Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) muss jetzt wieder einmal betteln, damit bei Olympia in Antholz der historisch gewachsene Ortsname und — hoffentlich — auch die Zweisprachigkeit berücksichtigt werden. In Bezug auf die offizielle Website olympics.com hat dies teilweise geklappt.
Dass die Missachtung jedoch System hat, zeigt auch ein Blick zurück auf eine Medienmitteilung des Landes vom 28. September 2024, als in Antholz die Olympischen Ringe enthüllt wurden. Wie die Bilder und das Video im Anhang der Mitteilung dokumentieren, traten damals Arno Kompatscher, Bürgermeister Thomas Schuster (SVP), der Südtiroler NOK-Präsident Alex Tabarelli sowie weitere Verantwortungstägerinnen im Beisein der offiziellen Olympiamaskottchen vor einem Banner auf, das unter dem amtlichen Gemeindewappen von Rasen-Antholz ausschließlich die einsprachige Bezeichnung »Comune di« sowie die im Faschismus oktroyierten Ortsnamen zeigte.
Tweet vom 30. September 2024
Diese auf den ersten Blick vielleicht nebensächlich wirkende Respektlosigkeit war mir damals »nur« einen Tweet wert — wobei die Entstellung eines Hoheitszeichens ja keine Bagatelle ist.
Dass der Landeshauptmann — der zuvor bekanntlich versichert hatte, die Olympischen Spiele würden die Besonderheiten Südtirols und dessen Mehrsprachigkeit sichtbar machen — es ebenso wie die anderen Offiziellen widerspruchslos hingenommen hat, vor diesem Banner aufzutreten, erweist sich im Nachhinein als ein Fehler. Es wäre wohl notwendig gewesen, von Anfang an konsequent auf eine vollständige Einhaltung aller Vereinbarungen zu pochen.
Wenn solche Grenzüberschreitungen stillschweigend akzeptiert werden, normalisiert man sie. Heute befinden wir uns erneut in der allzu vertrauten Situation, in der Südtirol um die Anerkennung seiner eigenen Namen und Sprachen bitten — ja, faktisch betteln — muss.


Scrì na resposta