Koalition der Freiwilligen.

Die Initiatorinnen vierer unterschiedlicher Kampagnen zur Erlangung eigener Websuffixe — für die Bretagne, Galicien, das Baskenland und Wales — treffen sich im September in Santiago de Compostela. In der galicischen Hauptstadt soll erörtert werden, inwiefern die Promotorinnen ihre Kräfte bündeln können. Angeregt wurden sie durch den durchschlagenden Erfolg der Endung ».cat« für Katalonien, dem ersten Suffix eines noch nicht souveränen Gebiets. Seit Einführung der neuen Endung wurde ein sprunghafter Anstieg katalanischer Seiten im Internet um satte 33% ermittelt — mit 22.000 neuen ».cat«-Adressen. Der Kopf hinter der einst als chancenlos bezeichneten ».cat«-Kampagne, Amadeu Abril, unterstützt nun mit all seinen Kräften (und seiner Erfahrung) die ähnlichen Forderungen anderer Länder.

Die Kampagnen in der Bretagne, Galicien und Wales haben bereits beachtenswerte Erfolge verzeichnet, nicht nur, weil die Unterstützung durch die Zivilbevölkerung z. T. enorm ist, sondern auch, weil sie es geschafft haben, ihre Initiativen von der Parteipolitik fernzuhalten und sie inklusivistisch zu gestalten. Alle drei haben es geschafft, Kontroversen zu vermeiden, wie sie oft entstehen, wenn Länder ohne offizielle Anerkennung neue Formen der Unabhängigkeit anstreben.

So wurden für die bretonische ».bzh«-Kampagne rund 15.000 Unterschriften gesammelt. Unerwartet hat Nicolas Sarkozy anschließend verkündet, er werde die Forderung mittragen. In Galicien hat sogar die spanische konservative Volkspartei (Partido Popular) ihre Unterstützung für ».gal« angekündigt. Obschon die Kampagnen privat initiiert wurden, sind sie wohl aussichtslos, wenn sie nicht die Unterstützung der jeweiligen Regierung bekommen.

In Wales stimmen alle in der Nationalversammlung vertretenen Parteien der neuen Endung (».cym«) zu; das Handels- und Industriedepartement in London sieht »keinen Grund, das Ansuchen zu beargwöhnen«, solange die Unterbindung von sogenanntem »Cybersquatting« (missbräuchliche, aber nicht illegale Benutzung bekannter Markennamen) gewährleistet ist.

In Wales wurde die gälische Landessprache vor nunmehr 30 Jahren anerkannt, doch die englische Sprache wird nach wie vor als die Sprache der neuen Medien betrachtet — genauso wie früher für Bildung, Rundfunk und Politik. Das neue Suffix soll laut »Welsh Software Association« u.a. dazu beitragen, dass sich Menschen von ».cym«-Seiten automatisch auch gälische Inhalte erwarten.

Quelle: Eurolang, Huw Jones.

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Da im Internet unterschiedliche Realitäten nebeneinander bestehen können, sind die neuen Endungen ein zusätzlicher kleiner Beitrag zum »Border Blurring« und zur Dekonstruktion herkömmlicher Nationalgebilde. Staaten und Regionen mit Anspruch auf Eigenregierung werden — gleichzeitig — auf einer Ebene gehandelt, ohne dass dies zu einer Inkompatibilität führt.

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