MediaWorld & Co.

Heute wurde in Bozen der MediaWorld eröffnet. Obschon man sich vordergründig offensichtlich um etwas Zweisprachigkeit bemüht hat, zeigt sich erneut, was die Abwesenheit einer seriösen gesetzlichen Grundlage und einer effizienten Sprachpolitik (wie sie etwa in Katalonien existieren*) bedeutet: Bücher, DVDs, Computertastaturen, Betriebssysteme, Programme aber auch zahlreiche Zusatzinformationen, Handysysteme oder Bedienungsanleitungen sind fast ausschließlich in italienischer Sprache verfügbar. Ich habe mir vor Ort selbst ein Bild von der leider wieder einmal enttäuschenden Situation gemacht.

Mit Südtirol News interessiert sich aber erstmals auch ein größeres Südtiroler Medium für diesen Missstand.

Will man den massiven Einkaufstourismus in die benachbarten deutschsprachigen Regionen (und den damit verbundenen Kaufkraftabfluss) eindämmen, nützen meiner Einschätzung nach immer größere Märkte nichts. Man sollte sich jedoch endlich bewusst werden, dass es für Südtiroler Kunden mitunter ein erhebliches Problem — jedenfalls aber eine Unannehmlichkeit — darstellt, wenn sie kaum Produkte in ihrer Sprache finden und auch nicht auf Deutsch beraten werden. Vielleicht geht den zahlreichen Wirtschaftsexperten und Politikern irgendwann ein Licht auf — seit Jahren fragen sie sich schließlich, warum Südtiroler trotz nur unwesentlich geringerer Preise lieber in Innsbruck als in Bozen und Meran einkaufen.


*) Paradox ist, dass ich bei einem schnellen, nicht repräsentativen Test im Bozner MediaWorld mehr DVDs mit katalanischer, als mit deutscher Sprachoption gefunden habe. Fernwirkung der dortigen, effektiven Sprachpolitik.

5 Pingbacks/Trackbacks

  • steffl

    In einer großen Elektronikkette, die in Südtirol (ca. 70% deutschsprachig) die Tore öffnet gibt es also tendenziell mehr DVDs mit Sprachoption katalanisch als deutsch! Danke für diese Meldung, mehr braucht man eigentlich nicht wissen.
    Nur zeigt dieses Beispiel einmal mehr, was mit uns passiert wäre ohne 100 Millionen deutsche Muttersprachler im Rücken, ohne Schutzmacht Österreich und ohne Südtiroler die alles geopfert haben für unser Land. Man mag es sich gar nicht ausdenken.
    Hut ab vor Spanien mit Katalonien und co. beim Konsumentenschutz.

  • hunter

    ich frag mich, woran das wohl liegt. es handelt sich ja um ein deutsches unternehmen und wenn’s um’s geld verdienen geht, sind die ja normalerweise recht auf der höhe und müssten checken, dass da ein deutschsprachiges kundenpotential von mind. 100.000 menschen in der unmittelbaren umgebung wartet.

    liegt es also an den gesetzlichen und bürokratischen hürden oder ist es doch ein logistikproblem des megaunternehmens?

  • anonym

    Die MediaWorld ist ja auch nur der italienische Ableger der bekannten Deutschen Kette. Wir haben also nicht den guten alten “MediaMarkt wie in Innsbruck” bekommen sondern nur einen weiteren großen ital. Elektroniksupermarkt. Nichts mehr, nichts weniger.
    Man muß nur die Werbung anschauen. Zwar deutsch, aber unten dann: Media World – questa è la risposta (wenn ich mich richtig erinnere).
    Und solang alle wie die Deppen hinrennen und doch kaufen wird sich an der Misere nichts ändern. Weshalb sollte ein Konzern auch einlenken, wenn die Verkaufszahlen stimmen?
    Deswegen: solche Betriebe boykottieren und einfach woanders kaufen oder über Internet bestellen, ist ohnehin günstiger, bequemer und garantiert Deutsch!

  • Beppi

    Ich würde den Kundendienst beackern oder wenn das nichts nützt, mich direkt bei der Zentrale beschweren. Es dürfte im Interesse dieses Konzerns sein, Profit zu machen…mit den gegenwärtigen Verhältnissen sind aber die Schwesterfilialen in Innsbruck oder München bei weitem attraktiver (wie es weiland bei Electronia und jetzt Trony auch der Fall war/ist).

    Noch eine Frage an alle: Wie schaut es denn mit dem italienischen Recht aus – ist es gesetzlich mitunter vorgeschrieben, gewisse Dinge auf italienisch zu vertreiben? Oder kann man auch “deutschsprachige” Produkte erwerben, ohne dass diese von italienisch in irgendeiner Weise flankiert sind.

    Manchmal gibt es ja mehrere Sprachen zur Auswahl (bei Bedienungsanleitungen und, seltener, auch bei DVDs). So wie ich aber die Erfahrung gemacht habe, ist eine Kombination Deutsch UND Italienisch selten anzutreffen: wir sind da einfach zu abhängig von Gegebenheiten auf den größeren Märkten in Deutschland und Italien.

  • niwo

    @hunter

    es handelt sich ja um ein deutsches unternehmen und wenn’s um’s geld verdienen geht, sind die ja normalerweise recht auf der höhe

    Viele deutsche Ketten, wie Lidl oder Schlecker sind dann einfach eine xxitalia und der Vertrieb erfolgt beinahe ausschließlich auf Italienisch. Eine positive Ausnahme, die mir letzthin aufgefallen ist, ist die stark expandierende Kette Jack Wolfskin, die in ihren Katalogen Südtirol-Sensibilität beweist.

  • @Beppi:

    Kundendienst beackern müsste man erfahrungsgemäß in großem Stil, da reicht es nicht, wenn sich ein einziger Kunde beschwert. Außerdem wird man ja nicht mehr damit fertig, wenn man das für sämtliche Ketten/Läden machen möchte. Da braucht es schon ein klares Engagement der öffentlichen Verwaltung, wie eben in Katalonien.

    Das italienische Gesetz schreibt in zahlreichen Detailbereichen die italienische Sprache oder andere für Italien spezifische Angaben vor, was es den Betrieben schwer macht, Produkte einfach aus dem Ausland zu importieren. Es sei denn, ein und dieselbe Version ist bereits ab Werk für Deutschland/Österreich und Italien vorgesehen, doch dann stellt sich das Problem ja ohnehin nicht. Aber das ist doch genau das Problem: Die italienische Sprache ist geschützt und vorgeschrieben; wenn man aber fordert, die deutsche Sprache gleichzustellen (es geht ja nur um die Gleichstellung!), kommt das Argument, man könne den Privaten doch nichts vorschreiben.

    Alles in allem ein deutlicher Beweis, dass die Grenze nach wie vor existiert und sehr konkrete Auswirkungen auf unser tägliches Leben hat.

  • r.

    Ich glaube die mangelnde Zweisprachigkeit liegt vor allem darin, dass die meisten Deutschen und Österreichischen Unternehmen die Filialen in Bozen und Südtirol aufmachen (mit einigen Ausnahmen) eigentlich am italienischen Markt interessiert sind und eben ein Tochterunternehmen aufbauen und erst mal in Südtirol Fuß fassen — aber bald ihren Fokus in die interessanteren Märkte wie Veneto, Lombardei oder eben pauschal dem sog. “ricco Nordest” verlagern.

    Man sollte auch nicht aus den Augen verlieren, dass viele “importierte” Betriebe bzw deren Filialen für Südtirol eigentlich überdimensioniert sind (ich denke da an das Cineplexx in Bozen zB), und ganz offenkundig den italienischen Markt anpeilen und in erster Linien von einem gewissen Landes-Keyenesianismus nutznießen, mit hohen Umsatz-Zahlen beeindrucken aber dann unter dem Strich nicht viel Gewinn abwerfen 😉

  • ¥AN

    Das kann ja stimmen (obwohl es im Fall von Mediamarkt falsch ist, weil sich die Kette nicht erst von Südtirol nach Italien ausbreiten will), aber das muss man trotzdem problematisieren und bekämpfen. Bekämpfen, dass wir als Versuchskaninchen für Italien herhalten sollen und als Südtiroler Verbraucher nicht ernst genommen werden. Das kann erst durch die Unfähigkeit der Südtiroler Politik passieren.

  • Beppi

    pérvasion, danke für die informative Antwort. Wenn das so ist, dann geht wohl kein Weg daran vorbei, als beim Landesluis persönlich vorstellig zu werden.

    P.S.: Dieses Thema wäre natürlich ein gefundenes Fressen für die deutschen Oppositionsparteien; ich bezweifle aber, dass dies den von uns gewünschten Effekt zeitigen wird. Eher werden die ernstgemeinten Kritikpunkte u. Vorschläge in einem Meer an Populismus untergehen – und die SVP-Mandatare höchstwahrscheinlich bei der Abstimmung über einen eventuellen Beschlussantrag zurückgepfiffen werden.

  • Das wäre nach meinem Dafürhalten eine klassische Aufgabe einer Regierungspartei.

  • Specht

    Ich war gestern “endlich” auch dort und kann alle Kritikpunkte bestätigen. Ich habe mir auch den “Spaß” gemacht, die “offiziellen” Sprachkenntnisse der Angestellten zu beobachten: Auf den Namensschildern, die jeder Kundenberater trägt, sind mit einem Fähnchen (italienisch, deutsch, britisch) die Sprachen ersichtlich gemacht, die der jeweilige Angestellte spricht. Das Ergebnis: 8 Mal DE-IT, 10 Mal nur IT (!), 4 Mal DE-IT-EN, dann habe ich das Spiel aufgegeben. Zusammenfassung: 22 Mal IT – 12 Mal DE – 4 Mal EN. So offen hat noch nie eine Kette zugegeben, dass nur ca. die Hälfte der Angestellten nicht deutsch können, wobei ich denke, dass diese Werte für eine internationale Kette sowieso schon überdurchschnittlich gut sind: Bei Trony wurde ich noch nie auf Deutsch bedient.

  • Zum Vergleich: In der Schweiz gibt es 19 Mediamärkte, davon befindet sich genau einer im italienischen Kanton Tessin. Trotzdem ist die gesamte Homepage von MediaMarkt Schweiz (http://www.mediamarkt.ch) ohne Abstriche auch auf Italienisch verfügbar.

    Auf http://www.mediaworld.it wurde hingegen nur eine kleine Unterseite (http://bozen.mediaworld.it) für die Bozner Filiale zweisprachig gestaltet — die übrigens nicht über die Hauptseite erreichbar ist. Will man auf den Onlineverkauf oder irgendeinen anderen Service zugreifen, muss man die Seite in deutscher Sprache verlassen. Telefonhotlines gibt es freilich ebenfalls nur auf Italienisch.

  • Stefan

    Wir sind in Italien, so ist es normal das fast alles in italienisch ist! In Bozen sind fast alle Geschäfte in italienisch, (im Elektrobereich Trony, MW, Euronics 2x in Bozen, Blockbuster und Expert, sowie ähnliche Geschäfte.

    Ich arbeite in diesen Sektor und kann euch genau sagen das fast keine Angestellte gut deutsch können! Ich selber bin von deutscher Muttersprache und spreche NIE deutsch, auf der Arbeit sowie in der Freizeit, nur mit den Eltern. Das gleiche ist auch bei alle deutschsprachigen Personen die in Bozen aufgewachsen sind.

  • Prax

    Ich selber bin von deutscher Muttersprache

    Ja und ich bin der Nikolaus.

  • Sabine

    Wir sind in Italien

    Durch diese Einstellung scheitert jede Art des Zusammenlebens, denn wenn ich dies schon höre kriege ich Abneigungen die ich sonst gegenüber einer Person nicht habe.
    Wir leben in Südtirol, es wäre schön wenn sich das endlich auch in italienischen Kreisen herumsprechen würde!

  • Es geht nicht darum, ob wir in »Südtirol« oder in »Italien« sind. Ob es dir/uns gefällt oder nicht, Südtirol ist zurzeit Teil dieses Staates.

    Vielmehr geht es darum, ob Nationalisten mit dieser Aussage ihren nationalistischen Forderungen Nachdruck und Legitimität verleihen wollen. Das nämlich ist inakzeptabel — denn Südtirol kann als dreisprachiges Land nicht auf nationalstaatliche Maßstäbe heruntergestutzt werden. Wer dies dennoch tut, leugnet gleichsam unsere mehrsprachige Realität und spricht sich implizit für die Assimilierung aus. Das ist der Grund, warum das »siamo in Italia« zurückzuweisen ist.

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