Bild: Frei nach Emil Rau (KI-generiert)
von Werner Pramstrahler
Es ist vollbracht. Mittlerweile »emotionslos« stelle ich fest, dass die emotionale Zugehörigkeit des überwiegenden Teils der »Südtiroler:innen« zum italienischen Staat erfolgreich vollzogen ist.
Ganz selbstverständlich und bewegt wird von rodelnden Olympiamedaillengewinner:innen die antiösterreichische Hymne mitgesungen, der Sieg der Nation gewidmet und dem neuen italienischen — bezeichnenderweise nicht ladinischen — Eiskanal gedankt. Begleitet wird dies von der offiziellen Anerkennung durch »Südtiroler« politische Entscheidungsträger:innen sowie von einer vor nationaler Symbolik triefenden Medienberichterstattung — dies entspricht ganz offensichtlich der Erwartung des überwiegenden Teils der Landsleute.
Marginalisiert sind die rechten wie die linken Widerständler:innen gegen den banalen Nationalismus: die rechten »Gegenbanalnationalist:innen« mit Abgrenzungsschwierigkeiten zu identitärem und ausländerfeindlichem Gedankengut, im besten Fall kaisertreu und gottesfürchtig; die linken — mich inklusive — ohne Organisationsmacht und wohl zu abstrakt.
Niemanden überrascht oder stört es, wenn österreichische und deutsche Medien von Italiener:innen sprechen und schreiben — Italiener:innen nach innen wie nach außen. Setzt sich diese Entwicklung fort — und warum sollte sie das nicht? —, wird »Südtirol« zu jenem Land, das offenbar gewünscht wird: nostalgisch anmutende, an den ehemals tirolerischen Kern erinnernde Architektur und Bräuche sowie italienisches Flair, Lebensart und Küche — bei gleichzeitig angenehmerweise noch vorhandenen Deutschkenntnissen eines Teils der Bevölkerung; des ohnehin polyglotten, hochmobilen Bildungsbürgertums und einiger weniger resilienter Sturköpfe in einigen Tälern.
Bitter.


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