→→ Autorinnen →→ Gastbeiträge →→

Hin hui, drinnen nui und weg pfui.
Ein Olympia-Tag beim Biathlon in Antholz

Autor:a

ai

Ich war am 18. Februar bei der olympischen 4 × 6 km Biathlon-Staffel-Entscheidung der Frauen (Start: 14:45 Uhr) in der Südtirol-Arena in Antholz. Hier ein kurzer Bericht:

(Anmerkung: Allgemeine Kritik bezüglich Kommerzialisierung, Gigantomanie, Massentourismus, Umweltschutz und Nationalismus bei Olympia erspare ich mir in diesem Beitrag. Es geht rein um den Ablauf dieser einen Veranstaltung, die ich besucht habe.)

  • Wir sind mit dem Zug von Franzensfeste aus am Vormittag angereist. Am Bahnhof Olang warteten bereits unzählige Shuttlebusse, die die zahlreichen Besucherinnen im Akkord nach Mittertal brachten. Dort hieß es umsteigen auf einen weiteren Shuttle-Service, der die Fans bis kurz vor das Stadion kutschierte. Auch das verlief extrem effizient und reibungslos. Nach einem kurzen Fußmarsch und einer wiederum zügigen Sicherheitskontrolle gelangte man völlig stressfrei aufs imposante Stadiongelände. Innerhalb verlief ebenfalls alles ungemein effizient und professionell. Man hat gemerkt, dass es die Organisatoren nicht zum ersten Mal mit solchen Menschenmassen (knapp 20.000 Besucher) zu tun hatten (schließlich findet in Antholz jährlich ein von tausenden Fans besuchter Weltcup statt) und die Tatsache, dass die meisten Volunteers auch Weltcup-erprobt waren und nicht von der Stiftung Milano-Cortina 2026 entsendet wurden, dürfte das ihre dazu beigetragen haben, dass alles derart routiniert und entspannt vonstatten ging. Die Anlage selbst ist sehr beeindruckend und in einem Top-Zustand, was sie angesichts der investierten Millionen auch sein sollte.

  • Natürlich habe ich auch ein Auge auf die im Vorfeld viel diskutierte Beschilderung geworfen. Bevor ich ein Olympiaschild zu Gesicht bekam, fiel mir vom Zug aus der große TIROL-Schriftzug der Schützen in einem Feld auf. Bei den Olympiaschildern wurde dort, wo in der Bezeichnung der Sportstätte “Antholz” fehlte mit “Antholz/Anterselva Biathlon Arena” überklebt. Der Großteil der Beschilderung ist dreisprachig (DE, IT, EN). Es gibt jedoch einige Schilder – meist nicht Antholz-spezifisch –, die nur zweisprachig (IT, EN) sind. Insgesamt aber kann man kaum von einer systematischen Marginalisierung der deutschen Sprache sprechen.

  • Dies zeigte auch die Kommunikation innerhalb des Geländes. Die Volunteers kamen zusätzlich zu den “Locals” offenbar von überall her. Es gab Bundesdeutsche, die meist Deutsch und Englisch sprachen wie auch Italienerinnen, die Italienisch und Englisch kommunizierten. Im großen Festzelt spielten gerade “Volxrock” auf, die sowohl bei den Liedtexten als auch bei der Moderation zwischen Hochdeutsch, Dialekt, Italienisch und Englisch wechselten. Das Vorprogramm zum Rennen wurde von zwei Moderatoren und einem DJ gestaltet. Der DJ sprach Deutsch, Italienisch und Englisch, einer der Moderatoren Deutsch und Italienisch und der zweite Deutsch und Englisch. Beim Rennen selbst gesellte sich noch ein italienischsprachiger Moderator dazu. Insgesamt verlief die Kommunikation höchst professionell und durchgehend dreisprachig. Einzig bei der Siegerehrung gab es kein Deutsch, sondern die Medaillengewinnerinnen wurden auf Französisch, Englisch und Italienisch (in dieser Reihenfolge) präsentiert, was wahrscheinlich dem olympischen Protokoll geschuldet ist und nicht dem Umstand, dass die französische Staffel gewonnen hat.
  • Positiv überrascht hat mich auch die Preisgestaltung des Caterings. Nicht nur, dass die bestellten Speisen und Getränke im mit tausenden Menschen gefüllten Verpflegungszelt nahezu zeitgleich mit der Bestellung und Bezahlung serviert wurden, auch die Preise waren alles andere als Abzocke. Acht Euro für eine Bratwurst, zehn Euro für eine große Gulaschsuppe und zwei (!) Euro für einen halben Liter Mineralwasser sind faire Preise für ein Olympiaevent. Das Biathlon-Gaudi-Gelände (bekannt als das “gallische Dorf”) war ebenfalls gut besucht.
  • Einziger Wermutstropfen der ganzen Geschichte war die Abreise. Es ist völlig verständlich, dass wenn fast 20.000 Leute nahezu gleichzeitig ein Tal verlassen möchten, Wartezeiten vorprogrammiert sind. Und obwohl die Schlange vor der ersten Shuttlebus-Station mehrere hunderte Meter lang war, gelangte man verhältnismäßig zügig in einen der Busse nach Mittertal. Von dort allerdings benötigten wir für die 12 km zum Bahnhof Olang eineinviertel Stunden. Die Shuttlebusse steckten nämlich im vom Individualverkehr verursachten Stau fest. Ein No-go in meinen Augen. Ohne jetzt die Verkehrsplanung für das Event im Detail zu kennen, verstehe ich nicht, warum die Anreise mit dem PKW in das Antholzer Tal hinein ermöglicht wurde. Wären die Autos im Pustertal geparkt worden, hätten die Shuttlebusse frei zwischen dem Stadion und dem Bahnhof Olang als Knotenpunkt zirkulieren können und man hätte in der gleichen Zeit viel mehr Menschen befördern können. Zusätzlich hätte man vom Olanger Bahnhof Shuttles nach Innichen und Bruneck führen können, falls die Züge überlastet gewesen wären. Der Halbstundentakt wird wahrscheinlich aufgrund der Eingleisigkeit nicht verkürzt werden können. Und ob evtl. zwei Züge innerhalb eines Taktes unterwegs hätten sein können, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls hätte man aber im Vorfeld einige der vielen in den Straßenausbau investierten Millionen für den Ausbau der Zugstrecke verwenden können, sodass eine kürzere Taktung zur Stoßzeit möglich geworden wäre und man sämtliche Besucher mit Shuttlebussen und Zügen transportieren hätte können.

Cëla enghe: 01 02 03 04 05



Einen Fehler gefunden? Teilen Sie es uns mit. | Hai trovato un errore? Comunicacelo.

Comentârs

3 responses to “Hin hui, drinnen nui und weg pfui.
Ein Olympia-Tag beim Biathlon in Antholz

  1. Hartmuth Staffler avatar
    Hartmuth Staffler

    Als kleine schadenfreudige Genugtuung bleibt die Tatsache, dass die italienischen Übersetzungen auf den Hinweistafeln katastrophal sind. Damit haben wir den Besuchern ein Südtiroler Spezifikum direkt vor Augen geführt. Bei zwei Sprachen ist fast immer eine mangelhaft. Üblicherweise ist es die deutsche Sprache, hier ausnahmsweise einmal die italienische Sprache, und die ladinische Sprache fehlt leider, wie so oft, vollkommen.

    1. Simon avatar

      Ich kann mit derart »schadenfreudiger Genugtuung« nichts anfangen, ich halte sie für kontraproduktiv. Schlechte Übersetzungen sind kein Beitrag zu irgendwas Positivem.

      1. G.P. avatar
        G.P.

        Aber sie sind ein ganz kleines bisschen ausgleichende Gerechtigkeit.

Scrì na resposta

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You are now leaving BBD

BBD provides links to web sites of other organizations in order to provide visitors with certain information. A link does not constitute an endorsement of content, viewpoint, policies, products or services of that web site. Once you link to another web site not maintained by BBD, you are subject to the terms and conditions of that web site, including but not limited to its privacy policy.

You will be redirected to

Click the link above to continue or CANCEL