsident Rosenkranz überraschte mit seiner Aussage, dass das Romadenkmal längst überfällig sei. Möglicherweise nimmt er seinen Vorgänger Wolfgang Sobotka ernst, der sich anlässlich des Internationalen Roma-Tags am 8. April 2022 für ein Denkmal sowie ein Dokumentationszentrum aussprach.

Sobotka unterstützte ein entsprechendes Positionspapier von Roma-Organisationen und Aktivist:innen. Laut diesem soll das Denkmal an einem zentralen Standort in Wien errichtet werden.

Sowohl migrantische als auch autochthone Organisationen und Aktivist:innen erarbeiteten das Positionspapier, das den politischen Stillstand zu diesem Thema beenden soll.

Stimmen aus der Community

Katharina Janoska, Autorin und Journalistin, beschreibt den Grund, warum es ein Denkmal in Wien braucht:

Unsere Heimat schuldet es uns, dass wir unserer Ahnen an einem zentralen Ort gedenken können, dass sie jenen, die nicht mehr für sich selbst sprechen können, eine Stimme verleiht. Damit man jenen, die lange Zeit nicht gesehen wurden, Gerechtigkeit zuteilwerden lässt.

– Katharina Janoska

Mirjam Karoly, Mitglied des Roma-Volksgruppenbeirats, wirbt für den Schmerlingplatz als Denkmalstandort. Zentral gelegen neben dem Parlament, ein sichtbarer Ort, der Roma und das Gedenken in die Mitte der Gesellschaft holt, begründet Karoly ihren »Wunsch«:

Man merkt, eine Art Diskriminierung auch innerhalb der Opfergruppen, dass sozusagen der Holocaust an den Romnja und Roma nicht zum Thema gemacht wurde und auch vom offiziellen Österreich nicht als solcher anerkannt wurde. Und in den 50er, 60er Jahren hat man Roma weiterhin stigmatisiert und gesagt, ‚ihr wurdet verfolgt, weil ihr Kriminelle seid‘.

– Mirjam Karoly

Der Musiker und Aktivist Harri Stojka unterstützt die Forderung von Karoly nach einem Mahnmal am Schmerlingplatz. Er findet es respektlos, dass sich die Errichtung des Mahnmals seit Jahren verzögert. Stojka sieht das Mahnmal auch als Appell gegen Diskriminierung und Ausgrenzung in der Gegenwart.

Er appelliert an den Nationalfonds, die Stadt Wien und politisch Verantwortliche, 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs endlich zu handeln und die Umsetzung dieses wichtigen Erinnerungsprojekts nicht weiter hinauszuschieben.

DB gefährdet das Sinti-Denkmal in Berlin

In Deutschland konnten die Sinti-Bürgerrechtsbewegung und der Zentralrat der deutschen Sinti 2012 das Porajmos-Denkmal zwischen dem Reichstagsgebäude und dem Brandenburger Tor einweihen. Es erinnert an die ermordeten Sinti, Roma, Lalleri, Lowara und Manusch, aber auch Jenische und andere Fahrende.

Die Deutsche Bahn will unter dem Sinti-Denkmal eine neue S-Bahn-Strecke bauen. »Unsere Erinnerungen sind keine Baustellen«, kritisiert der Bundes-Roma-Verband. Die DB kündigte nach heftigen Protesten an, das Denkmal größtmöglichst zu schützen. Was das auch immer heißen mag.

Wie würden wohl die Nachfahren der Hitler-Attentäter um Stauffenberg reagieren, wenn unter der »Gedenkstätte deutscher Widerstand« ein S-Bahn-Tunnel gebaut werden würde?

Und Südtirol?

In Südtirol waren die Sinti in der faschistischen Ära von 1922 bis 1943 — weil unerwünschte Fremde oder gefährliche Italiener — der staatlichen Verfolgung ausgesetzt. Mit dem Einmarsch der Wehrmacht 1943 (bis 1945) setzten SS und andere Terrororganisationen des Nazistaates die »Jagd« auf die Sinti fort. Sie wurden vom sogenannten Bozner Durchgangslager aus — wie Juden, italienische Antifaschisten und Kriegsgefangene auch — in die Vernichtungsstätten »verschickt«.

Für die damaligen Opfer gibt es kein Denkmal. Das Siegesdenkmal des faschistischen Regimes hingegen steht immer noch. »Entschärft« per Led-Schrift an einer der Säulen und mit einem Dokumentationszentrum (»Ein Denkmal, eine Stadt, zwei Diktaturen«) in der Krypta des Kolosses.

Cëla enghe:


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Comentârs

2 responses to “Ein Denkmal für Rom:nja.
Österreich/Wien

  1. Martin Piger avatar
    Martin Piger

    Wollte nicht Bozen “la città del ricordo” sein?

  2. Hartmuth Staffler avatar
    Hartmuth Staffler

    Ich habe bei meinen Aufenthalten in den Roma-Vierteln Shutka und Topana in Skopje zu meiner Überraschung festgestellt, dass die dortigen Roma von Südtirol durchwegs eine sehr gute Meinung haben, weil ihre Verwandten dort positive Erfahrungen gemacht haben. Sie waren allerdings von den damaligen Ereignissen in Südtirol nicht betroffen und sind erst später nach Südtirol gekommen. Ganz anders ist in Südtirol die Situation “unserer” einheimischen Sinti. Sie waren vor dem Ersten Weltkrieg in Südtirol verhältnismäßig gut integriert, verdienten sich als Erntehelfer, Handwerker (Kesselflicker, Scherenschleifer) ihren Unterhalt und wurden zwar nicht geachtet, aber respektiert. In einem gesamten Jahrgang der Brixner Tageszeitung “Brixener Chronik” habe ich einen einzigen negativen Artikel über “Zigeuner” finden können, während in jeder dritten Ausgabe ein Hetzartikel gegen Juden zu finden ist. Nach dem Ersten Weltkrieg hat sich die Situation grundsätzlich geändert. Unsere Sinti wurden von den Faschisten diskriminiert und dann von den Nazis brutal verfolgt. Die Folge davon war, dass die Südtiroler Sinti, die bis dahin Deutsch gesprochen hatten, sich dafür entschieden, nur noch Italienisch zu sprechen, was sie bis heute tun.

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